Matterhorn–Gotthard-Bahn

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Matterhorn–Gotthard-Bahn
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Basisinformationen
Unternehmenssitz Brig
Webpräsenz http://www.matterhorngotthardbahn.ch/
Eigentümer BVZ Holding
Bund
Kantone
Mitarbeiter 505 Vollzeitbeschäftigte (Stand 2012)
Linien
Spurweite 1 000 mm
Eisenbahn ZermattVisp (–Brig)
Visp – Brig – AndermattGöschenen
Andermatt – Disentis
Glacier-Express Zermatt – Disentis (–St. Moritz RhB)
Bus St.NiklausGrächen
FieschErnenBinn
Anzahl Fahrzeuge
Lokomotiven 22
Triebwagen 23
Sonstige Fahrzeuge 28 Steuerwagen
30 Autotransportwagen
121 Personenwagen
106 Güterwagen
Statistik
Fahrgäste 6,19 Mio (Stand 2010)
Haltestellen 44
Länge Liniennetz
Eisenbahnlinien 144 kmdep1

Die Matterhorn–Gotthard-Bahn (MGB), Eigenbezeichnung Matterhorn Gotthard Bahn, ist eine Schmalspurbahn in der Schweiz mit einer Spurweite von 1'000 mm. Sie besitzt ein Streckennetz von rund 144 km Länge in den Kantonen Wallis, Uri und Graubünden, auf dem Regionalverkehr und auf Teilstrecken Güterverkehr sowie Autoverlad angeboten werden. Das bekannteste Zugsangebot der Bahn ist der Glacier-Express, den sie gemeinsam mit der Rhätischen Bahn betreibt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Bahn entstand im Frühsommer 2003 durch die Vereinigung von Brig–Visp–Zermatt-Bahn (BVZ) und der Furka–Oberalp-Bahn (FO) per 1. Januar 2003. Bereits im September 2002 fassten die Generalversammlungen einen entsprechenden Grundsatzbeschluss. Am 23. Januar 2003 gaben die Verwaltungsräte den neuen Namen bekannt.

Am 23. Juli 2010 entgleiste kurz vor Fiesch ein Glacier-Express. Weil der Lokomotivführer in der Kurvenausfahrt den Zug zu früh beschleunigte, kippte der letzte Wagen in der Kurve nach aussen. Dabei riss er auch die beiden vorlaufenden Wagen aus den Schienen. Eine japanische Touristin kam dabei ums Leben, 42 Personen wurden verletzt.

Hauptartikel: Eisenbahnunfall von Fiesch

Unternehmensaufbau[Bearbeiten]

Die Matterhorn–Gotthard-Bahn besteht aus drei Gesellschaften: Die Matterhorn Gotthard Verkehrs AG (MGB) ist durch Umbenennung der BVZ entstanden, die Matterhorn Gotthard Infrastruktur AG (MGI) ist die frühere FO und eine neue Aktiengesellschaft Matterhorn Gotthard Bahn (MGM) funktioniert als Managementdach. Die MGB hat den Verkehrsbereich der FO übernommen und dafür die BVZ-Infrastruktur an die MGI abgetreten. Die MGB ist in Mehrheitsbesitz der BVZ Holding AG (die ihrerseits Eigentümerin der Gornergrat Bahn AG (GGB) ist), die MGI-Aktien gehören der Eidgenossenschaft und den Kantonen, die MGM wird paritätisch von BVZ Holding und öffentlicher Hand gehalten.


 
 
 
 
BVZ Holding AG
 
 
 
 
 
Öffentliche Hand
CH, VS, UR, GR
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
BVZ Asset Management AG
 
Gornergratbahn AG (GGB)
 
Matterhorn Gotthard Bahn AG (MGB)
 
AG Matterhorn Gotthard Bahn (MGM)
Managementgesellschaft, führt rot hinterlegte Firmen
 
Matterhorn Terminal Täsch AG
 
Matterhorn Gotthard Infrastruktur AG (MGI)
 


Beteiligung BVZ Asset Management GGB MGB AG Matterhorn Gotthard Bahn Matterhorn Terminal Täsch MGI
BVZ Holding AG 100 % 100 % 75 % 50 % 34 %
Öffentliche Hand 22 % 50 % 99 %
Private 3 % 1 %
Aktienkapital 10 Mio. Fr. 8 Mio. Fr. 15 Mio. Fr. 250'000 Fr. 10,5 Mio. Fr. 11,46 Mio. Fr.

Schienennetz[Bearbeiten]

MGB Bahnnetz.png

Das 144 km lange Schienennetz erstreckt sich von Disentis in Graubünden über den Oberalppass nach Andermatt im Kanton Uri (mit einer Stichlinie hinunter nach Göschenen, die ursprünglich eigenständige Schöllenenbahn), über Realp, durch den Furka-Basistunnel nach Oberwald im Wallis (Streckenverlauf siehe: Furka–Oberalp-Bahn), Brig und Visp bis hinauf nach Zermatt unterhalb des Matterhorns (Streckenverlauf siehe: Brig–Visp–Zermatt-Bahn).

