Medetomidin

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Strukturformel
(±)-Medetomidine Structural Formulae.png
(R)-Isomer (oben) und (S)-Isomer (unten)
Allgemeines
Freiname Medetomidin
Andere Namen

(RS)-4-[1-(2,3-Dimethylphenyl)ethyl]-1H-imidazol

Summenformel C13H16N2
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
  • 86347-14-0 (RS)-Medetomidin
  • 113775-47-6 [(R)-(+)-Enantiomer)
  • 86347-15-1 (Medetomidin·Hydrochlorid)
PubChem 68601
Wikidata Q427179
Arzneistoffangaben
ATC-Code

QN05CM91

Wirkstoffklasse

Sedativum

Wirkmechanismus

α2-Adrenorezeptor-Agonist

Eigenschaften
Molare Masse 200,28 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

172–173 °C (Medetomidin·Hydrochlorid] [1]

Löslichkeit

wenig in Wasser[1]

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [2]
06 – Giftig oder sehr giftig 08 – Gesundheitsgefährdend 09 – Umweltgefährlich

Gefahr

H- und P-Sätze H: 300​‐​330​‐​336​‐​370​‐​372​‐​410
P: ?
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Medetomidin ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der Imidazole, die in der Tier- und Humanmedizin als Sedativum und Schmerzmittel eingesetzt wird. Das pharmakologisch wirksame Enantiomer im Racemat [1:1-Gemisch der (R)-Form und der (S)-Form] ist die (R)-(+)-Form.[1] Das Racemat wird vor allem als wasserlösliches, weißes, kristallines Medetomidin·Hydrochlorid verwendet.

Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben seiner sedierenden Eigenschaft wirkt Medetomidin schmerzmindernd (analgetisch), angstlösend und muskelrelaxierend. Der Wirkstoff zeigt bei 41–44 % der Patienten analgetische Wirkung und reduziert zusätzlich bei Gabe zusammen mit einem anderen Schmerzmittel dessen notwendige Dosis.[3]

Medetomidin bindet an α2-Adrenozeptoren und vermindert so die Freisetzung und den Turnover von Noradrenalin. Im Vergleich zum verwandten Xylazin ist die α2-Spezifität etwa 10-mal höher. Das wirksame Isomer ist hierbei das Dexmedetomidin, während das Spiegelisomer Levomedetomidin keinen Einfluss auf die α2-Adrenozeptoren hat. Als Nebenwirkung reduziert der Wirkstoff die Förderleistung des Herzens: Es kommt zu Bradykardie und unter Umständen zu einem unregelmäßigen Herzschlag. Eine Antagonisierung ist mit Atipamezol möglich. In sehr hohen (in der Tiermedizin aber nicht üblichen) Dosen wirkt Medetomidin auch auf die α1-Adrenozeptoren, wodurch die Sedation aufgehoben wird.

Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Medetomidin kann bei allen kleinen Haus- und Heimtieren intravenös oder intramuskulär eingesetzt werden. Auch eine Anwendung bei Reptilien und Vögeln ist möglich. Die Anwendung bei lebensmittelliefernden Tieren ist nicht gestattet. Die Halbwertszeit im Blut beträgt etwa eine Stunde. Der Abbau erfolgt in der Leber, die Ausscheidung über die Niere.

Medetomidin wird vor allem zur Beruhigung (Sedation und Analgesie) und zur Narkoseeinleitung eingesetzt. In Kombination mit Ketamin, Propofol oder Midazolam und Fentanyl kann es auch zur Durchführung kleinerer, nicht sehr schmerzhafter Operationen genutzt werden. Bei Zoo- und Wildtieren kann es auch zur Immobilisation eingesetzt werden.

Bei herz-, zucker- und nierenkranken sowie trächtigen Tieren sollte Medetomidin nicht eingesetzt werden.

Medetomidin wird auf seine Verwendbarkeit als Wirkstoff in Unterwasserschiffsanstrichen untersucht.[4]

Handelsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cepetor KH, Domitor, Dorbene, Dormilan, Medeson, Sedator, Sededorm, Sedin

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eintrag zu Medetomidin bei Vetpharm, abgerufen am 21. November 2011.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c F. v. Bruchhausen, S. Ebel, E. Hackenthal, U. Holzgrabe: Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis: Folgeband 4: Stoffe A-K. 5. Auflage, Springer 1999, ISBN 978-3-540-62644-2, S. 325–326.
  2. Eintrag zu (RS)-4-[1-(2,3-Dimethylphenyl)ethyl]-1H-imidazol in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 8. Januar 2018 (JavaScript erforderlich).
  3. H. Buschmann, G. Bahrenberg, T. Christoph, E. Friderichs: Analgesics: from chemistry and pharmacology to clinical application. Wiley-VCH, Weinheim 2002, ISBN 978-3-527-30403-5, S. 276.
  4. Adrenoceptor and Other Pharmacoactive Compounds as Putative Antifoulants doi:10.1007/3-540-30016-3_7.
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