Matthias Willenbacher

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Matthias Willenbacher (* 14. Juli 1969 auf dem Schneebergerhof, Gemeinde Gerbach) ist ein deutscher Unternehmer und Pionier auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien. Willenbacher gründete 1996 zusammen mit Fred Jung die Firma juwi. Er war seit der Gründung bis zum 31. März 2015 Vorstand der juwi.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Willenbacher studierte Physik und gründete 1996 juwi. Zusammen mit seinem Partner wurde Willenbacher 2009 vom Wirtschaftsmagazin Capital als Greentech-Manager des Jahres ausgezeichnet.[2] Die Beratungsgesellschaft Ernst & Young verlieh ihm den Titel Entrepreneur des Jahres 2009.[3]

Willenbacher ist einer der vorgestellten Protagonisten in dem Film Die 4. Revolution – Energy Autonomy (2010) und mit seiner Firma einer der Hauptfinanziers dieses Filmes.

Willenbacher und Jung gründeten im Jahr 2008 die 100 prozent erneuerbar stiftung. Die Stifter wollen mit der gemeinnützigen Stiftung einen Beitrag zum Umweltschutz durch eine Förderung der Nutzung erneuerbarer Energien leisten.

Im Juni 2013 erschien sein Buch Mein unmoralisches Angebot an die Kanzlerin, in dem er Angela Merkel anbietet, seine Unternehmensanteile an die 500 Bürgerenergiegenossenschaften Deutschlands zu verschenken, wenn die Bundeskanzlerin bis 2020 eine 100-prozentige, dezentrale Energiewende durchsetzt. In dem Buch skizziert Willenbacher einen relativ detaillierten Masterplan, wie Deutschland zu 100 % mit Strom aus erneuerbaren Quellen versorgt werden könne. Kernpunkte sind eine Erhöhung der Volllaststunden von Wind- und Solarenergieanlagen sowie ein Mix der Energiequellen aus 60 % Windkraft, 25 % Solarenergie, 5 % Wasserkraft und 10 % aus Blockheizkraftwerken, die aus nachhaltigen Quellen betrieben werden sollen.

Im selben Jahr verlor juwi fast ein Drittel seines Umsatzes und machte 53 Millionen Euro Verlust. Die Eigenkapitalquote sank auf fünf Prozent, so dass Willenbachers Buch und vorgeschlagenes Energieprojekt in den Hintergrund rückten. Auch im folgenden Jahr 2014 konnte juwi keine Verbesserung erreichen und meldet weitere 112 Millionen Euro Verlust. Das Unternehmen stand vor dem Aus, die Eigenkapitalquote sank auf 2,7 Prozent. Weil juwi dringend Geld brauchte, suchte das Unternehmen auf Druck der Banken einen Investor, der frisches Eigenkapital in den verschuldeten Konzern einbringen konnte. Willenbacher und sein Kompagnon Fred Jung mussten sich darauf einstellen, einen großen Teil ihrer Anteile zu verlieren. Im Oktober 2014 folgte die Übernahme des Unternehmens durch den Mannheimer Stadtwerkskonzern MVV Energie. Zum 1. April 2015 schied Willenbacher aus dem juwi-Vorstand aus und verließ das Unternehmen, während Fred Jung 2016 in den Aufsichtsrat von juwi einzog.[4][5][6][7]

2016 musste sich Willenbacher vor dem Landgericht Meiningen in einem Korruptionsprozess verantworten. Ihm wurde vorgeworfen, dem früheren Thüringer Innenminister Christian Köckert einen verbotenen Vorteil gewährt hat zu haben. Im Kern ging es um einen Beratervertrag aus dem Jahr 2010 über die Betreuung verschiedener relevanter politischer Entscheidungsträger, den Willenbacher als damaliger Vorstand der juwi mit dem Politiker abgeschlossen hatte. Obwohl Willenbacher freigesprochen wurde, entstand eine – wie das Handelsblatt schrieb – "skurrile Situation", denn Köckert war im Jahr 2014 wegen Vorteilsannahme und Bestechlichkeit zu einem Jahr und drei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der Düsseldorfer Strafrechtler Heiko Ahlbrecht bezeichnete es als eher ungewöhnlich, dass Vorteilsnehmer verurteilt werden, die beschuldigten Vorteilsgeber aber freigesprochen werden. Auch die Jura-Professorin Elisa Hoven stufte ein solches Ergebnis als ungewöhnlich ein.[8][9]

Für seine Beteiligungsgesellschaft Wi Venture sucht Willenbacher seit Juli 2020 weitere Geldgeber. Bislang hält der die Gesellschaft Beteiligungen an rund 20 Start-ups, unter anderem an Frischepost, Tomorrow und Sono Motors. Bis Ende 2021 sollen etwa 15 Start-ups hinzukommen. Dabei will Willenbacher rund fünf Millionen Euro einsammeln. Eine ähnliche Summe habe er bereits als Co-Investment vom europäischen Investitionsfonds EIF erhalten wobei er keine Angaben zum Erfolg und Kapitalrückflüssen seiner bisherigen Investments machte. Zusätzlich betreibt Willenbacher mit Wiwin eine Crowdfunding-Plattform für nachhaltige Projekte, über die teils ebenfalls Geld für seine Portfolio-Unternehmen fließt.[10]

Als Mitherausgeber zusammen mit Hartmut Graßl, Claudia Kemfert, Andreas Knie und Michael Müller schreibt Willenbacher seit 2010 regelmäßig eine Kolumne im Online-Magazin Klimareporter (früher klimaretter.info).[11][12]

Nach eigenen Angaben ist Willenbacher der erste Europäer, der einen Tesla Roadster besaß.[13]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Matthias Willenbacher: Mein unmoralisches Angebot an die Kanzlerin: Denn die Energiewende darf nicht scheitern! Herder, Freiburg im Breisgau 2013, ISBN 978-3-451-30926-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Juwi AG (1. April 2015): Pressemitteilung: Willenbacher verlässt Vorstand.
  2. http://www.oekonews.at/index.php?mdoc_id=1046740
  3. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 20. Dezember 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ey.com
  4. Zweistelliges Millionenminus: Windparkbauer Juwi tief in den roten Zahlen. Abgerufen am 22. August 2020.
  5. Juwi-Prozess: Freispruch für Matthias Willenbacher. Abgerufen am 22. August 2020.
  6. Gründer Matthias Willenbacher verlässt überraschend Juwi. Abgerufen am 22. August 2020.
  7. Gerhard Hegmann: Pioniere im Zwielicht. In: DIE WELT. 16. März 2014 (welt.de [abgerufen am 22. August 2020]).
  8. Juwi-Prozess: Freispruch für Matthias Willenbacher. Abgerufen am 22. August 2020.
  9. RP ONLINE: Thüringens Ex-Innenminister war bestechlich: Köckert zu 15 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Abgerufen am 22. August 2020.
  10. Matthias Willenbacher: Dieser Ökostrompionier sucht weitere Partner für Start-ups. Abgerufen am 22. August 2020.
  11. klimaretter.info, Herausgeber, abgerufen am 8. Februar 2019
  12. Über klimareporter°: Der Herausgeberrat. Abgerufen am 2. November 2020.
  13. http://www.matthias-willenbacher.de/1000undeineidee/