In Disentis besteht Anschluss an die Rhätische Bahn, mit der die MGB gemeinsam den Glacier-Express zwischen Zermatt und den Bündner Destinationen St. Moritz, Davos und Chur betreibt.

Zwischen Realp und Oberwald besteht noch die ehemalige Furka-Bergstrecke, welche auf einer Scheitelhöhe von 2162 m den Furkapass mit einem 1874 m langen Scheiteltunnel unterquert (zum Vergleich: Scheitelhöhe des Basistunnels 1564 m ü.M.). Von der Furka-Bergstrecke aus sieht man den Rhone-Gletscher. Diese landschaftlich sehr reizvolle Strecke wird heute von der DFB-Dampfbahn-Furka-Bergstrecke befahren.

2007 wurde die neue Ostausfahrt im Bahnhof Brig in Betrieb genommen. Dadurch wurde der ehemalige Kopfbahnhof der Matterhorn–Gotthard-Bahn in einen Durchgangsbahnhof umgebaut. Gleichzeitig wurde die alte 3.2 km lange Strecke mit 20 Bahnübergängen durch die Gemeinde Naters aufgehoben.[1]

Zahnstangenabschnitte[Bearbeiten]

Die Bahn ist eine gemischte Zahnrad- und Adhäsionsbahn. Auf 13 Zahnstangenabschnitten mit einer Gesamtlänge von 28,8 km (rund 20 % des Gesamtnetzes) ist dabei eine Zahnstange des Systems Abt mit zwei Lamellen installiert. Dort werden Steigungen von bis zu 9 % (dem Rotten entlang zwischen Betten Talstation und Fürgangen-Bellwald Talstation), 11 % (über den Oberalppass zwischen Disentis und Andermatt), 12,5 % (auf der Strecke zwischen Visp und Zermatt) und 17,9 % (auf der Strecke von Andermatt hinab nach Göschenen) überwunden.[2] Die restlichen knapp 116 Streckenkilometer (rund 80 % des Gesamtnetzes) werden im Adhäsionsbetrieb ohne Zahnstange befahren und weisen geringere Steigungen (bis 4 %) auf.

Nr. Abschnitt eröffnet
durch
Länge
nach[3]
Länge
heute
Neigung
nach[4]
Steigungs-
richtung
Bemerkung
1 Diesentis–Segnas FO 1735 m 1797 m 70‰ / ursprüngliche Neigung 90‰, Neubau Disentiser-Tunnel 1996–1999
2 Dieni–Tschamutt–Oberalppass FO 6118 m 6488 m 110‰ /
3 Oberalpsee–Nätschen FO 2879 m 2879 m 65‰ \
4 Nätschen–Andermatt FO 4193 m 4173 m 110‰ \
5 Göschenen–Andermatt SchB 2529 m 2560 m 181‰ /
6 Realp–Tiefenbach FO 2609 m - 110‰ / 1981 eingestellt, heute DFB
7 Tiefenbach–Furka FO 2982 m - 110‰ / 1981 eingestellt, heute DFB
8 Muttbach-Belvedère–Gletsch FO 3459 m - 110‰ \ 1981 eingestellt, heute DFB
9 Gletsch–Oberwald BFD 4440 m - 110‰ \ 1981 eingestellt, heute DFB
10 Fürgangen-Bellwald–Fiesch BFD 1498 m 1486 m 90‰ \
11 Lax–Grengiols BFD 2052 m 2025 m 90‰ \
12 Grengiols–Betten Talstation BFD 1240 m 1240 m 67‰ \
13 Ackersand–Stalden/Saas–Mühlebach VZ 2064 m 125‰ /
14 Kalpetran−Kipferwald–St. Niklaus VZ 2459 m 126‰ /
15 St. Niklaus–Mattsand VZ 693 m 104‰ /
16 Herbriggen–Randa VZ 2897 m 120‰ /\ mit Gegengefälle (Umgehungsstrecke Bergsturz Randa 1991)
17 Täschsand–Kalter Boden VZ 942 m 124‰ /

Stromversorgung[Bearbeiten]

Die MGB nutzt zum Antrieb ihrer elektrisch betriebenen Fahrzeuge Einphasenwechselstrom mit einer Spannung von 11 kV und einer Frequenz von 16,7 Hz, der wie üblich über Fahrleitungen zugeführt wird. Die MGB und die in Disentis an das MGB-Schienennetz anschliessende Rhätische Bahn verwenden damit dasselbe Stromsystem. Die Frequenz entspricht derjenigen der SBB, während die Spannung um 4 kV niedriger liegt.

