Medemsand

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Medemsand
Lage der Sandbank in der Elbemündung
Lage der Sandbank in der Elbemündung
Gewässer Elbe (Elbemündung)
Wassertiefe 0,5 m
Geographische Lage 53° 54′ 0″ N, 8° 48′ 0″ OKoordinaten: 53° 54′ 0″ N, 8° 48′ 0″ O
Medemsand (Schleswig-Holstein)
Medemsand
Länge 200 m
Breite 50 m
Fläche 10 ha
Der Medemsand von Cuxhaven aus gesehen
Der Medemsand von Cuxhaven aus gesehen
Ein Seehund auf dem Medemsand

Die Medemsand-Insel war eine kleine Insel in der Elb-Mündung an der schleswig-holsteinischen Küste gegenüber von Otterndorf (Niedersachsen), wo der Fluss Medem in die Elbe mündet. Bei den Einheimischen in der Gegend um Cuxhaven wurde sie auch „Flak-Insel“ genannt. Die Insel gehörte zum Landkreis Dithmarschen und wurde durch das Wasserwirtschaftsamt Brunsbüttel verwaltet. Sie ist durch Unterspülung der Medemrinne abgetragen worden und existiert heute nicht mehr.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon um 900 wurde die Insel unter dem Namen Me-Sand von Hamburg annektiert, später aber, als ein großer Teil der Küste unter dänische Herrschaft kam, Schleswig-Holstein einverleibt.

Die Medemsand-Insel wurde kurz vor dem Zweiten Weltkrieg als Flak-Vorposten durch Sandaufspülungen künstlich angelegt. Die Insel sollte zur vorgeschobenen Flak-Station bei möglichen Luftangriffen auf Hamburg ausgebaut werden. In der Folge wurden Flak-Geschütze und Bunker installiert. Die Wehrmacht betrieb zwischen 1940 und 1944 eine Funkpeilstation und hatte auch einen Würzburg-Riesen auf der Insel stationiert. Der damalige Leiter dieser Einrichtung war Dr. Wächtler aus Hamburg. Einige Fundamente der Stellungen sowie eine verfallene Blockhütte und Bunkerreste waren im östlichen Bereich der Insel bis Ende der 1950er Jahre noch zu sehen. In der Mitte der Insel stand ein 7 m hoher Stahlturm, auf dem früher ein Leuchtfeuer brannte.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Medemsand-Insel hatte einst eine Fläche von ca. 10 ha. Der höchste Punkt der Insel lag ca. 9 m über dem mittleren Hochwasser. Sie hatte die Form eines schmalen Ovals in West-Ost Ausrichtung und eine Länge von ca. 200 m. Die Ufer der Insel waren mit einer senkrechten stählerne Spundwand, welche bis zur Höhe des mittleren Hochwassers reichte, eingefasst. An die Stahlwand schlossen sich in einem Winkel von ca. 30° mit Basaltblöcken gepflasterte Schrägen an. Der Untergrund der Insel selbst bestand aus Sand, Erde und wahrscheinlich Kies. An der Südseite der Medemsand-Insel befand sich in Richtung Süd-Süd-Ost ein ca. 100 m langer Anleger auf hölzernen Pfählen. Darauf waren Feldbahngleise verlegt. Er diente zur Versorgung der dort stationierten Flak-Soldaten.[1]

Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Krieg wurden, wahrscheinlich auf Befehl der britischen Besatzungstruppen, einige Sprengungen auf der Insel durchgeführt. Das Ergebnis waren mehrere Gräben, welche die Insel jetzt zerteilten. Auf Betreiben der Straßenbaumeisterei Otterndorf wurden Teile der Basaltblöcke abtransportiert und fanden im Straßenbau der Nachkriegszeit Verwendung.[1]

Unterspülung und Zerstörung der Insel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den folgenden Jahrzehnten wanderten das Fahrwasser der „Medemrinne“ und die angrenzenden Wattflächen des „Medemsands“ und „Medemgrunds“ weiter nach Norden. Die Insel rückte dadurch immer näher an das Fahrwasser der „Medemrinne“ heran und wurde in den letzten 40 Jahren durch die ständige Unterspülung komplett zerstört. Für die Nordwanderung der Medemrinne wird die gestiegene Strömungsgeschwindigkeit verantwortlich gemacht. Dies wiederum rührt von den zahlreichen Elbvertiefungen der letzten Jahrzehnte her.[2]

Nach dem Erlebnisbericht eines Seekajak-Fahrers aus dem Jahre 1987 wurde die Oberfläche der Medemsand-Insel zu diesem Zeitpunkt bei mittlerem Hochwasser bereits um ca. 50 cm überspült. Lediglich zahlreiche Basaltblöcke, Pfahl- und Bunkerreste ragten aus dem Wasser heraus.[3]

Laut Auskunft des Wasser- und Schifffahrtsamtes Cuxhaven vom Dezember 2007 existiert die Insel heute praktisch nicht mehr. Auch bei Niedrigwasser ist von der Insel oder ihren Überresten nichts mehr sichtbar. Zwei Tonnen markieren das Gebiet aber immer noch als Untiefe. Vom Wasserschifffahrtsamt Cuxhaven wurde die Medemsand-Insel in den letzten 30 Jahren lediglich als „Schiffahrthindernis“ betrachtet.[4]

Region Elbmündung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Region ist eine Ruhezone für Tiere wie Seehunde in der sehr stark befahrenen Elbmündung in der Deutschen Bucht. Obwohl die Insel innerhalb des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer lag, wurde sie nie in der Status der Zone I erhoben, so dass es früher jederzeit möglich war, die Insel oder ihre Überreste zu betreten. Gelegentlich finden touristische Fahrten zur Wattfläche des Medemsands statt. Durch die nächste geplante Elbvertiefung soll die Medemrinne, ein großer Priel zwischen Medemsand und Medemgrund, mit dem Schlick der Elbfahrrinne gefüllt werden. Dadurch wird ein großes Verklappungsgebiet in der Medemrinne und vor dem Neufelder Wattbereich von ca. 175 Hektar mit einem Volumen von ca. 20 Millionen Kubikmeter geschaffen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Augenzeugenbericht Seekapitän Lutz von der Bank (Besuch der Insel ca. 1952), 04/2008
  2. Wasser- und Schifffahrtsamt Cuxhaven, Alexander Isheim (Leiter SB3), 11/2007
  3. aus „Seekajak“ 10/1987, Bericht von Helge Johanson
  4. Wasser- und Schifffahrtsamt Cuxhaven, Alexander Isheim (Leiter SB3), 11/2007