Maximale Arbeitsplatz-Konzentration

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Maximale Arbeitsplatz-Konzentration (MAK-Wert) gibt die maximal zulässige Konzentration eines Stoffes als Gas, Dampf oder Schwebstoff in der (Atem-)Luft am Arbeitsplatz an, bei der kein Gesundheitsschaden zu erwarten ist, auch wenn man der Konzentration in der Regel 8 Stunden täglich, maximal 40 (42) Stunden in der Woche ausgesetzt ist (Schichtbetrieb).

Deutschland[Bearbeiten]

Seit 1. Januar 2005 besteht in Deutschland mit dem Inkrafttreten der neuen, deutschen Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) ein neues Grenzwert-Konzept. Die neue GefStoffV kennt nur noch gesundheitsbasierte Grenzwerte, genannt Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) und Biologischer Grenzwert (BGW). Die alten Bezeichnungen MAK-Werte und BAT-Werte sind zwar noch gebräuchlich, aber anzuwenden sind die aktuellen Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS), insbesondere die TRGS 900 „Arbeitsplatzgrenzwerte“[1] mit Stand vom 4. August 2010 und die TRGS 903 „Biologische Grenzwerte“ mit Stand Dezember 2006.[2]

Die ständige Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Gefahrstoffe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) veröffentlicht weiterhin zum 1. Juli jedes Jahres Vorschläge für MAK- und BAT-Werte.[3] Diese werden anschließend von dem Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) geprüft und gegebenenfalls in die Gefahrstoffverordnung übernommen. Die derzeitige Vorsitzende der MAK-Kommission ist Andrea Hartwig.

Konzept[Bearbeiten]

Die Maximale Arbeitsplatz-Konzentration ist die Konzentration eines Stoffes, die einem Arbeitnehmer an seinem Arbeitsplatz höchstens zugemutet werden darf. Je niedriger der Grenzwert eines Stoffes ist, umso gesundheitsschädlicher ist er. Dabei gelten die MAK-Werte für Personen, die gesund und im erwerbsfähigen Alter sind. Die MAK-Werte werden jährlich durch die Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Regelfall nach unten angepasst und veröffentlicht. Beschließendes Organ ist der AGS (Ausschuss für Gefahrstoffe); die rechtlich bindende Bekanntgabe der Grenzwerte (früher: MAK, jetzt: AGW) erfolgt in der TRGS 900 "Arbeitsplatzgrenzwerte".[4]

In der Regel wird die tatsächliche Fremdstoffkonzentration nie ganz konstant sein, sondern Schwankungen unterliegen, die aber in vielen Fällen einen Spitzenwert nicht überschreiten dürfen. Den Stoffen werden daher stoffspezifische Überschreitungsfaktoren (Verhältnis von kurzzeitig erlaubter Konzentrationsspitze zum MAK-Wert) zugeordnet.[5] Die Definitionen der Überschreitungsfaktoren können im Abschnitt VI der Liste nachgelesen werden.[6]

Für (potentiell) krebserzeugende Stoffe gelten andere Regeln, die in einem eigenen Abschnitt III der Liste aufgeführt werden.[7] Dabei erfolgt eine Einteilung in fünf Kategorien, die von „Stoffe, die beim Menschen Krebs erzeugen und bei denen davon auszugehen ist, dass sie einen Beitrag zum Krebsrisiko leisten.“ (Kategorie 1) bis zu „Stoffe, die bei Tier oder Mensch Krebs erzeugen oder als krebserzeugend für den Menschen anzusehen sind und für die ein MAK-Wert abgeleitet werden kann.“ (Kategorie 5) reichen. Für Stoffe der Kategorien 1 und 2 werden grundsätzlich keine MAK-Werte angegeben, da eine Exposition vermieden werden muss. Der ihnen zugeordnete Grenzwert hieß vor Inkrafttreten der Gefahrstoffverordnung Technische Richtkonzentration (TRK). Für die anderen Kategorien werden zwar MAK-Werte angegeben, sie gelten aber als vorläufig und als besonders strikt zu beachten. Für den Umgang mit krebserregenden Stoffen gilt im Übrigen die TRGS 905 (Technische Regel für Gefahrstoffe: „Verzeichnis krebserregender, erbgutverändernder oder fortpflanzungsgefährdender Stoffe“).[8]

Entsprechendes gilt für keimzellmutagene Substanzen (Abschnitt IX).[9]

Besondere Bedingungen gelten für Schwangere (Abschnitt VIII).[10] Hierzu werden die Stoffe einer der drei Gruppen A („Eine fruchtschädigende Wirkung ist beim Menschen sicher nachgewiesen und auch bei Einhaltung des MAK- und BAT-Wertes zu erwarten.“) bis C („Eine fruchtschädigende Wirkung braucht bei Einhaltung des MAK- und BAT-Wertes nicht befürchtet zu werd“) bzw. D („Für die Beurteilung der fruchtschädigenden Wirkung liegen entweder keine Daten vor oder die vorliegenden Daten reichen für eine Einstufung in eine der Gruppen A, B oder C nicht aus“) zugeordnet.

Speziell ausgewiesen werden allergene Substanzen (Abschnitt IV), je nachdem, ob der Effekt die Haut („Sh“), die Atemwege („Sa“) oder Haut und Atemwege („Sah“) betrifft oder zu einer Photokontakt-Sensibilisierung („SP“) führt.[11]

Wo eine perkutane Aufnahme zu einer besonderen Belastung führt (Abschnitt VII), wird die „Zusatzbezeichnung H“ angebracht.[12]

Die MAK-Werte gelten für einzelne Stoffe. Sind mehrere Stoffe vorhanden, so können aus den MAK-Werten nur sehr beschränkt Schlüsse gezogen werden, ob das Gemisch eine toxische Wirkung hat.[13] Rechtlich ermöglicht TRGS 402 für diesen Fall eine Beurteilung der Gefährdung.[14] TRGS 402 bezieht sich aber auf die nach der Gefahrstoffverordnung geltenden Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW), nicht auf die Empfehlungen der MAK-Kommission (MAK-Werte).

Beispiele für MAK-Werte
Schadstoff MAK in mg/m³
SO2 1,3
CO 35
CO2 9100
NO2 0,95[15]
N2O 180
Ozon kein MAK-Wert festgelegt[16]
Halothan 41[17]
Enfluran 150
Isofluran kein MAK-Wert festgelegt[18]
Einatembare Fraktion 10
Alveolengängige Fraktion 0,3[19]
Brom kein MAK-Wert festgelegt[20]


Die maximalen Immissions-Konzentrationen – MIK sind Empfehlungen für Grenzwerte, für die Luftverunreinigungen bodennah im Freien außerhalb der Emissionsquelle für Mensch und Tier oder Pflanze bei dauernder Einwirkung als unbedenklich erachtet werden. Meist wird MIK als 1/20 des MAK-Wertes angesetzt:

MIK ~ MAK/20

Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz wird der Begriff MAK-Wert weiterhin verwendet. MAK-Werte werden von der Suva erlassen gemäß Art. 50 Abs. 3 der Verordnung des Bundesrates vom 19. Dezember 1983 über die Verhütung von Unfällen und Berufskrankheiten.[21] Der Erlass erfolgt im Einvernehmen mit der Grenzwert-Kommission der Schweizerischen Vereinigung für Arbeitsmedizin, Arbeitshygiene und Arbeitssicherheit (Suissepro). Die Grenzwerte erscheinen in der Broschüre „Grenzwerte am Arbeitsplatz“[22], die von der Suva herausgegeben wird.

Österreich[Bearbeiten]

Die Konzentration von gefährlichen Stoffen in der Luft am Arbeitsplatz wird mit Hilfe von Grenzwerten beurteilt. In Österreich sind gemäß Grenzwerteverordnung (GKV) MAK- und TRK-Werte verbindlich festgelegt.[23]

Literatur[Bearbeiten]

  • Deutsche Forschungsgemeinschaft, Senatskommission zur Prüfung Gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe: MAK- und BAT-Werte-Liste: maximale Arbeitsplatzkonzentrationen und biologische Arbeitsstofftoleranzwerte. Weinheim: Wiley-VCH, 1992, ISSN 0417-1810
  • Helmut Greim (Hrsg.): Passivrauchen am Arbeitsplatz. Weinheim u.a.: Wiley-VCH, 1999. ISBN 3-527-27654-8 (i. A.: Deutsche Forschungsgemeinschaft / Senatskommission zur Prüfung Gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe)
  • Eleftheria Lehmann (Hrsg.): Arbeitsplatzmessungen: ein Leitfaden zur Planung und Beurteilung. Bremerhaven: Wirtschaftsverlag NW, Verl. für Neue Wiss., 1985 ISBN 3-88314-452-5 (i.A. Bundesanstalt für Arbeitsschutz, Nachfolgeeinrichtung: BAuA)
  • Jürgen Auffarth, Burkhard Homburg (Bearbeiter): Empfohlene Analysenmethoden für Arbeitsplatzmessungen – Dokumentation, Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz, Nachfolgeeinrichtung: BAuA, 2. ergänzte Auflage, Dortmund 1984
  • Bundesgesetzblatt Jahrgang 2004 Teil I Nr. 74, ausgegeben zu Bonn am 29. Dezember 2004

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. TRGS 900 (Technische Regel für Gefahrstoffe: "Arbeitsplatzgrenzwerte")
  2. TRGS 903 (Technische Regel für Gefahrstoffe: "Biologische Grenzwerte")
  3. Ständige Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe (Deutsche Forschungsgemeinschaft)
  4. TRGS 900 (Technische Regel für Gefahrstoffe: "Arbeitsplatzgrenzwerte")
  5. Aufstellung von MAK-Werten Ständige Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Gefahrstoffe der Deutschen Forschungsgemeinschaft
  6. Abschnitt VI der MAK- und BAT-Werte-Liste 2014
  7. Abschnitt III der MAK- und BAT-Werte-Liste 2014
  8. TRGS 905 (Technische Regel für Gefahrstoffe: "Verzeichnis krebserregender, erbgutverändernder oder fortpflanzungsgefährdender Stoffe")
  9. Abschnitt IX der MAK- und BAT-Werte-Liste 2014
  10. Abschnitt VIII der MAK- und BAT-Werte-Liste 2014
  11. Abschnitt IV der MAK- und BAT-Werte-Liste 2014
  12. Abschnitt IV der MAK- und BAT-Werte-Liste 2014
  13. Abschnitt I der MAK- und BAT-Wert Liste 2014 (Bedeutung, Benutzung und Ableitung von MAK-Werten)
  14. Technische Regel für Gefahrstoffe 402 (Ermitteln und Beurteilen der Gefährdungen bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen: Inhalative Exposition)
  15. MAK Dokumentation für Schwefeldioxid
  16. MAK Dokumentation für Ozon
  17. MAK Dokumentation für Halothan
  18. MAK Dokumentation für Isofluran
  19. Festlegung von Grenzwerten für Stäubeständige Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Gefahrstoffe der Deutschen Forschungsgemeinschaft
  20. MAK Dokumentation für Brom
  21. Verordnung über die Verhütung von Unfällen und Berufskrankheiten (Verordnung über die Unfallverhütung, VUV)
  22. suva: Grenzwerte am Arbeitsplatz
  23. Grenzwerteverordnung 2011 - GKV 2011

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: MAK-Wert – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen