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Matthes & Seitz Berlin

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Der Verlag Matthes & Seitz Berlin ist ein seit 2004 bestehender deutscher Verlag.

Der Verlagssitz in Berlin

2004 gründete Andreas Rötzer, der beim Verlag Matthes & Seitz in München als Buchhalter beschäftigt gewesen war, den Verlag in Berlin. Nach der Insolvenz des 1977 vom Verleger Axel Matthes und vom Grafiker Claus Seitz gegründeten Verlags entschied sich Rötzer mit einer Beteiligung von Ursula Haeusgen, der Betreiberin des Münchener Lyrik-Kabinetts, zur Gründung einer neuen GmbH, die Logo, Buchlager und Rechte unter dem abgewandelten Namen Matthes & Seitz Berlin fortführt. Der Verlagssitz befand sich ursprünglich im Erdgeschoss der Göhrener Straße 7 in Berlin, Prenzlauer Berg;[1][2] seit 2022 befindet er sich in der Großbeerenstraße 57 a im Berliner Stadtteil Kreuzberg[3].

Das Verlagslogo seit 1977: Petroglyphe aus Gran Canaria

Seit 2016 gehört der Verlag Friedenauer Presse zum Verlagshaus. Seit dem Januar 2021 ist der Berliner August Verlag ein Imprint von Matthes & Seitz,[4] seit 2022 auch der Rohstoff Verlag.[5]

Das Programm aus dem „Niemandsland zwischen Wissenschaft und Kunst“ (so der Untertitel des Jahrbuchs Der Pfahl) wurde bestimmt durch heute noch lieferbare Werke der überwiegend französischen Autoren. Neben Antonin Artaud,[6] Georges Bataille,[7] Jean Baudrillard[8] und Jean Giono[9] finden sich aber auch Botho Strauß,[10] Oswald Wiener[11] oder Hans Jürgen von der Wense[12].

Seit seiner Neugründung in Berlin wurde der Verlag mehrfach ausgezeichnet. Er erweiterte sein Programm auf jährlich rund 100 Neuerscheinungen. Wichtige Reihen des Programms sind: Naturkunden,[13] Fröhliche Wissenschaft,[14] Batterien,[15] Französische Bibliothek,[16] punctum[17] sowie die Asiathek.[18]

Klassiker in Neuübersetzungen (Honoré de Balzac, Benjamin Constant, Michael Leiris u. a.) bestimmen das literarische Programm ebenso wie mit vielen Preisen ausgezeichnete Gegenwartsautoren aus Deutschland wie Frank Witzel, der 2015 für seinen Roman Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969 den Deutschen Buchpreis erhielt, Joshua Groß, Esther Kinsky, Philipp Schönthaler, Stefan Schütz, Matthias Senkel, Anna Weidenholzer oder Levin Westermann. Französische Gegenwartsautoren wie Emmanuel Carrère, Céline Minard, Éric Vuillard (Prix Goncourt 2017), Mathieu Riboulet bilden neben der russischen Literatur (u. a. Alexander Ilitschewski, Alexander Goldstein, Olga Slawnikowa) einen weiteren Schwerpunkt im literarischen Programm des Verlags. Hinzu kommen mehrbändige Werkausgaben von Autoren wie Gerhard Rühm, Warlam Schalamow, Jules Barbey d’Aurevilly, Jean-Henri Fabre[19] und Henry David Thoreau.

Im umfangreichen geisteswissenschaftlichen Sachbuchprogramm mit den Schwerpunkten Philosophie, politische Theorie, Kunst- und Kulturwissenschaften erscheinen u. a. Jürgen Goldstein, der 2016 mit seinem Buch über Georg Forster den Leipziger Buchpreis gewann, Rebecca Solnit, Heike Behrend, Patrick Eiden-Offe, Fethi Benslama, Timothy Morton, Andreas Malm, Yuk Hui und Franco „Bifo“ Berardi.

Französische Bibliothek

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Die Reihe veröffentlicht Klassiker der französischen Literatur in deutscher Übersetzung, darunter einige Werke, die noch nie zuvor auf Deutsch erschienen waren.

Fröhliche Wissenschaft

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Die Essay-Reihe „Fröhliche Wissenschaft“ erscheint seit 2007 und zählt inzwischen mehr als 150 Bände mit Texten u. a. von Byung-Chul Han, Peter Trawny, Marcus Steinweg, Hannah Arendt, Albrecht Koschorke, Roberto Simanowski, Judith Shklar, Alexander Pschera, Jean-Francois Billeter, Andreas Gehrlach, Luise Meier und Sophie Wahnich. Die Essays sind historische wie gegenwärtige Beiträge zu aktuellen politischen, philosophischen und gesellschaftlichen Debatten.

2013 erschienen die ersten Bände der von Judith Schalansky herausgegebenen Reihe „Naturkunden“:[13] aufwendig gestaltete Bücher, die eine leidenschaftliche Erkundung der Natur vornehmen und damit den inhaltlichen Programmschwerpunkt Natur, Bewegung im Raum und Ökologie prominent markieren. Das Ziel dieser Reihe ist es, eine neue Geschichte der Natur zu schreiben und dabei die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse einzubeziehen. „Es handele sich um die Idee für die Natur eine neue, ästhetische Sprache zu finden.“[20]

In der Reihe Klassiker des Nature Writing erschienen überwiegend aus dem englischsprachigen Raum (J. A. Baker, Robert Macfarlane, Nan Shepherd, Aldo Leopold u. v. a.) und Sachbücher ebenso wie Bildbände (Korbinian Aigner, Jean-Henri Fabre).

