Mauser Modell 98

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Mauser Modell 98
Gewehr 98.jpg Gewehr 98 Kar 98K - AM.033696.jpg Karabiner 98 kurz
Allgemeine Information
Militärische Bezeichnung: Karabiner 98k
Einsatzland: Deutschland
Entwickler/Hersteller: Mauser
Entwicklungsjahr: 1898 (System 98)/ 1934 (Kar98k)
Herstellerland: Deutschland
Produktionszeit: 1934 (Kar98k) bis 1945
Modellvarianten: G98, Kar98 Kavallerie, Kar98 Artillerie, Kar98A, Kar98AZ (Später Kar98a), Kar98b, Kar98k[1]
Waffenkategorie: Gewehr
Ausstattung
Gesamtlänge: 1110 mm, mit Bajonett 1355 mm
Gewicht: (ungeladen) ca. 3,7–4,1 kg
Lauflänge: 600 mm
Technische Daten
Kaliber: 7,92 × 57 mm, 8×57IS
Mögliche Magazinfüllungen: 5 Patronen
Munitionszufuhr: Durch Ladestreifen von jeweils 5 Schuss
Kadenz: max. 15 Schuss/min
Anzahl Züge: 4
Drall: rechts, 240 mm, 29,3 Kalibern, 6,17°
Visier: Kurvenvisier 100–2000 m
Listen zum Thema

Das Mauser Modell 98 ist ein deutsches Mehrladegewehr, welches ab 1898 in verschiedenen Ausführungen hergestellt wurde. Die wohl bekanntesten Ausführungen sind das Gewehr 98 (G98) und der Karabiner 98 kurz (Kar98k) mit kürzerem Lauf. Das verwendete Mauser System 98 ist mit bis heute mehr als 100 Millionen hergestellten Systemen eines der zwei weltweit meistproduzierten Waffen-Verschlusssysteme.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Modell 98 war die Infanterie des deutschen Heeres während des Ersten Weltkriegs ausgerüstet, dort als Gewehr 98 bezeichnet[2]. Die Kavallerie, Pioniere und sonstige Spezialtruppen verwendeten verschiedene Karabiner mit 98 System. Der Karabiner 98k wurde in der Reichswehr und ab 1935 in der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg verwendet. Das Wachbataillon beim BMVg setzt den Karabiner 98k noch im protokollarischen Dienst in Dekoausführung ein. Der Verschluss Mauser System 98 wird auch in anderen Gewehren verwendet, beispielsweise dem spanischen Santa Barbara FR 8.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schnittmodell

Die Entwicklung des Gewehres begann bereits Ende des 19. Jahrhunderts durch Mauser in Oberndorf am Neckar. 1898 wurde die Waffe standardisiert und in das deutsche Heer eingeführt, daher auch der Name: G(ewehr) 98. Unterschiedliche Hersteller deckten den Rüstungsbedarf. Zehn Jahre später wurde eine neue, kürzere Variante hergestellt, die sich auch für andere Aufgaben eignen sollte. Sie war ein Kompromiss zwischen Leistung, Tragbarkeit und Handlichkeit. Das Modell Mauser 98AZ (später Kar98a) überzeugte durch einen hervorragend konstruierten, robusten Drehzylinderverschluss mit zwei vorne liegenden Verriegelungswarze und einer rückwärtigen Sicherheitswarze.

Der Mauserverschluss war Vorbild für viele Konstruktionen. Gewehre der Modell-98-Serie und deren Weiterentwicklungen und Varianten wurden über einen Zeitraum von mehr als 50 Jahren in großer Zahl hergestellt und weltweit verbreitet. Schätzungen gehen von etwa 100 Millionen produzierten Gewehren aus. Selbst heute sind Varianten des Karabiners noch in Gebrauch, im zivilen Bereich vorwiegend als Jagdgewehr, in der Dritten Welt auch häufig als Polizei- und Militärwaffe.

Versionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Hinweis: Da sehr viele Varianten und Versionen existieren, werden hier nur die wichtigsten aufgeführt.)

