Mausoleum Qin Shihuangdis

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Dieser Artikel behandelt die Terrakotta-Armee im Mausoleum des Qín Shǐhuángdì; für eine andere Terrakotta-Armee siehe Han-Grab in Yangjiawan
Mausoleum Qin Shihuangdis (China)
Mausoleum
Mausoleum
Peking
Peking
Shanghai
Shanghai
Mausoleum Qín Shǐhuángdì
Krieger zu Fuß und Pferde
Qín Shǐhuángdì

Das Mausoleum Qín Shǐhuángdìs ist eine frühchinesische Grabanlage aus dem Jahre 210 v. Chr., welche für den ersten chinesischen Kaiser Qín Shǐhuángdì erbaut wurde. Es ist eine der größten Grabbauten weltweit und ebenso bekannt für seine Soldatenfiguren, die Terrakotta-Armee.

Lage in China[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Mausoleum befindet sich etwa 36 Kilometer nordöstlich von Xi’an - der Hauptstadt des damaligen Königreiches Qin, in Zentralchina, an der Linma-Straße. Es liegt ausserdem nahe der Hauptstadt Chinas zu Qin-Zeit, Xianyang. Zirka 1300 Meter östlich der Anlage fließt der Sha, ein 84 Kilometer langer rechter Nebenfluss des Wei-Flusses (Wèi Hé). Die nächste urbane Siedlung in der Nähe ist die Kleinstadt Lintong, welche in leicht südwestlicher Richtung knapp fünfeinhalb Kilometer entfernt liegt.

Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bau der Anlage begann schon unmittelbar nach der Krönung von Qín Shǐhuángdì, also im Jahre 221 v. Chr. Wissenschaftler und Archäologen mutmaßen, dass über 700.000 Arbeiter aus allen Teilen Chinas an der Errichtung beteiligt waren. Als Qin Shihuangdi nach vielen langen Feldzügen der erste Kaiser Chinas geworden war, setzte er die ausgemusterten Soldaten zum Bau seines Grabemals, aber auch bei anderen Projekten ein. Hinzu kamen Sklaven und Kriegsgefangene, welche der Großhistoriker Sima Qian als mit Kastration bestraft oder zu Zwangsarbeit verurteilt bezeichnet.

Es wurden westlich des Dorfes Zhaobeihu, südwestlich des äußeren Walls und etwa 1,6 km vom Grabhügel gelegen, zwei Gräberfelder entdeckt. Hier wurden Arbeiter der Grabanlage bestattet. Eines war bereits seit langer Zeit zerstört, das andere war besser erhalten. Durch Bohrungen wurden insgesamt 93 kleine Gräber nachgewiesen, knapp die Hälfte wurden daraufhin freigelegt. Alle Gräber waren längliche Schachtgräber von 1,10–1,76 m Länge und 0,50–0,76 m Breite. Sie lagen 0,20–0,76 m unter dem heutigen Bodenniveau. Meist fand man in jedem Grab zwei bis drei Skelette. Die Verstorbenen, oft junge Männer, wurden in Hockstellung bestattet. Bei den Skeletten wurden 18 Ziegelscherben mit eingeritzten Zeichen gefunden. Es ist darauf von Arbeitsstrafe der Verurteilten, aus teilweise niederen Beamtenschichten, berichtet. Die aufgefundenen Strafarbeiter stammten aus sechs Reichen in Shandong. Diese Funde bestätigen, dass Sträflinge zum Bau der Grabanlage herangezogen wurden.

Die sogenannte Grube 4 der Terrakotta-Armee wurde zwar gebaut, enthielt aber beispielsweise keine Tonfiguren und blieb unbestückt. Wie auch die gesamte Grabanlage in Teilen unvollendet blieb. Als der Kaiser 210 v.Chr. starb, brachen die Arbeiten auf den Gelände abrupt ab. Im darauffolgenden Jahr häufte man Erde über der mutmasslichen Grablege des Kaisers zu einen Tumulus auf.[1]

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgegrabene Schwanfigur aus Bronze.

Die Anlage ist von einer rechteckig angelegten äußeren Mauer umgeben, ähnlich damaliger Paläste in den Städten. Diese misst auf beiden Längsseiten 2.165 und in den Breiten 940 Meter. Wachtürme standen an den vier Ecken und -tore öffneten sich zu den vier Seiten. Anschließend folgt die innere Mauer, welche jeweils 1.200 Meter in der Gesamtlänge und 550 Meter in der -breite misst. Beide bestehen aus gestampfter Erde, sind 8 Meter stark und waren ursprünglich 8 bis 10 Meter hoch. In dem großen Zwischenraum zwischen den Mauern sind ein Pferdestall, eine Grube mit Kalksteinpanzern und -helmen, die Wohnhäuser der Mausoleums-Beamten, die Wohnhäuser der Wächter, eine Grube mit seltenen Tieren und Vögeln und eine Grube mit Tänzern und Artisten angelegt worden. Auch Gewichtheber, Tierpfleger, Gelehrte, Schreiber, Narren und Musiker sind unter den Tonfiguren zu finden.[2][3][4][5]

Nördlich des Tumulus gelegen stand eine große – von einem überdachten Korridor umschlossene – rechteckige Halle, mit 57 Meter Breite und 62 Meter Tiefe. Schriftliche Quellen beschreiben diese als Audienzhalle, welche die Gewänder des Ersten Kaisers enthielt, seine Krone, seine Armstütze und seinen Spazierstock. Er war der erste Herrscher, der in seiner Nekropole eine solche Audienzhalle errichten ließ und stellte damit klar, wie wichtig ihm der Ahnenkult war, den er im Nachhinein erwartete.

Das innere Rechteck wird dominiert vom Grabhügel. In diesem künstlich aufgeschütteten und in Pyramidenform konstruierten Berg soll der Kaiser begraben worden sein. Der Hügel hat im Laufe der Jahrhunderte seine ursprüngliche Höhe verloren. Umlagert wird der Hügel von Gruben mit Begleitbestattungen, Nebenhallen, einer Wohnhalle, einer Grube mit Zivilbeamten, sowie einer 3.025 Quadratmeter großen Grube mit bronzenen Streitwagen.

Ungefähr 310 Meter östlich der äußeren Umfriedung befinden sich zwei Gruben: Eine enthält Begleitbestattungen, die andere Pferdenachbildungen aus Ton. Nochmals knapp 300 Meter östlich hiervon – östlich des Sha – wurden vier weitere Gruben angelegt. In der ersten, welche eine Grundfläche von 14.260 Quadratmetern hat, befinden sich zirka 6.000 lebensgroße Terrakottasoldaten und 40 vierspännige Wagen mit Pferden aus Bronze oder Ton. Die Gruben der Terrakottaarmee sind unterirdisch angelegt. In den Gruben waren die Figuren in Korridoren aufgestellt, welche durch Bereiche aus Stampflehm voneinander getrennt sind.[6]Die nächste enthält auf 6.000 Quadratmetern 1.200 Terrakottafiguren und 89 Wagen. Eine Grube ist leer, in der letzten jedoch stehen 78 Figuren und ein Wagen. Die gesamte Mausoleumsanlage nimmt eine Fläche von 56 Quadratkilometern ein.

Anders als in den damaligen Traditionen üblich, ließ Qín Shǐhuángdì sich nicht mit seinem gesamten Hofstaat begraben.[7] Es hatte im chinesischen Raum bereits zuvor schon eine Entwicklung begonnen, welche die Begräbniskultur fundamental veränderte. Wirkliche Menschen oder beispielsweise Pferde wurden allmählich durch figürliche Mensch- und Tierdarstellung ersetzt. Frühe Beispiele aus Holz und Ton tauchen im 6. Jahrhundert v. Chr. auf. Dann folgten auch konstruktive Änderungen. Frühe Gräber der Vorgeschichte sind eigentlich nur Gruben, bereits im 5. Jahrhundert v. Chr. beginnen einige Grabanlagen dann aber den Wohnungen von Lebenden zu ähneln.

Entdeckung und Ausgrabung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bronzener Armbrustmechanismus, Qin-Dynastie.
Qin Armbrust (Shaanxi History Museum)

Die genaue Lage des Grabes des Ersten Kaisers war durchgehend bekannt. Der französischen Archäologen Victor Segalen bereiste China (1909–1914) und besuchte dabei auch den Grabhügel.[1] Die Entdeckung der Tonarmee geschah rein zufällig im März 1974, als chinesische Bauern aus dem Dorf Xiyang versuchten, einen Brunnen zu bohren, um die Trockenheit zu bekämpfen. Am 29. März stießen sie auf eine harte, verbrannte Erdschicht. Bei einer Tiefe von vier Metern kamen Tonstücke zutage, darauf folgten ein mit Ziegelsteinen ausgelegter Boden, ein bronzener Armbrustmechanismus und bronzene Pfeilspitzen.

Soldaten der Terrakotta-Armee

Die Nachricht verbreitete sich bis in die Kreisstadt Lintong. Der für den Schutz alter Kulturgegenstände zuständige Beamte Zhao Kangmin reiste mit Sachverständigen an die Fundstelle und nach diversen Untersuchungen der teilweise zerbrochenen, lebensgroßen Figuren wurde festgestellt, dass es sich um wertvolle Fundstücke aus der Qin-Zeit handelte. Die Figuren wurden ins Kulturhaus des Kreises Lintong gebracht und dort restauriert, die Information über diesen Fund wurde unter Verschluss gehalten.

Ein Journalist der Nachrichtenagentur Xinhua erfuhr jedoch von den Funden und schrieb einen Bericht darüber, durch den die Neuigkeit der Bevölkerung Chinas bekannt wurde. Einige Monate später zog eine Gruppe von Archäologen in das Gebiet der Grabanlage und begann mit einer genauen Untersuchung. Im Zuge dieser Untersuchungen wurde in der Grabanlage des Kaisers eine Tonarmee mit tausenden Figuren unter dem Boden entdeckt. Am 11. Juli 1975 wurde der Fund von offizieller Seite mitgeteilt.[8][9]

Obwohl sich China noch in der Kulturrevolution befand, die gegen alles Traditionelle vorging, ließ Mao Zedong den Fund nicht zerstören. Mao hat sich allgemein stark mit dem Reichsbegründer identifiziert. Man ließ keine Rotgardisten dort hingelangen, das Gelände wurde sofort abgeriegelt. Bauern wurde es verboten in der Gegend weiterzugraben.

Bis heute ist erst etwa ein Viertel der gesamten Anlage komplett freigelegt. Der Grabhügel selbst ist archäologisch unangetastet. Chinesische Archäologen wollen ihn erst später öffnen, wenn das Material bearbeitet ist, welches bis jetzt ausgegraben wurde.

Das Mausoleumsgelände wurde schon wenige Jahre nach seiner Fertigstellung geplündert und Teile der Anlage stark zerstört. Beispielsweise wurden die Soldatenskulpturen vielfach ihrer ursprünglich echten Waffen beraubt. Viele Tonfiguren sind zerbrochen, denn die unterirdische Holzkonstruktionen der Schächte - in denen sie standen - wurden angezündet. In den eingestürzten Gängen wurden diese teilweise dann von den darüberliegenden Erdschichten erdrückt.[10]Die Zerstörungsspuren sind auch heute noch zu ermitteln: Holzbalken sind verkohlt, Terrakotta und Erde lassen deutliche Brandspuren erkennen.[11]

Diese überdachten Holzkonstruktionen musste zur Bauzeit der Anlage fertiggestellt sein, bevor die empfindlichen Figuren hineingestellt wurden. An der Vorderseite der Grube wurden Rampen identifiziert, über die die Figuren in die langen, wohl von Fackeln erhellten Korridore hinabgeschafft wurden. Das heißt, dass niemand, nicht einmal der Erste Kaiser, die tönerne Armee jemals in der Massenwirkung – so wie heute möglich – gesehen hat.[1]

Schutz der Glasur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da die gebrannten Tonfiguren lange Zeit vergraben waren, verloren sie beim Kontakt mit der Luft in kürzester Zeit ihren ursprünglichen Farbüberzug aus Weiß, Schwarz, Rot, Grün, Blau, Violett, Gelb oder Braun. Erst Mitte 2004 gelang es Experten aus Bayern in Zusammenarbeit mit chinesischen Kollegen, ein Verfahren zum Schutz dieses Farbüberzugs zu entwickeln. Forscher der TU München haben im Jahr 2012 zwei der bunten Krieger nachgebildet.[12]

Terrakotta-Armee und Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der vorgefundene Zustand der Figuren. Gut zu sehen auch die Bodenziegel des Grubenbodens.
Blick in die überdachte erste Grube
Krieger mit angewinkeltem rechten Unterarm
Schwert aus Kaiser Qin's Mausoleum
Ausgestellte Rüstungsteile aus aneinander montierten Steinplatten gefertigt.
Gefundene bronzene Pfeileinsätze.

Die Herstellung der Terrakottaarmee begann vermutlich erst nachdem Qin Shihuangdi den Kaiserthron bestiegen hatte. Die Ton-Armee, welche sich auf drei Gruben verteilt, besteht aus über achttausend – für die Zeit der Qin-Dynastie überlebensgroßen – Soldatenfiguren (Fuß-,Reit- und Wagenlenkersoldaten, Offiziere und Generäle), denen Pferde und Kriegswagen. Die einfachen Soldatenfiguren sind mindestens 1.85 m und die der Generale sogar bis zu 2.00 m groß.[13] Es wurden auch – schon von den Erbauern mittels einer Chromsalzlösung gegen Verfall geschützte – echte Waffen gefunden: Schwerter aus Bronze, Pfeilspitzen und Speerspitzen aus Bronze und Eisen, sowie Armbrüste mit Bronzeabzugmechanismen. Die mit Stempelung datierten Waffen der Terrakottakrieger stammen – unter anderem – aus den ersten Regierungsjahren des Königs. Sie waren also bereits von realen Soldaten benutzt worden, bevor sie den Tönernen in die Hände gelegt wurden. Diese Waffen aus den staatlichen Manufakturen sind die frühesten Produkte in China, welche laut Gesetz den Hersteller-Namen vermerkt hatten. Nicht aufkeimender Individualismus oder Signaturen Ausdruck persönlichen Stolzes des Produzenten auf sein Werk war der Zweck, sondern eine Möglichkeit zur Qualitätskontrolle. Die gefundenen Waffen der Grab-Krieger sind denen der sechs unterworfenen Reiche in Art und Form ähnlich, bestehen aber fast ausschließlich aus Bronze. An Waffenteilen aus Schmiedeeisen wurden zunächst nur eine Speer-, eine eiserne Pfeil- und zwei bronzene Pfeilspitzen mit eisernem Schaft entdeckt. Die Regionen waren schon während der Periode der Streitenden Reiche für Produktion und Einsatz eiserner Waffenbestandteile bekannt. Der Staat Qin war zwar in der Waffen-Technologie eher rückständig, konnte aber letztlich trotzdem alle Kontrahenten annektieren. Die Waffen aus den Gruben wurden – ihren Inschriften nach – in der zentral organisierten kaiserlichen Werkstatt Sigong hergestellt. In dieser wurden auch Beschläge für die kaiserlichen Wagen und das Pferde-Zaumzeug produziert. Die Datierungen in den Inschriften weisen ab dem dritten Regierungsjahr – noch als König – auf eine, mit Unterbrechungen, fast durchgängige Produktion hin. Bis fast in die letzten Jahre als Kaiser Qin Shihuangdi. Vor dem siebten Jahr (240 v. Chr.) war sein Kanzler Lü Buwei der oberste für die Kontrolle zuständige Beamte. Danach fehlt der Name der überwachenden Person und es finden sich nur Handwerkernamen die in der zentralen Werkstatt produzierten. Darin ist eine Machtschwächung des Kanzlers und somit eine Stärkung der zentralistischen Macht des Kaisers ablesbar.

Es handelt sich um die realistische Darstellung einer vollständigen Armee der damaligen Zeit. Die Gesamtanordnung in Militärformation und die verschiedenen Truppengattungen lassen sich historisch einordnen. Die verschiedenen Ränge sind an unterschiedlichen Kleidungs- und Rüstungsteilen erkennbar. Die Bemalung der dargestellten Materialien war sehr wirklichkeitsgetreu. Etwa an den Schultern von Tonfiguren, wirkt es, als würden die Muster der aufgemalten Kleidungsstücke sich etwas verziehen – fast so wie in Realität.[14]Es war keine farbige Tönung der einzelnen Flächen, sondern eine aufwendigst gestaltete, individuelle Polychromie jeder Tonfigur mit genauer Inkarnattönung, Lippen- und Augenbemalung, Bartwuchs und detaillierter Ausführung etwa von Fingernägeln oder Kleidungs-Details. Es wurden sogar verschiedene Augenfarben und Nackenhaare dargestellt.[15] Jeder Gürtelriemen, jede Panzer-Schuppe und jedes Verbindungselement war farbig präzise abgesetzt. Feine und detailreiche aufgemalte Muster zierten Borten und Säume der Kleidungsstücke. Dabei erweckte die Verwendung seltener und hochwertiger Farbmittel ein Bild strahlendem Reichtums und großer Macht. Selbst die nur spärlichen Reste einstiger Pracht die hier überdauert haben, stellen heute den größten Bestand an antiker Farbigkeit auf Bildwerken dar – andernorts gibt es dagegen nur Spuren oder Schriftquellen aus der Antike. Tausende großer Figuren mit Lack zu überziehen und bis ins Detail zu bemalen, war schon an sich eine erstaunliche Herausforderung. Sie lag aber offensichtlich nicht jenseits der Ansprüche eines Kaisers, der einmal sogar daran dachte, die Stadtmauern seiner Hauptstadt komplett lackieren zu lassen.

Es sind Unmengen an Zinnober für die Farbgestaltung verarbeitet worden. Ungefähre Hochrechnungen anhand der Figuren lassen schätzen, dass man mindestens 2.000 kg Zinnober an der Terrakotta-Armee verarbeitet hat. Geht man heute von einem Kilopreis von 2.000 Euro für guten Zinnober in Deutschland aus, oder im heutigen China von einem Zehntel davon, kommen rechnerisch in beiden Fällen allein hierfür enorme Summen heraus.[16]

In der Hauptgrube sind die Soldaten in einer Schlachtordnung aufgestellt. Die ersten drei Reihen (204 Bogenschützen) bilden die Vorhut. Dahinter folgt die Hauptarmee, welche aus wahrscheinlich 6.000 Soldaten besteht. Da nicht die ganze Grube ausgegraben wurde, kann man die Gesamtzahl nur anhand der „Figurendichte“ der bereits ausgegrabenen Soldaten schätzen. Diese Hauptarmee wird links und rechts von der Flankendeckung abgesichert. Am Ende folgt die Nachhut.

In der zweiten Grube befinden sich Infanteristen, Reiter, Bogenschützen und Streitwagen. In der dritten Grube fand man weitere Figuren, welche man aufgrund der Aufstellung und Ausstattung (zum Beispiel Zeremonialwaffen) der Soldaten als militärischen Führungsstab identifizierte. Da die Qin-Soldaten private Kleidung trugen, gab es in dem Sinne keine Uniformen, die Kleidung der Terrakottaarmee gibt aber gute Aufschlüsse über Kleidungsgewohnheiten der Qin-Gesellschaft. Die Terrakottasoldaten sind mit einer Mischung aus Kleidungsformen der Chinesen der Zeit und der Reitervölker und Stammesverbände der eurasischen Steppe bekleidet. Der Staat Qin lag grenznah zu den nicht-chinesischen Völkern wie den Rong im Norden oder den Di im Westen. In der Qin-Zeit stammten die Soldaten aus niedrigen sozialen Schichten, meist waren sie Bauern. Sie mussten allgemein ihre Militärkleidung selbst stellen. Vermutlich gab es nur für Kavalleristen spezielle Uniform-Verordnungen. Die Kleidung der Fußsoldaten und Adjutanten auf den Streitwagen entsprach wohl der üblichen Bauernkleidung. Schriftliche Quellen wie die qinzeitlichen Bambusstreifen-Bücher aus dem Shuihudi-Fund zeigen, dass der Stoffverbrauch für die Anfertigung der typischen Kleidung während der Qin-Zeit und der Rüstungen immens war. Ungefähre Berechnungen, die auf Grundlage der Terrakotta-Armee angestellt wurden, bestätigen dies teilweise. Die Mehrzahl der Qin-Bevölkerung und ihre einfachen Soldaten verwendeten Seide als Kleidungsstoff, Leute der untersten sozialen Schichten meist billigen Hanfstoff.

Die Terrakotta-Generäle tragen eine Kappe, die mit Fasanenfedern geschmückt ist. Die Federstrukturen hoben die Maler mithilfe ihrer Pinselstriche vom Hintergrund plastisch hervor. Auf diese Weise wurden allgemein Federn nachgebildet. Die Panzer ihrer Rüstungen besitzen aufwendig verschnürte Panzer-Platten, Kleidungs-Besätze mit Mustern und Stofflagen auf Brust und Rücken aus Seide. Bei den Wagenoffizieren reicht der Panzer nur bis unter den Bauchbereich und ist auf dem Rücken mit überkreuzenden Bändern arretiert. Ausserdem tragen sie Kappen mit einem eckigen, abgewinkelten Streifen auf dem Haupt.

Die Krieger tragen meist Gürtel in der Taille, welche in Länge, verschiedenen Breiten, Knotenart der Bandgürtel, Form der Gürtelhaken und Art der Verankerung der Riemenenden am Gürtelhaken wirklichkeitsnah und detailliert gestaltet wurden. Sie sind mit oder ohne Verzierung und lederartig dargestellt. An den Rieenenden sind Hakenlöcher zu erkennen. Im Kapitel Shuolin xundes philosophischen Werkes Huainanzi (Meister aus Huainan) der Han-Zeit heißt es: „Schaut man auf die Gürtelhaken aller Leute im Raum, so sind diese sämtlich verschieden. Aber alle tragen die gleichen Gürtel.“ Bei den Tonfiguren hier spiegelt sich wider, dass die Menschen auch während der Qin-Zeit großen Wert auf die Verzierung der Gürtelverschlüsse legten.

Bemerkenswert ist, dass alle diese Figuren individuell gestaltet sind, also keine zwei in Haltung, Gesichtszügen oder Ausstattungsdetails identisch sind. Auch Nasen, Ohren, Haare, Bärte sowie der Bauchumfang unterscheiden sich erheblich. Offen war die Frage, ob tatsächliche Soldaten von damals nachgebildet wurden oder ob die Erschaffer die unterschiedlichen Figuren frei gestalteten.

Acht unterschiedlichen Gesichtsformen lassen sich bei den Terrakottakriegern grundsätzlich unterscheiden und sind auch bei lebenden Menschen zu finden, aber stark lokalen Merkmalen verhaftet. Sie spiegeln in ihrer Umsetzung eine realistische Darstellung der damaligen Qin-Krieger wider. Die Soldaten der Qin-Armee wurden meist aus der Qin-Bevölkerung im Guan Zhong-Gebiet rekrutiert, aber auch aus anderen Gegenden. Die Grundform der Köpfe wurde mittels Modeln hergestellt und anschließend Gesichter-Details ausgestaltet. Dadurch war eine Produktion in so etwas wie Manufakturen möglich, aber auch die Darstellung verschiedener Typen und Charaktere. Die unterschiedlichen Gesichtstypen lassen vermuten, dass eine Vielzahl an Modeln verwendet wurde. Fingerabdrücke auf der Innenseite der Tonköpfe bestätigen die Herstellung mit Modeln. Bei Köpfen aus demselben Model unterscheiden sich Aussehen und Mimik trotzdem durch die unterschiedliche Gestaltung der Gesichtszüge sowie der Haar- und Barttracht. Die Ohren sind auch aus Modeln vorgeformt und angesetzt. Die Bärte sind sehr aufwendig anmodelliert, vereinzelt auch direkt in die Rohform eingeschnitten. Die diversen Bartarten definieren Alter und Charakter. Auch die Hände sind nach vier Herstellungsmethoden in Modeln vorgeformt und anschließend in die Ärmel eingesetzt. Unter den Tausenden von Händen gibt es nur zwei Typen, solche mit gestreckten und solche mit gekrümmten Fingern. Ihre Maße sind standardisiert, die gleiche Hand ist in verschiedenem Zusammenhang in verschiedener Funktion verwendbar. Die Hände sind Versatzstücke, somit beliebig zu versetzende genormte Bestandteile. Das gilt allgemein auch für die anderen Teilstücke, aus denen die Figuren zusammengefügt wurden. Nur ein System von Versatzstücken ermöglichte die hohe Anzahl unterschiedlicher Tonfiguren. Hiermit konnte die Produktivität soweit gesteigert werden, dass mit dem verfügbaren Material und auch zeitig die Aufgabenstellung erfüllbar wurde. Ziel war es allgemein eine magische Armee zu schaffen, die das Grab zudem auch noch ewig beschützen sollte.

An den 714 ersten ausgegrabenen Tonkriegern ließen sich bereits ebenfalls acht Typen im Körperbau unterscheiden. Die Wirkung der Tonkrieger ist allgemein überragend, stark, heldenhaft und wirkt elitär. Die Modellierung der Körper ist einfach aber geschickt. Konturen und Linienführung sind hier streng gehalten und auf Verzierung meist verzichtet. Obwohl die Körperproportionen meist stimmen, haben einige Krieger zu kurze oder unterschiedlich lange Arme. Manchmal sind Füße zu klein oder Hände zu groß. Das zeigt, dass die Künstler nicht alle das gleiche Niveau hatten. Hauptmerkmal des realistischen Stils der Qin-Tonarmee ist die getreue Nachahmung realer Menschen und Gegenstände. Es handelt sich bei den Ton-Kriegern aber nicht um Porträts von Einzelpersonen. Zur Definition einer Porträtdarstellung gehört die Absicht detailgetreue Ähnlichkeit mit einem bestimmten Individuum zu erzielen. Allein schon der Herstellungsprozeß – der arbeitsteilig alle Werkstücke in einzelne Arbeitsabläufe zerlegte – zeigt, dass hier eben nicht ein Begriff von Individuum zugrunde lag.

Bei der Gestaltung der Tonfiguren strebte man nach Wirklichkeitstreue. Sie wurden anstelle lebender Menschen dem Grab beigegeben, damit sie stellvertretend die Seele des Verstorbenen im Jenseits bedienen würden. Figuren aus Holz oder Ton anderer Grabstätten sind wesentlich kleiner und gröber hergestellt und erreichen nicht denselben Realitätsgrad wie die Qin-Grabfiguren.

In den Gruben der Terrakottaarmee direkt wurden weder Helme noch Schilde gefunden. Schriftliche Quellen und archäologische Funde belegen diese aber für die Qin-Truppen.

Es wurden auch künstlerische Methoden der Übersteigerung und Abstraktion bei der Modellierung eingesetzt. Bestimmte Merkmale wurden überbetont. So wurde teilweise die Dicke der Augenbrauen übersteigert und Wangenknochen eckig und kantig modelliert. Diese Form von Übertreibung betont die Charaktere der Ton-Krieger.

Sowohl Hof-, als auch Handwerker aus dem Volk fertigten die Tonarmee. Durch Inschriften auf den Tonkriegern und -pferden sind viele Namen überliefert. Wegen der unterschiedlichen Herkunft ist auch der künstlerische Stil verschieden. Tonkrieger, die von den Hofhandwerkern gestaltet wurden, sind Gestalten kräftiger Männer. Sie erscheinen wie die Palastwächter. Figuren der einfachen Handwerker sind variationsreicher. Die Technik der Hofhandwerker ist geschickter, einheitlicher und im Stil streng. Die Technik der anderen ist uneinheitlich und der Stil verschieden, jedoch lebhafter und frischer. Die Gründe für diese Unterschiede sind vielfältig, im Wesentlichen aber von der unterschiedlichen Lebenserfahrung bestimmt. Die Handwerker aus dem Volk verkehrten mit den Leuten der unteren Schichten, aus denen auch allgemein die Qin-Armee rekrutiert war. So nahmen sie wohl vertraute Personen aus der eigenen Umgebung als Modell. Die Hofhandwerker arbeiteten in Teams, ihre Technik ist dadurch einheitlicher. Der gemeine Handwerker waren unterschiedlicher Herkunft und hatten bei verschiedenen Meistern gelernt, ihr Stil und ihre Technik sind unterschiedlich. Es ist nachvollziehbar, dass die Hofhandwerker keine einfachen Töpfer waren. Es mussten Handwerker gewesen sein die schon bestimmte Erfahrungen hatte, um Tonfiguren in diesen Dimensionen und Quantitäten brennen zu können. Diese waren im Metier der Baukeramik anzutreffen. Es waren die Hersteller von Kanalrohren in den Palastwerkstätten die solche Kenntnisse hatten. Umfängliche Kanalsysteme aus Ton sind beispielsweise unter dem Amt des Kostmeisters in der Nekropole und unter dem Kaiserpalast gefunden worden. In Größe und Proportion ähneln diese Röhren den Beinen der Terrakottakrieger. Auch die Herstellungstechnik muss ganz ähnlich gewesen sein. Inschriften bestätigen diese Theorie: Die Vorarbeiter der Palastwerkstätten pflegten ihre Namen auf Boden- und Dachziegel zu stempeln. Einige der Namen hat man auch auf den Terrakottafiguren gefunden.

Einfache Handwerker und teilweise Sträflinge fertigten die Tonarmee. Es zeigt sich, dass es zwischen den zahlreichen – in Haltung und Gesichtsausdruck Autorität – ausstrahlenden Kriegern einzelne mit völlig anderem Ausdruck gibt. Die Unterscheide liegen nicht nur in müdem Gesichtsausdruck und dünnem Körper der Grabkrieger , sondern auch in einem traurigen Anschein. Einige Handwerker wagten es ihren Missmut darzustellen.

Analysen zeigen, dass der für die Tonfiguren verwendete Rohstoff in seiner Zusammensetzung mit dem Boden am nördlichen Hang des Li-Berges – in Nähe der Grabanlage – identisch ist. Der Rohstoff der Figuren wurde vor Ort gewonnen.

Die Tonfiguren wurden mit 900 bis 1050° C in Öfen gebrannt. Bei diesen Temperaturen bleibt der unglasierte Ton noch porös. Daher spricht man beim Material von Terrakotta - gebackener Erde. Etwa 200 Meter südöstlich von Schacht 1 lassen Fragmente von Figuren einen der Brennofenplätze vermuten. Man schätzt, dass darin zwei Pferde oder sechs Soldatenfiguren gleichzeitig gebrannt werden konnten. Die Terrakottafiguren wurden nach einem auch heute noch in China gebräuchlichen Verfahren, dem Reduktionsbrand, hergestellt. Beim Reduktionsbrand entsteht das für die unlackierten Tonfiguren charakteristische graue Eisenoxid.[17]

Die Kunst der Qin-Tonfiguren kennzeichnet die zunehmende Reife der frühen chinesischen Kunst in der plastischen Gestaltung im Altertum.[1]

Die Bronzewagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der sogenannte Bequeme Wagen mit dem Wagenlenker.
Pferdeköpfe aus Bronze
Bronze-Streitwagen mit 4 Zugpferden (Nachbildung)

Im Jahre 1978 entdeckte man 20 Meter westlich vom Grabhügel des Kaisers eine große Grube mit Gespannen als Grabbeigaben. Bei der späteren Probeausgrabung auf einer kleinen Fläche kamen zwei Bronze-Gespanne aus dieser 7,8 Meter tiefen Grube zutage. Sie sind die frühesten, größten und technisch fortgeschrittensten Pferdegespanne, die in China bekannt sind.

Die Bronzegespanne standen eigentlich in einem hölzernen Schrein. Da der Schrein aufgrund der Zeit instabil geworden war und die Grube daraufhin einfiel, waren die zwei Gespanne bei der Freilegung stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Nach einer zeitaufwändigen Restaurierung ist das zweite Gespann seit dem 1. Oktober 1983 in seiner ursprünglichen Gestalt für die Öffentlichkeit zu besichtigen. Das andere Gespann konnte man erst acht Jahre später besichtigen, da es zu stark beschädigt wurde.

Die beiden Gespanne in etwa halber Lebensgröße sind äußerst aufwändig hergestellt. Sie sind mit zahlreichen Silber- und Goldelementen verziert, so sind am zweiten Gespann 1.720 Schmuckstücke, die aus 3.033 Gramm Gold und 4.342 Gramm Silber hergestellt sind, befestigt worden.

Untersuchungen ergaben, dass die Herstellung Arbeitsverfahren wie Gießen, Schnitzen, Löten, Nieten, Einlegen, Feilen und Schleifen erforderte.[18] An den Wagen wurden Anschlusstechniken wie Druckknopfanschluss und Gelenkanschluss angewandt. Bei jedem Verfahren wurde ein hoher Grad an Kunstfertigkeit erreicht. Der Zaum ist zum Beispiel aus abwechselnd silbernen und goldenen Röhrchen durch Löten zusammengesetzt, am Zaum jedoch ist kaum eine Lötnaht zu erkennen. Die Zügel, bei denen die Gelenkanschlusstechnik angewandt wurde, sind noch heute beweglich. Die meisten Bauteile wurden im Gussverfahren hergestellt, das am deutlichsten den damaligen technischen Stand aufzeigt. Bei dem Schirm, der als Wagendeckel dient, sind die dünnsten Partien nur 2 Millimeter, die dicksten Partien nur 4 Millimeter dick. Die Zusammensetzung der Legierung ist fast dem heutigen Standard entsprechend. Durch Regulation des Gehaltes von Kupfer, Zinn und Blei wurden Bronzebauteile mit verschiedenen Härten erreicht.

Wie die Tonfiguren sind auch die zwei Gespanne naturgetreu bis ins Detail dargestellt. Die Wagen, Pferde und Wagenlenker sehen lebendig aus, da ihre Proportionen naturgetreu abgestimmt wurden und allen Details der Anatomie entsprechen. Gesicht, kurzer Bart, Wimpern, Handlinien, Haare und Nägel des Kutschers werden lebensecht wiedergegeben. Im Gegensatz zu dieser Arbeitsweise ist die Bemalung am Wagenkasten von romantischem Stil geprägt. Auf der weißen Grundfarbe an der Außen- und Innenseite sind Tiger-, Drachen- und Phönixmuster auf eine übertriebene Weise bunt aufgezeichnet. Am Rand ist der Kasten mit bunten stilisierten Ornamenten verziert.

Die beiden Gespanne standen ursprünglich hintereinander und sind auch auf diese Weise ausgestellt. Es sind Eindeichsel-Gespanne mit vier Pferden und einem Kutscher. Jedes Gespann wiegt über 1.200 Kilogramm und besteht aus mehr als 3.000 Einzelteilen.

Das vordere Gespann ist der so genannte Hohe Wagen, da sein Insasse aufrecht stehen muss. Anders als bei einem normalen Streitwagen dient ein kunstvoll verzierter Schirm diesem Wagen als Dach. Im Wagenkasten sind Kriegsutensilien zu sehen: ein bronzener Köcher mit 50 scharfen Pfeilen, ein bronzener Köcher mit 12 Pfeilen, eine Armbrust und ein bronzener Schild. Auf diesem Gespann ist nur eine Figur, der Wagenlenker zu sehen. Er steht aufrecht, hält die Zügel in der Hand, hat ein Schwert an der Seite und sieht nach vorne. Seinem Aussehen nach zu urteilen stellt er einen General dar.

Das Gespann hinten ist der sogenannte angenehme Wagen mit vier Pferden. Ein solches Gespann stand als Personenwagen kaiserlichen Familienangehörigen und Adeligen zur Verfügung. Die Pferde haben unterschiedliche Größen: Von 65 bis 75 Zentimeter. Der Wagenlenker hat eine Größe von 51 Zentimetern. Mit den Pferden hat das ganze Gespann eine Länge von 328,4 Zentimetern und eine Höhe von 104,2 Zentimetern. Dieses Gespann hat einen verzierten und bemalten Wagenkasten, der in zwei Räume unterteilt ist. Im vorderen Raum sitzt der Wagenlenker auf den Fersen, er trägt einen hohen Hut die Zügel befinden sich in seiner Hand und an seiner Seite ein Schwert. Der geschlossene Hinterraum hat einen Dachdeckel in Form eines Schildkrötenpanzers, innen kann man auf dem gut gepolsterten Boden liegen oder bequem auf der Bank sitzen. Vorne und auf beiden Seiten ist der Wagenkasten je mit einem Fenster versehen. Durch hochtechnisch gebohrte, rhombusförmige Löcher kann man von innen nach außen sehen, aber nicht von außen nach innen.

Der Streitwagen und der Personenwagen gehörten als Geleitwagen zur kaiserlichen Wagenkolonne. Der Streitwagen diente als Wachwagen auf der Reise, der Personenwagen war für Frauen oder Minister als kaiserliches Geleit. Der Wagen des Kaisers soll ganz vergoldet und mit sechs Pferden bespannt gewesen sein und sich möglicherweise auch in jener Grube befinden, in der die beiden Bronzegespanne ausgegraben worden sind. Diese Überlegung begründet sich auf der Feststellung, dass es in jener Grube mindestens noch sechs metallene Gespanne gibt.

Historischen Aufzeichnungen zufolge hatte der Kaiser damals zwei Wagenkolonnen zur Verfügung, die eine bestand aus 18 Wagen, die andere aus 36. Es wird vermutet, dass in der Nähe des Grabes eine ganze Kolonne mit 81 Wagen unter der Erde vorhanden sein könnte. Vor der Entdeckung der beiden Gespanne fand man bereits alte Wagen mit einer Deichsel, diese waren jedoch aus Holz gefertigt und somit konnte man den Herstellungsweg kaum noch rekonstruieren. Infolgedessen waren die Wagenform und die Spannweise weitgehend unbekannt. Da die in dem Grab gefundenen Bronzegespanne nach der Konstruktion vollständig erhalten sind, liefern diese wertvolles Material zur Erforschung der alten Eindeichselwagen, der Kunstgeschichte, der Metallurgie, der Ränge von Wagenfahrern und Kleidung der Qin-Dynastie.

Die Pferde von San Marco sind eine Gruppe von vier lebensgroßen vergoldeten Pferde-Bronzeplastiken, deren moderne Kopien die Loggia am Westportal des Markusdoms in Venedig schmücken. Die originalen Plastiken, die heute im Museum von San Marco ausgestellt sind, sind Teile der einzigen weiteren aus der Zeit der Antike und des paralell dazu verlaufenden Chinesischen Altertums überlieferten freiplastischen Quadriga.

Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Eingang zum Museum der Terrakotta-Armee im Jahre 2002

Das Museum der Terrakotta-Armee umfasst die Gruben östlich des Sha. In der Hauptgrube sind bislang erst nur ein Teil der Soldaten und Pferde aus Ton freigelegt und restauriert worden. Diese kann man besichtigen. Alle Gruben sind mittlerweile überdacht. Am bekanntesten ist aber wohl die Konstruktion über der Hauptgrube. Über dieser wölbt sich ein 200 Meter langes und 70 Meter breites Aluminiumdach.

Seit 1987 ist die Terrakotta-Armee auf der Liste der Weltkulturerbe der UNESCO verzeichnet.

Weitere Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sima Qian (* um 145 v. Chr.; † um 90 v. Chr.), chinesischer Astrologe, Historiker und Schriftsteller.

Das primäre Ziel der chinesischen Archäologen besteht darin, die restlichen Terrakottasoldaten auszugraben und gegebenenfalls zu restaurieren. Selbiges soll mit den vermuteten Wagenkolonnen passieren.

In einigen Jahren plant man dann, den Grabhügel zu öffnen. Bis heute kann man nur mutmaßen, was er enthält.

Der Historiker Sima Qian beschrieb in seinem von 109 bis 91 v. Chr. geschriebenen Werk Shiji die Grabhalle Qin Shihuangdis folgendermaßen:

[Der Erste Kaiser] ließ den Gelben Fluss, den Jangtse und die Ozeane aus Quecksilber nachbilden; ein Mechanismus ließ das Quecksilber umherfließen. Die Decke wurde von den Konstellationen des Himmels geschmückt, der Boden mit einer Darstellung des Landes. Die Lampen wurden mit Tran gefüllt, der besonders lange brennen sollte.[19]

Neuere Untersuchungen mit Sonar- und Computertechnik haben tatsächlich eine hohe Quecksilberkonzentration im Berg nachgewiesen.

2010 wurde das Archäologenteam der Terrakotta-Armee von Xi'an mit dem Prinz-von-Asturien-Preis in der Kategorie Sozialwissenschaften ausgezeichnet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Roberto Ciarla (Hrsg.): Krieger für die Ewigkeit. Die Terrakotta-Armee des ersten Kaisers von China. Überarbeitete Aufl., vmb Publishers, Vercelli 2011, ISBN 978-88-540-1771-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Terrakotta-Armee – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Catharina Blänsdorf, Erwin Emmerling, Michael Petzet: Die Terrakottaarmee des Ersten Chinesischen Kaisers Qin Shihuang The Terracotta Army of the First Chinese Emperor. Abgerufen am 15. Juli 2016 (PDF, deutsch/englisch/chinesisch).
  2. http://www.history.de/heute-vor/detail/entdeckung-der-terrakotta-armee.html
  3. www.deutschlandfunk.de/ironische-alltagsabsurditaeten.700.de.html?dram:article_id=84561
  4. www.hoerzu.de/wissen-service/wissen/im-tv-des-kaisers-ewige-armee
  5. www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/swr2-wissen-auferstanden-aus-scherben/-/id=660374/did=2817488/nid=660374/18xdt5x/index.html
  6. edoc.ub.uni-muenchen.de/5170/1/Bathelt_Daniela.pdf
  7. http://www.deutschlandfunk.de/qin-shihunangdi-der-einiger-chinas.871.de.html?dram:article_id=325089
  8. wdr.de: Stichtag 11. Juli 2005, abgefragt am 10. Juli 2010
  9. Radio China International, abgefragt am 10. Juli 2010
  10. www.swr.de/schaetze-der-welt/xian/asien-china-filmtext-video/-/id=5355190/did=5982864/mpdid=5982860/nid=5355190/1a3z83u/index.html
  11. edoc.ub.uni-muenchen.de/5170/1/Bathelt_Daniela.pdf
  12. Chinesische Terrakotta-Armee. Farbenflash im Kaisergrab. Webseite Spiegel Online. Abgerufen am 3. Juni 2012.
  13. edoc.ub.uni-muenchen.de/309/1/Rogner_Ingo.pdf
  14. www.tum.de/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/kurz/article/32290/
  15. www.nationalgeographic.de/reportagen/macht-und-pracht-der-terrakotta-armee
  16. www.swr.de/-/id=2817490/property=download/nid.../swr2-wissen-20080102.rtf
  17. edoc.ub.uni-muenchen.de/5170/1/Bathelt_Daniela.pdf
  18. Die wiedererwachte Terrakotta-Armee der Qin-Dynastie, offizielle Broschüre des Qin-Mausoleums, 1. Auflage, Xi'an 2001, ISBN 7-5418-1820-8/K, S. 151
  19. Sīmǎ Qiān 司马迁: Aus den Aufzeichnungen des Chronisten / Shǐjì xuǎn 《史记选》. Běijīng: Verlag für fremdsprachige Literatur / Wàiwén chūbǎnshè 外文出版社, 2016; deutsche Übersetzung von Gregor Kneussel; ISBN 978-7-119-09676-6; Bd. 1, S. 59.

Koordinaten: 34° 22′ 55,2″ N, 109° 15′ 12,5″ O