Maurer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Maurer (Begriffsklärung) aufgeführt.
Zunftwappen der Maurer
Firmenschild des Maurers Diogenes Structor, 79 n. Chr., Firmensitz: Pompeji Insula VIII 15, Erkennbar die Symbole seines Handwerks u. a. Senkblei, Kelle, Winkel, Picke, aufgenommen während der Pompeji-Ausstellung des Europäischen Kulturparkes Bliesbruck-Reinheim
Der Maurer (aus Was willst du werden, um 1880)
Maurer gestern und heute: Briefmarke von 1986
Zunftlade, Märkisches Museum Berlin

Ein Maurer ist ein Bauhandwerker, dessen namensgebende Kerntätigkeit die Erstellung von Mauerwerk ist. Der Maurer ist der Hauptbauhandwerker des Rohbaus. Daher führt er bei kleineren Bauprojekten (Einfamilienhäuser) meist auch Beton-, Stahlbeton-, Estrich- und Putz- sowie Abdichtungs- und Entwässerungsarbeiten aus. Im Zuge der fortschreitenden Arbeitsteilung im Bauwesen haben sich für viele Bereiche des breiten Berufsbilds des Maurers zusätzlich Spezialisten mit engerem Berufsbild entwickelt, die vorwiegend auf größeren Baustellen tätig sind.

1934 wurde der Beruf Maurer erstmals im Deutschen Reich im Verzeichnis der Handwerksgewerbe und 1936 im Bereich der Industrie als anerkannter Lehrberuf aufgeführt. Das Lehrlingswesen wurde 1940 im Handwerk durch fachliche Vorschriften geregelt. In der Bundesrepublik Deutschland folgte im Mai 1974 eine Neuordnung der Ausbildung im Handwerk und in der Industrie durch die Verordnung über die Berufsausbildung in der Bauwirtschaft. 1998 wurden durch eine Änderung der Handwerksordnung der Beruf des Maurers mit den beiden Berufen Beton- und Stahlbetonbauer und Feuerungs- und Schornsteinbauer zum Maurer- und Betonbauerhandwerk zusammengefasst.

Von 1999 bis 2010 sank die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Maurer, Bauhelfer, Hochbaufacharbeiter, Backofen-, Feuerungs- und Schornsteinbauer in Deutschland von 296.047 auf 146.878 Personen. Der Beruf ist auch heute noch eine klassische Männerdomäne. 2010 lag der Frauenanteil bei Ausbildung und Berufsausübung in den DACH-Ländern nicht über 0,8 %.

Ausbildung[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

In der dreijährigen Berufsausbildung werden neben den für die Ausführung von gemauerten und aus Stahlbeton hergestellten Bauteilen benötigten handwerklichen Kenntnissen auch Fähigkeiten in Putz- und Estrich- und Gerüstarbeiten vermittelt. Im Rahmen der Stufenausbildung Bau – 1. Stufe zum Hochbaufacharbeiter nach zwei Jahren, 2. Stufe zum Maurer nach dem dritten Jahr – erhält der angehende Maurer auch Grundkenntnisse im Bereich Fliesenlegen und Zimmererarbeiten.

Der schulische Teil der Ausbildung vermittelt zudem das benötigte Wissen über die richtige Ausführung von Baukonstruktionen bezüglich Feuchteschutz und Wärmedämmung von Gebäuden, Grundkenntnisse in Baustoffkunde und nicht zuletzt ein Bewusstsein von Sicherheit am Arbeitsplatz.

Neben der schulischen und betrieblichen Ausbildungsphase wird in überbetrieblichen Lehrgängen fachpraktischer und fachtheoretischer Unterricht erteilt. Daher wird oftmals auch von einer „trialen Ausbildung“ gesprochen. Die überbetriebliche Ausbildung findet in Ausbildungszentren statt, die wiederum über die SOKA-Bau (Sozialkassen der Bauwirtschaft) finanziert werden.

Ziel der Lehre ist dabei die Fähigkeit, einen Rohbau nach Plan von der Kellersohle bis unter den Dachstuhl korrekt ausführen zu können und dabei die Schnittpunkte mit anderen Gewerken wie zum Beispiel Zimmerer, Stuckateur, Glaser, Elektriker und Heizungsbauer zu beachten.

Österreich[Bearbeiten]

In Österreich beträgt die Lehrzeit drei Jahre. Lehrlinge werden – wie in Deutschland – dual in Lehrbetrieben (Bauunternehmen) und Berufsschulen ausgebildet. Die grundlegenden Ausbildungsinhalte unterscheiden sich nicht wesentlich von den deutschen. Neben den Fertigkeiten zur Errichtung neuer Bauwerke werden die Sanierung und der Umbau bestehender Bauten ein immer wichtigeres Aufgabengebiet. Mit der Herstellung von Wärmedämmungen an alten Häusern tragen Maurer wesentlich zur Energieeinsparung und zum Umweltschutz bei. Verwandte Lehrberufe können mit verkürzter Lehrzeit absolviert werden, z.B. Schalungsbauer, Straßenerhaltungsfachmann, Tiefbauer oder Bodenleger.

Der Lehrling schließt die Berufsausbildung mit der Lehrabschlussprüfung ab. Aufstiegsmöglichkeiten bestehen z.B. durch Weiterbildung zum Vorarbeiter, Meister oder Bauleiter. Eine erfolgreich abgeschlossene Lehre ermöglicht auch den Zugang zur Berufsmatura (Berufsreifeprüfung) und in Folge zu weiteren Höherqualifizierungen.

Schweiz[Bearbeiten]

Die Ausbildung zum Maurer EFZ (französisch Maçon CFC, italienisch Muratore AFC) dauert drei Jahre in der Schweiz. Die Ausbildungsorte sind Lehrbetrieb, Berufsfachschule und überbetriebliche Kurse.

Arbeitsmittel[Bearbeiten]

Wesentliche handwerkliche Hilfsmittel sind Maurerkelle, Reibebrett, Maurerpfanne, Wasserwaage, Senklot, Maurerschnur, Mörteltrog, Mischmaschine und Maurerhammer.

Die wichtigsten Arbeitsmaterialien sind künstliche Mauersteine verschiedenster Art (z. B. Ziegel, Kalksandstein, Porenbeton), sowie Mörtel.

Tradition[Bearbeiten]

Die Maurer sind im heutigen Bauhandwerk eine der Berufsgruppen, die wieder sehr viel Wert auf ihre Traditionen legen. Einige von ihnen gehen nach dem Lehrabschluss wie früher auf Wanderschaft, auch genannt Gesellenwanderung oder Walz.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Balder Batran, Herbert Bläsi et al.: Fachwissen Bau. Verlag Handwerk und Technik, Hamburg 2004, ISBN 3-582-03503-4.
  • Balder Batran, Herbert Bläsi et al.: Grundwissen Bau. Verl. Handwerk u. Technik, Hamburg 2003, ISBN 3-582-03500-X.
  • A. W. Dammann (Bearb.), Hermann Alexander von Berlepsch (Hrsg.): Chronik der Maurer und Steinmetzen : nebst einer Übersicht der Geschichte der Baukunst aller Zeiten und Völker. Zeller, Osnabrück 1966.
  • Kurt Kettler et al.: Ausbildungsberuf Maurer. Stam-Verlag, Köln 2000, ISBN 3-8237-0687-X.
  • Klaus Köhler (Hrsg.): Fachstufen Bau. Technische Mathematik. Maurer. Verlag Handwerk und Technik, Hamburg 1981, ISBN 3-582-03562-X.
  • Carl August Menzel: Der praktische Maurer. Handbuch für Maurermeister. Zugleich ein Leitfaden für die Maurergesellen, welche die Prüfung als Maurermeister zu bestehen haben. Knapp, Halle 1870 (Digitalisat (DjVu))

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Maurer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Maurer – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Deutschland:

Österreich:

Schweiz:

Einzelnachweise[Bearbeiten]