  • Mehrladegewehr Modell Mauser 98 (G98): Die 1240 mm lange Grundversion, die ab 1898 hergestellt wurde, war die Standardwaffe des deutschen Heeres während des Ersten Weltkriegs. Neben dem neu konstruierten Zylinderverschluss besaß das Gewehr einen 740 mm Lauf für die verbesserte 8×57IS-Patrone. Markant war die Quadranten-Visiereinrichtung des Konstrukteurs Lange, die ab 1905 eine Einteilung von 400 bis 2000 Meter aufzeigte. Zum Gewehr gehörten ein verstellbarer Ledertrageriemen, ein Mündungsschutz mit Klappe, wodurch die Laufreinigung ohne Abnahme des Mündungsschutzes möglich wurde, und das lange Bajonett 98. Während des Ersten Weltkrieges wurden geringfügige Änderungen durchgeführt. Unterschiedlichste Bajonette, u. a. das bekannte Modell 98/05, wurden bis 1918 für Gewehr und Karabiner entwickelt.
Mauser Karabiner Kar98k
Kar98AZ später Kar98a(klein a)
Bajonett S84/98 III inklusive Scheide für das Kar98k
  • Karabiner 98 Kavallerie (Kar98 Kavallerie): Um einen modernen und vor allem mit anderen Truppenteilen kompatiblen Ersatz für den Karabiner88 (auch Kommissionsstutzen genannt) zu haben, führe die deutsche Kavallerie 1900 eine verkürzte Version des Gewehr 98 ein, welcher im Nachhinein Karabiner98 "Artillerie" genannt wird. Er war stark gekürzt und hat einen flachen löffelartigen, abgekrümmten Kammerstengel. Seine Lauflänge beträgt 435 mm. [3]
  • Karabiner 98 Artillerie (Kar98 Artillerie): Ebenfalls um eine moderne und kompatible Waffe zu haben, führte auch die Artillerie einen Karabiner mit dem Mauser 98 System ein, dieser ersetzt das Gewehr -91 und ist bis auf eine Zusammensteckeinrichtung mit dem Karabiner 98 Kavallerie identisch. Diese Einrichtung erlaubte es Soldaten ihre Waffen zu Pyramiden zusammenzustecken.[4]
  • Karabiner 98A (Kar98A (groß A)): Um einen einheitlichen Karabiner für Artillerie und Kavallerie zu haben, wurde 1902 der 'Karabiner mit Aufpflanzvorrichtung für des Seitengewehr 98' eingeführt. Im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern hat er eine andere Schäftung und das Korn wird nun von Kornschutzbacken geschützt. Es ist der erste Karabinern, welcher in geringem Umfang bereits an Spiezieleinheiten ausgegeben wurde.[5]
  • Karabiner 98AZ (Kar 98AZ später Kar98a(klein a)): Da der Karabiner 98A wegen seines kurzen Laufes zu einem enormen Mündungsfeuer neigte, was vor allem von Spezieleinheiten sehr unbeliebt war. Wurde 1908 der "verlängerte Karabiner 98 mit Aufpflanz- und Zusammensteckvorrichtung" eingeführt. Im Gegensatz zu den flachen Kammerstängeln seiner Vorgänger erhielt er einen angewinkleten Kammerstängen mit Kugelkopf. Er war während des ersten Weltkrieges eine beliebte Alternative zum langen und unhandlichen Gewehr 98, bewährte sich im Grabenkampf und wurde an Sturmtruppen ausgegeben. Nach dem Krieg wurde die Namespolitik der Karabiner geändert und aus dem Kar98AZ wurde der Kar98a (klein a). In manchen Quellen taucht diese Waffe auch als K98 auf. er hat einen 590 mm langen Lauf und 1090 mm Gesammtlänge.[6]
  • Karabiner 98b (Kar 98b): Der Versailler Vertrag erlaubte es dem deutschen Reich nur eine bestimmte Anzahl an Gewehren zu besitzen. Aus diesem Grund wurde auf die weniger streng regulierten Karabiner ausgewichen, bis 1923 mit dem Karabiner 98b eine Waffe geschaffen wurde, bei welches es sich lediglich um ein leicht abgeändertes Gewehr 98 handelte. Um als Karabiner durchzugehen wurde der gekrümmte Kammerstängel mit Kugelkopf des Kar98AZ (Kar98a (klein a)) verwendet und seitliche Trageriemenhalterungen angebracht. Viele G98 wurden zu Kar98b umgerüstet.[7]
  • Mauser Standard Karabiner: Diese um 1924 für den Export an andere Nationen geschaffene Modell, hat zwar eine ähnliche Länge wie der Karabiner 98AZ (Kar98a(klein a)) übernimmt jedoch im Vergleich zu diesem mehr Teile vom ursprünglichen Gewehr 98, um auf dessen Maschinen hergestellt werden zu können. Hauptabnehmer waren China und Südamerikanische Staaten aber auch die SA kaufte einige Modelle.[8]
  • Karabiner 98 DRP (Mauser Banner): Als nach der Machtergreifung die Wiederaufrüstung begannt, wurden die ersten Karabiner offiziell im Namen die Deutsche Reichspost bestellt. Diese Modelle unterscheiden sich nicht vom Mauser Standard Karabiner, tragen jedoch mit D.R.P. den Stempel der Deutschen Reichspost. In Wirklichkeit landeten die meisten dieser Waffen bei der SA und Später bei der SS.[9]
  • Karabiner 98 kurz (Kar98k): Als die Wiederaufrüstung weiter Fahrt aufnahm, wurde eine einheitliche Ordonnanzwaffe für die zu gründende Wehrmacht gesucht. Da kein ausgereiftes deutsches Selbstladegewehr zur Verfügung stand und man sehr schnell sehr viele Gewehre benötigen würde, entschied man sich für eine leicht geänderte Ausführung des Karabiner 98 DRP, da dieser sich auf den bereits vorhandenen Maschinen des Gewehr 98 herstellen ließ und sich zudem Kar98b wie auch G98 Modelle zur "kurz" Version umrüsten ließen. Auch das Problem des zu starken Mündungsfeuers, hatte man durch die Einführung der neuen Patrone Infanterie Spitz-Schwer unter Kontrolle bekommen. Dieses Modell blieb bis zum Ende des zweiten Weltkrieges 1945 die am weitesten verbreitete Handfeuerwaffe der deutschen Wehrmacht. Fachleute unterteilen den Kar98k nochmal in das Vorkriegsmodell mit Schuhschaftkappe, das Übergangsmodell mit flacher Schaftkappe und des Kriegsmodells mit verschiedenen Vereinfachungen während der Produktion.[10][11]
  • Volkskarabiner 98 (VK98): Um den gegen Ende des Krieges gegründeten Volkssturm auszurüsten forderte die NSDAP verschiedene Firmen auf einfache und billig zu produzierende Waffen zu liefer. Dabei setzte Steyr auf den Modell 98 Verschluss und ergänzte diesen durch einen Lauf, einen einfachen Holzkolben und ein simples Visier.[12]
  • Zollkarabiner ZK 52: Systeme bei FN hergestellt, Waffen durch Heym moniert. Verwendet von westdeutschen Zollbeamten ab 1953.

