Maurice (Film)

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Filmdaten
Deutscher TitelMaurice
OriginaltitelMaurice
ProduktionslandGroßbritannien
Erscheinungsjahr1987
Länge140 Minuten
AltersfreigabeFSK 12
Stab
RegieJames Ivory
DrehbuchKit Hesketh-Harvey,
James Ivory
ProduktionIsmail Merchant
MusikRichard Robbins
KameraPierre Lhomme
SchnittKatherine Wenning
Besetzung
Synchronisation

Maurice ist ein britischer Film des US-amerikanischen Regisseurs James Ivory aus dem Jahr 1987. Das Drama basiert auf dem gleichnamigen Roman von E. M. Forster und wurde von der Merchant Ivory Productions sowie Channel Four Films produziert.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maurice Hall, ein junger Mann aus der Oberschicht im Viktorianischen England, und sein gleichaltriger Kommilitone, der adelige Clive Durham, verlieben sich während ihres Studiums in Cambridge ineinander. Ihre Beziehung bleibt allerdings auf Wunsch von Clive rein platonisch (von ein paar Küssen abgesehen). Gemeinsam schwänzen sie eine Unterrichtsstunde wegen eines Ausflugs ins Grüne. Maurice vernachlässigt seine Schulpflichten und fliegt von der Schule, da er sich beim Rektor nicht entschuldigt. Clive wird Anwalt, Maurice Börsenmakler.

Nachdem ein anderer homosexueller Kommilitone, Lord Risley, zu einer sittenwidrigen Handlung provoziert, verraten, verhaftet und zu einem halben Jahr Zuchthaus mit Zwangsarbeit verurteilt wird, erleidet Clive einen nervlichen Zusammenbruch und sagt sich, vom Schicksal Risleys schockiert, von Maurice und der Homosexualität los. Der besitzergreifende Maurice versucht verzweifelt Clive für sich einzunehmen. Dieser heiratet, seine Gefühle verdrängend, standesgemäß Anne Woods. Der verzweifelte Maurice sucht daraufhin Hilfe beim Hausarzt seiner Familie, der kein Verständnis zeigt und ihm rät, einen Hypnotiseur zu konsultieren, um seine Unnormalität behandeln zu lassen. Doch auch der Hypnotiseur kann nichts an Maurices Neigung ändern. Der Versuch, durch hartes Boxtraining von der Homosexualität loszukommen, scheitert ebenfalls.

Als Maurice wieder zu Gast bei Clive und seiner Frau ist, lernt er auf der Jagd den jungen Wildhüter der Durhams, Alec Scudder, kennen. In dieser Nacht kann Maurice nicht schlafen und hält zur Erfrischung seinen Kopf aus dem Fenster in den heftigen Regen, nicht ahnend, dass ihn unten im Park Alec Scudder beobachtet. Als Maurice sich wieder ins Bett gelegt hat, steigt Alec über eine Leiter, die ihm am Tag zur Renovierung des Daches diente, in sein Zimmer ein, gibt ihm einen Kuss und verschwindet wieder. Bei einem weiteren Besuch von Maurice im Landhaus der befreundeten Familie ergibt es sich, dass in der Nacht nur Maurice, Alec und ein alter Butler im Hause sind. Wegen seiner inneren Zerrissenheit von Alpträumen geplagt, öffnet Maurice das Fenster nachts wieder, um Luft zu schnappen, während Alec unten wartend dies als ein Zeichen an ihn auffasst. Er steigt wieder durchs Fenster und die beiden schlafen zum ersten Mal miteinander.

Einige Wochen später sucht Alec Maurice an seinem Arbeitsplatz in der Stadt auf, aber Maurice ist anfangs sehr zurückhaltend, da er befürchtet, dass Alec, der Sohn eines Schlachters, ihn erpressen will. Aus verletzter Liebe geht er auch beinahe diesen Weg, denn Maurice blieb aus Angst einem Treffen ohne Antwort fern. Der forsche Alec fühlt sich als Mann aus dem Volk von dem feinen Gentleman herabgesetzt. Schließlich begeben sie sich in ein Hotel und schlafen erneut miteinander. Beide haben sich ernsthaft verliebt. Doch Alec hat vor, mit seinen Eltern und seinem Bruder wenige Tage später nach Argentinien auszuwandern. Maurice schlägt vor, dass Alec bleiben solle, was dieser ablehnt.

An dem Tag, als das Schiff nach Südamerika ablegen soll, fährt Maurice zum Pier, um sich von Alec mit einem Geschenk zu verabschieden. Aber zur Verzweiflung seiner Familie und Maurices Freude erscheint Alec gar nicht. Maurice ahnt, wo er ist: im Bootshaus auf dem Durham’schen Anwesen. Dort begegnet er Clive und erzählt ihm – innerlich sehr stark geworden – von seiner Liebe zu dessen Untergebenen, worüber Clive entsetzt ist. Maurice nimmt keinen „Rat“ von ihm an und lässt ihn, den an die gesellschaftlichen Erwartungen angepassten Freund, stehen und eilt zum Bootshaus. Er und Alec fallen sich glücklich in die Arme und wollen sich nie mehr voneinander trennen. Clive, hinter seiner Fassade der Normalität, muss damit leben, dass er seine wahren Gefühle verleugnet.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maurice ist nach Zimmer mit Aussicht (1985) und Wiedersehen in Howards End (1992) der zweite Teil einer Trilogie an Forster-Literaturverfilmungen, die Regisseur James Ivory und Produzent Ismail Merchant drehten. Der Erfolg von Zimmer mit Aussicht erlaubte ihnen ein Budget von rund 2,6 Millionen US-Dollar, was damals für einen Film mit einer homosexuellen Liebesgeschichte im Mittelpunkt sehr viel Geld war. Das Board of Fellows im King’s College an der University of Cambridge hatte nach Forsters Tod ber die Verfilmungsrechte an seinen Romanen zu entscheiden. Zuerst zögerte man die Rechte herauszugeben, da der Roman Maurice bei den Mitgliedern des Boards als schwächeres Werk von Forster gilt und man befürchtete, durch die Aufmerksamkeit einer Verfilmung Forsters Reputation zu beschädigen. Da das Board aber von Ivorys Verfilmung von Zimmer mit Aussicht noch begeistert war und man in das Drehbuch einsehen konnte, wurde schließlich die Verfilmung gestattet.[1]

Für Hugh Grant war Maurice die erste große Filmrolle, die ihn deutlich bekannter machte – den internationalen Durchbruch brachte ihm aber erst Vier Hochzeiten und ein Todesfall im Jahr 1994. Die anderen Hauptdarsteller James Wilby und Rupert Graves waren ebenfalls noch eher unbekannt, daneben wurden die Nebenrollen mit Charakterdarstellern wie Denholm Elliott und Ben Kingsley prominent besetzt. Helena Bonham Carter, die 1985 mit Ivorys Zimmer mit Aussicht ihren Durchbruch gefeiert hatte, hat einen Cameo-Auftritt als Zuschauerin während des Cricket-Spieles.[2]

Synchronisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rolle Schauspieler Dt. Synchronstimme
Maurice Hall James Wilby Benjamin Völz
Clive Durham Hugh Grant Nicolas Böll
Alec Scudder Rupert Graves Stefan Krause
Doctor Barry Denholm Elliott Friedrich W. Bauschulte
Mr. Ducie, Maurices Lehrer Simon Callow Helmut Gauß
Mrs. Hall, Maurices Mutter Billie Whitelaw Barbara Adolph
Dekan Cornwallis Barry Foster Joachim Nottke
Mrs. Durham, Clives Mutter Judy Parfitt Bettina Schön
Anne Durham, Clives Ehefrau Phoebe Nichols Susanna Bonaséwicz
Lasker-Jones, Hypnotiseur Ben Kingsley Peter Matić
Lord Risley Mark Tandy Hubertus Bengsch
Kitty Hall Kitty Aldridge Traudel Haas
Ada Hall Helena Michell Rita Engelmann
Archie, Clives Schwager Michael Jenn Christian Toberentz
Reverend Borenius Peter Eyre Jürgen Thormann
Featherstonhaugh Torsten Sense Matthew Sim
Richter bei Risleys Verhandlung Richard Warner Hans W. Hamacher
Dame beim Cricketspiel Helena Bonham Carter Melanie Pukaß

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kritiken für Maurice fielen zum großen Teil positiv aus.[3] Der film-dienst schrieb im März 1988: „Die Verfilmung eines Romans von E.M. Forster beschreibt ebenso sorgfältig wie kritisch eine Welt, in der moralischer Anspruch und gesellschaftliche Wirklichkeit weit auseinander klaffen. Der hohe ästhetische Reiz des Films ist, da er die Probleme glättet, zugleich seine Schwäche.“[4] Cinema schrieb, in „edlen Bildern“ entwerfe James Ivory „das bedrückende Sitten- und Seelengemälde einer Gesellschaft zwischen Prüderie und Heuchelei.“[5]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1987 Preis für den besten Schauspieler für Hugh Grant und James Wilby bei den Filmfestspielen von Venedig
  • 1987 Osella für Richard Robbins für die beste Musik bei den Filmfestspielen von Venedig
  • 1987 Silberner Löwe für James Ivory bei den Filmfestspielen von Venedig (gemeinsam mit dem Film Lunga vita alla signora)
  • 1988 nominiert für den Oscar für das beste Kostümdesign

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Joseph Lelyveld: FORSTER'S 'MAURICE' BECOMES A MOVIE. (nytimes.com [abgerufen am 24. März 2018]).
  2. Helena Bonham Carter (Actors and their Movies). Abgerufen am 24. März 2018.
  3. Maurice (Rotten Tomatoes). Abgerufen am 24. März 2018 (englisch).
  4. Zweitausendeins. Filmlexikon FILME von A-Z - Maurice. Abgerufen am 24. März 2018.
  5. CINEMA Online: Maurice. In: CINEMA Online. (cinema.de [abgerufen am 24. März 2018]).