Matthias Zimmermann (Künstler)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Matthias Zimmermann

Matthias Alexander Kristian Zimmermann (* 6. Mai 1981 in Basel) ist ein Schweizer Maler und Medienkünstler.

Leben[Bearbeiten]

Matthias Zimmermann ist im Kanton Aargau aufgewachsen. Er studierte an der Hochschule der Künste Bern Musik/Komposition, an der Hochschule Luzern Kunst & Vermittlung und an der Zürcher Hochschule der Künste Game Design und Art Education.[1]Sein künstlerisches Werk fand eine Rezeption in internationalen Ausstellungen, sowie in wissenschaftlichen und reflexiven Texten mehrerer Autoren. Zimmermanns Bilder befinden sich in der Sammlung diverser Museen.[2] 2014 wurde er für den »PHÖNIX Kunstpreis« (Deutschland) nominiert.[3]

Werk[Bearbeiten]

Die gefrorene Stadt, 2006
Acryl auf Leinwand, 160 × 160 cm
Aargauer Kunsthaus
Die vernetzte Stadt, 2005
Acryl auf Leinwand, 100 × 205 cm
Museumsquartier St. Annen
Mondschein in den Schneewolken, 2009
Acryl auf Leinwand, 160 × 180 cm
Ludwig Museum
Neun Energiezentren in Wechselwirkung zueinander, 2011
Acryl auf Leinwand, 170 × 140 cm
Ludwig Museum
Die Schneekugelstadt einer Lichtvitrine, 2011
FineArtPrint Diasec/AluDibond, 100 × 280 cm
Der digitale Ruhepol einer Stadtkulisse, 2011
FineArtPrint Diasec/AluDibond, 100 × 280 cm

Inhalt, Konzept und Ausführung[Bearbeiten]

Matthias Zimmermanns grossformatige Gemälde, die er als »Modellwelten« bezeichnet, zeigen atmosphärisch geprägte Landschaften als panoramaartige, multiperspektive Raumkonstruktion. Weiche, wie punktuelle Lichtquellen erhellen den Bildraum, in dem unterschiedlich abstrahierte Objekte Wechselwirkungen eingehen und unwirkliche, traumartig-bizarre, düstere wie heitere Welten, im Sinne theatralischer Kulissen zeigen. Wasserflächen, Japanische Gärten, mittelalterliche Burgen, Industrie- und Sakralbauten und weitere Gebäude bilden in seinen Gemälden ein Sammelsurium aus entfremdeten Eindrücken unseres Planeten, die häufig Vorgänge von Urbanisierung an menschenlosen Orten zeigen, welche technologische Stadtzivilisation ausstrahlen.

Mittels dieser Utopien und Dystopien reflektiert und kontextualisiert Zimmermann digitale Raumrepräsentation, virtuelle Distanzauflösung und veranschaulicht die Verzerrung von Realität, die sich im Internet, insbesondere in Computerspielen ergeben kann: Der digitale Raum als virtuelle Bühne, die darauf verorteten Objekte dem Prinzip eines variablen Baukastens folgend, die dem User ein Schauspiel von Realität, verzerrter Realität und Unwirklichkeit bietet.[4] Strikt festgelegte Formen bilden den Code, mittels dessen Zimmermann Bildinhalte in ein Raumkonstrukt übersetzt, um Informationen der Welt, Kultur und Natur auf einer Fläche zu reinszenieren und eine bestimmte perfekte Welt zu bauen, die nur durch den Artefakt, durch Simulation konstruiert werden kann. Neben frei erfundenen Puzzleformen, findet das chinesische Tangram, seltener die Steine aus dem Computerspiel Tetris, aber auch die Falttechnik des Origami, Verwendung. Matthias Zimmermanns »Modellwelten« setzen auf eine vollständige Nachbildbarkeit der Phärnomene, in dem visuelle in der Welt gemachte Erfahrungen in einem zweidimensionalen Raum in Szene gesetzt sind und aktive Reproduktion des Vorhandenen, Vermittlung und Ordnung zeigen.[5]

Der Schaffensprozess seiner grossformatigen Bilder reflektiert die Schnittstelle von analogem und digitalem Schaffen. Seine Maltechnik, mittels Acrylfarbe und Airbrush, adaptiert Ästhetiken von Computerbildern (3D-Grafik-Software, Koordinatenräume, Drahtgittermodelle, Vektoren). Seine digital geschaffenen Bilder hingegen beziehen sich auf Bildsprachen und Motive klassischer Malerei. Um das digital geschaffene Bild als Gemälde zu realisieren werden die Daten mittels FineArtPrint auf AluDibond oder Diasec verwirklicht. Durch dieses Trägermaterial wird eine Analogie zum Computermonitor geschaffen dessen virtuelles Bild hinter einem Bildschirm versiegelt ist.[6]

Bildbeschreibung[Bearbeiten]

Die gefrorene Stadt[Bearbeiten]

