Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Staatstheater, Großes Haus
Schlossfestspiele 2005: Rigoletto, Generalprobe am 15. Juni 2005, Ensemble des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin beim Schlussapplaus
Das restaurierte Flotow-Zimmer (1989)

Das Mecklenburgische Staatstheater ist ein Sechsspartentheater in der Landeshauptstadt Schwerin und der Stadt Parchim. Träger der GmbH sind das Land Mecklenburg-Vorpommern (74,9 %), Der Landkreis Ludwigslust-Parchim (10 %), die Landeshauptstadt Schwerin (10 %) und die Stadt Parchim (5,1 %). Neben zahlreichen Neuinszenierungen veranstaltet das Theater jährlich die Schlossfestspiele Schwerin mitten im Residenzensembles mit Schweriner Schloss, Staatstheater und Staatlichem Museum. Generalintendant und Geschäftsführer ist seit dem 1. August 2016 Lars Tietje, Generalmusikdirektor ist Daniel Huppert. Die künstlerische Leitung des Theaters besteht außerdem aus Angela Kalms (Künstlerische Betriebsdirektorin), Toni Burkhardt (Operndirektor), Martin Nimz (Schauspieldirektor), Jutta Ebnother (Ballettdirektorin), Rolf Petersen (Direktor der Fritz-Reuter-Bühne), Thomas Ott-Albrecht (Intendant des Jungen Staatstheaters Parchim), Lutz de Veer (Direktor der Mecklenburgischen Staatskapelle Schwerin), Dr. Peter Larsen (Chefdramaturg) und Nele Tippelmann (Leiterin Theaterpädagogik, Vermittlung und Partizipation).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Beginn der Schweriner Musik- und Theatergeschichte wird allgemein der 17. Juni 1563 betrachtet, als Herzog Johann Albrecht I. von Mecklenburg den Kapellmeister David Köler (* vor 1532, † 1565) zum Hofkapellmeister berief und ihm gleichzeitig den Auftrag zur Gründung einer Hofkapelle erteilte. Diese Hofkapelle ist der Ursprung der heutigen Mecklenburgischen Staatskapelle Schwerin, die nach Dresden und Kassel als drittältestes Orchester Deutschlands gilt.

Im Jahre 1753 war der schon zu Lebzeiten als Vater der deutschen Schauspielkunst bezeichnete Schauspieler Conrad Ekhof (1720–1778) in Schwerin Mitbegründer der ersten deutschen Theaterakademie.

Unter der Regierung Friedrichs des Frommen ab 1756 verlagerte sich der Schwerpunkt der Musik von der Theater- und Tanzmusik zur Kirchenmusik. Die Mecklenburg-Schweriner Hofkapelle musste ab 1767 (für 70 Jahre) ihren Sitz in der neuen Residenzstadt Ludwigslust nehmen. Ab 1790 kam es zu Opernaufführungen in Ludwigslust. 1801 gründete Friedrich Franz I. von Mecklenburg eine zunächst nur neunköpfige Kapelle mit dem Namen Harmonie, die 1839 mit der bereits bestehenden Hofkapelle vereinigt wurde. 1840 fand in Schwerin das Zweite Norddeutsche Musikfest statt, bei welchem unter Leitung von Felix Mendelssohn Bartholdy 150 Orchestermusiker und 340 Chorsänger auftraten.

1886 nach fünf jähriger Bauzeit wurde der Spielbetrieb, im neuen Gebäude in der Alter Garten 2 des nunmehr Großherzoglichen Hoftheaters, aufgenommen. Am 15. November 1918 wurde das Theater zum Landestheater umbenannt. 1926 erhielt es die Bezeichnung Mecklenburgisches Staatstheater. In dieser Zeit wurde die Niederdeutsche Bühne dem Staatstheater angeschlossen. Der Spielbetrieb dauerte bis zum 31. August 1944, dem Tag der Schließung aller Theater durch Reichspropagandaminister Goebbels, an.

Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte der Spielbetrieb in dem von Zerstörungen verschont gebliebenen Gebäude unmittelbar wieder aufgenommen werden. Von Mai 1945 bis 1947 war Werner Bernhardy Intendant, danach der Berliner Schauspieler und Regisseur Josef R. Lorandt für wenige Monate bis zu seinem Tod [1], danach leitete ein Kuratorium, dem unter anderem Edgar Bennert und Lucie Höflich angehörten, das Haus.

Seit 1993 finden jeden Sommer die Schlossfestspiele statt, deren Kulisse seit 1999 vom Innenhof des Schweriner Schlosses auf den Alten Garten verlegt wurde. In jenem Jahr wurde mit Aida eine Besucherzahl von mehr als 50.000 Personen erreicht. Der bisherige Zuschauerrekord mit über 70.000 Besuchern gelang im Jahre 2001 mit der Verdi-Oper Nabucco.

2011 wurde das Theater zum Berliner Theatertreffen mit Herbert Fritschs Inszenierung von Gerhart Hauptmanns Der Biberpelz eingeladen.

2011 präsentierten die Schlossfestspiele Der Freischütz von Carl Maria von Weber aufgrund der Sanierung des Alten Gartens zum ersten Mal auf der Freilichtbühne im Schlossgarten. In folgenden Jahren gingen die Besucherzahlen leicht zurück. Mit Leonard Bernsteins "West Side Story", der ersten Musical-Produktion auf dem Alten Garten, besuchten 2017 erstmals wieder deutlich mehr Besucher als im Vorjahr die Festspiele. 2018 bespielt das Theater erstmals sowohl den Alten Garten Schwerin (mit der Oper "Tosca") als auch den sanierten Schlossinnenhof (mit dem Schauspiel "Dracula"). Für 2019 sind auf dem Alten Garten das Musical "Anatevka" und im Schlossinnenhof das Schauspiel "Cyrano de Bergerac" geplant.

Zum 1. August 2016 fusionierte die ehemalige Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin gGmbH (in der Trägerschaft der Landeshauptschaft Schwerin) mit dem ehemaligen Zweckverband Mecklenburgisches Landestheater Parchim (in Trägerschaft des Landkreises Ludwigslust-Parchim und der Stadt Parchim) zur heutigen Mecklenburgisches Staatstheater GmbH. Das Land Mecklenburg-Vorpommern übernahm als Hauptgesellschafter zu 74,9 % die Trägerschaft des Theaters. Das Mecklenburgische Staatstheater ist damit das erste und bisher einzige Staatstheater Mecklenburg-Vorpommerns.

Im Rahmen der von der Landesregierung und dem damaligen Minister für Bildung, Wissenschaft und Kunst, Mathias Brodkorb (SPD), initiierten landesweiten Theaterstrukturreform muss das Theater neben der Fusion weitere erhebliche Konsolodierungsleistungen erbringen, die u. a. zur Reduktion der Produktionszahl und Veranstaltungen des Theaters führen. Neben der Mecklenburgischen Staatskapelle Schwerin, die mit 58 Stellen das kleinste A-Orchester Deutschlands ist, musste u. a. der Opernchor auf 24 und das Ballett-Ensemble auf 14 Mitglieder reduziert werden. Außerdem erhalten Mitglieder von Orchester und Opernchor im Rahmen von Haustarifverträgen lediglich 84 % bzw. 90 % der ihnen nach Flächentarifvertrag zustehenden Vergütung. Die Kompensation erfolgt v. a. durch zusätzliche Freizeit. Im Gegenzug übernimmt das Land die Hauptverantwortung für die gesamte GmbH sowie baulich für das historische Hauptgebäude am Alten Garten und unterstützt den Neubau einer Theaterspielstätte am Standort Parchim als Ersatz für das seit 2014 wegen erheblicher Sicherheitsmängel geschlossene ehemalige Theatergebäude des Mecklenburgischen Landestheaters in der Parchimer Blutstraße.

