Matthias Gallas

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Matthias Gallas

Matthias Gallas (ital. Matteo Gallasso), ab 1632 Graf von Gallas zum Schloß Campo und Freyenthurn (auf Martarella) (* 17. Oktober 1588 [ältere Quellen nennen fälschlicherweise den 16. September 1584][1] in Trient, Italien; † 25. April 1647 in Wien) war im Dreißigjährigen Krieg als kaiserlicher Generalleutnant und Feldzeugmeister zunächst unter Oberbefehl von Wallenstein, dann unter Erzherzog Ferdinand und dessen Bruder Leopold an vielen großen Schlachten des Krieges beteiligt. Einige Erfolge aber auch viele schwere Niederlagen, die ihm den Beinamen Heerverderber einbrachten, werden ihm zugerechnet. Gemeinsam mit den Generälen Aldringen und Piccolomini war er an der Plünderung des Herzogspalastes in Mantua und an der mit Mord endenden Verschwörung gegen Wallenstein beteiligt.

Abstammung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Matthias Gallas stammte aus einem Geschlecht des Tridentinischen Uradels, das mit Odalricus de Campo und seinem Sohn Fridericus am 22. Juli 1163 urkundlich zuerst erwähnt wird und im 15. Jahrhundert den Vornamen Gallasio de Castel Campo in der Namensform „di Gallasso“ als Familiennamen übernahm.[2]

Im 15. und 16 Jahrhundert zählten die Gallasso de Castel Campo zum niederen Lehnsadels Judikariens, der Tallandschaft nordwestlich des Gardasees. Seine Familie hatte von den Fürstbischöfen von Trient das Schlösschen Campo zu Lehen. Matthias' Vater, Pancrazio di Gallasso zu Schloss Campo auf Martarella starb nach 35-jährigem Kriegsdienst am 22. Juli 1612, nach anderer Quelle 1611, im Rang eines kaiserlichen Generalfeldwachtmeisters in Tirol und war mit Annunziata Marcanti di Gandina, Tochter des Octavio Marcanti di Gandina und der Euphemia von Taxis[3] verehelicht.

Militärische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Matthias Gallas, zeitgenössisches Porträt (Heeresgeschichtliches Museum Wien)

Erste Schritte und böhmischer Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über Matthias Gallas, geboren im Palazzo Galasso in Trient,[4] und über dessen Jugend und den frühen militärischen Werdegang ist – wie bei fast allen militärischen Führern zweiten Ranges dieser Zeit – nur wenig Verlässliches bekannt. Seinen ersten Feldzug absolvierte er mit dem spanischen Heer in Flandern und kämpfte dann 1616 und 1617 in Savoyen. Als 1618 der Dreißigjährige Krieg in Böhmen begann, war Gallas als Hauptmann und Commandant der Festung Riva am nördlichen Gardasee stationiert, der österreichischen Flankenschutzfestung für Trient an der Grenze zu Italien. Dort wurde ihm am 30. März 1618 der 4 Jahre jüngere Hauptmann Aldringen zugeordnet und damit begann für beide eine bis zum Tod von Aldringen im Juli 1634 andauernde Zweckgemeinschaft. Beide stellten sich sofort für den in Böhmen geplanten Feldzug gegen die protestantischen Aufständischen zur Verfügung. Gallas wählte den Dienst im Heer der deutschen Katholischen Liga und wurde Oberst eines Fußregiments.

Die ersten Auszeichnungen erwarb sich Gallas im August 1623 in der Schlacht bei Stadtlohn, nahe der niederländischen Grenze, wo das weit überlegene Liga-Heer unter Tilly das auf der Flucht befindliche Heer des protestantischen Feldherren Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel fast vollständig vernichtete. Auch bei der Belagerung und Einnahme der unter dem Einfluss des Königs Christian IV. von Dänemark stehenden, stark befestigten, wohlhabenden Handelsstadt Krempe in Holstein, durch ein Heer unter Befehl von Wallenstein im November 1628, erwarb sich Gallas Anerkennung. Zum Anfang des Jahres 1629 vertauschte Gallas unter Vermittlung von Aldringen seinen Dienst im bayerischen Ligaheer mit dem Dienst im kaiserlichen Heer unter Wallenstein, wo auch Aldringen tätig war. Der Wechsel war mit einer Beförderung zum General-Wachtmeister verbunden und löste bei seinem bisherigen Dienstherren, dem Kurfürsten Maximilian von Bayern wegen ungebührlichen Verhaltens Ärger aus.

