Maya-Codices

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die Maya-Codices sind gefaltete Bilderhandschriften auf Amatl-Papier Bilderhandschriften, in denen Informationen über das Leben der Maya, aber auch über Religion, Mystik, Astronomie und Mathematik, aufgezeichnet wurden. Sie waren wahrscheinlich Handbücher von Priestern. Die Maya hatten ein hoch entwickeltes Schriftsystem aus Bildern, Schrift- und Zahlenzeichen.

Erhaltene Maya-Codices[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Zeit der Conquistadoren und die Zerstörungen aller „heidnischen“ Objekte (vor allem durch Diego de Landa im Jahr 1562) existieren heute nur noch vier mit Sicherheit authentische Maya-Bücher. Sie wurden alle zur Unterscheidung nach ihrem späteren Aufbewahrungsort benannt:

  • Madrider Codex (auch Codex Tro-Cortesianus, 112 Seiten, 6,82 Meter)
  • Dresdner Codex (auch Codex Dresdensis, 74 Seiten, 3,56 Meter)[1]
  • Pariser Codex (auch Codex Peresianus, 22 Seiten, 1,45 Meter)
  • Mexiko Maya Codex (früher Codex Grolier, 11 Seiten, 1,38 Meter), dieser galt lange als Fälschung.[2][3] Neuere Forschungen tendieren jedoch eher dazu die Echtheit des Codex zu untermauern. Beispielsweise wurde die Abbildung des Berggottes mit gespaltenem Kopf auf Seite 9 des Codex ursprünglich als Erfindung der Fälscher angesehen – spätere archäologische Funde aus Tancah und Pasión del Cristo zeigen aber diesen Gott auf Artefakten. Dass die Fälscher von diesem Gott wussten bevor dieser in späteren Funden auftaucht erscheint sehr unwahrscheinlich und wird auch als eines der neuen Argumente für die Echtheit angesehen.[4]

Inhalt und Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Codices beinhalten Ritual- und Deutungskalender, astronomische Berechnungen und mythologische Kalender. Aufgrund ihres Inhaltes waren die vier erhaltenen Maya-Handschriften vermutlich Handbücher von Kalenderpriestern.[5]

Die vier Codices entstanden wahrscheinlich in den letzten Jahrhunderten vor der spanischen Eroberung, der Postklassik. Aufgrund sprachlicher und künstlerischer Übereinstimmungen mit lokalen Inschriften wird angenommen, dass die drei schon länger bekannten Bücher (Madrid, Dresden, Paris) aus der gleichen Region, dem nördlichen Teil der Halbinsel Yucatán, stammen.[2] Wie sie von Yucatán bis nach Europa gelangten, ist trotz intensiver Nachforschungen nicht bekannt. Das zuletzt entdeckte Buch (Mexiko) stammt aus einer Raubgrabung, als Ursprungsort wird Chiapas angenommen.[6]

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Großteil dessen, was wir heute über die Maya wissen, stammt aus diesen Codices. Weitere Aufzeichnungen finden sich nur als Inschriften an Gebäuden und Skulpturen der Maya. Später, zu Zeiten der spanischen Herrschaft, entstand das Popol Vuh, das von Francisco Ximénez ins Spanische übersetzt wurde. Man vermutet, dass die Maya über eine ausgefeilte Literatur verfügt haben, die jedoch die Zeit der Kolonialherrschaft nicht überstanden hat.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Maya-Codices – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. The Dresden Codex. 1200–1250. Abgerufen am 21. August 2013.
  2. a b Nikolai Grube: Der Dresdner Maya-Kalender: Der vollständige Codex. Verlag Herder, Freiburg, 2012, ISBN 978-3-451-33332-3, S. 21–22.
  3. Susan Milbrath: New Questions Concerning the Authenticity of the Grolier Codex. In: Latin American Indian Literatures Journal, Jg. 18 (2002), Nr. 1, S. 50–83.
  4. Michael Coe; Stephen Houston; Mary Miller; Karl Taube: Maya Archaeology 3: Featuring the Grolier Codex. Hrsg.: Precolumbia Mesoweb Press. 2015, ISBN 978-0-9859317-0-4, S. 256 (amazon.com).
  5. Nikolai Grube: Der Dresdner Maya-Kalender: Der vollständige Codex. Verlag Herder, Freiburg, 2012, ISBN 978-3-451-33332-3, S. 32.
  6. Jörg Römer: Original oder Fälschung? Die mysteriöse Maya-Schrift aus der Höhle. auf Spiegel Online