Intendanten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

...

...

  • Fritz Wendrich 1981–1982 (?), Generalintendant
  • Joachim Kümmritz, 1993–1999 Geschäftsführender Intendant, 1999–2016 Generalintendant
  • Lars Tietje, seit 2016 Generalintendant

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bühne
typische verdeckte Dachkonstruktion und geschmückte Gesimse im Stil der Neorenaissance
Kulissenhaus

Das ursprünglich von Hofbaumeister Georg Adolf Demmler in klassizistischem Stil am Standort des heutigen Hauses erbaute Theater brannte im April 1882 während einer Vorstellung ab. Das Theater zog zunächst in ein provisorisch errichtetes Holzgebäude auf dem Bahnhofsvorplatz, welches Platz für 1100 Zuschauer bot und die Fortsetzung des Spielbetriebs während der Neubauphase ermöglichte. Das neue Haus wurde von Hofbaumeister Georg Daniel entworfen und in den Jahren 1883 bis 1886 fertiggestellt. Am Tag der Eröffnung am 3. Oktober 1886 stellte der der italienischen Renaissance nachempfundene Neubau einen der seinerzeit fortschrittlichsten Theaterbauten der Welt dar. Das nach den modernsten Erkenntnissen errichtete und ausgestattete Gebäude verfügte sogar über eine Versorgung mit elektrischen Licht aus eigenem Elektrizitätswerk. Von 1919 bis 1933 diente das Staatstheater als erstes demokratisches Parlament und Landtag des Freistaates Mecklenburg-Schwerin.

Theaterbetrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die jährlichen Gesamtbesucherzahlen liegen bei ca. 180.000 Personen, was proportional zur Größe der Stadt Schwerins, die ca. 96.000 Einwohner hat, eine beachtlich Leistung ist. Pro Jahr bringt das Theater an beiden Standorten bis zu 30 Neuinszenierungen in den verschiedenen Sparten heraus. Das Haus wird weit über die Region hinaus als Kultur-Leuchtturm wahrgenommen.

Beide Vorgängertheater - das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin und das Mecklenburgische Landestheater Parchim - sind stark in der jeweiligen Stadtgesellschaft verankert. Der "Verein der Freunde und Förderer des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin e.V.", der ergänzend über eine Bürgerstiftung verfügt, ist mit über 1.200 Mitgliedern einer der größten Theaterfördervereine.

Sparten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Mecklenburgische Staatstheater bietet Aufführungen in den Sparten

  • Musiktheater (Oper, Operette, Musical)
  • Schauspiel
  • Ballett
  • Niederdeutsches Schauspiel (Fritz-Reuter-Bühne)
  • Kinder- und Jugendtheater (Junges Staatstheater Parchim)
  • Konzert (Mecklenburgische Staatskapelle Schwerin)

Darüber hinaus finden an den Spielstätten Gastspiele und Sonderveranstaltungen statt. In mehreren Spielclubs an den Standorten Schwerin und Parchim spielen bzw. tanzen außerdem Bürgerinnen und Bürger unter der Betreuung professioneller Künstlerinnen und Künstler des Hauses. Im E-Werk-Studio gestalten v. a. Mitglieder des Schauspielensembles ihr eigenes Programm.

Spielstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem historischen Großen Haus am Alten Garten samt Konzertfoyer finden Aufführungen auch in der Studiobühne im E-Werk sowie am Standort Parchim im Malsaal sowie in der Stadthalle Parchim statt. Ein Höhepunkt jeder Spielzeit sind die Schlossfestspiele des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin, die jährlich große Opern open air mit Blick auf das Schweriner Schloss präsentieren.

Ehrenmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Lebensdaten Jahr der Ernennung
Rosa Otto-Martineck 1846–1926 1897
Theodor Wachtel 1823–1893 ?

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mecklenburg Schwerin delüx Spezial März 2011, Seite 103

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 53° 37′ 37″ N, 11° 25′ 2″ O