Max von Brandt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Max von Brandt (ca. 1901)

Maximilian August Scipio von Brandt (* 8. Oktober 1835 in Berlin; † 24. August 1920 in Weimar) war ein deutscher Diplomat, Ostasien-Experte und Publizist.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Max von Brandt war Sohn des preußischen Generals und Militärschriftstellers Heinrich von Brandt, wurde evangelisch getauft und besuchte das Französische Gymnasium in Berlin. Er wurde zunächst preußischer Offizier. 1860/61 nahm er als Attaché an der preußischen Expedition des Grafen zu Eulenburg nach Ostasien teil, die am 24. Januar 1861 zur Unterzeichnung eines Japanisch-Preußischen Handelsvertrags führte. Er war danach Konsul, später Generalkonsul des Norddeutschen Bundes und seit 1872 deutscher Ministerresident in Japan. 1875 bis 1893 war er kaiserlich-deutscher Gesandter in China. 1882/83 schloss er ein Handels- und Freundschaftsabkommen mit Korea ab. Um zu einem besseren Verständnis der ostasiatischen Welt zu gelangen, studierte er vor Ort eingehend die Kultur und Geschichte Ostasiens. Aufgrund seiner guten Kenntnisse, seiner imposanten Persönlichkeit und seiner umgänglichen Art genoss er in der Pekinger Gesellschaft hohes Ansehen. In Peking war er viele Jahre Doyen des diplomatischen Korps.

Als Diplomat betonte er die Gemeinsamkeit der europäischen Interessen gegenüber China. Er förderte deutsche Handelsinteressen und war einer der Initiatoren der Eröffnung der deutschen Postdampferlinie nach China sowie auch der Gründung der Deutsch-Asiatischen Bank im Februar 1889 in Shanghai.

Seine vielbeachteten Abhandlungen und Sachbücher über Ostasien zählten zu den besten völkerkundlichen Beschreibungen, die zu seiner Zeit zur Verfügung standen. Seine erste Frau, eine gebürtige Wolff, starb 1891. Er heiratete am 15. April 1893 in Seoul die junge Miss Helen Maxima Heard (* 1868 in Hong Kong, † 1937) – auch genannt ‚Bébé‘ oder ‚Max‘ – die Tochter des US-amerikanischen Ministerresidenten und Generalkonsuls in Korea, Augustine Heard (* 1827, † 1905), trat 1893 in den Ruhestand und wohnte zuletzt in Weimar, Cranachstraße 35. Aus seiner zweiten Ehe ging die Tochter Elizabeth hervor. Max von Brandt war auch ein Sammler ostasiatischer Kunst. Von China aus belieferte er ein Museum in Berlin mit ostasiatischen Kunstgegenständen.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sprache und Schrift der Chinesen, Breslau, o. J. (ca. 1883) (41 Seiten).
  • Aus dem Land des Zopfes - Plaudereien eines alten Chinesen, Leipzig 1884 (132 Seiten), 2. Aufl. 1898 (195 Seiten).
  • Sittenbilder aus China - Mädchen und Frauen - Ein Beitrag zur Kenntnis des chinesischen Volkes, Stuttgart 1895 (87 Seiten), 2. Aufl. 1900.
  • Die Zukunft Ostasiens - Ein Beitrag zur Geschichte und zum Verständnis der ostasiatischen Frage, Stuttgart 1895 (80 Seiten), 2. Aufl. 1903.
  • Drei Jahre ostasiatische Politik 1894-97, Stuttgart 1897 (263 Seiten).
  • Ostasiatische Fragen - China, Japan, Korea - Altes und Neues, Berlin 1897 (359 Seiten).
  • Colonien- und Flottenfrage (Vortrag), Berlin 1897 (23 Seiten).
  • Die politische und commerzielle Entwicklung Ostasiens während der jüngsten Zeit (Vortrag), Leipzig 1898 (24 Seiten).
  • Die chinesische Philosophie und der Staats-Confucianismus, Stuttgart 1898 (121 Seiten).
  • China und seine Handelsbeziehungen zum Ausland mit besonderer Berücksichtigung der deutschen (= Schriften der Centralstelle zur Vorbereitung von Handelsverträgen 5), Berlin 1899.
  • Industrielle und Eisenbahn-Unternehmungen in China (= Verhandlungen der Deutschen Kolonialgesellschaft 3/4), Berlin 1899.
  • Zeitfragen - die Krisis in Südafrika - China - Commerzielles und Politisches - Colonialfragen, Berlin 1900 (394 Seiten).
  • 33 Jahre in Ostasien - Erinnerungen eines deutschen Diplomaten, Leipzig 1901 (319 Seiten).
  • Fremde Früchte - Sienkiewicz/Hearn/Kipling/Gorki, Stuttgart 1904.
  • Die englische Kolonialpolitik und Kolonialverwaltung, Halle a. S. 1906.
  • George Bogle und Thomas Manning: Aus dem Lande der lebenden Buddhas. Die Erzählungen von der Mission George Bogle's nach Tibet und Thomas Manning's Reise nach Lhasa (1774 und 1812). Aus dem Englischen des Mr. Clements R. Markham. Übersetzt und bearbeitet von Wirkl. Geh. Rat Max von Brandt. Hamburg 1909.
  • Der Chinese in der Öffentlichkeit und der Familie - Wie er sich selbst sieht und schildert - In 82 Zeichnungen nach chinesischen Originalen, Berlin, ca. 1910.
  • China, Japan und Korea in: Weltgeschichte (Hans Ferdinand Helmolt, Hrsg.), Bibliographisches Institut, Leipzig/Wien 1913, Band I.
  • China und Japan jetzt und später, Leipzig 1914.
  • Japan. Erinnerungen eines deutschen Diplomaten, Hamburg, Berlin, 1912 (Digitalisat in der Staatsbibliothek Berlin)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Wilhelm Bautz: Max von Brandt. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 1, Bautz, Hamm 1975. 2., unveränderte Auflage Hamm 1990, ISBN 3-88309-013-1, Sp. 195–196.
  • Wolfgang Franke: Brandt, Max von. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2, Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. 531 (Digitalisat).
  • Masako Hiyama: Max von Brandt (1835-1920). In: Brückenbauer. Pioniere des japanisch-deutschen Kulturaustausches. iudicium, Berlin 2005, ISBN 3-89129-539-1
  • Hans-Alexander Kneider: Deutsch-koreanische Beziehungen - Von den Anfängen bis zum Jahre 1910, in: Patrick Köllner (Hrsg.): Korea 1996 - Politik, Wirtschaft, Gesellschaft. Hamburg 1996, S. 19–49 (Auszug).
  • George Alexander Lensen: Balance of Intrigue: International Rivalry in Korea and Manchuria 1884 - 1899, Florida University Press, Tallahassee 1982, Vol. I & II, ISBN 0-8130-0722-4.
  • Aya Puster: Max von Brandt no hajimeteno Nippon taizai (Der erste Japan-Aufenthalt von Max von Brandt), in: Ronja Nihon no yogaku (Studien über die europäische Wissenschaft in Japan), Osaka 1998.
  • Holmer Stahncke: Die diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Japan 1854–1868. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1987, ISBN 3-515-04618-6
  • Richard Szippel: Max v. Brandt and German Imperialism in East Asia in the Late Nineteenth Century (Doktorarbeit, Universität Notre Dame, Notre Dame, Indiana, USA), August 1989, 332 Seiten (University Microfilm International, Ann Arbor, Michigan, USA, Bestell-Nr. 8923270).
  • Richard Szippel: End of the Century: Japan through German Eyes - Max von Brandt and Japan, 1894-1914, in: German History Vol. 9, October 1991, S. 309–326
  • Richard von Szippel: Japanese and American Expansion in the Late Nineteenth and Early Twentieth Century: German Perspective from Writings of Max von Brandt, in: Nanzan Review of American Studies, Vol. 15 (1993), S. 33–53
  • Richard Szippel: A German View of the Boxer Rebellion in China at the Turn of the Century: Max von Brandt and German Interests in China at the Turn of the Century, in: Academia - Humanities and Social Studies (Nanzan University), Vol. 58, September 1993, S. 47–76
  • Richard Szippel: Max von Brandt's View of America at the Turn of the Century, in: Nanzan Review of American Studies, Vol. 17 (1995), S. 59–80
  • Richard Szippel: The Cross and the Flag - Christian Missions in Late Nineteenth-Century China from the Perspectiv of the German Diplomat Max von Brandt, in: Mission Studies (International Association for Mission Studies), Vol. XIV, October 1997, S. 175–202
  • Rolf-Harald Wippich: Max von Brandt und die Gründung der OAG (Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens) - Die erste deutsche wissenschaftliche Vereinigung in Ostasien, in: Studien des Instituts für Kultur der deutschsprachigen Länder, 1993, Nr. 11, S. 64–77
  • Rolf-Harald Wippich: „Strich mit Mütze“ - Max von Brandt und Japan - Diplomat, Publizist, Propagandist. Tokyo 1995, ISBN 4-87238-006-1.
  • Rolf-Harald Wippich: Japan als Kolonie? Max von Brandts Hokkaido-Projekt 1865/67. Hamburg 1997, ISBN 3-934376-53-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

VorgängerAmtNachfolger
Theodor von Hollebenkaiserl. Deutscher Gesandter in Japan
1873–1875
Carl Eduard Zappe
Amt neu geschaffenkaiserl. Deutscher Gesandter in China
1875–1893
Gustav Schenck zu Schweinsberg