Italienfeldzug nach Mantua[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 1629 versuchte Wallenstein vergeblich, Kaiser Ferdinand II. von einer Beteiligung am Erbfolgekrieg in Mantua abzuhalten. Wallenstein befürchtete eine Schwächung der kaiserlichen Truppen im Reich, ein Eingreifen der Schweden mit Gefährdung seines neuen Herzogtums Mecklenburg und eine offene Konfrontation mit dem potentiellen Feind Frankreich. Der Wille des Kaisers aber war nicht zu brechen, denn wegen seiner Ehe mit Eleonore von Mantua machte er sich Hoffnungen auf die Erbschaft Mantuas. Am Ende musste Wallenstein der Entsendung von Truppen nach Oberitalien zustimmen und unter dem Kommando von Gallas und Aldringen, beide als Generalfeldwachtmeister wurden zwei Truppenkorps nach Italien zum dortigen Oberbefehlshaber Feldmarschall Collalto in Marsch gesetzt. Bei ihnen war auch Piccolomini, der Kommandeur von Wallensteins Leibgarde. Auf dem Weg nach Oberitalien heirateten Gallas und Aldringen auf Schloss Arco am Gardasee die Schwestern Isabella und Livia aus dem Adelsgeschlecht der Grafen Arco. Als in Italien angekommen dort Collato erkrankte, übernahmen die drei entsandten kaiserlichen Offiziere das Kommando und im Juli 1630 wurde Mantua erobert. Die Stadt und der Herzogspalast wurden tagelang schwer geplündert, wobei sich Gallas, Aldringen und Piccolomini an den Schätzen des Palastes maßlos bereicherten. Sie ließen Juwelen, Gemälde, Statuen, Prunkmöbel, Tapisserien, goldene Service und Silberzeug mit mehreren Wagenladungen in die Heimat abtransportieren.Dort wurde zur gleichen Zeit im Dezember 1630 Wallenstein als Oberbefehlshaber des kaiserlichen Heeres abberufen[5]

Schwedischer Krieg bis Ende 1632[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Frieden von Cherasco im Juni 1631 war der Erbfolgekrieg um Mantua so spät beendet worden, dass Gallas und Aldringen mit ihren Truppen, so wie es Wallenstein befürchtet hatte, nicht mehr rechtzeitig aus Italien zurückkamen, um den Vormarsch der schwedischen Truppen unter König Gustav Adolf nach dessen Landung in Pommern im Juli 1630 verhindern zu können. Sie kamen auch zu spät, um die schwere Niederlage der kaiserlichen Truppen unter Tilly in der Schlacht bei Breitenfeld am 17. Sept 1631 zu verhindern. Aldringen kam noch bis in die Nähe von Leipzig und konnte sein Corps im Thüringer Wald verbergen.[6] Gallas, der nach seiner Rückkehr zum Reichsgrafen erhoben worden war, dirigierte sein Corps nach Eger und übernahm noch im gleichen Jahr als Feldzeugmeister das Kommando über einen Teil des von den Schweden geschlagenen kaiserlichen Heeres zum Schutz von Böhmen

Wegen der bedrohlichen militärischen Lage bat Kaiser Ferdinand II. im Dezember 1631 den vor einem Jahr entlassenen Wallenstein, ein neues Heer aufzustellen und das Kommando als Oberbefehlshaber zunächst befristet und nach der Vereinbarung von Göllersdorf im April 1632 unbefristet erneut zu übernehmen. Wallenstein erhielt erweiterte Vollmachten und berief Gallas und auch Aldringen zu Feldzeugmeistern mit der Absicht Gallas später als Generalleutnant zu seinem Stellvertreter zu ernennen. Offenbar hielt Wallenstein Gallas trotz bekannter Schwächen für den Fähigsten und (oder) für den, der ihm am meisten ergeben war.[7] Wallenstein ließ Gallas große Freiheiten bei der militärischen Unterstützung von Tilly, der sich nach der Niederlage bei Breitenfeld mit dem bayerischen Ligaheer auf dem Rückzug nach Süden befand. Trotz der Bitten des bayerischen Kurfürsten Maximilian Bayern zu schützen, verblieb Gallas mit dem kaiserlichen Restheer in Böhmen, weil er die Schweden, die bereits triumphal in Nürnberg eingezogen waren nach wie vor für zu stark hielt. Auch Wallenstein hielt Bayern bereits für verloren.[8] Gallas befolgte die Defensivstrategie von Wallenstein und wurde zum Mitspieler. Die Strategie hatte zum Ziel, Böhmen durch die Stationierung des Heeres zu sichern und dadurch Sachsen und mit dem neu aufgestellten Heer auch Nürnberg, die beiden Verbündeten der Schweden, zu binden und zu bedrohen. Die Schweden, die nach der gewonnenen Schlacht bei Rain am Lech im April 1632 bis nach München vorgestoßen waren und dabei Bayern verwüstet hatten, sollten auf diese Weise veranlasst werden, Bayern wieder zu verlassen. Die Strategie ging auf. Im Sommer 1632 kam es bei Nürnberg zum Zusammentreffen der Heere von Gustav Adolf und Wallenstein im Heerlager bei Nürnberg und im September zur abschließenden Schlacht an der Alten Veste. Das schwedische Heer wurde zum Rückzug gezwungen und das kaiserliche Heer zog ab, um Winterquartiere in Sachsen zu beziehen.[9]

Mit einem Teilheer von 12.000 Mann als Vorhut bekam Gallas die Aufgaben, in Meißen die Elbefront als den Weg nach Böhmen zu sichern, in Sachsen Quartiere zu machen und anschließend unterstützt von Holk Böhmen von den Sachsen frei zu halten. Nach dem Abzug von Gallas entschlossen sich die zunächst nach Westen abgezogenen Schweden den kaiserlichen Truppen in Eilmärschen nach Sachsen zu folgen. Im November 1632 kam es zur Schlacht bei Lützen, an der Gallas nicht teilnahm und in der Gustav Adolf ums Leben kam.[10] Nach der Schlacht verließ das kaiserliche Heer zusammen mit dem Gallas-Teilheer Sachsen und zog nach Böhmen. In Prag musste Gallas auf Anweisung von Wallenstein mit Hilfe der hohen Offiziere Holk und Ilow 12 während der Schlacht bei Lützen fahnenflüchtig gewordene Offiziere in Haft nehmen. Sie wurden in einem Prozess mit u. a. Colloredo und Piccolomini als Richtern zum Tode verurteilt (Prager Blutgericht). Die Richter und auch viele Offiziere bemühten sich eindringlich, bei Wallenstein Gnadenerlasse zu erwirken. Wallenstein jedoch blieb unerbittlich. Das blieb vielen in Erinnerung und wurde in der nachfolgenden Verschwörung gegen Wallenstein von seinen Gegnern im Offizierskorps genutzt, um Widerstand gegen ihn zu organisieren.[11]

Das Jahr der Verschwörung gegen Wallenstein 1633[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der ersten Jahreshälfte 1633 lag das Hauptheer von Wallenstein inaktiv in Böhmen, was zur Belastung der eigenen Bevölkerung führte und am kaiserlichen Hof in Wien den Unmut gegen Wallenstein förderte. Auch die Regimenter des zum Generalleutnant ernannten Gallas lagen inaktiv in Schlesien nicht weit entfernt von der gegnerischen, sächsischen Armee unter dem kursächsischen Oberbefehlshaber Arnim und dem neu bestellten, agilen kursächsischen Feldmarschall Franz Albrecht von Sachsen-Lauenburg. Als ehemaliger Teilnehmer am Mantua-Feldzug kannte Franz Albrecht Gallas und hatte auch zu Wallenstein während seiner früheren Dienstzeit eine so besondere Beziehung entwickelt,[12] dass er im Laufe des Jahres 1633 mit Einverständnis des zögernden Arnims Waffenstillstandsverhandlungen mit Gallas und Wallenstein aufnahm, die teils zu Trinkgelagen entarteten.[13] Die getroffenen Vereinbarungen waren nicht dauerhaft und erweckten am kaiserlichen Hof Misstrauen, zumal Wallenstein auch weitere, dem kaiserlichen Hof verdächtige Kontakte mit ehemaligen böhmischen Aufständischen und dem für Sachsen tätigen protestantischen Diplomaten Kinsky pflegte. Auch der sächsische Feldherr Arnim blieb misstrauisch, weil Wallenstein neben den Verhandlungen Sachsen gleichzeitig durch einen militärischen Vorstoß, durchgeführt von Heinrich von Holk, militärische bedrohte.

