Maxime Weygand

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Maxime Weygand auf dem Titelbild von Time, 1933
Maxime Weygand (zweiter von links) bei den Waffenstillstandsverhandlungen in Compiègne

Maxime Weygand [vɛ'ɡɑ̃] (* 21. Januar 1867 in Brüssel; † 28. Januar 1965 in Paris) war ein französischer General im Ersten und Zweiten Weltkrieg.

Jugend und Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weygands tatsächliche Abstammung ist bis heute nicht geklärt. Er selbst gab stets an, sie sei ihm unbekannt. Gerüchten zufolge soll er ein illegitimer Sohn der Kaiserin Charlotte von Belgien gewesen sein. Hierzu war jedoch niemals Genaueres in Erfahrung zu bringen.[1] Es wird aber auch vermutet, er könnte ein unehelicher Sohn des belgischen Königs Leopold II., Charlottes Bruder, gewesen sein. Seine Kindheit bis zum Alter von sechs Jahren verbrachte er in Marseille in der Obhut einer Witwe namens Virginie Saget; David Cohen de Léon, ein mit Leopold II. befreundeter Finanzmann sephardischer Herkunft, wurde später sein Pflegevater.

1885 trat Weygand unter dem Pseudonym de Nimal, dem Namen von Cohen de Léons Lebensgefährtin, in die Militärschule Saint-Cyr ein. Zwei Jahre darauf bestand er sein Diplom, trat der Kavallerie bei und wurde nach der Ausbildung in Saumur zum 4. Dragonerregiment versetzt. Als er zwanzig Jahre alt war, adoptierte ihn der Buchhalter seines Vormunds, François-Joseph Weygand, wodurch er die französische Staatsbürgerschaft erhielt. 1900 heiratete er Renée Weygand (geborene de Forsanz). In der Vorkriegszeit lehnte er mehrere Gelegenheiten, eine Generalstabsausbildung zu absolvieren, ab, jeweils mit der Begründung, die Nähe zur Truppe sei ihm wichtiger. Nach der Ernennung zum Oberstleutnant wurde er aufgrund seiner Leistungen an die Militärhochschule vermittelt und 1913 zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Einen Monat nach Kriegsbeginn wurde er im Rang eines Oberst in den Stab von Marschall Ferdinand Foch berufen und stieg bis Kriegsende zum Generalmajor auf.

Als enger Berater Fochs war er auch bei den Waffenstillstandsverhandlungen mit dem deutschen Kaiserreich im November 1918 zugegen.

1920 wurde Weygand Generalleutnant und als französischer Militärberater der polnischen Armee im Polnisch-Sowjetischen Krieg entsandt. Sein Anteil am Sieg der Polen unter Marschall Józef Pilsudski war jedoch auch nach eigener Aussage gleich null, da Weygand erst nach der Entscheidungsschlacht von Warschau in Polen eingetroffen war. Für einen französischen Generalstäbler hatte man aufgrund der Talente der eigenen Heerführer keine Verwendung, das wiederauferstandene Polen erhoffte sich von Frankreich in erster Linie materielle Hilfe. Dennoch wurde er bei seiner Rückkehr in sein Heimatland als Nationalheld gefeiert.

Weygand fungierte ab 1923 als Kommandeur der französischen Streitkräfte in der Levante und als Hochkommissar von Syrien und dem Libanon. Im Zuge dessen erhielt er die Beförderung zum General und übernahm das Amt als Hochkommissar von General Henri Gouraud. 1925 wurde er mit dem estnischen Freiheitskreuz ausgezeichnet.[2] Mit der Rückkehr nach Frankreich übernahm er Posten im Obersten Kriegsrat und an der Spitze der Militärhochschule. 1931 wurde er gleichzeitig mit Pierre Benoit in die Académie française gewählt und löste dort Foch ab. Bis zu seinem Ruhestand 1935 und darüber hinaus verfasste er einige Werke über die französische Militärgeschichte.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weygand zeigte sich zwar nicht wie sein späterer politischer Weggefährte Marschall Henri Philippe Pétain gleichgültig gegenüber den technologischen Neuerungen auf dem Schlachtfeld, doch war er auch keiner ihrer Vorkämpfer. Die ihm fremde Blitzkriegstrategie der Wehrmacht verleitete ihn im späteren Verlauf zu etlichen Fehlentscheidungen.

Im Spannungszustand vor Kriegsbeginn wurde der General 1939 von Premierminister Édouard Daladier aus dem Ruhestand zurückberufen. Im wurde das Kommando über die französischen Truppen seiner alte Wirkungsstätte im Nahen Osten überantwortet. Gleichzeitig war er für die Koordination der Streitkräfte in der Levante und im Balkan verantwortlich. Während des sowjetisch-finnischen „Winterkriegs“ plante er einen Angriff auf die sowjetischen Erdölförderzentren im Kaukasus. Nach einem Luftangriff sollte das Gebiet um Baku durch französische und britische Truppen besetzt werden.

Angesichts der Krise des Mai 1940 berief man Weygand als Oberkommandeur an Stelle des abgelösten Maurice Gamelin. Gemeinsam mit der belgischen und englischen Armee plante er eine Gegenoffensive, die jedoch schon im Voraus zum Scheitern verurteilt war, da die Alliierten zu diesem Zeitpunkt bereits stark zurückgedrängt worden waren. Weygands Handlungen trugen noch zusätzlich zu Verlusten bei; während die deutschen Befehlshaber ihre Offensive mobil und nah an der Truppe anführten, blieb der französische Kommandeur in seinem Hauptquartier und forderte erst nach zwei Tagen Bedenkzeit die gleiche Gegenoffensive, die sein Vorgänger ebenfalls befürwortet hatte. Weygand konnte sich nicht auf die moderne Kriegsführung einlassen und war mit dem Panzereinsatz der deutschen Wehrmacht überfordert.

Im Gegensatz zu Charles de Gaulle, der in seinem „Appell des 18. Juni“ 1940 den Krieg als Weltkrieg bezeichnete, vermutete Weygand eine Wiederholung des Deutsch-Französischen Krieges von 1870 und erkannte ebenso wenig wie Marschall Pétain die geschichtliche Bedeutung der Situation. Sowohl in Churchills als auch in de Gaulles Memoiren wird Weygand als defätistisch, anglophob und antirepublikanisch beschrieben. Er lässt sich der rechten Politik zuordnen.

Im Regime von Vichy[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 25. Mai 1940 wurde in einer Konferenz im Élysée-Palast über einen Waffenstillstand diskutiert. Nachdem Churchill den massiven Einsatz der Royal Air Force ablehnte, setzte sich Weygand wie die Mehrheit der hohen Militärführung für eine rasche Beendigung der Feindseligkeiten mit dem nationalsozialistischen Deutschen Reich ein. Er bemühte sich überdies, die Waffenstillstandsbedingungen von Compiègne 1940 unter dem französischen Offizierskorps populärer zu machen. Dem Regime von Vichy diente er in mehreren Ämtern, unter anderem für drei Monate als Verteidigungsminister. Sein Erlass vom 30. September 1941 schloss fast sämtliche jüdischen Schulpflichtigen von öffentlichen Schulen aus. Zudem ließ er Regimegegner in den Süden Algeriens und nach Marokko deportieren. Erwähnenswert ist ebenso Weygands Rolle bei der logistischen Unterstützung des deutschen Afrikakorps, die teilweise durch Vichy-französische Truppen versorgt wurden. Dennoch verweigerte er die Auslieferung der nordafrikanischen Infrastruktur an die Deutschen und auch weitere Unterstützung gegen die Alliierten. Die Regierung berief Weygand daraufhin zurück nach Vichy. Am 12. November 1942 wurde von der Waffen-SS festgenommen und ließ ihn unter dem Decknamen Lottermann an verschiedenen Orten in Deutschland internieren: zunächst zwischen November 1942 und Januar 1943 in der SS-Unterführerschule Radolfzell, danach in Lübtheen-Garlitz und zuletzt auf Schloss Itter in Tirol. Am 5. Mai 1945 wurden die dort Inhaftierten bei der Schlacht um Schloss Itter von übergelaufenen Truppen der Wehrmacht und der amerikanischen Armee im Einsatz gegen die Waffen-SS befreit.

Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer Untersuchungshaft im Krankenhaus Val-de-Grâce wurde er im Mai 1946 freigelassen, und 1948 wurde die Anklage gegen ihn als Kollaborateur vom französischen Obergericht eingestellt. In den letzten Jahren seines Lebens hielt sich Weygand aus der Politik heraus. Dafür war er umfangreich publizistisch tätig und schrieb unter anderem auch über Charles de Gaulle, der vom Kollaborationsregime seinerzeit in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden war. Eine wichtige Straße in Beiruts Wirtschaftsviertel trägt den Namen Rue Weygand.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernard Destremau: Weygand. Le grand livre de mois, Paris 1990 (frz.)
  • Barnett Singer: Maxime Weygand: A Biography of the French General in Two World Wars. McFarland, 2008, ISBN 978-0-7864-3571-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Maxime Weygand – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Erika Bestenreiner, Die Frauen aus dem Hause Coburg, München 2008, S. 98–102.
  2. Vollständige Liste der Ordensträger (.doc; 5,4 MB)
Vorgänger Amt Nachfolger
Paul Reynaud Verteidigungsminister von Frankreich
16. Juni 19406. September 1940
Charles Huntziger