Ein weiterer Schwerpunkt der Reihe sind „Portraits“ von Tier-, Pflanzen- und Pilzarten, die „von sachkundigen Liebhabern oder ausgewiesenen Experten“ verfasst wurden.[21] Das erste Portrait war Krähen von Cord Riechelmann.

Die wichtigen Bücher des Programms erscheinen seit 2019 in günstigen Taschenbuchausgaben. Die Reihe „Paperback“ soll nach Angaben des Verlags bedeutende und relevante Texte für ein großes Publikum zugänglich machen.[22]

  • 2008: Kurt Wolff Preis der gleichnamigen Leipziger Stiftung für die Vielfalt klassischer und moderner Titel
  • 2010: Prix de l’Académie de Berlin zum Engagement des Verlags für die französische Literatur – gemeinsam mit dem Pariser Verlag L’Arche Éditeur[23]
  • 2012: Karl-Heinz Zillmer-Verlegerpreis für Andreas Rötzer[24]
  • 2017: „Verleger des Jahres“ von der Fachzeitschrift Buchmarkt für Andreas Rötzer[25]
  • 2019: Deutscher Verlagspreis
  • 2020: Deutscher Verlagspreis als „herausragender Verlag“[26]
  • 2022: Deutscher Verlagspreis (undotiertes Gütesiegel)

Deutscher Preis für Nature Writing

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Seit 2017 vergab der Verlag gemeinsam mit dem Bundesamt für Naturschutz, dem Bundesumweltamt und der Stiftung Nantesbuch den Deutschen Preis für Nature Writing, um ein neues deutschsprachiges literarisch-essayistisches Schreiben über Natur anzuregen.[27][28]

Einzelnachweise

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  1. Kontakt. In: Matthes & Seitz Berlin. Abgerufen am 28. Juli 2020.
  2. Geschichte. In: Matthes & Seitz Berlin. Abgerufen am 28. Juli 2020.
  3. Matthes & Seitz Berlin zieht nach Kreuzberg. In: Börsenblatt. 7. November 2022, abgerufen am 21. November 2025.
  4. August Verlag | Imprint von Matthes & Seitz Berlin. In: Matthes & Seitz Berlin. Abgerufen am 25. Oktober 2021.
  5. Wiebke Porombka: Rohstoff - Neuer Imprint beim Verlag Matthes Seitz - Andreas Rötzer im Gespr. In: Deutschlandfunk. 2. Dezember 2022, abgerufen am 27. Februar 2023.
  6. Antonin Artaud. In: Matthes & Seitz Berlin. Abgerufen am 28. Juli 2020.
  7. Georges Bataille. In: Matthes & Seitz Berlin. Abgerufen am 28. Juli 2020.
  8. Jean Baudrillard. In: Matthes & Seitz Berlin. Abgerufen am 28. Juli 2020.
  9. Jean Giono. In: Matthes & Seitz Berlin. Abgerufen am 28. Juli 2020.
  10. Botho Strauß. In: Matthes & Seitz Berlin. Abgerufen am 28. Juli 2020.
  11. Oswald Wiener. In: Matthes & Seitz Berlin. Abgerufen am 28. Juli 2020.
  12. Jürgen von der Wense. In: Matthes & Seitz Berlin. Abgerufen am 28. Juli 2020.
  13. 1 2 Naturkunden. In: Matthes & Seitz Berlin. Abgerufen am 28. Juli 2020.
  14. Fröhliche Wissenschaft. In: Matthes & Seitz Berlin. Abgerufen am 28. Juli 2020.
  15. Batterien. In: Matthes & Seitz Berlin. Abgerufen am 3. April 2026.
  16. Französische Bibliothek. In: Matthes & Seitz Berlin. Abgerufen am 3. April 2026.
  17. punctum. In: Matthes & Seitz Berlin. Abgerufen am 3. April 2026.
  18. Asiathek. In: Matthes & Seitz Berlin. Abgerufen am 3. April 2026.
  19. Jean-Henri Fabre. In: Matthes & Seitz Berlin. Abgerufen am 28. Juli 2020.
  20. Florian Felix Weyh: Buchreihe: "Naturkunden" - Was am Piepmatz politisch ist. In: Deutschlandfunk Kultur. 18. März 2017, abgerufen am 3. April 2026.
  21. Evelyne Polt-Heinzl: Fliegende Blumen & wahre Monster - Archiv. In: Wiener Zeitung. 9. Juli 2016, abgerufen am 3. April 2026.
  22. Zweiter Frühling für die Backlist. Matthes & Seitz kündigt Paperback-Reihe an. In: Börsenblatt. 23. Mai 2018, abgerufen am 3. April 2026.
  23. Preisträger. In: Académie de Berlin. Abgerufen am 3. April 2026.
  24. Auszeichnungen / Andreas Rötzer erhält K.-H. Zillmer-Verlegerpreis. In: Börsenblatt. 6. Juli 2015, abgerufen am 7. Dezember 2016.
  25. Andreas Rötzer ist Verleger des Jahres 2017, buchmarkt.de, 28. November 2017, abgerufen am 29. November 2017
  26. Die Preisträger 2019/20 - Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien. In: Deutscher Verlagspreis. Abgerufen am 3. April 2026.
  27. Deutscher Preis für Nature Writing. Bewerbungen bis 31. Mai noch möglich. In: Börsenblatt. 14. April 2020, abgerufen am 28. Juli 2020.
  28. Deutscher Preis für Nature Writing - Preise & Stipendien. In: Literatur Port. Abgerufen am 3. April 2026.