Mecklenburgische Seenplatte

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Mecklenburgische Seenplatte
Kölpinsee, Jabelscher See und Fleesensee bei Jabel
Kölpinsee, Jabelscher See und Fleesensee bei Jabel
Fläche 6 014,4 km² [1]
Systematik nach Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands
Naturraum 1. Ordnung Norddeutsches Tiefland
Naturraum 2. Ordnung 70, 72–75 →
Nordostdeutsche Seenplatte
Naturraum 3. Ordnung 75 →
Mecklenburgische Seenplatte
Geographische Lage
Koordinaten 53° 16′ 30,1″ N, 12° 39′ 47,2″ OKoordinaten: 53° 16′ 30,1″ N, 12° 39′ 47,2″ O
Die Nordostdeutsche Seenplatte mit der Mecklenburgischen Seenplatte (75) und ihrem Rückland (74)
Die Nordostdeutsche Seenplatte mit der Mecklenburgischen Seenplatte (75) und ihrem Rückland (74)
Bundesland Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Schleswig-Holstein
Die Müritz ist der zweitgrößte deutsche und größte komplett deutsche See und liegt im Herzen der mecklenburgischen Seenplatte. Blick von der Marienkirche auf den Hafen von Röbel.
Östlicher Teil der Seenplatte (Feldberger Seenlandschaft) nach Sonnenuntergang aus etwa 8 km Höhe
Sonnenuntergang an der Müritz

Die Mecklenburgische Seenplatte oder auch Mecklenburger Seenplatte ist eine seenreiche Jungmoränenlandschaft im Nordosten Deutschlands, die sich in einem nach Südosten gebogenen, rund 240 km langen und nur um 30 km breiten Streifen vom Ostrand Lübecks über Schwerin, das Großseengebiet um die Müritz und das Kleinseengebiet um Neustrelitz bis Eberswalde zieht.

Nicht synonym ist der Name Mecklenburger Seenland, der meistens die gesamte seenreiche Landschaft mit Zentrum in Mecklenburg meint und irreführenderweise oftmals mit dem bekannteren Namen der Seenplatte beworben wird. Das Seenland besteht in der Hauptsache aus der Mecklenburger Seenplatte und dem geomorphologisch etwas anderen, sich nördlich anschließenden und ebenfalls seenreichen Rückland der Mecklenburger Seenplatte. Das Mecklenburger Seenland gehört neben der Masurischen Seenplatte und der Pommerschen Seenplatte zu den drei großen Seengebieten südlich der Ostsee.

Naturräumlich ist die Mecklenburgische Seenplatte eine Großregion 3. Ordnung und bildet zusammen mit ihrem Rückland nebst Abdachungen nach Nordosten bis kurz vor die Ostseeküste sowie ihrer nordwestlichen Fortsetzung, dem Schleswig-Holsteinischen Hügelland, die Großregion 2. Ordnung Nord(ost)deutsche Seenplatte der Großregion 1. Ordnung Norddeutsches Tiefland.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mecklenburgische Seenplatte liegt im zentralen und südlichen Teil des Landes Mecklenburg-Vorpommern im Landesteil Mecklenburg. Im Südosten geht das Seengebiet über die Landesgrenze zu Brandenburg hinaus. Deswegen wird manchmal auch die Bezeichnung Mecklenburgisch-Brandenburgische Seenplatte verwendet. Im Nordwesten liegen kleine Teile in Schleswig-Holstein.

In der Seenplatte liegen, von Nordwest nach Südost, die (z. T. ehemaligen) Kreisstädte Ratzeburg (Schleswig-Holstein), Grevesmühlen, Gadebusch, Schwerin, Sternberg, Lübz (in südlicher Randlage), Waren, Röbel, Neustrelitz (alle Mecklenburg-Vorpommern), Templin und, am äußersten Südostrand, Eberswalde (letztgenannte in Brandenburg).[1]