Die Vorstellungen von einem Waffenstillstand zerstoben endgültig, als am 11. Oktober 1633 Wallenstein und Gallas in einer Blitzoffensive in Schlesien Steinau an der Oder eroberten. Dort wurde der schwedischen Kommandeur Thurn zunächst gefangen genommen, dann aber wieder frei gelassen, nachdem er alle schlesischen Festungen übergeben hatte. Am kaiserlichen Hof war man über die Freilassung des ehemaligen Anführers des böhmischen Aufstandes gegen Kaiser Ferdinand II empört, was Wallenstein erneut und verstärkt in Misskredit brachte.[14] Unbehelligt von Gallas und Wallenstein fielen die Schweden im Laufe der zweiten Jahreshälfte 1633 in Bayern ein und eroberten im November 1633 unter Befehl von Bernhard von Sachsen-Weimar das bayerisch besetzte Regensburg. Trotz aller Proteste von Maximilian hatte Wallenstein seine Truppen weiterhin in Böhmen und Schlesien zurück gehalten, weil sich in seiner Sicht die Bedrohung von Böhmen nach der von kaiserlichen Truppen im Juli 1633 verlorenen Schlacht bei Hessisch Oldendorf stark erhöht hatte. Wallenstein hatte die Donauenge bei Passau durch ein Heer unter Aldringen sichern lassen und sah damit Österreich als geschützt und seine Aufgabe als erfüllt an. Die Verteidigung Bayerns blieb dem Heer von Aldringen überlassen.

Über alle Vorgänge in Böhmen und im Heer von Wallenstein wurde der kaiserlichen Hof in Wien durch Briefe von Gallas und Octavio Piccolomini, die auch mit Aldringen korrespondierten, informiert. Zum Ende des Jahres 1633 hatte sich der Unmut gegen Wallenstein so verfestigt, dass der Kaiser den Beschluss fasste, sich Wallensteins irgendwie zu entledigen, wenn man sich der Kaisertreue des Heeres sicher sein konnte. Dazu war der Kaiser auf die Einschätzung und Mitwirkung von Gallas, Piccolomini und Aldringen angewiesen und überließ ihnen die Ausführung seiner Entscheidung. Sie waren zur Mitwirkung bereit und erhofften sich nach dem Fall von Wallenstein Vergünstigungen.[15]

Eine gute Gelegenheit zur offenen Verkündung des kaiserlichen Misstrauens bot sich dem Kaiser nach dem Bekanntwerden des Pilsener Revers, eines Treueversprechens, das Wallenstein am 12. Januar 1634 in Pilsen von 49 seiner hohen Offizieren einforderte und auch erhielt, ohne dass dabei auch dem Kaiser Treue gelobt wurde. Diese Aktion von Wallenstein, an der sich Gallas und Piccolomini nicht beteiligten, konnte der Kaiser als Verrat interpretieren und er erließ am 24. Januar 1634 ein Dekret zur Entlassung von Wallenstein und forderte Gallas auf, sich mit Piccolomini zu beraten, wie man Wallenstein tot oder lebendig ergreifen könne. Die kaiserliche Anweisung führte zu der von Gallas und Piccolomini geschickt vorbereiteten und am 18. Februar in Prag verkündeten Entlassung von Wallenstein, verbunden mit der Anweisung an alle Offiziere, zukünftig nur noch Befehlen von Gallas zu folgen. [16][17] Am 20. Februar 1634 kam es zu noch einem Versuch von Wallenstein, sich der Treue der Offiziere zu versichern. Piccolomini hatte Pilsen bereits am 15. Februar heimlich verlassen, Gallas war ihm gefolgt, um Aldringen zu holen, kam aber selbst nicht mehr zurück. Als nur noch weniger als 30 Offiziere die von Wallenstein erbetene Unterschrift leisteten, entschlossen sich die verbliebenen, Wallenstein ergebenen Feldmarschälle Trčka und Ilow und der für Wallensteins als diplomatischer Emissär tätige Schwager Kinsky zur gemeinsamen Flucht nach Eger. Dort kam es am 25. Februar 1634 zur Ermordung von Wallenstein organisiert von Gallas und Piccolomini im Auftrag des Kaisers und ausgeführt von den kaiserlichen Offizieren Leslie, Butler und Gordon. Alle Beteiligten an der Verschwörung und auch die Mörder wurden reich belohnt. Von allen Beteiligten erhielt Gallas den größten Anteil. Ihm wurde aus dem Besitz von Wallenstein die Herrschaften Friedland (nördliches Böhmen, im Isergebirgsvorland) und Reichenberg (Größte Stadt Nordböhmens) übereignet, im Wert von 500.000 Gulden. [18]

