Mayor of London

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Mayor of London ist der gewählte Bürgermeister von London, England. Er ist der exekutive Teil der aus ihm und dem zu seiner Kontrolle bestimmten London Assembly gebildeten Greater London Authority. Seine Aufgaben sind die Erstellung des Budgets und die strategische Planung einiger Regierungsaufgaben im Bereich von Greater London. Dazu zählen u. a. Verkehr, Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste und Wirtschaftsförderung. Das Amt des Mayor of London ist nicht mit demjenigen des Lord Mayor of London zu verwechseln; letzterer Titel ist historisch gewachsen und hat heute nur noch zeremonielle Bedeutung.

Grundlage dieses Amtes ist der Greater London Authority Act 1999, der vom britischen Parlament nach einem am 7. Mai 1998 im künftigen Anwendungsgebiet abgehaltenen Referendum verabschiedet wurde. Bei einer geringen Wahlbeteiligung von 34,1 % hatten sich 72 % der Abstimmenden für das Gesetz ausgesprochen.

Der Mayor of London wird alle vier Jahre direkt vom Volk gewählt. London spielte in dieser Hinsicht eine Vorreiterrolle, andere Städte in Großbritannien sind seither diesem Beispiel gefolgt.

Wahlen zum Mayor of London[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahlverfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wer sich als Bürgermeisterkandidat aufstellen lassen will, muss zunächst 10.000 £ als Kaution hinterlegen. Nur Kandidaten, die über 5 % der Gesamtstimmen erhalten, bekommen das Geld wieder zurück.

Die Wahl erfolgt nach dem Supplementary Vote. Dabei hat jeder Wähler je eine Stimme für eine erste und eine zweite Präferenz. Zunächst werden die Stimmen erster Präferenz ausgezählt. Erreicht dabei kein Kandidat mehr als die Hälfte der Stimmen, werden alle Kandidaten bis auf die beiden Erstplatzierten eliminiert. Für die eliminierten Kandidaten werden die Stimmen zweiter Präferenz ausgewertet und diese, wenn sie für einen der beiden verbleibenden Kandidaten abgegeben wurde, zu dessen Stimmen erster Präferenz hinzugezählt. Gewählt ist der Kandidat, der die höchste Summe aus den zusammenaddierten Stimmen erster und zweiter Präferenz erreicht hat.

Wie bei Stichwahlsystemen allgemein üblich, gibt es auch hier das Problem des negativen Stimmgewichtes. Das Wahlverfahren ähnelt dem Instant-Runoff-Voting (abgekürzt IRV), verwendet aber nur zwei Präferenzen, was dazu führen kann, dass anders als beim IRV einige abgegebene Stimmen am Ende gar nicht mehr gewertet werden: Alle Stimmzettel, bei denen Erst- und Zweitpräferenz eliminiert wurden, fallen aus der Auszählung heraus, während sie beim IRV mit weiteren Präferenzen ausgewertet würden. So wurden bei der Wahl 2012 346.626 Erststimmen eliminiert, es gingen aber nur 185.235 Zweitstimmen in das Endergebnis ein. Andererseits gewährleistet das Wahlrecht, dass einer der beiden Kandidaten mit der höchsten Zahl an Stimmen erster Präferenz gewählt wird, was von manchen als Vorteil gesehen wird, während beim Instant-Runoff-Voting auch ein nachgeordneter Kandidat erfolgreich sein kann, der bei den Stimmen erster Präferenz nur auf den 3. oder einen der folgenden Plätze kam.

Wahl 2000[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Wahl fand am 4. Mai 2000 statt und wurde von Ken Livingstone gewonnen. Seine Wahl war sehr umstritten. Nachdem er von der Labour Party nicht nominiert worden war, kandidierte er als Unabhängiger und wurde aus der Partei ausgeschlossen. Die Conservative Party musste ihren Kandidaten Jeffrey Archer zurückziehen, nachdem dieser wegen Meineids angeklagt (und später auch verurteilt) wurde. Die Wahlbeteiligung betrug 34 %.[1]

Mehrheiten nach Wahlbezirken:
Ken Livingstone (Unabhängiger)
Steve Norris (Konservative)
Kandidat Partei Stimmen
1. Präferenz
in % Stimmen
2. Präferenz
in % Gesamt in %
Ken Livingstone Unabhängig 667.877 39,0 178.809 12,6 776.427 57,9
Steve Norris Conservative Party 464.434 27,1 188.041 13,2 564.137 42,1
Frank Dobson Labour Party 223.984 13,1 228.095 16,6
Susan Kramer Liberal Democrats 203.452 11,9 404.815 28,5
Sonstige 154.515 8,9 421.214 29,7

Wahl 2004[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der zweiten Wahl am 10. Juni 2004 wurde Livingstone wiedergewählt, diesmal allerdings als offizieller Labour-Kandidat. Die Wahlbeteiligung betrug 36,9 %.[2]

Mehrheiten nach Wahlbezirken:
Ken Livingstone (Labour)
Steve Norris (Konservative)
Kandidat Partei Stimmen
1. Präferenz
in % Stimmen
2. Präferenz
in % Gesamt in %
Ken Livingstone Labour Party 685.541 35,7 250.517 13,0 828.380 55,4
Steve Norris Conservative Party 542.423 28,2 222.559 11,6 667.178 44,6
Simon Hughes Liberal Democrats 284.645 14,8 465.704 24,3
Frank Maloney UKIP 115.565 6,0 193.157 10,0
Sonstige 235.397 12,2 459.506 24,0

Wahl 2008[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der dritten Wahl am 1. Mai 2008 löste der Konservative Boris Johnson den für eine weitere Amtsperiode kandidierenden Livingstone ab. Die Wahlbeteiligung lag bei 45,3 %.[3]

Mehrheiten nach Wahlbezirken:
Boris Johnson (Konservative)
Ken Livingstone (Labour)
Kandidat Partei Stimmen
1. Präferenz
in % Stimmen
2. Präferenz
Gesamt in %
Boris Johnson Conservative Party 1.043.761 42,48 124.977 1.168.738 53,2
Ken Livingstone Labour Party 893,877 36,38 135.089 1,028,966 46,8
Brian Paddick Liberal Democrats 236.685 9,63
Siân Berry Green Party 77,374 3,15
Richard Barnbrook British National Party 69,710 2,84
Sonstige 94.551 3,85

Wahl 2012[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der vierten Wahl am 3. Mai 2012 wurde Amtsinhaber Boris Johnson für eine weitere Amtsperiode bestätigt. Die Wahlbeteiligung lag bei 38 %.[4]

Mehrheiten nach Wahlbezirken:
Boris Johnson (Konservative)
Ken Livingstone (Labour)
Kandidat Partei Stimmen
1. Präferenz
in % Stimmen
2. Präferenz
Gesamt in %
Boris Johnson Conservative Party 971.931 44,01 82.880 1.054.811 51,53
Ken Livingstone Labour Party 889.918 40,30 102.355 992.273 48,47
Jenny Jones Green Party 98.913 4,48
Brian Paddick Liberal Democrats 91.774 4,16
Siobhan Benita Unabhängig 83.914 3,80
Lawrence Webb UK Independence Party 43.274 1,96
Carlos Cortiglia British National Party 28.751 1,30

Wahl 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wahl fand am 5. Mai 2016 statt. Kandidat der Labour Party war Sadiq Khan, und der Kandidat der Konservativen war Zac Goldsmith. Die Liberal Democrats nominierten ihre Fraktionsführerin in der Londoner Stadtverordnetenversammlung (London assembly) Caroline Pidgeon. Durch die Grünen wurde Siân Berry, die schon 2008 kandidierte, als Kandidatin benannt. Die Wahlbeteiligung lag bei 45,3 %.[5]

Mehrheiten nach Wahlbezirken:
Sadiq Khan (Labour)
Zac Goldsmith (Konservative)
Kandidat Partei Stimmen
1. Präferenz
in % Stimmen
2. Präferenz
Gesamt in %
Sadiq Khan Labour Party 1.150.579 44,2 161.427 1.310.143 65,5
Zac Goldsmith Conservative Party 910.941 35,0 84.859 994.614 34,5
Siân Berry Green Party 152.027 5,8
Caroline Pidgeon Liberal Democrats 121.051 4,7
Peter Whittle UK Independence Party 94.425 3,6
Sophie Walker Women’s Equality 51.841 2,0
George Galloway Respect Party 36.357 1,4
Paul Golding Britain First 31.257 1,2
Lee Harris Cannabis Is Safer Than Alcohol 20.714 0,8
David Furness British National Party 13.362 0,5
Prince Zylinski Unabhängiger 13.057 0,5
Ankit Love One Love Party 4.959 0,2

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. London and local elections 2000. BBC News, abgerufen am 7. Mai 2016 (englisch).
  2. Full London overview. BBC News, 2004, abgerufen am 7. Mai 2016 (englisch).
  3. London mayoral election 2008. BBC News, 2008, abgerufen am 7. Mai 2016 (englisch).
  4. Vote 2012. 2012, abgerufen am 7. Mai 2016 (englisch).
  5. London Elections 2016. BBC News, 6. Mai 2016, abgerufen am 6. Mai 2016 (englisch).