Matti Goldschmidt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Matti Goldschmidt (* 18. Juli 1951[1] in Graz) ist ein österreichisch-israelischer Choreograph und Autor. Er beschäftigt sich insbesondere mit israelischem Volkstanz.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Goldschmidt wuchs überwiegend in Deutschland auf und wanderte im Januar 1976 nach Israel aus, wo er tänzerisch im Kibbuz Ma’agan Micha’el bei Mosche Pinkas begann. Er setzte sein ursprüngliches Hobby in Haifa bei Bentzi Tiram sowie bei Jossi Abuhav (Be’er Scheva) und in Jerusalem bei Eddi Sasson fort.

1979 graduierte er am Lehrerseminar in Jerusalem unter der Leitung von Bracha Dudai, dem sog. Ulpan, der Ausbildung zum Tanzmeister für israelische Folkloretänze. Parallel dazu studierte er an der Hebräischen Universität Jerusalem Informatik und Geschichte islamischer Länder und arbeitete nach Studienende als Programmierer und Systemanalytiker in Israel, Neuseeland und Deutschland. 1983 beendete er an derselben Universität einen weiteren einjährigen Didaktikkurs im Bereich Tanz unter der Leitung von Cyrelle Foremann und Shulah Bareqet[2].

1988 nahm Goldschmidt eine erste Stelle als Tanzlehrer in Wellington (Neuseeland) an[3], im Jahr darauf ging er zurück nach Deutschland und übernahm den Tanzunterricht im Jugend- und Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, den er bis heute (Stand: 2. Quartal 2019) leitet. 1992 war er Initiator zur Gründung des Vereins ITH Israelisches Tanzhaus e.V.[4], dessen Vorsitz er seit Beginn innehat, um den israelischen Volkstanz im deutschsprachigen Raum populär zu machen. Am 24. November 2017 wurde das ITH zu seinem 25-jährigen Bestehen vom Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München, Dieter Reiter, für "seinen geleisteten Beitrag zur Pflege des Volkstanzes" mit einer Urkunde geehrt[5].

Seit 2012 ist er Vorsitzender der „Landesarbeitsgemeinschaft Tanz in Bayern“[1], das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden übte er seit 2006 aus. Für diese LAG organisiert er seit 2012 im zweijährigen Rhythmus und nun fünften Durchgang die bundeslandesweite Veranstaltung Jugend tanzt[6], an der jeweils weit über 550 Tänzerinnen und Tänzer aus dem Amateur- und Breitentanzbereich teilnehmen.

Goldschmidt schrieb mehrere Bücher und zahlreiche Artikel über israelischen Volkstanz, z. B. im Leipziger Folksblatt, im Folker (Zeitschrift) oder dem ehemaligen Vereinsperiodikum Tanzen des Deutschen Bundesverbandes Tanz e.V. (DBT), sporadisch für das in Tel Aviv in hebräischer und englischer Sprache erscheinende Fachperiodikum Rokdim. Als Journalist schrieb er in den Jahren 2006–2012 hauptsächlich für die Jüdische Zeitung (Berlin), ab 2014 eher unregelmäßig für die Jüdische Rundschau.

Er schuf selbst eine Reihe von Tänzen, unter anderem Yam Adonai oder Ha-Aviv Tzokheq und eine Paarversion von Or ha-Ganuz. Seit 1983 ist er Mitglied im gewerkschafts-affiliierten "Irgun ha-Madrichim", dem Verband der Tanzmeister und Choreographen für israelische Folkloretänze in Israel.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Bibel im israelischen Volkstanz. Choros-Verlag, Viersen 2001, ISBN 3-933512-11-5 (vergriffen).
  • The Bible in Israeli Folk Dances. Choros-Verlag, Viersen 2001, ISBN 3-933512-12-3 (gegenüber der dt. Fassung erweiterte Ausgabe).
  • Israel. Polyglott-Verlag, München 1998, ISBN 3-493-61565-5.
  • Shiru ha-shir - Israeli folk dances. Volume 1, 1. Auflage. Obalski & Astor, München 1994, ISBN 3-922645-21-6.
  • Shiru ha-shir - Israeli folk dances. Volume 2, 1. Auflage. Obalski & Astor, München 1996, ISBN 3-922645-22-4.
  • Shiru ha-shir - Israeli folk dances. Volume 3, 2. Auflage. Obalski & Astor, München 1996, ISBN 3-922645-23-2.
  • Shiru ha-shir - Israeli folk dances. Volume 4, 1. Auflage. Obalski & Astor, München 1995, ISBN 3-922645-24-0.
  • Shiru ha-shir - Israeli folk dances. Volume 5, 2. Auflage. Obalski & Astor, München 1997, ISBN 3-922645-26-7.
  • Shiru ha-shir - Israeli folk dances. Volume 6, München 2001.
  • Shiru ha-shir - Israeli folk dances. Volume 7, Obalski & Astor, München 2004, ISBN 3-922645-31-3.
  • Shiru ha-shir - Israeli folk dances. Volume 8, Obalski & Astor, München 2007, ISBN 978-3-922647-32-4.
  • Shiru ha-shir - Israeli folk dances. Volume 9, Obalski & Astor, München 2010, ISBN 978-3-922647-34-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Vereinsregistereintrag der „Landesarbeitsgemeinschaft Tanz in Bayern“, VR 10979, Registergericht München
  2. Eine umfangreichere Darstellung ist in dem Artikel "Mit israelischen Tänzen leben..." (in: Folksblatt (1992), Nr. 2, 10–16) nachzulesen
  3. Centre News, April 1988, S. 1 [The official public relations newsletter of the Wellington Jewish Community Centre]
  4. Vereinsregistereintrag des "Israelisches Tanzhaus", VR 14116, Registergericht München
  5. Winkler-Schlang, Renate: Wiege, Wiege, links zwei drei…, in: Süddeutsche Zeitung 72 (2017), Nr. 258 (10.11.2017), PMO R9 (Regionalbeilage München)
  6. Koormann, Christina: Auf dem Sprung, in: Süddeutsche Zeitung 71 (2016) vom 28.11.2016 (Nr. 275)