Mauser-Gewehre und -Karabiner wurden in mehreren Staaten in Lizenz hergestellt, unter anderem in Schweden, Argentinien, Spanien, Persien (heute Iran), Peru, Chile und Mexiko. Sie unterscheiden sich meist im Kaliber und in geringen, dem Truppengebrauch angepassten Details.

G98 Kar98 A Kar98 AZ(a) Kar98 b Kar98 k
Gesamtlänge: 1250 mm 945 mm 1090 mm 1250 mm 1110 mm
Lauflänge: 740 mm 435 mm 590 mm 740 mm 600 mm
Visierlänge: 650 mm 500 mm 650 mm 500 mm
Gewicht: 4000 g 3300 g 3800 g 4000 g 3700 g
gerader Kammerstengel mit Kugelkopf,

Lange- Visier

abgekrümmter Kammerstengel in Löffelform,

Aufpflanzvorrichtung

gebogener Kammerstengel mit Kugelkopf,

Aufpflanz- und Zusammensetzvorrichtung, Kornschutzbacken. Schiebevisier

gebogener Kammerstengel mit Kugelkopf,

Schiebevisier

gebogener Kammerstengel mit Kugelkopf,

Schiebevisier

Gewehrgranatgerät[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karabiner 98k mit aufgesetztem Gewehrgranatgerät (1944)

Eine Weiterentwicklung des deutschen Gewehrgranatwerfers aus dem Ersten Weltkrieg war ab 1942 das Gewehrgranatgerät Kaliber 30 mm, das auf den Karabiner 98k geklemmt werden konnte. Es sollte die bisherigen Granatgeräte ersetzen, da diese nicht immer vorhanden waren. Die Aufgaben des auch als „Schießbecher“ bekannten Gerätes waren dieselben wie bisher: Bekämpfung von Infanterie, Stellungen und Panzern. Eine Vielzahl an Sondermunition ließ sich mit diesem 1.450.114 mal hergestellten Zusatzteil verschießen. Seine Reichweite lag bei rund 300 m. Zu Kriegsende war das Gewehrgranatgerät gegen die Panzerung neuer alliierter Panzermodelle wirkungslos geworden.

Modell 98 als Scharfschützengewehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutsche Scharfschützen mit Version 98k mit 4× Zeiss ZF42 (1942)

Bereits im Herbst 1914 bestellte das Kriegsministerium in Berlin bei den Herstellern 15.000 mit Zielfernrohr ausgestattete Gewehre, nachdem der Vormarsch ins Stocken geriet und sich der Grabenkrieg abzeichnete.[13] Dieser Auftrag konnte erst 1916 abgeschlossen werden, auch unter Zuhilfenahme eines Appells an die zivilen Jäger, welche aufgefordert wurden, Optiken und Jagdbüchsen mit Optiken zu spenden. Diese Gewehre blieben auch nach dem Krieg im Bestand der Reichswehr, mit einem Sollbestand von 12 ZF-Gewehren pro Infanteriekompanie. Neue Gewehre wurden erst ab 1927 wieder beschafft, ausgerüstet mit einem Zeiss „Zielvier“, mit vierfacher Vergrößerung und der sogenannten „Berliner Montage“ wegen der vom Waffenamt in Berlin genehmigten Ausführung, während die Weltkriegswaffen mit unterschiedlichen Optiken und Montagen ausgestattet waren. Erst 1930 glaubte man darauf verzichten zu können. Bis 1938 wurden die Gewehre oder Optiken teilweise zurückgebaut oder verkauft. Erst am 7. März 1938 wurde diese Praxis durch einen Erlass des OKH gestoppt, um auf die verstärkte Rüstung zu reagieren. Ausgesuchte Kar98k wurden mit einem Zielfernrohr ausgestattet und als Präzisions- und Scharfschützengewehr benutzt. Wegen der höheren effektiven Reichweite und besseren Präzision bevorzugten die deutschen Soldaten dabei den Kar98k gegenüber dem Gewehr 43. Auch hier kam es wieder zu Engpässen bei den Optiken, worauf Hitler 1942 verlangte, die Jagdzielfernrohre der deutschen Jägerschaft einzuziehen.[14]

Verwandte Themen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sebastian Thiem, Ein Muster, zwei Staaten. Das Seitengewehr 85/98 für Deutschland und Portugal, in: DWJ (früher Deutsches Waffenjournal) 6/2015, S. 84–89
  • Visier 1/2005
  • Visier Spezial 34 2004

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Karabiner 98K – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Mauser M1898 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans-Dieter Götz: Die deutschen Militärgewehre und Maschinenpistolen 1871-1945. 3. Auflage. Motorbuch Verlag, 2004, ISBN 3-87943-350-X.
  2. Hans-Dieter Götz: Die deutschen Militärgewehre und Maschinenpistolen 1871-1945. 3. Auflage. Motorbuch Verlag, 2004, ISBN 3-87943-350-X.
  3. Hans-Dieter Götz: Die deutschen Militärgewehre und Maschinenpistolen 1871-1945. 3. Auflage. Motorbuch Verlag, 2004, ISBN 3-87943-350-X.
  4. Hans-Dieter Götz: Die deutschen Militärgewehre und Maschinenpistolen 1871-1945. 3. Auflage. Motorbuch Verlag, 2004, ISBN 3-87943-350-X.
  5. Hans-Dieter Götz: Die deutschen Militärgewehre und Maschinenpistolen 1871-1945. 3. Auflage. Motorbuch Verlag, 2004, ISBN 3-87943-350-X.
  6. Hans-Dieter Götz: Die deutschen Militärgewehre und Maschinenpistolen 1871-1945. 3. Auflage. Motorbuch Verlag, 2004, ISBN 3-87943-350-X.
  7. Hans-Dieter Götz: Die deutschen Militärgewehre und Maschinenpistolen 1871-1945. 3. Auflage. Motorbuch Verlag, 2004, ISBN 3-87943-350-X.
  8. Niel Grant: Mauser Military Rifles. 3. Auflage. Osprey, 2015, ISBN 978-1-4728-0594-2.
  9. Niel Grant: Mauser Military Rifles. 3. Auflage. Osprey, 2015, ISBN 978-1-4728-0594-2.
  10. Niel Grant: Mauser Military Rifles. 3. Auflage. Osprey, 2015, ISBN 978-1-4728-0594-2.
  11. Hans-Dieter Götz: Die deutschen Militärgewehre und Maschinenpistolen 1871-1945. 3. Auflage. Motorbuch Verlag, 2004, ISBN 3-87943-350-X.
  12. Hans-Dieter Götz: Die deutschen Militärgewehre und Maschinenpistolen 1871-1945. 3. Auflage. Motorbuch Verlag, 2004, ISBN 3-87943-350-X.
  13. Visier Spezial Nr. 34. 2004, ISBN 3-9809243-2-7.
  14. Visier 1/2005.