Schwedischer Krieg 1634 bis Ende 1635[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Ermordung von Wallenstein erhielt der älteste Sohn des Kaisers, Erzherzog Ferdinand, König von Ungarn im April 1634 im Alter von 26 Jahren den Oberbefehl über die Truppen des kaiserlichen Heeres. Der bayerische Kurfürst Maximilian I. stimmte der Ernennung seines Neffen, der seit 1631 mit Maria Anna von Spanien verheiratet war, zu. Der neue Oberbefehlshaber Erzherzog Ferdinand hatte mit seinem in der Kriegskunst gut ausgebildeten Cousin, dem spanischen Kardinalinfanten Ferdinand von Spanien militärische Pläne zur Vereinigung ihrer Heere am Oberrhein verabredet, die nun verwirklicht werden sollten.[19] Im Range des Generalleutnants wurde ihm Gallas als Verbindungsmann zu den Offizieren des Heeres zur Seite gestellt. Piccolomini wurde Stellvertreter von Gallas und Organisator beim Aufbau des Heeres. Beide waren in der Zeit des Übergangs nach der Krise eine gute und erfolgreiche Paarung. Gallas war trotz bekannter Schwächen jovial und umgänglich, freundlich und beliebt bei den Offizieren. Piccolomini besaß Tatkraft und Organisationstalent, hatte sich große militärische Verdienste erworben und war durchsetzungsstark.[20]

Am 17. Mai 1634 wurde das neu aufgestellte kaiserliche Heer in Pilsen vom neuen Oberbefehlshaber Erzherzog Ferdinand und dem Generalleutnant Gallas gemustert. Das Heer umfasste 40.000 Mann, von denen 15.000 Mann unter Feldmarschall Colloredo in Schlesien verbleiben sollten und 25.000 Mann mit für den Feldzug nach Württemberg vorgesehen waren. Auf dem Anmarschweg sollte mit Hilfe von 20 schweren Belagerungsgeschützen das seit November 1633 von Schweden besetzte Regensburg zurück erobert werden. Gallas befehligte die Vorhut, die am 26.  Mai nördlich von Regensburg am Nordufer der Donau auf das bayerische Ligaheer mit 8.000 Mann unter Aldringen traf. Nach 2 Monaten Belagerung gelang den beiden vereinten Heeren Ende Juli 1634 die Rückeroberung von Regensburg. Die von Gallas der Stadt angebotene Kapitulation wurde am 26. Juli vom schwedischen Kommandeur Lars Kagg angenommen. Ein schwedisches Heer unter den Kommandeuren Bernhard von Sachsen-Weimar und Gustav Horn, das die Rückeroberung von Regensburg verhindern sollte, war vom 22. bis zum 30. Juli mit der Eroberung und Plünderung der benachbarten Stadt Landshut beschäftigt. Zu spät erfuhren die Kommandeure, dass in dieser Zeit Regensburg bereits kapituliert hatte. Gallas und seine Kommandeure hatten für eine perfekte Abriegelung von Regensburg gesorgt, eine komplette Nachrichtensperre erreicht und auf diese Weise ihren ersten großen militärischen Erfolg erzielt.

Der sofortige Weitermarsch der siegreichen kaiserlich-bayerischen Truppen führte nach Franken und dann nach Württemberg, wo die Vereinigung mit dem im Anmarsch befindlichen spanischen Heer unter Führung des spanischen Kardinalinfanten erfolgen sollte. Die dadurch ebenfalls zum Abzug gezwungenen schwedischen Heere verloren auf dem Rückmarsch durch Regenwetter viel Zeit und viele Pferde und hatten hohe Verluste. Erschöpft erreichte sie am 6. Augsburg und konnten den Verlust der schwedischen Garnisonsstadt Donauwörth am 16. August nicht verhindern.[21]

Am 18. August begann das kaiserlich-bayerische Heer unter Befehl von Gallas die Belagerung der zwei Tage zuvor schwedisch besetzten Stadt Nördlingen und wurde dabei nur sporadisch von schwedischen Einheiten gestört. Am 3. September traf das erwartete spanische Heer ein. Mehrere von Gallas Anfang September angeordnete Sturmangriffe auf Nördlingen konnten noch abgewehrt werden, bevor die Heere beider Seiten damit begannen, Positionen für die absehbare Schlacht bei Nördlingen einzunehmen. In guter Zusammenarbeit mit spanischen Truppen gelang es Gallas am 5. September, die frühen und überraschend erfolgreichen Kavallerieangriffe des schwedischen Teilheeres unter Bernhard von Sachsen-Weimar so einzudämmen, dass trotz der Verluste einiger wichtiger Stellungen beim Abbruch der Kämpfe um Mitternacht der strategisch wichtige Albuch-Hügel von kaiserlich-spanischen Truppen gehalten und in der Nacht mit Schanzen ausgebaut werden konnte. In einer nächtlichen Krisensitzung der obersten kaiserlichen und spanischen Kommandeure in der Kutsche von Erzherzog Ferdinand ordnete man auf Anraten von Gallas Maßnahmen an, die – wie sich am nächsten Tag zeigte – geeignet waren, den Albuch-Hügel wirksam zu verteidigen.

Am zweiten Tag der Schlacht befehligte Gallas gemeinsam mit zwei spanischen Generälen die kaiserliche Reiterei. Mit gutem Überblick sorgte er für die passende Aufstellung und Verfügbarkeit der Reserven für den stundenlang umkämpften Albuch-Hügel sowie für die Eingrenzung der wilden Reiterangriffe initiiert von Bernhard von Sachsen-Weimar. In der Schlussphase der Schlacht, als der Rückzug der erschöpften schwedischen Truppen unter Horn vom Albuchhügel begann, nutzten kaiserlich-spanische Regimenter unter Gallas die kritische Situation der abziehenden schwedischen Regimenter zur Einleitung eines Hauptangriffs, der dann zum totalen Zusammenbruch der abziehende schwedischen Truppen führte.[22] In den Monaten nach der totalen Niederlage der Schweden kam das südwestliche Deutschland und der Rhein wieder unter den Einfluss des Kaisers und seiner Verwandten im spanischen Königshaus. Für das Heer des spanischen Kardinalinfanten Ferdinand bot sich ein Weg in die Spanischen Niederlande an. Diese strategischen Veränderungen hatten den Eintritt von Frankreich in den Krieg zur Folge, das sich nun nicht mehr auf nur finanzielle Unterstützung der Schweden beschränken konnte.

Schwedisch-französischer Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Prager Frieden führte Gallas 20.000 Mann nach Lothringen, die aber dort durch Seuchen und mangelnde Verpflegung untergingen. Am 17. Juli 1635 versuchte Gallas vergeblich die westpfälzische Stadt Zweibrücken, die vom weimaranischen Obristen Reinhold von Rosen verteidigt wurde, zu erobern. Ein neuerlicher Angriff im Oktober des gleichen Jahres gelang dagegen. Die Stadt wurde diesmal von französischen Truppen verteidigt. Gegen die Zusicherung eines freien Abzuges überließen diese dann die Stadt der Plünderung durch die katholisch-kaiserlichen Truppen. 1637 kämpfte er erfolgreich gegen Banér und Wrangel in Pommern, besetzte Usedom und Wolgast, musste sich aber 1638 mit seinem fast aufgeriebenen Heer nach Böhmen zurückziehen. Das Kommando wurde ihm genommen, er wurde mit dem Beinamen „Heerverderber“ bezeichnet.

1643 befehligte er wieder gegen Torstensson, musste sich aber nach großen Verlusten elbaufwärts zurückziehen und wurde südlich von Magdeburg bei Aschersleben eingeschlossen. Er rettete sich mit nur schwachen Kräften des Heers nach Böhmen, worauf er den Oberbefehl an Hatzfeldt übergeben musste. Noch einmal übernahm er 1645 den Oberbefehl über die bei Jankau geschlagenen kaiserlichen Truppen, übergab ihn jedoch wegen seiner Kränklichkeit Anfang 1647 in die Hände Holzapfels.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er war Gutsherr auf Friedland, Reichenberg, Smirschitz und Horzeniowes. Am 10. März 1632 wurde er in den Reichsgrafenstand erhoben. Im Jahr 1635 wurde er zum „Herzog von Lucera“ (Apulien) und „Grande von Spanien“ ernannt.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gallas war zweimal verheiratet. Er heiratete 1630 Isabella von Arco (1608–1632 die Tochter des Grafen Sigismund von Arco). Sie starb kinderlos. Ihre Schwester Livia war mit dem General Johann von Aldringen verheiratet.

Dann mit Dorothea Anna Gräfin von Lodron († 23. Mai 1666 in Mährisch Kromau), der Tochter des Philipp Jakob Graf von Lodron und der Victoria Gräfin von Collalto und San Salvatore. Das Paar hatte folgende Kinder:[23]

  • Franz Ferdinand (1635–1697), Herzog von Lucera, kaiserlicher Generalmajor ∞ Gräfin Johanna Emerentia Gaschin von Rosenberg(1646–1735)
  • Anton Pankraz (* 1638; † 1699), Kaiserlicher Oberst, Kommandeur des Dragoner-Regiments Gallas
  • Ignatz Felix (* 1643; † Jung)
  • Maria Viktoria (* 1640; † 30. April 1687)[24] ∞ Graf Johann Wilhelm Kolowrat-Krakovský (* 1638; † 7. Mai 1690), Kanzler[25]
  • Theresia Anunciata ∞ Graf N.N. von Nachodt

Die Witwe heiratet nach dem Tod ihres Mannes Ferdinand Johann von Liechtenstein (1622–1666) den Sohn von Gundaker von Liechtenstein.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die kaiserliche Entschließung von Franz Joseph I. vom 28. Februar 1863 wurde Matthias Gallas in die Liste der „berühmtesten, zur immer währenden Nacheiferung würdiger Kriegsfürsten und Feldherren Österreichs“ aufgenommen, zu deren Ehren und Andenken auch eine lebensgroße Statue in der Feldherrenhalle des damals neu errichteten k.k. Hofwaffenmuseums (heute: Heeresgeschichtliches Museum Wien) errichtet wurde. Die Statue wurde 1867 vom Bildhauer Thomas Seidan (1830–1890) aus Carrara-Marmor geschaffen, gewidmet wurde sie von Kaiser Franz Joseph selbst.[26]