Ebenfalls seenreich ist das Rückland der Mecklenburgischen Seenplatte mit (wieder von Nordwest nach Südost) Bützow, Güstrow, Teterow, Malchin, Altentreptow, Neubrandenburg, Strasburg, Pasewalk (Nordrand) sowie auf brandenburgischer Seite Prenzlau und Angermünde, das sich nach Nordosten anschließt. Dieses Gebiet ist jedoch nicht Teil der Seenplatte und bildet eine eigene Großregion 3. Ordnung.[1]

Entstehung und Abgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Seenplatte ist Teil des Nördlichen Landrückens. Sie geht zurück auf ein riesiges glaziales Gebiet und ist im Verlauf der Weichsel-Kaltzeit vor etwa 20.000 bis 17.000 Jahren im Rücklaufen des Inlandeises sowie danach in den Urstromtälern und Sandern des Pommerschen Stadiums entstanden.

Im sogenannten Frankfurter Stadium, etwa um das Jahr 18.000 v. Chr., lag die heutige Mecklenburgische Seenplatte im südwestlichsten Teil des Zungenbeckens, das die Ostseegletscher bildeten. Ihre Südwestgrenze ist die heute noch im Relief erkennbare Endmoräne jenes Stadiums. Etwa um 15.000 v. Chr., im Pommern-Stadium, hatte sich das Gletschereis um rund 30 km nach Nordosten zurückgezogen,[2] sodass sich im Gebiet der heutigen Seemlatte Sander und Urstromtäler ausbildeten. Das Eis schüttete nicht nur die Endmoränen auf und stauchte sie, sondern es formte beim Tieftauen auch Hohlformen, auf denen sich Seen bildeten. Das abfließende Schmelzwasser formte, teils schon unter dem Eis, Rinnen, auf dem heute viele der Seenketten liegen. [1]

Die Hauptendmoräne des Pommerschen Stadiums der Weichselvereisung ist der Höhenzug, der sich von Chorin nordöstlich Eberswaldes über die Rosenberge (145,8 m) bei Feldberg, den Keulenberg (137,7 m) nordöstlich von Neustrelitz, die Kalkberge 128 m nordwestlich von Waren und bis nördlich Sternberg nach Nordwesten zieht, um in einem Halbkreis im Gegenuhrzeigersinn, zunächst nach Norden und vorbei an der Hohe Burg (147,4 m) Neukloster nördlich zu umrahmen und schließlich die Wismarbucht im Gegenuhrzeigersinn, vorbei am Heideberg (112,7 m) östlich Grevesmühlens, im Klützer Winkel mit dem Hohen Schönberg (90 m) das Ostseeküstengebiet zu treffen.[2][3][4] Diese Endmoräne bildet die scharfe Nordostgrenze der Seenplatte. Ob das Dassower Becken westlich des Klützer Winkels und nordöstlich von Dassower See und Untertrave noch zur Seenplatte gehört[1] oder den westlichsten Teil des Mecklenburgisch-Vorpommerschen Küstengebietes („Ostseeküstenland“) darstellt,[5] ist Interpretationssache.

Unmittelbar nordöstlich der Endmoräne schließt sich das noch etwas „jüngere“ Rückland der Mecklenburgischen Seenplatte an. Dieses hat insgesamt ein belebtes Relief und höhere Extremhöhen, liegt aber in der Summe und insbesondere in den Niederungen tiefer als die Platte selber.[1][4]

Historische Entwicklung des Begriffs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff Mecklenburgische Seenplatte ist mindestens seit dem zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts belegt.

„bildet sie hüglige und wellige Flächen von 2–400 Höhe, mit bis zu 600 aufsteigenden Gipfeln (der Helpter Berg), und heißt mecklenburgische Seenplatte…“

Carl Holl, Geographische Heimatskunde von Württemberg und Deutschland[6]

Eine Reihe von älteren Quellen setzen den Begriff "Mecklenburgische Seenplatte" mit dem Mecklenburger Landrücken gleich. Die Seenplatte erstreckt sich danach zwischen Lübeck und der Oder über ein relativ breites Gebiet von etwa 100 Kilometer Breite.

„An den Holsteinischen Rücken schließt sich an der Lübecker Bucht der an Seen [...] überaus reiche Mecklenburger Rücken oder Mecklenburger Seenplatte an, in einer mittleren Breite von 15 M nach S.O fortschreitend, bis er zwischen Oderberg und dem Papenwasser[7] das Oderthal berührt.“[8]

Während ein Eintrag im Brockhaus die Hohe Burg bei Neukloster als höchste Erhebung nennt,

„Das vorherrschend flache Land durchzieht von Südosten nach Nordwesten ein niedriger und breiter Landrücken (Mecklenburger Seenplatte) mit einzelnen Seitenverzweigungen, der bis zu 140 m aufsteigt (Hohe Burg nordöstlich Warin 144 m) und die Wasserscheide zwischen Ostsee und Elbe bildet.“

Brockhaus, 14. Auflage 1894–1896, Stichwort Mecklenburg(-Schwerin)[9]

verweisen neben den oben genannten eine Vielzahl weiterer Quellen dagegen auf Helpter und Ruhner Berge als höchste Erhebungen der Seenplatte.[10][11][12]

Erst seit etwa Ende der 1920er Jahre wird der Begriff "Mecklenburgische Seenplatte" speziell auf den etwa 30 km inneren Streifen des Landrückens zwischen den beiden Endmoränenzügen beschränkt.

„Der Bodengestalt nach zerfällt unser Gebiet in zwei Teile: Den Südwesten erfüllt der mecklenburg-strelitzsche Anteil an der Seenplatte, den Nordosten die baltische Vorstufe. Die Grenze zwischen diesen beiden Landschaften verläuft in einem flachen nach Nordosten offenen Bogen aus der Gegend südlich des Tollense- Sees bis nach Feldberg-Carwitz.“

Hans Schubert, Ein Beitrag zur Siedlungsgeographie von Mecklenburg-Strelitz[13]

Eine exakte Abgrenzung der Seenplatte von Nachbarlandschaften wurde 1954 in der ersten Kartierung des Handbuchs der naturräumlichen Gliederung Deutschlands versucht. In dieser Grenzziehung gehörte nicht nur die komplette Pommersche Endmoräne, sondern teils auch nach Nordosten abzweigende Rücken wie die Mecklenburgische Schweiz und das hoch gelegene Feldberg-Fürstenwerderer Seengebiet (Carwitzer See, Breiter Luzin, Großer See, etwas westlich davon auch Rödliner See und Wanzkaer See) – nicht jedoch Helpter und Brohmer Berge – zur Landschaft; ebenso höhere Gebiete in der Uckermark mit dem Kuhzer See, dem Grimnitzsee und sogar dem Wolletzsee. Dafür gehörten Schorfheide, Britzer Platte (mit dem Werbellinsee) und Eberswalder Tal nicht zur Platte. Der Begriff „Rückland der Mecklenburgischen Seenplatte“ für den Teil des Landrückens nördlich der Pommerschen Endmoräne wurde ebenfalls in den 1950er Jahren eingeführt.[14]

Die heute übliche genaue Abgrenzung über die Endmoränen war dann 1960 kartiert und der Text dazu erschien 1961 in der 8. Lieferung des Handbuchs der naturräumlichen Gliederung Deutschlands.

Touristische Begriffsverwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadthafen von Waren (Müritz) während der Müritz Sail, einer der größten europäischen Binnensegelveranstaltungen.

Da der Begriff Mecklenburgische Seenplatte zu den bekanntesten und suggestivsten Landschaftsnamen in Deutschland gehört, wird er auch intensiv zur touristischen Vermarktung benutzt. Hierbei werden auch Regionen mit dem Begriff beworben, die nicht einmal mittelbar mit der eigentlichen Seenplatte zu tun haben – wenn man vom Vorhandensein von Seen, dort vor allem tiefer gelegenen Rinnenseen, absieht. Umgekehrt gibt es Regionen, die deutlich auf der Seenplatte liegen, jedoch nicht mit diesem Begriff werben.

Der Tourismusverband "Mecklenburgische Seenplatte" e.V. etwa vertritt, neben beworbenen Unternehmen, die größeren Städte und Gemeinden des heutigen Landkreises Mecklenburgische Seenplatte sowie, im Landkreis Ludwigslust-Parchim, die Städte Plau am See, Goldberg und Sternberg und, in Brandenburg, die Städte Rheinsberg und Fürstenberg/Havel. Davon liegt insbesondere im nach der Seenplatte benannten, erst 2011 gegründeten Landkreis, welcher identisch ist mit dem gleichnamigen regionalen Planungsverband[15], nur etwa die Hälfte des Kreisgebiets auf der eigentlichen Seenplatte und die Stadt Demmin sogar außerhalb des Rücklandes. Umgekehrt lässt sich Schwerin, die mit Abstand größte Stadt der Seenplatte, gar nicht von jenem Verband vertreten und wirbt auch nicht mit dem Begriff.[16]

Da der hiesige Artikel jedoch die physische Landschaft beschreibt, die anerkannterweise unter der Seenplatte verstanden wird, sei für die allgemeine Tourismusregion auf den Artikel Mecklenburger Seenland verwiesen.

Naturräumliche Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands wurde Anfang der 1960er Jahre die Haupteinheitengruppe der Mecklenburgischen Seenplatte in insgesamt zehn Haupteinheiten (dreistellig) unterteilt, von denen drei noch einmal zusammengefasst wurden. Im Gebiet des Landes Mecklenburg-Vorpommern wurden auf Basis dieser Gliederung Mitte der 1990er Jahre noch feinere Einheiten ausgewiesen. Diese Gliederung endet jedoch an der Landesgrenze. Da die Zahlenhierarchie des MV-internen Systems eine andere ist, werden jenen Zahlen nachfolgend die Buchstaben „MV“ vorangestellt. Alle Angaben in Klammern entstammen dieser Gliederung, alle ungeklammerten dem Handbuch.

Folgende Haupteinheiten[1] und, in MV, zusätzlich sogenannte Landschaftseinheiten sind ausgewiesen [17][5]

Insgesamt liegen die dreistelligen MV-Landschaftseinheiten innerhalb der dreistelligen Haupteinheiten nach Handbuch, gruppieren sich jedoch z. T. auf abweichende Weise zu sogenannten Großlandschaften (zweistellig), die, auf MV bezogen, eine Landschaftszone (einstellig) einnehmen, die hier weitgehend der zweistelligen Haupteinheitengruppe nach Handbuch entspricht. Nicht aufgeführt ist hier die Einteilung in vierstellige Naturräume.

Nachfolgend noch einmal die MV-interne Gliederung für sich:[17][5]

Westliche Seenplatte bis zum Schweriner See[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schweriner See nebst Schwerin aus der Vogelperspektive

Den westlichsten, teils noch in Schleswig-Holstein gelegenen Teil der Mecklenburgischen Seenplatte nimmt das Westmecklenburgische Seenhügelland ein. Dominierende Seen sind der Ratzeburger See bei Ratzeburg auf Holsteinischer Seite und der Schaalsee an der Landesgrenze im Süden. Beide Seen sind heute durch den Schaalseekanal miteinander verbunden, jedoch entwässert der Ratzeburger See über die Wakenitz nach Norden zur Trave, während der Schaalsee nach Süden über die Schaale zur Elbe entwässert. In der Mecklenburg-Vorpommerschen Gliederung ist das – länderübergreifende – Schalseebecken als eigener Unternaturraum ausgewiesen. Deutlich tiefer in die Landschaft ist jedoch der Ratzeburger See eingeschnitten. Der nördlichere bis östlichere Teil der Landschaft entwässert über die Stepenitz und ihren linken (westlichen) Nebenfluss Radegast nach Norden zur Trave. Geomorphologisch auffällig ist in diesem Teil eine beckenartige Senke an der Radegast zwischen Gadebusch und Rehna. Nur knapp nördlich der unteren Radegast, die hier bereits beginnt, sich nach Westen zu wenden, liegt Grevesmühlen.

Östlich schließt sich das Schweriner See-Gebiet an. Das Zentrum dieser Landschaft bildet die von Norden nach Süden verlaufende Rinne der Westmecklenburgischen Senke, an deren breitesten Stelle das Zungenbecken mit dem deutlich in die Landschaft eingetieften Schweriner See mit der Landeshauptstadt Schwerin am Südwestufer liegt. Nach Süden hat der See über die Stör-Wasserstraße Anschluss an die Elde, nach Norden über den Wallensteingraben zur Wismarbucht; dabei folgt die Stör der Senke aus dem Naturraum heraus. Je nach Grenzziehung im Südwesten des Schweriner See-Gebietes[1] oder im äußersten Südosten des Westmecklenburgischen Seenhügellandes[5] liegt das Quellgebiet der Sude, die weiter südwestlich die Schaale aufnehmen wird.

Gebiete zwischen dem Schweriner See und den Großseen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Warnowdurchbruch

Östlich an das Gebiet des Schweriner Sees schließt sich das Sternberg-Krakower Seen- und Sandergebiet mit dem Sternberger Seengebiet im Westen und dem Krakower Seen- und Sandergebiet im Osten an. Im Sternberger Gebiet umfließt die von Südwesten kommende Warnow den Sternberger See, um den Naturraum nach Nordosten im markanten Durchbruchstal der Warnow in Richtung Ostsee bei Rostock zu verlassen. Von Sternberg nach Südwesten über Demen nach Barnin verläuft die Demener Rinne, an deren Ende der Barniner See als wichtigster See an der Warnow liegt. Der auf nur 8,4 m ü. NHN liegende Sternberger See wird von der Mildenitz, die sich nördlich anschließenden Großer Wariner See und Neuklostersee vom Brüeler Bach durchflossen.

Östlich Sternbergs wechseln, gerade im Norden, ausgeprägte Sandergebiete mit in die Landschaft eingetieften größeren Seen. Mildenitzaufwärts wären der Kleinpritzer See, der Dobbertiner See und der Goldberger See zu nennen; noch östlicher und am Nordrand des Naturraums liegt der Krakower See mit der Stadt Krakow am See am Westufer als größter See des Segmentes zwischen dem Schweriner See im Westen und den Großseen im Osten. Er entwässert über die Nebel, die erst deutlich weiter nördlich, im Rückland, der Warnow zufließt.

Südwestlich des Krakower Gebietes und östlich der Demener Rinne liegt das Obere Warnow-Elde-Gebiet. Es unterscheidet sich erheblich von seinen Nachbarlandschaften. In diesem Hochgebiet finden sich keine großen und nur wenig kleinere Seen, dafür aber eine Vielzahl an Söllen. In der Westhälfte sind Quelle und Oberlauf der Warnow, die Elde passiert den Osten des Gebietes und verlässt ihn bei Lübz.

Die Mecklenburgisch-Vorpommernsche Gliederung zählt alle Gebiete östlich der Demener Rinne bereits mehr oder weniger zum „erweiterten“ Großseenland (siehe naturräumliche Gliederung), jedoch entwässern die Seen praktisch ausnahmslos über die Warnow nach Norden zur Ostsee, während die Großseen über die Elde zur Elbe entwässern.

Groß- und Kleinseenland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schorfheide und Eberswalder Tal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An bekannten Seen finden sich auf der Seenplatte, von Nordwesten nach Südosten, der Ratzeburger See, der Schaalsee, der Schweriner See, der Krakower See, die Großseen an der Elde mit Müritz, Kölpinsee, Fleesensee und Plauer See sowie die Kleinseen an der Havel und, im äußersten Südosten, der Werbellinsee.

Insgesamt gibt es 12 Seen mit über 5 km² Fläche (5 im Großseenland) und 8 mit über 10 km² (4 im Großseenland).

Nachfolgend die Seen mit mindestens 2 km² Fläche:[18]

Name

Fläche
[km²][17][19]
Volumen
[Mio. m³][19]
Höhe
ü. NHN[4]
Landkreis

Bundes-
land
Naturraum
[20]
Kenn-
ziffer
Ab-
fluss
Müritz 109,10 737,0 62,1 MSE MV Mecklenburgisches Großseenland 754 Elde (E)
Schweriner See 61,84 787,0 37,8 SN MV Schweriner See-Gebiet 751 Stör (E)
Plauer See 38,14 300,0 62,0 LUP/MSE MV Mecklenburgisches Großseenland 754 Elde (E)
Schaalsee 22,09 391 34,8 LUP/RZ MV/SH Westmecklenburgisches Seenhügelland 750 Schaale → Sude (E)
Kölpinsee 20,09 71,9 62,1 MSE MV Mecklenburgisches Großseenland 754 Elde (E)
Krakower See 15,52 111,0 47,6 LRO MV Krakower Seen- und Sandergebiet 752,1 Nebel → Warnow (O)
Ratzeburger See[21] 12,59 144,9 3,5 RZ SH Westmecklenburgisches Seenhügelland 750 Wakenitz → Trave (O)
Fleesensee 10,63 66,0 62,0 MSE MV Mecklenburgisches Großseenland 754 Elde (E)
Werbellinsee 7,95 153,5 43,2 BAR BB Britzer Platte 758 Werbellinkanal (E)
Goldberger See 7,60 16,3 46,5 LUP MV Krakower Seen- und Sandergebiet 752,1 Mildenitz → Warnow (O)
Drewitzer See 6,03 67,4 62,4 MSE MV Mecklenburgisches Großseenland 754 Elde (E)
Woblitzsee 5,05 57,4 MSE MV Neustrelitzer Kleinseenland 755 Havel (E)
Großer Stechlinsee 4,12 99,6 59,6 OHV BB Neustrelitzer Kleinseenland 755 Polzowkanal → Havel (E)
Dobbertiner See 3,79 17,4 45,0 LUP MV Krakower Seen- und Sandergebiet 752,1 Mildenitz → Warnow (O)
Useriner See 3,76 59,4 MSE MV Neustrelitzer Kleinseenland 755 Havel (E)
Stolpsee 3,71 24,7 51,5 UM BB Neustrelitzer Kleinseenland 755 Polzowkanal → Havel (E)
Zierker See 3,51 5,7 59,0 MSE MV Neustrelitzer Kleinseenland 755 Havel (E)
Großer Labussee 3,36 13,7 57,5 MSE MV Neustrelitzer Kleinseenland 755 Havel (E)
Rätzsee 3,07 57,5 MSE MV Neustrelitzer Kleinseenland 755 Drosedower Bek → Dolbek → Müritz-Havel-Wasserstraße → Havel (E)
Ziegelsee 3,05 30,0 37,8 SN MV Schweriner See-Gebiet 751 → Schweriner See → Stör (E)
Lübbesee 2,97 18,6 52,9 UM BB Templiner Platte 756 Templiner Kanal → Havel (E)
Neuklostersee 2,93 13,5 25,2 NWM MV Sternberger Seengebiet 752,0 Brüeler Bach → Warnow (O)
Woterfitzsee 2,86 10,0 58,8 MSE MV Neustrelitzer Kleinseenland 755 Müritz-Havel-Wasserstraße → Havel (E)
Damerower See 2,83 5,8 47,5 LUP MV Krakower Seen- und Sandergebiet 752,1 Mildenitz → Warnow (O)
Großer Lychensee 2,82 17,6 52,5 UM BB Neustrelitzer Kleinseenland 755 Woblitz → Havel (E)
Großer Pälitzsee 2,68 56,1 MSE MV Neustrelitzer Kleinseenland 755 Müritz-Havel-Wasserstraße → Havel (E)
Drewensee 2,60 54,9 MSE MV Neustrelitzer Kleinseenland 755 Havel (E)
Pinnower See 2,60 17,4 27,9 LUP MV Schweriner See-Gebiet 751
Großer Wariner See 2,59 12,2 21,1 NWM MV Sternberger Seengebiet 752,0 Brüeler Bach → Warnow (O)
Labussee 2,58 57,5 MSE MV Neustrelitzer Kleinseenland 755 Müritz-Havel-WasserstraßeHavel (E)
Barniner See 2,56 5,4 36,3 LUP MV Sternberger Seengebiet 752,0 Warnow (O)
Großer Sternberger See 2,56 7,6 8,4 LUP MV Sternberger Seengebiet 752,0 Mildenitz → Warnow (O)
Käbelicksee 2,56 8,9 62,4 MSE MV Neustrelitzer Kleinseenland 755 Havel (E)
Müritzarm 2,56 62,0 MSE MV Mecklenburgisches Großseenland 754 Elde (E)
Specker See 2,53 62,4 MSE MV Mecklenburgisches Großseenland 754 Elde (E)
Rheinsberger See 2,52 21,1 55,5 OPR BB Neustrelitzer Kleinseenland 755 Rhin → Havel (E)
Plätlinsee 2,46 55,1 MSE MV Neustrelitzer Kleinseenland 755 Müritz-Havel-Wasserstraße → Havel (E)
Kleinpritzer See 2,44 18,6 36,6 LUP MV Krakower Seen- und Sandergebiet 752,1 Mildenitz → Warnow (O)
Cambser See 2,43 20,4 30,9 LUP MV Schweriner See-Gebiet[22] 751 Motel→ Warnow (O)
Groß Labenzer See 2,32 23,6 24,5 NWM MV Sternberger Seengebiet 752,0 RadebachBrüeler Bach → Warnow (O)
Fährsee 2,23 7,3 51,2 UM BB Templiner Platte 756 Templiner Kanal → Havel (E)
Jabelscher See 2,21 12,9 62,1 MSE MV Mecklenburgisches Großseenland 754 Elde (E)
Woseriner See 2,17 18,6 19,7 LUP MV Krakower Seen- und Sandergebiet 752,1 Bresenitz → Mildenitz → Warnow (O)
Großer Küstriner See 2,16 17,0 63,4 UM BB Neustrelitzer Kleinseenland 755 Küstriner Bach → Woblitz → Havel (E)
Ostorfer See[23] 2,11 39,4 SN MV Schweriner See-Gebiet 751 → Schweriner See → Stör (E)
Kleiner Pälitzsee 2,08 56,1 MSE MV Neustrelitzer Kleinseenland 755 Müritz-Havel-Wasserstraße → Havel (E)
Großer Fürstenseer See 2,02 63,8 MSE MV Neustrelitzer Kleinseenland 755 Müritz-Havel-Wasserstraße → Havel (E)
Vilzsee 2,00 58,5 MSE MV Neustrelitzer Kleinseenland 755 Müritz-Havel-Wasserstraße → Havel (E)

Besiedlungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Seenplatte war bereits um 10.000 v. Chr. von Jägern und Fischern besiedelt. Ab 4.000 v. Chr. entwickelten sich erste bäuerliche Kulturen, die große Steingräber hinterließen.

Im 4. und 5. Jahrhundert wanderten die dort siedelnden germanischen Stämme nach Süden und wurden ab dem 7. Jahrhundert durch nachrückende elbslawische Stämme ersetzt, die sich mit der zurückgebliebenen Restbevölkerung vermischten.

Seit dem 12. Jahrhundert nahm der Einfluss deutscher Siedler in der Region zu. Im 12.–14. Jahrhundert setzte eine rege Bautätigkeit in Dörfern und Städten ein und die Feldsteine wurden massenhaft als Baumaterial verwendet. Die im Mittelalter aus Feldsteinen gebauten Feldsteinkirchen finden sich heute noch in vielen Dörfern der Region.[24]

Natur- und Nationalparks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Mecklenburgischen Seenplatte liegen, von Nordwest nach Südost, die Naturparks Lauenburgische Seen (ohne Süden und äußersten Nordwesten; SH) im äußersten Nordwesten, Sternberger Seenland und Nossentiner/Schwinzer Heide im Zentrum sowie Stechlin-Ruppiner Land (zur Hälfte; ohne Süden und Nordwestausläufer), Feldberger Seenlandschaft (Südwesthälfte) und Naturpark Uckermärkische Seen (knapp zur Hälfte, ohne Nordosten und äußersten Süden; BB). Im äußersten Südosten liegen auch minimale Anteile des Nordens des Naturparks Barnim auf der Platte. Zwischen den zentralen und den südöstlichen Naturparks liegt der Hauptteil des Nationalpark Müritz, der noch einen räumlich getrennten Ostteil hat, der fast komplett vom Naturpark Feldberger Seenlandschaft eingeschlossen ist.

Nicht auf der Seenplatte, sondern, von minimalen Randanteilen abgesehen, im Rückland liegt der Naturpark Mecklenburgische Schweiz und Kummerower See. [4]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andreas Börner: Mecklenburgische Seenplatte. Eiszeitmeer und Lesesteine. Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim 2013, ISBN 978-3-494-01528-6.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Deutsche Post bringt seit 2017 eine Briefmarke Mecklenburgische Seenplatte zu 0,70 € heraus.[25]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Landkreis Mecklenburgische Seenplatte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h Emil Meynen, Josef Schmithüsen et al: Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands. Bundesanstalt für Landeskunde, Remagen/Bad Godesberg 1953–1962 (9 Lieferungen in 8 Büchern, aktualisierte Karte 1:1.000.000 mit Haupteinheiten 1960).
  2. a b Welches Urstromtal gehört zu welcher Kaltzeiz? – Flash-Animation, Goethe-Universität Frankfurt/M
  3. Geologische Karte von Mecklenburg-Vorpommern
  4. a b c d Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  5. a b c d PDF (29 kB) zur Naturräumlichen Gliederung von Mecklenburg-Vorpommern im Maßstab 1 : 250.000 – Gutachten im Auftrag des Ministeriums für Landwirtschaft und Naturschutz, 1996
  6. Carl Holl, Geographische Heimatskunde von Württemberg und Deutschland, im Verlage von Kalbfell-Kurtz, Reutlingen 1844, S. 96.
  7. Das Papenwasser ist eine Oderverbreiterung am Südrand des Stettiner Haffs
  8. Gustav Adolf von Klöden, Handbuch für Erdkunde, zweiter Teil, Weidmannsche Buchhandlung, Berlin 1875, S. 80
  9. Brockhaus, 14. Auflage 1894–1896, 11. Band, S. 704
  10. Hermann Adalbert Daniel, Handbuch der Geographie. Band 3, Deutschland nach seinen physischen und politischen Verhältnissen. Stuttgart 1863, S. 464.
  11. Heinrich Gebauer, Handbuch der Länder- und Völkerkunde in volkstümlicher Darstellung mit besonderer Berücksichtigung der volkswirtschaftlichen Verhältnisse, Band 1, G. Lang, Leipzig 1901, S. 367.
  12. Geophysik und Geologie, Bände 9-10, Teubner, Leipzig 1927, S. 126.
  13. Hans Schubert, Ein Beitrag zur Siedlungsgeographie von Mecklenburg-Strelitz, Adlers Erben, 1928 S. 5.
  14. Theodor Hurtig, Physische Geographie von Mecklenburg, Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1957, S. 25.
  15. Regionaler Planungsverband Mecklenburgische Seenplatte
  16. Städteliste des Tourismusverbandes Mecklenburgische Seenplatte
  17. a b c Kartenportal Umwelt des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern (Hinweise)
  18. Dokumentation von Zustand und Entwicklung der wichtigsten Seen Deutschlands, Teil 2 MV - TU Cottbus (PDF-Datei; 3,35 MB)
  19. a b Seensteckbriefe des Landes Brandenburg, Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz
  20. Die Zuordnungen 752,0 und 752,1 zu den beiden Teilen der Haupteinheit 752 sind in der Form nicht vergeben worden und dienen hier der Sortierbarkeit von Nordwest nach Südost.
  21. Daten aus dem Gewässersteckbrief
  22. Trotz Abfluss über die Warnow wird der Cambssee in der MV-Gliederung explizit zum Schweriner See-Gebiet gezählt. Im Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands ist er des Maßstabes wegen nicht eingezeichnet, läge jedoch ebenfalls im Schweriner See-Gebiet
  23. Der Untere Ostorfer See liegt auf 39,6 m.
  24. Börner, Mecklenburgische Seenplatte, Wiebelsheim 2013, S. 29.
  25. Mecklenburgische Seenplatte, Briefmarke zu 0,70 €