Die einer Kältestarre anmutende Atmosphäre im Gemälde »Die gefrorene Stadt« wird von einem hell gleissenden Leuchtstrahl horizontal durchzogen, dessen Energie sich im Zenit kreisförmig konzentriert. Im Umfeld der Seefläche und des Bergmassivs wird Energiegewinnung durch teilweise heftigen Rauchausstoss von Kohlekraftwerken und Schornsteinen von Häusern repräsentiert. Auf der linken Seite befindet sich ein Bahnhof mit Zügen, welche auf einem vertikal abgerundeten Viadukt einfahren, während sich im Hintergrund zahlreiche kleinere Fahrzeuge im Formenspiel einer abstrahierten Grossstadt abzeichnen. Ein Zug fährt hinter dem strahlenden Energiezenit durch, derweil die Fortbewegung im Bergmassiv durch einen Schnellzug und einer Lokomotive erfolgt; auf der Seefläche durch ein grosses Dampfschiff und U-Boote. Der beobachtbare Fortschritt der Bebauung einer unberührten Landschaft ist in dieser Stadt in einer vertikalen Zeitachse auszumachen: Während im unteren Bereich des Bildes eine weitgehend von technischem Fortschritt verschonte Berg-Natur zu erkennen ist, technisiert sich diese Landschaft zunehmend, je weiter man aufwärts blickt zu einer abstrakten Mega-City, die an eine Metropole wie Tokyo oder Shanghai denken lässt. Dass diese Raumlandschaft von Wind durchzogen wird, zeigt sich am Dampf- und Rauchausstoss der Industrieanlagen und Häusern, der sich in die Flexion dieses Raumkonstruktes einfügt. Unterschiedliche Abstraktion zeichnet sich im Zytglogge-Turm von Bern, Schloss Chillon am Genfersee, der Hofkirche, dem Bahnhof und der Verbrennungsanlage von Luzern ab. Im Vordergrund des Bildes weitet das von der Aussichtsplattform des Bundeshauses gesehene Alpenpanorama des Berner Oberlands, das auf skurrile Weise, in ungewohnter Form, eine neue Anordnung erfahren hat.[7]

Kunst aus Gametechnologie[Bearbeiten]

2013 präsentierte das Computerspielemuseum Berlin Zimmermanns Werke in Folge einer monographischen Sonderausstellung unter dem Fokus Kunst, resp. Gemälde mittels Technologie zu realisieren, die bei der Computerspiele-Entwicklung Anwendung findet.[8] [9] Die Ausstellung gliederte sich in die Aspekte »Baukasten«, »Virtualität« und »Raummaschine«.[10] Unter letzterem Aspekt wurde eine Auswahl der achtteiligen Bilderserie »Die Raummaschine« gezeigt, die das Zusammenwirken von Energie, Hardware und Software in sechs Ebenen verbildlicht: Steckdose, Schaltkreise, Binärcode, der Raster eines 3D-Programms, die Game-Landschaft, so wie der Source Code bilden eine systematische Verkettung, die dem User einen virtuellen Raum auf digitaler Basis vermittelt.[11] Darin befinden sich Elemente der Kunst- und Videospielgeschichte: Caspar David Friedrich (Das Eismeer), Claude Joseph Vernet (Schiffbruch), Christian Andreas Merki (Binary-Sun-Racer), Origami, Schach, Tangram, HAL 9000, PDP-1, Journey, Katamari Damacy, Pacman, SpaceWar!, Super Mario Bros., Tetris. [12]

Museen[Bearbeiten]

Ausstellungen[Bearbeiten]

Inventarisierung[Bearbeiten]

Werke von Matthias Zimmermann befinden sich im festen Bestand folgender Museen und Kulturinstitutionen:

Literatur[Bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten]

  • Reload: Videospielekunst
Fernsehpublikation im ARD, 7. Oktober 2014[14]
  • René Stettler: Die Verwirklichung von kulturellen Möglichkeiten in Form von Bildern: Matthias Zimmermanns Bilderzyklus «Die Raummaschine» (2012 – 2013)
publiziert in Arthistoricum, Publikationsplattform Kunstgeschichte. Universität Heidelberg[15]
  • René Stettler: Die Verbindung von Wissen, Erfahrung und Anschauung – Zur Epistemologie von Matthias Zimmermanns «Modell-Welten»
publiziert in Arthistoricum, Publikationsplattform Kunstgeschichte. Universität Heidelberg[16]
  • Schweizer Botschaft in Moskau: Moscow. Matthias Zimmermann at Winzavod (englisch & russisch)
publiziert in "swiss kul'tura – Aktuelles zur Schweizer Kulturpräsents in Russland, Moskau[17]
  • Graziella Kuhn: Pixelmalerei: Kunstwerke mit Game-Design erstellen
publiziert in Berliner Gazette[18]
  • Urs Bugmann: Bilder, perfekt wie aus einem Computerspiel & «Die konstruierte Atmosphäre»
publiziert in Neue Luzerner Zeitung, Schweiz[19]
  • Urs Bugmann: Eine Welt in extremer Künstlichkeit
publiziert in Neue Luzerner Zeitung, Schweiz[20]
  • Davis Schrapel: Spiele inspirierte Kunst (div. Artikel)
publiziert in Games Art, Deutschland [21]
  • Anna Chugunova: «Model Worlds»_Matthias Zimmermann (russisch)
publiziert in Winzavod Journal – Moscow Centre of contemporary art, Moskau[22]
  • Maria Ledneva: Matthias Zimmermann – Einzelausstellung in der Galerie «11.12» (russisch)
publiziert in The Village, Moskau[23]

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Stefan Salzmann: Es ist wie Tagebuch schreiben, publiziert in Neue Fricktaler Zeitung, 2011, Direkter Link (PDF; 5,7 MB) & Webseite von Matthias Zimmermann, Direkter Link
  2. Aargauer Kunsthaus (Sikart, Ausstellungskatalog), Kunstmuseum Luzern (Webseite, Ausstellungskatalog)
  3. PHÖNIX Kunstpreis
  4. Vgl. Davis Schrapel: Das «Raummschine 4 – Die Perspektive der Inspiration und Geometrie, publiziert in Games Art, 2012, Deutschland – Direkter Link
  5. Vgl. René Stettler: Die Verbindung von Wissen, Erfahrung und Anschauung – Zur Epistemologie von Matthias Zimmermanns «Modell-Welten», publiziert in New Gallery Lucerne – Foundation for Art & Science Switzerland, 2012 – Direkter Link (PDF; 231 kB)
  6. Pressemeldung, Computerspielemuseum Berlin– Direkter Link (PDF; 3,3 MB)
  7. Vgl. Davis Schrapel: Die gefrorene Stadt, publiziert in Games Art, 2012, Deutschland – Direkter Link
  8. Kunst aus Gametechnologie, publiziert in 20 Minuten, 2013- Direkter Link (PDF; 3,3 MB)
  9. Zwischen Kunst und Kitsch - Matthias Zimmermanns Modell-Welten im Computerspielemuseum Berlin, publiziert auf Moderne Nerdfare, 2013 – Direkter Link
  10. Dokumentation: »Modell-Welten – Gemälde von Matthias Zimmermann«, publiziert auf Webseite Computerspielemuseum Berlin, 2013 – Direkter Link (PDF; 6,6 MB)
  11. Pixelmalerei: Kunstwerke mit Game-Design erstellen, publiziert in Berliner Gazette, 2013 – Direkter Link
  12. Die Raummaschine, publiziert auf Gamesart, 2012 – Direkter Link
  13. Künstler, Supersample - Pixels at an Exhibition, 2015 – Direkter Link
  14. Reload: „Videospielekunst“, ARD, Einsplus, 7. Oktober 2014 (Youtube-Link)
  15. René Stettler: Die Verwirklichung von kulturellen Möglichkeiten in Form von Bildern: Matthias Zimmermanns Bilderzyklus «Die Raummaschine» (2012 – 2013), publiziert in Arthistoricum, Publikationsplattform Kunstgeschichte. Universität Heidelberg“ – Direkter Link (PDF; 231 kB)
  16. René Stettler: Die Verbindung von Wissen, Erfahrung und Anschauung – Zur Epistemologie von Matthias Zimmermanns «Modell-Welten», publiziert in Arthistoricum, Publikationsplattform Kunstgeschichte. Universität Heidelberg“ – Direkter Link (PDF; 231 kB)
  17. Swiss Embassy in Moscow: Moscow. Matthias Zimmermann at Winzavod (englisch & russisch), publiziert in swiss kul'tura – News about Swiss culture in Russia, Moskau – Direkter Link (PDF; 5,9 MB)
  18. Pixelmalerei: Kunstwerke mit Game-Design erstellen, publiziert in Berliner Gazette Direkter Link
  19. Urs Bugmann: Bilder, perfekt wie aus einem Computerspiel & «Die konstruierte Atmosphäre», publiziert in Neue Luzerner Zeitung, Schweiz – Direkter Link (PDF; 3,2 MB)
  20. Urs Bugmann: Eine Welt in extremer Künstlichkeit, publiziert in Neue Luzerner Zeitung, Schweiz – Direkter Link (PDF; 4,8 MB)
  21. Davis Schrapel: "Spiele inspirierte Kunst" (div. Artikel), publiziert in Games Art, Deutschland – Direkter Link
  22. Anna Chugunova: Model Worlds_Matthias Zimmermann (russisch), publiziert in Winzavod Journal – Direkter Link
  23. Mary Ledneva: Matthias Zimmermann – solo exhibition at the gallery, „11:12“ (russisch), publiziert in The Village, Moskau – Direkter Link

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Matthias Zimmermann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Matthias Zimmermann (Medienkünstler) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien