MeVis Medical Solutions

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MeVis Medical Solutions AG
Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN DE000A0LBFE4
Gründung 1997
Sitz Bremen
Leitung Marcus Kirchhoff (Vorstandsvorsitzender)
Mitarbeiter 94 FTE (2014)[1]
Umsatz 13,09 Mio. Euro (2014)[1]
Branche Software
Medizintechnik
Website www.mevis.de

Die MeVis Medical Solutions AG mit Sitz in Bremen ist ein börsennotierter Hersteller von Softwareprodukten für die bildbasierte Medizin mit dem Schwerpunkt krankheitsorientierte klinische Applikationen.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ursprung der 1997 gegründeten MeVis geht auf das Jahr 1992 zurück, in dem das Center for Complex Systems and Visualization (CeVis) an der Universität Bremen gegründet worden ist. Wesentlichen Einfluss hatte hieran insbesondere Prof. Dr. Heinz-Otto Peitgen, langjähriger Aufsichtsratsvorsitzender der MeVis Medical Solutions AG bis 09.06.2015.

Durch Vorlaufprojekte des CeVis mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg und der Universität Marburg wurden die entscheidenden Impulse für die Konzeption von MeVis geliefert.

Hieraus sind dann zwei unabhängige Unternehmen entstanden, das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS (mit den Schwerpunkten in Wissenschaft und Forschung) und die MeVis Medical Solutions AG (mit dem Schwerpunkt der kommerziellen Entwicklung und Vermarktung von Applikationen).

Die MeVis Medical Solutions wurde mit dem Ziel gegründet, auf Basis der wissenschaftlichen Erfolge im Bereich der Forschung kommerziell erfolgreiche krankheitsorientierte Produkte zu entwickeln und zu vermarkten und ist seit 2007 börsennotiert.

Die MeVis Medical Solutions hält im Rahmen eines Joint Ventures mit der Siemens Aktiengesellschaft, Berlin und München, 51% an der MeVis BreastCare GmbH & Co. KG, Bremen.

Geschäftstätigkeit[Bearbeiten]

Die MeVis Medical Solutions AG und ihre Beteiligung MeVis BreastCare GmbH & Co. KG entwickeln innovative Software zur Analyse und Bewertung von Bilddaten und vermarkten diese an Hersteller von Medizinprodukten und Anbieter von medizinischen IT-Plattformen.

Die klinischen Schwerpunkte sind dabei die bildbasierte Früherkennung und Diagnostik epidemiologisch bedeutsamer Erkrankungen, wie zum Beispiel Brust-, Lungen-, Leber-, Prostata- und Darmkrebs sowie neurologische Erkrankungen.

Die Software-Applikationen unterstützen dabei alle zur Anwendung kommenden bildgebenden Verfahren. Dazu zählen nicht nur die auf Röntgenstrahlen basierenden Verfahren wie Computertomographie, die digitale Mammographie oder die digitale Tomosynthese, sondern auch die Magnetresonanztomographie (auch Kernspintomographie), die digitale Sonographie und die simultane Nutzung mehrerer Verfahren (Multimodalität). Hinzu kommen neuere bildgebende Verfahren, wie zum Beispiel die Positronen-Emissions-Tomographie (PET), Sono-Elastographie oder molekulare Bildgebung. MeVis liefert für Weltmarktführer in der Medizinbranche Technologien und Applikationen, welche die Ansprüche dieser Unternehmen an die Technologieführerschaft erfüllen und helfen deren Position auszubauen.

Darüber hinaus bietet MeVis im Bereich MeVis Distant Services bildbasierte Unterstützung bei der Planung und Durchführung von chirurgischen Eingriffen. MeVis Distant Services bietet individuelle Dienstleistungen zur softwaregestützten Aufbereitung, quantitative Analysen und patientenindividuelle Visualisierungen radiologischer Bilddaten. Ferner wird ein international einzigartiges Verfahren zur Planung komplizierter Operationen der Leber und anderer Organe angeboten. Der Vertrieb und das Marketing erfolgen hierbei direkt an klinische Endkunden (B2C).

In den Anfangsjahren von MeVis stand die bildbasierte Früherkennung und Diagnostik von Brustkrebs im Vordergrund; heute nutzt MeVis seine klinische Expertise, das Know How aus dem Bereich Brustkrebs, die technologische Marktführerschaft sowie das breite Partnernetzwerk der Gesellschaften zur sukzessiven Weiterentwicklung der Software-Applikationen zur Anwendung bei anderen onkologischen Erkrankungen.

Produktbereiche[Bearbeiten]

Brust[Bearbeiten]

Die verschiedenen MeVis-Softwareprodukte zur Brustkrebsbefundung unterstützen die Analyse und Darstellung von Aufnahmen aus dem Mammographiescreening und anderen Aufnahmeverfahren für eine frühzeitige, schnelle und sichere Diagnose.

Durch langjährige Erfahrung im Bereich der softwaregestützten Analyse bildgebender Untersuchungen und Kompetenz in Workflow, computergestützter Diagnose (CAD) und Systemintegration bieten die Applikationen optimale Voraussetzungen, Brustkrebs möglichst frühzeitig erkennen und therapieren zu können.

Mit dem Ziel, die Kundenbedürfnisse insbesondere im Bereich der Anzeige- und Lesegeschwindigkeit auch bei vielen Patienten und großen Datenmengen zu erfüllen, bietet MeVis programmierbare Workflow-Funktionen durch Spezialtastaturen, computergestützte Diagnose (CAD) und eine optimale Organisation von Doppelbefundungen in enger Anbindung an RIS- und PACS-Systeme.

Neben der digitalen Mammographie sowohl für das Screening als auch für die Diagnose werden weitere Verfahren wie 3D-Ultraschall, Magnetresonanztomographie (MRT), Positronen-Emissions-Mammographie (PEM), Computertomographie (CT) und die Tomosynthese optimal unterstützt. Insbesondere die Unterstützung der Tomosynthese als dreidimensionale Weiterentwicklung der digitalen Mammographie hat durch den Markterfolg der entsprechenden Gerätehersteller in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen.

Lunge[Bearbeiten]

Softwarelösungen von MeVis im Bereich Lunge erkennen in computertomographischen Aufnahmen vollautomatisch Anomalien - wie zum Beispiel Lungentumore oder pulmonare Embolien. Mehrschicht-Computertomographie (MSCT) ist dabei der Stand der Technik in der dreidimensionalen medizinischen Röntgen-Bildgebung. Dank der besseren Detailauflösung spielt sie heute eine wichtige Rolle in der modernen Lungendiagnostik. Innerhalb von wenigen Sekunden werden kleinste Deteils der gesamten Lunge dreidimensional abgebildet. Die Auswertung der wachsenden Datenmengen stellt jedoch zunehmend eine Herausforderung dar.

MeVis` Software ermöglicht eine zeiteffiziente und sichere radiologische Befundung dieser MSCT-Aufnahmen im klinischen Alltag. Modernste Bildverarbeitungs- und Mustererkennungsalgorithmen für die computergestützte Diagnose (CAD) von Erkrankungen im Brustbereich erlauben die detaillierte Segmentierung anatomischer Strukturen der Lunge, die vollautomatische Detektion von Anomalien (Lungentumore, pulmonale Embolien) und deren Bewertung und Quantifizierung. CAD-Technologie von MeVis bietet Radiologen eine unterstützende, unabhängige und reproduzierbare Bewertung der Bilddaten und kommt weltweit im Rahmen der Früherkennung, klinischen Diagnostik und Therapie von Lungenerkrankungen zum Einsatz.

Im Bereich des sich für die USA abzeichnenden Screenings zur Früherkennung von Lungenkrebs bei starken Rauchern bietet MeVis Software zur Workflow Unterstützung, insbesondere zum Vergleich mit Voraufnahmen, der Einbindung von CAD-Ergebnissen und zum automatisierten Reporting an (Veolity).

Leber[Bearbeiten]

MeVis Distant Services (MDS) bietet dem Leberchirurgen eine umfassende Unterstützung in der Operationsplanung.

Bei schwerwiegenden Lebererkrankungen, wie Leberkrebs, Hepatitis-C, und alkoholbedingter Leberzirrhose ist eine sorgfältige Operationsplanung auf der Basis radiologischer Schnittbilder entscheidend für den Erfolg eines chirurgischen Eingriffs. Aufgrund des komplexen inneren Aufbaus der Leber stellt dies jedoch immer eine Herausforderung für die behandelnden Ärzte dar.

Auf Basis von Computertomographie- (CT-) oder Magnetresonanztomographie- (MRT-) Aufnahmen erstellt das MDS-Expertenteam detaillierte Planungsvarianten mit dreidimensionalen Darstellungen der Leberanatomie sowie exakten Volumenquantifizierungen und Risikoabschätzungen. Führende Leberchirurgen weltweit nutzen diese Internet gestützte Dienstleistung und profitieren von dem Expertenwissen des MDS-Teams, das auf mehr als 7.000 Planungsfällen beruht.

Neuro[Bearbeiten]

MeVis-Software für neurologische Erkrankungen wertet komplexe bildbasierte Analysen aus und bietet so die Basis für eine sichere und schonende Planung von Hirnoperationen.

fMRI-(Functional Magnetic Resonance Imaging) und Diffusions-Tensor-(DTI) Bildgebung können Funktionsareale, wie zum Beispiel motorische oder sprachliche Regionen, erfassen und Faserbahnen sichtbar machen. Durch gleichzeitige Darstellung (Fusion) solcher Daten mit weiteren Aufnahmen kann die Relation zu Hirntumoren dargestellt werden - dadurch werden komplexe Zusammenhänge sichtbar. Damit hilft die MeVis-Softwarelösung dem Neurochirurgen, den bestmöglichen Zugang zum Tumor zu planen und erlaubt damit eine sichere, schonende und zuverlässige Behandlung von Patienten mit neurologischen Erkrankungen.

Zusätzlich lässt sich mit Hilfe dynamischer Bildgebung die Durchblutung des Gehirns messen. Die Applikation berechnet verschiedene Kennzahlen (rCBV, rCBF, TTP etc.) und stellt diese in Farbkarten dar, die die Diagnose primärer Hirndurchblutungsstörungen (Schlaganfall) und die Beurteilung der Bösartigkeit von Tumoren und Verlaufskontrollen unterstützen.

Prostata[Bearbeiten]

Zur Befundung der Prostata wertet MeVis-Software dynamische Aufnahmen aus dem Magnetresonanztomographen (MRT) aus und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Abklärung bei Verdacht auf Prostatakrebs.

Die Bestimmung des PSA-Spiegels (prostataspezifisches Antigen) im Blut ist eine der häufigsten Vorsorgeuntersuchungen. Diese ist nicht sehr spezifisch. Zur Abklärung von Auffälligkeiten wird deshalb vermehrt auf die Bildgebung durch Magnetresonanztomographie gesetzt.

Zur Diagnose von Prostatakarzinomen mittels MRT wird ein Kontrastmittel eingesetzt. Es werden dynamische Volumendatensätze aufgenommen, in denen sich der Tumor durch veränderte Durchblutungseigenschaften gegenüber dem gesunden Gewebe abzeichnet. Dadurch wird eine sehr genaue Charakterisierung und Lokalisierung auch von kleinen Tumoren (5 mm) möglich.

MeVis Online Academy[Bearbeiten]

Als MeVis Online Academy bietet MeVis elektronische Online Trainings zur Verbesserung der Diagnosefähigkeiten sowohl für klinische Endkunden direkt als auch indirekt über OEM Industriekunden an.

Webbasierte radiologische Fallsammlungen bieten dabei Trainingsmöglichkeiten mit dedizierten Hängeprotokollen und interaktiven radiologischen Betrachtungs- und Befundungswerkzeugen. Die trainierbaren bildgebenden Verfahren umfassen die digitale Mammographie, Tomosynthese, Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT) sowie Sonographie.

Vorteile für den Kliniker sind die zeitliche und örtliche Flexibilität der Nutzung durch installationsfreie Browserapplikationen, die den Zugriff auf eine Vielzahl klinischer Fallsammlungen anerkannter Experten inklusive zugehöriger Lösungen ermöglicht. Es stehen damit einzigartige hochqualitative Werkzeuge für die Fortbildung und das kontinuierliche radiologische Training inklusive Lernerfolgskontrolle zur Verfügung.

Forschung und Entwicklung[Bearbeiten]

Die MeVis Medical Solutions AG arbeitet eng mit Forschungsinstituten zusammen, wie zum Beispiel mit dem Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS und anderen Instituten, die vornehmlich die Forschungsleistungen erbringen. Der überwiegende Teil der bei der Gesellschaft beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wir im Rahmen der Entwicklung von Software-Applikationen eingesetzt.

Technologieplattform MeVisLab[Bearbeiten]

MeVis nutzt für die rasche Entwicklung von Softwareprototypen die MeVis eigene Forschungs- und Entwicklungsumgebung MeVisLab. Mit dieser lassen sich die entwickelten Methoden und Arbeitsabläufe sehr schnell in klinischen Umgebungen erproben, evaluieren und zeitnah optimieren (Rapid Prototyping). Methoden, Algorithmen und Arbeitsabläufe, die auf Basis von MeVisLab entwickelt wurden, können durch Verknüpfung mit Softwaretechnologien für die Produktentwicklung in kurzer Zeit in marktreife Produkte überführt werden. Dies führt zu einer deutlichen Verkürzung der Entwicklungs- und Produkteinführungszeiten.

Technologieplattform MeVisAP[Bearbeiten]

MeVisAP, eine selbst entwickelte Technologieplattform, stellt Basisdienste bereit, wie etwa die Einbindung in das Kliniknetzwerk, Lizenzverwaltung, Verwaltung von Studien und Arbeitslisten, Aufbereitung von 2D-, 3D- und 4D-Bilddaten sowie die Erstellung optisch ansprechender Berichte und Befunde. Durch die Client-Server-Technologie kann der Anwender von jeder Station aus seine Fälle bearbeiten, den Rat anderer Experten einholen und seine Arbeit jederzeit unterbrechen bzw. fortsetzen. Durch das modulare Konzept kann MeVis zügig Kombinationen verschiedener klinischer Fragestellungen oder Bildgebungsverfahren ganz nach Kundenwunsch zusammenstellen und miteinander verbinden. MeVisAP dient einerseits als vollständige Befundungsplattform, andererseits lassen sich Teilfunktionen aus bestehenden Systemen (RIS, PACS, Systemplattformen) darin integrieren.

Förderprojekte[Bearbeiten]

Im Rahmen ihrer zukunftsweisenden Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten beteiligt sich MeVis regelmäßig an durch EU und BMBF geförderten Forschungsprojekten und kooperiert mit führenden Forschungsinstituten, nationalen Forschungszentren, onkologischen Kliniken und mittelständischen Unternehmen.

Anteilseigner[Bearbeiten]

Aktionäre mit mehr als 3 % Anteil am Grundkapital

Anteil Anteilseigner
73,52 % VMS Deutschland Holdings GmbH (Varian Medical Systems)
3,01 % Oppenheim Asset Management Services S.à.r.l.
23,47 % Free Float

[2]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Kennzahlen
  2. Aktionärsstruktur MeVis

53.1041178.859953Koordinaten: 53° 6′ 14,8″ N, 8° 51′ 35,8″ O