Maxhütte (Unterwellenborn)

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Maxhütte, 1946
Maxhütte, Walzwerk-Steuerbühne 1989

Die Maxhütte im thüringischen Unterwellenborn war ein Stahl- und Walzwerk, das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet wurde. Nach mehreren Namens- und Besitzeränderungen ging ihr Betrieb 1992 zu Ende. Seit 1995 existiert das Stahlwerk Thüringen an dieser Stelle.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maxhütte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Maxhütte wurde 1872 als Zweigwerk der Maximilianshütte im oberpfälzischen Sulzbach-Rosenberg in Betrieb genommen. Von 1921 bis 1946 war das Werk Teil des Flick-Konzerns. Ab 1936 wurde das Werk im Zuge der Kriegsvorbereitungen des NS-Regimes vollständig auf Rüstungsproduktion umgestellt. Während des Zweiten Weltkrieges wurden hier zahlreiche Kriegsgefangene sowie Zwangsarbeiter aus den von Deutschland besetzten Ländern eingesetzt.

Fernwasserleitung und Gedenkstein der FDJ-Aktion

Am 5. Juni 1946 wurde das Werk enteignet und zunächst als SAG-Betrieb, ab dem 1. Juli 1948 als Volkseigener Betrieb (VEB Bergbau- und Hüttenkombinat Maxhütte) weitergeführt. In den Wintermonaten 1948/49 folgten ca. 2700 Jugendliche dem Aufruf der FDJ zu einem Jugendobjekt mit dem Titel Max braucht Wasser! mit dem Ziel des Baus einer fünf Kilometer langen Fernwasserleitung von der Saale zum Werk innerhalb von drei Monaten. Das Kühlwasser wurde dringend für die Produktion benötigt. Da die Arbeitskräfte aufgrund des Mangels an Arbeitsgeräten nicht ausreichten, wurden zusätzlich hunderte Schüler aus den umliegenden Orten als Aufbauhelfer verpflichtet. Später wurde die FDJ-Initiative Max braucht Schrott oder Max braucht Knochen ausgegeben. Ersterer fielen auch einige Stahlbauwerke, z. B. ausgediente Eisenbahnbrücken, zum Opfer.

Anfangs war die Maxhütte der einzige Roheisenproduzent in der Sowjetischen Besatzungszone, da die anderen Stahlwerke in Gröditz, Riesa, Hennigsdorf und Freital als Reparationsleistungen für die Sowjetunion abgebaut und abtransportiert worden waren. In ihrer Spitzenzeit hatte die Maxhütte über 7000 Beschäftigte. Unter anderem wurde hier auch die Eisenbahnschiene S49 für die Deutsche Reichsbahn hergestellt. Bis 1987 gab es in der Nähe des Stahlwerks ein eigens eingerichtetes Haftarbeitslager für Zwangsarbeiter,[1] in dem Straf- und politische Gefangene des SED-Regimes untergebracht waren. Dort war unter anderem auch der DDR-Oppositionelle Arnold Vaatz als Zwangsarbeiter.[2][3][4]

Nach der Wende in der DDR wurde am 1. Juli 1990 aus dem VEB eine GmbH im Besitz der Treuhandanstalt. Nachdem das Betriebsgelände am 17. März 1992 an die Luxemburger Arbed-Gruppe verkauft worden war, wurde am 10. Juli 1992 der letzte Hochofen-Abstich vorgenommen, womit eine 120-jährige Geschichte der Roheisenproduktion beendet wurde.

Nach der Maxhütte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 11. November 1995 ging das neue Elektrostahlwerk mit 650 Beschäftigten in Betrieb, jetzt unter der Bezeichnung Stahlwerk Thüringen GmbH. Seit dem Zusammenschluss mehrerer Stahlhersteller im Jahr 2001 gehört das Werk zur Arcelor-Gruppe. Die Maxhütte Unterwellenborn selbst wurde im Sommer 1996 aus dem Handelsregister gestrichen.

Im Sommer 2006 ging der neue Mutterkonzern Arcelor in die Mittal-Gruppe des indischen Stahlherstellers Lakshmi Mittal ein. Aufgrund einer Auflage des Kartellamtes wurde das Stahlwerk Thüringen aus Wettbewerbsgründen im Januar 2007 aber von Mittal wieder verkauft, und zwar für 590 Millionen Euro an die spanische Grupo Alfonso Gallardo. Im Februar 2012 übernahm die brasilianische Companhia Siderúrgica Nacional (CSN) das Werk.[5][6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Maxhütte (Unterwellenborn) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 50° 39′ 6″ N, 11° 26′ 15″ O

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Studie: Zwangsarbeit in 600 DDR-Betrieben
  2. Filmdoku: Spurensuche in Ruinen von Anna Schmidt, Produktion MDR 2008
  3. Biographie beim Deutschen Bundestag
  4. Arnold Vaatz im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  5. http://www.stahlwerk-thueringen.de/de/swt, abgerufen am 8. Dezember 2012.
  6. Vom Zuckerhut nach Ostdeutschland. Mehr und mehr brasilianische Unternehmen überwinden die Scheu vor einer Investition in Deutschland. In: FAZ, 3. Dezember 2012, S. 17.