Der Dramaturg Ludwig Stark erwähnte Matthias Gallas in seinem 1897 uraufgeführten Historischen Festspiel, das die gewaltlose Übergabe der Reichsstadt Dinkelsbühl an die Schweden am 11. Mai 1632 thematisierte. Von Gallas erwarteten Bürgermeister und Ratsherren, so heißt es dort, „Daß der uns seine näher'n Kräfte leihe.“ Weil diese Erwartung enttäuscht wurde, steht der Vorwurf im Raum, dass Gallas als kaiserlicher Generalleutnant der Reichsstadt Dinkelsbühl nicht zu Hilfe gekommen wäre. Bei der Dinkelsbühler Kinderzeche wird das Festspiel bis heute jährlich aufgeführt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Robert Rebitsch: Matthias Gallas und die Liquidierung Albrechts von Wallenstein. In: Innsbrucker Historische Studien. Ausgabe 23/24 (2004), S. 336.
  2. siehe: Roman von Procházka: Genealogisches Handbuch erloschener böhmischer Herrenstandsfamilien. Neustadt an der Aisch 1973, ISBN 3-7686-5002-2, S. 94: Gallas (aus dem Hause Castel Campo)
  3. siehe bei: Thurn und Taxis
  4. siehe: Die Wappen des böhmischen Adels. (= J. Siebmachers großes Wappenbuch, Band 30). Neustadt an der Aisch 1979, ISBN 3-87947-030-8, S. 116 bei Clam-Gallas und Clam-Martinic
  5. Golo Mann: Wallenstein. S. Fischer Verlag GmbH Lizenzausgabe Deutscher Bücherbund, Frankfurt Main 1971, S. 655.
  6. C. V. Wedgewood: Der 30jährige Krieg. Cormoran Verlag GmbH Lizenzausgabe 1999, Paul List Verlag, München 1967, S. 258.
  7. Golo Mann: Wallenstein. S. Fischer Verlag GmbH Lizenzausgabe Deutscher Bücherbund, Frankfurt Main 1971, S. 794.
  8. Golo Mann: Wallenstein. S. Fischer Verlag GmbH Lizenzausgabe Deutscher Bücherbund, Frankfurt Main 1971, S. 822 f.
  9. Golo Mann: Wallenstein. S. Fischer Verlag GmbH Lizenzausgabe Deutscher Bücherbund, Frankfurt Main 1971, S. 841 f.
  10. Golo Mann: Wallenstein. S. Fischer Verlag GmbH Lizenzausgabe Deutscher Bücherbund, Frankfurt Main 1971, S. 863, 871, 882.
  11. Golo Mann: Wallenstein. S. Fischer Verlag GmbH Lizenzausgabe Deutscher Bücherbund, Frankfurt Main 1971, S. 902 ff.
  12. Golo Mann: Wallenstein. S. Fischer Verlag GmbH Lizenzausgabe Deutscher Bücherbund, Frankfurt Main 1971, S. 1033.
  13. Golo Mann: Wallenstein. S. Fischer Verlag GmbH Lizenzausgabe Deutscher Bücherbund, Frankfurt Main 1971, S. 945, 946–950.
  14. C. V. Wedgewood: Der 30jährige Krieg. Cormoran Verlag GmbH Lizenzausgabe 1999, Paul List Verlag, München 1967, S. 305–307.
  15. Golo Mann: Wallenstein. S. Fischer Verlag GmbH Lizenzausgabe Deutscher Bücherbund, Frankfurt Main 1971, S. 1121 ff.
  16. C. V. Wedgewood: Der 30jährige Krieg. Cormoran Verlag GmbH Lizenzausgabe 1999, Paul List Verlag, München 1967, S. 309–311.
  17. Golo Mann: Wallenstein. S. Fischer Verlag GmbH Lizenzausgabe Deutscher Bücherbund, Frankfurt Main 1971, S. 1021–1026.
  18. Golo Mann: Wallenstein. S. Fischer Verlag GmbH Lizenzausgabe Deutscher Bücherbund, Frankfurt Main 1971, S. 1157.
  19. C. V. Wedgewood: Der 30jährige Krieg. Cormoran Verlag GmbH Lizenzausgabe 1999, Paul List Verlag, München 1967, S. 301.
  20. C. V. Wedgewood: Der 30jährige Krieg. Cormoran Verlag GmbH Lizenzausgabe 1999, Paul List Verlag, München 1967, S. 316.
  21. Peter Engerisser, Pavel Hrnčiřík: Nördlingen 1634. Die Schlacht bei Nördlingen – Wendepunkt des Dreißigjährigen Krieges. Verlag Späthling, Weißenstadt 2009, ISBN 978-3-926621-78-8, S. 77–84.
  22. Peter Engerisser, Pavel Hrnčiřík: Nördlingen 1634. Die Schlacht bei Nördlingen – Wendepunkt des Dreißigjährigen Krieges. Verlag Späthling, Weißenstadt 2009, ISBN 978-3-926621-78-8, S. 95–136.
  23. Joseph Bergmann: Medaillen auf berühmte und ausgezeichnete Männer. Band 2, S. 313f, (Digitalisat)
  24. Maria Viktoria
  25. Jan Václav Kolovrat Stammbaum
  26. Johann Christoph Allmayer-Beck: Das Heeresgeschichtliche Museum Wien. Das Museum und seine Repräsentationsräume. Kiesel Verlag, Salzburg 1981, ISBN 3-7023-0113-5, S. 32.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Matthias Gallas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien