Max Kretzer

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Max Kretzer, gezeichnet von Franz Skarbina
Grab von Max Kretzer; Berlin-Charlottenburg, Luisenfriedhof II

Max Kretzer (* 7. Juni 1854 in Posen; † 15. Juli 1941 in Berlin-Charlottenburg) war ein deutscher Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Max Kretzer wurde als der zweite Sohn eines Hotelpächters geboren. Bis zu seinem 13. Lebensjahr besuchte er die Realschule in Posen. Nachdem der Vater beim Versuch, sich als Gastwirt selbstständig zu machen, sein gesamtes Vermögen verloren hatte, musste Kretzer die Realschule abbrechen. 1867 zog die Familie nach Berlin, wo Max Kretzer in einer Lampenfabrik sowie als Porzellan- und Schildermaler arbeitete. 1878 trat er der SPD bei.[1] Nach einem Arbeitsunfall begann 1879 die intensive Lektüre von Autoren wie Zola, Dickens und Freytag, die ihn stark beeinflussten. Seit dem Erscheinen seines ersten Buches 1880 lebte Kretzer als freier Schriftsteller in Berlin.

Der Schriftsteller Hermann Bahr beschreibt die Wirkung, die die Bücher in Berlin hatten:

„Und wie horchten wir freudig auf, als sich nun gar auch noch unser eigener Zola fand, ein Berliner Zola: Max Kretzer, in dessen „Betrogenen“ und „Verkommenen“ unser tiefes menschliches Erbarmen mit den Enterbten ebenso auf seine Rechnung kam wie der schadenfrohe Hohn, einmal recht nach Lust in menschlicher Gemeinheit wühlen zu können;“

Hermann Bahr: Selbstbildnis, 1923[2]

Max Kretzer gilt als einer der frühesten Vertreter des deutschen Naturalismus. Er führte als einer der ersten Themen wie Fabrikarbeit, Verelendung des Kleinbürgers als Folge der Industrialisierung und die Arbeiterbewegung in die deutsche Literatur ein. Während der Autor anfangs der deutschen Sozialdemokratie nahestand, sind seine Werke nach der Jahrhundertwende von dem Gedanken eines „christlichen Sozialismus“ geprägt und tragen zunehmend den Charakter von Unterhaltungsliteratur und Kolportage. Einige von Kretzers späten Werken weisen nationalistische und antisemitische Züge auf. Nach 1933 sympathisierte er offen mit den nationalsozialistischen Machthabern.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die beiden Genossen, Berlin 1880
  • Sonderbare Schwärmer, Berlin
    • Bd. 1 (1881)
    • Bd. 2 (1881)
  • Die Betrogenen, Berlin
    • Bd. 1 (1882)
    • Bd. 2 (1882)
  • Schwarzkittel oder die Geheimnisse des Lichthofes, Leipzig [u. a.] 1882
  • Berliner Novellen und Sittenbilder, Jena
    • Bd. 1. Polizeiberichte, 1883
    • Bd. 2. Die Zweiseelenmenschen, 1883
  • Gesammelte Berliner Skizzen, Berlin [u. a.] 1883
  • Die Verkommenen, Berlin
    • Bd. 1 (1883)
    • Bd. 2 (1883)
  • Im Sturmwind des Socialismus, Berlin 1884
  • Drei Weiber, Jena
    • Bd. 1 (1886)
    • Bd. 2 (1886)
  • Im Riesennest, Leipzig 1886
  • Im Sündenbabel, Leipzig 1886
  • Bürgerlicher Tod, Dresden [u. a.] 1888
  • Meister Timpe, Berlin 1888 (Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv)
  • Ein verschlossener Mensch, Leipzig
    • Bd. 1 (1888)
    • Bd. 2 (1888)
  • Das bunte Buch, Dresden [u. a.] 1889
  • Die Bergpredigt, Dresden [u. a.]
    • Bd. 1 (1890)
    • Bd. 2 (1890)
  • Onkel Fifi, Berlin 1890
  • Gefärbtes Haar, Dresden [u. a.] 1891
  • Der Millionenbauer, Leipzig [Roman]; historischer Hintergrund siehe: Millionenbauern
    • Bd. 1 (1891)
    • Bd. 2 (1891)
  • Der Millionenbauer, Leipzig 1891 [Theaterstück]
  • Irrlichter und Gespenster, Weimar
    • Bd. 1 (1892)
    • Bd. 2 (1892)
    • Bd. 3 (1893)
  • Der Baßgeiger. Das verhexte Buch, Leipzig 1894
  • Die Buchhalterin, Dresden 1894
  • Die gute Tochter, Dresden 1895
  • Ein Unberühmter und andere Geschichten, Dresden [u. a.] 1895
  • Der Blinde. Maler Ulrich, Dresden [u. a.] 1896
  • Das Gesicht Christi, Leipzig [u. a.] 1896
  • Frau von Mitleid und andere Novellen, Berlin 1896
  • Furcht vor dem Heim und andere Novellen, Leipzig 1897
  • Berliner Skizzen, Berlin 1898
  • Der Sohn der Frau, Dresden [u. a.] 1899
  • Verbundene Augen, Berlin
    • Bd. 1 (1899)
    • Bd. 2 (1899)
  • Großstadtmenschen, Berlin 1900
  • Der Holzhändler, Berlin
    • Bd. 1 (1900)
    • Bd. 2 (1900)
  • Die Kunst zu heirathen, Berlin 1900
  • Die Verderberin, Berlin 1900
  • Warum?, Leipzig 1900
  • Die Madonna vom Grunewald, Leipzig 1901
  • Das Räthsel des Todes und andere Geschichten, Dresden 1901
  • Der wandernde Thaler, Leipzig 1902
  • Magd und Knecht, Berlin 1903
  • Die Sphinx in Trauer, Berlin 1903
  • Treibende Kräfte, Berlin-Charlottenburg 1903
  • Familiensklaven, Berlin 1904
  • Das Armband, Berlin 1905
  • Der Mann ohne Gewissen, Berlin 1905
  • Was ist Ruhm?, Berlin-Charlottenburg, 1905
  • Herbststurm, Berlin-Charlottenburg 1906
  • Das Kabarettferkel und andere neue Berliner Geschichten, Berlin 1907
  • Leo Lasso, Jauer [u. a.] 1907
  • Söhne ihrer Väter, Jauer [u. a.] 1907
  • Das Hinterzimmer, Jauer [u. a.] 1908
  • Mut zur Sünde, Glogau [u. a.] 1909
  • Reue, Leipzig 1910
  • Waldemar Tempel, Leipzig 1911
  • Die blanken Knöpfe, Leipzig 1912
  • Lebensbilder, Leipzig 1912
  • Das Mädchen aus der Fremde, Leipzig 1913
  • Steh auf und wandle, Leipzig 1913
  • Gedichte, Dresden 1914
  • Der irrende Richter, Dresden 1914
  • Die alten Kämpen, Berlin 1916
  • Berliner Geschichten, Berlin 1916
  • Ignaz Serbynski, Berlin [u. a.] 1918
  • Der Nachtmensch, Berlin [u. a.] 1918
  • Kreuz und Geißel, Leipzig 1919
  • Was das Leben spinnt, Berlin 1919
  • Wilder Champagner, Leipzig 1919
  • Assessor Lankens Verlobung, Berlin 1920
  • Fidus Deutschling, Germanias Bastard, Dessau 1921
  • Die Locke, Berlin 1922
  • Der Rückfall des Doktor Horatius, Leipzig 1935
  • Meister Timpe, Berlin: Das Neue Berlin, 1949

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pierre Angel: Max Kretzer, peintre de la société berlinoise de son temps. Le romancier et ses romans (1880-1900). Pr. Univ de France, Paris 1966.
  • W. B.: Meister Timpe. Sozialer Roman von Max Kretzer. (Berlin 1888.). In: Die neue Zeit. Revue des geistigen und öffentlichen Lebens. 6(1888), Heft 12, S. 574–576. Digitalisat
  • Wolfgang Emmerich: Kretzer, Max. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 13, Duncker & Humblot, Berlin 1982, ISBN 3-428-00194-X, S. 17 f. (Digitalisat).
  • Kurt Haase (Sendeleiter Südwestfunk): Die Zeit- und Gesellschaftskritik in den sozialen Romanen von Max Kretzer. Univ. Diss., Würzburg 1954.
  • Günter Helmes: Max Kretzer: "Meister Timpe". In: Der Deutschunterricht 40, 1988, H. 2, S. 51-64.
  • Günther Keil: Max Kretzer. A study in German naturalism. AMS PR. Rep. d. Ausg. New York 1928.
  • Julius Erich Kloss: Max Kretzer. Eine Studie zur neueren Literatur. Pierson, Dresden 1896.
  • Patrick Küppers: Die Sprache der Großstadt. Zeitkritik und ästhetische Moderne in den frühnaturalistischen Berlinromanen Max Kretzers. Marburg 2014.
  • Helmut May: Max Kretzers Romanschaffen nach seiner Herkunft, Eigenart und Entwicklung. Univ. Diss., Köln 1931.
  • Egon Müntefer: Max Kretzer und seine Bedeutung für den deutschen Roman der achtziger Jahre des XIX. Jahrhunderts. Univ. Diss., Münster 1923.
  • Max Kretzer. In: Franz Osterroth: Biographisches Lexikon des Sozialismus. Band I. Verstorbene Persönlichkeiten. J. H. W. Dietz Nachf., Hannover 1960, S. 171–172.
  • Larisa Petrovna Spak: Maks Kretcer i nemeckij naturalisticeskij roman 80 - 90-ch godov XIX st. Naukova Dumka, Kiew 1982.
  • H. Ströbel; Max Kretzer und sein neuestes Werk. In: Die neue Zeit. Revue des geistigen und öffentlichen Lebens. 16.1897-98, 1. Band (1898), Heft 11, S. 330–338. Digitalisat
  • Heinz Dieter Tschörtner (Hrsg.): Die Akte Max Kretzer. Archiv der Dt. Schillerstiftung, Berlin 1969.
  • Barbara Heidelauf Ward: Max Kretzer. Moral critic and social reformer. Mass.: Univ. Pr., Boston 1976.

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Franz Osterroth, S. 171.
  2. Hermann Bahr: Selbstbildnis. Berlin: S. Fischer 1923, 191.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]