Die Energie wird, anders als bei der Rhätischen Bahn, von den SBB bezogen, die in der Schweiz ein eigenes Hochspannungsnetz für 16,7-Hz-Bahnstrom mit den Netzspannungen 132 und 66 kV betreibt.[5] Die Transformation auf die Fahrspannung von 11 kV erfolgt in Unterwerken in Herbriggen, Massaboden und Andermatt. Zusätzlich ist (etwa bei einer vorübergehenden Abschaltung des Werks in Andermatt) eine Notspeisung in Göschenen möglich. Die Unterwerke in Herbriggen und Massaboden versorgen den Westteil des Streckennetzes bis Oberwald, das Unterwerk Andermatt den Teil östlich von Oberwald.[6]

Betrieb[Bearbeiten]

Die MGB betreibt folgende Zugsangebote:

  • Regionalzüge ZermattVisp, teilweise bis/ab Fiesch
  • Shuttle-Züge für Gepäck-Trolley Täsch–Zermatt
  • Regionalzüge Visp–AndermattGöschenen und Verdichtungen auf Teilstrecken
  • Regionalzüge AndermattDisentis
  • Sportzüge (Wintersaison) Sedrun–Dieni und Andermatt–Nätschen
  • Autozüge Oberwald–Realp (Furkatunnel) und im Winter Andermatt–Sedrun
  • Glacier-Express zusammen mit der RhB.

Güterverkehr findet nur noch zwischen Visp und Zermatt in grösserem Umfang statt (2012: 42'200 t). Bis 2012 sorgte überdies die Versorgung der NEAT-Baustelle in Sedrun für intensiven Verkehr ab Disentis (2012: 32'900 t, 2011: 73'200 t)[7].

Beim Zugunglück von Fiesch entgleiste am 23. Juli 2010 ein Glacier-Express bei Fiesch.

Triebfahrzeuge[Bearbeiten]

Wegen der über das gesamte Streckennetz verteilten Zahnstangenabschnitte verfügen fast alle Streckentriebfahrzeuge[8] neben dem Adhäsionsantrieb auch über einen Zahnradantrieb. Die einzige Ausnahme sind die beiden Ge 4/4, die für die Beförderung von Autozügen durch den im Adhäsionsbetrieb befahrbaren Furka-Basistunnel beschafft wurden. Alle fahrplanmässigen Zugsleistungen werden mit elektrischen Triebfahrzeugen erbracht.

Demgegenüber ist bei den Rangierlokomotiven und Rangiertraktoren kein Zahnradantrieb erforderlich. Diese Fahrzeuge werden oder wurden in den Bahnhöfen Zermatt, Visp, Brig (einschliesslich Werkstätte Glisergrund und Ölumlad Gamsen), Andermatt und Sedrun eingesetzt. Mit Ausnahme des Te 4926 (1946), der bis 2007 in Brig rangierte, sind alle Rangierloks mit Dieselantrieb ausgerüstet. Für den Verschub innerhalb der Werkstätte besitzt die MGB ausserdem einen Akkumulatorentraktor.

Für den Streckenunterhalt, die Schneeräumung und als fahrdrahtunabhängige Betriebsreserve besitzt die MGB zwei Diesellokomotiven des Typs HGm 4/4 von 1968 sowie zwei moderne HGm 2/2 (2002, 2011). Weiter sind zwei dieselhydraulische Fahrleitungsdraisinen mit Zahnrad- und Adhäsionsantrieb vorhanden.

Bilder[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eingestellte Bahnen in der Schweiz
  2. Siehe zum Beispiel  Hans Schweers, Henning Wall, Manfred Wessels, Thomas Würdig: Eisenbahnatlas Schweiz. Schweers + Wall GmbH, 2012, ISBN 978-3-89494-130-7, S. 34, 35, 45, 46, 56.
  3. Werner Heuberger, Hansrudolf Schwabe, Rudolf Werder: FO Brig–Furka–Disentis. Pharos-Verlag Hansrudolf Schwabe AG, Basel 1981, ISBN 3-7230-0312-5, Seite 44
  4. Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz/Réseau ferré suisse – Bahnprofil Schweiz CH+/Le rail suisse en profil CH+. AS Verlag, Zürich 2010, ISBN 978-3-909111-74-9
  5. Zur Versorgung durch die SBB siehe zum Beispiel Strategischer Ausbau der Strom-Übertragungsnetze bis 2015 notwendig. Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK, 20. März 2007, S. 20, abgerufen am 10. April 2013 (pdf, deutsch): „Mit Ausnahme der Rhätischen Bahn, die ihr eigenes 66 kV Hochspannungsnetz (16.7 Hz) betreibt und zurzeit von der Rätia Energie versorgt wird, werden alle übrigen 16.7 Hz-Wechselstrom-Bahnen durch die SBB versorgt.“.
  6. Die Unterwerke und Trennung des Netzes in West- und Ostteil sind in der Karte in  Heinz Voegeli: Unkonventionelle Verbesserung der Bahnstromversorgung Visp – Zermatt der Matterhorn Gotthard Bahn. In: eb – elektrische bahnen. Nr. 04-05, 2011, ISSN 0013-5437, S. 184. dargestellt.
  7. Geschäftsbericht 2012 der BVZ-Holding AG
  8. vergleiche die Erläuterungen im Artikel Triebfahrzeug

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Schulijk: Fusion und neue Pläne. BVZ Zermattbahn / Furka-Oberalp-Bahn. In: LOK MAGAZIN. Nr. 259/Jahrgang 42/2003. GeraNova Zeitschriftenverlag GmbH München, ISSN 0458-1822, S. 24.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Matterhorn–Gotthard-Bahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien