Mazzin

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Mazzin
Wappen
Mazzin (Italien)
Mazzin
Staat Italien
Region Trentino-Südtirol
Provinz Trient (TN)
Lokale Bezeichnung Mazin
Koordinaten 46° 27′ N, 11° 42′ OKoordinaten: 46° 27′ 0″ N, 11° 42′ 0″ O
Höhe 1395 m s.l.m.
Fläche 23,63 km²
Einwohner 564 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte 24 Einw./km²
Stadtviertel Campestrin, Fontanazzo, Fontanazzo di sopra, Mazzin
Postleitzahl 38030
Vorwahl 0462
ISTAT-Nummer 022113
Volksbezeichnung Mazzinesi
Schutzpatron Santa Maria Maddalena (22. Juli)
Website Mazzin
Kirche Maria Magdalena im Ortsteil Mazzin

Mazzin (ladinisch Mazin; deutsch veraltet Matzin) ist eine norditalienische Gemeinde mit 564 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2017) im Fassatal im Trentino (Provinz Trient) östlich des Rosengarten. Sitz der Gemeindeverwaltung ist der Ortsteil Fontanazzo. Schutzpatron des Ortes ist die hl. Maria Magdalena.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname Mazzin stammt wahrscheinlich aus dem Lateinischen "Macinus" und bedeutet übersetzt "Mühle".[2] Der Ort wurde in den 1960er-Jahren bekannt durch Funde wichtiger Hinterlassenschaften von Siedlungen rätischen Ursprungs, die aus dem 4. bis 5. Jahrhundert v. Chr. stammen. Auf der Ausgrabungsstätte am "Doss dei Pigui", am linken Ufer des Avisio, fand man Reste einer antiken Festung, Geräte in Bronze, Waffen und Schmuckstücke, die heute im Ladinischen Museum in Vigo di Fassa aufbewahrt werden.[3] Das historische Zentrum von Mazzin verfügt über einige Gebäude mit Fresken von historischem Interesse.

Casa Battel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Mazzin ist das einzige Beispiel einer intakten, ländlich-herrschaftlichen Bauernburg des gesamten Fassatales erhalten: die "Casa Battel" (von ital. Casa: Haus, auch "Cèsa/Ciasa Battel" und "Casa/Cèsa/Ciasa Cassan", "Gasthaus zum schwarzen Mann" oder umgangssprachlich Castello bzw. die Burg) wurde im 15. Jh. gebaut und im 16. Jh. befestigt, und ist mit einem Giebelturm, und mit Dekorationen und Fresken von beachtlichem, künstlerischem Wert ausgestattet.[2] Von besonderem Interesse sind die Verzierungen an den Ecken und um die Türen und Fenster. Das Jahr 1785 ist an der Nordtür verziert. Südlich, der Hauptstraße zugewandt, wurde im 19. Jh. die Aufschrift "Gasthaus zum schwarzen Mann, Jakob Cassan" angebracht. An dem Gebäude finden sich religiöse Fresken: eine Mariahilf-Madonna mit Kind, Heiligen und Armen Seelen mit Heiliger Veronika und Antonius von Padua (1791); zwei Abbildungen von Johannes Nepomuk und dem Heiligen Florian (1791); eine weitere Madonna mit Kind, Antonius von Padua und der Heiligen Juliana (17. Jh.); und ein weiteres Gemälde mit einer Darstellung des Johannes dem Täufer (17. Jh.). Der Name Battel geht zurück auf eine im Fassatal alteingesessene Familie[4]. Der Name Cassan und die Bezeichnung "zum schwarzen Mann" gehen zurück auf den, aus Afrika stammenden, dunkelhäutigen Händler Jakob Cassan, der im 19. Jh. in dem Gebäude eine Schänke betrieb.[5][6]

Dorf der Pitores[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mazzin ist auch bekannt als das „Dorf der Pitores“ (italienisch: Il paese dei pitores) und weist eine jahrhundertealte Tradition des Kunsthandwerks auf, die noch heute vereinzelt lebendig ist. Die Pitores (deutsch: Maler) aus Mazzin waren Kunsthandwerker wie Dekorationsmaler und Maler im Bereich der bäuerlichen Malerei. Viele Ortschaften und Täler in Ladinien entwickelten spätestens im 18. Jh. eine spezifische Kunst- und Handwerkstradition[7]. Sie zogen auf der Suche nach Arbeit seit der 2. Hälfte des 18., insbesondere aber seit dem frühen 19. Jahrhundert saisonweise aus, um als Wandermaler (auch Maler auf der Stör oder Störmaler) andernorts Fassaden, Stubengetäfel, Möbel wie Truhen, Alltagsgegenstände, aber auch Kirchen zu bemalen[8]. Charakteristisch für die Fassaner Möbelmalerei ist eine grünliche bis blaue Grundierung, auf der – zumeist in einer Mischung rot-weißer Farbtöne – Blumenknospen, Rosenknospen und andere florale Motive, Vögel, bäuerliche Motive, religiöse Monogramme und ähnliches in Ei- oder Kasein-Tempera aufgemalt wurden. Die Motive sind mit wenigen, oft blass wirkenden Farben klar ausgeführt. Charakteristisch und dominierend ist oft ein kräftiges Kobaltblau, auch bekannt geworden unter dem Namen "Fassanerblau". Spuren von Fassaner Malern fanden sich in der gesamten ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie, in der Schweiz und in Bayern.[7] Zwischen den beiden Weltkriegen kommt die kunsthandwerkliche Produktion unter den schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen zum Erliegen. Heute finden sich Beispiele für die Fassaner Möbelmalerei im Museum Ladin Ćiastel de Tor und im Tiroler Volkskunstmuseum.[8] In Mazzin selbst kann man neben den Fresken an der Casa Battel, weitere Beispiele der Fassaner Malkunst an Hausfassaden besichtigen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst eine Fläche von 23,63 km². Der Ort liegt auf einer Höhe von 1.395 Metern über dem Meer. Ortsteile (frazioni) sind Campestrin, Fontanazzo, Fontanazzo di sopra und Mazzin. Die Nachbargemeinden sind Canazei, Campitello di Fassa, Tiers und Pozza di Fassa. Mazzin grenzt mit der Gemeinde Tiers an die Provinz Bozen (Südtirol) an. Auf dem Gemeindegebiet liegt die Antermoiahütte.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mazzin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2017.
  2. a b Mazzin - Campestrin - Fontanazzo. Tourismusverband Val di Fassa, abgerufen am 23. September 2018.
  3. Alberto Alberti: Osservazioni sul Doss dei Pigui. In: Institut Cultural Ladin (Hrsg.): Archeologia nelle Dolomiti. 1993 (italienisch, academia.edu [abgerufen am 22. September 2018]).
  4. Alois Rastner: Heimatbuch Rodeneck. In: Digitalisierter Bestand der Landesbibliothek Dr. Friedrich Teßmann. 1986, abgerufen am 24. September 2018 (Erwähnung des Namens, 17. Jh.).
  5. Lokalzeitung Trentino (Hrsg.): Mazzin, è in vendita la casa «dell’Uomo nero». (italienisch, giornaletrentino.it [abgerufen am 22. September 2018]).
  6. Sterbebild von Cassan Giacomo Antonio (geb. 1845). In: Sterbebilder gesamt Tirol Nord-, Ost- und Südtirol. Abgerufen am 24. September 2018.
  7. a b Handwerk | Museumladin. Abgerufen am 22. September 2018.
  8. a b Karl C. Berger: Eine Truhe im Museum. In: Oberösterreichisches Landesmuseum. Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, abgerufen am 20. September 2018.