Mediendidaktik

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In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen: Die Ausgangsthese der Mediendidaktik, ohne die das ganze Fach nicht existieren würde, ist die, dass die Wahl des Mediums nicht beliebig, sondern mit Ziel, Inhalt und Methode untrennbar verknüpft sei. Der Artikel bietet für diese (zunächst einmal nur behauptete) Interdependenz leider weder Argumente noch Beispiele. Warum ist es – im Lichte der Mediendidaktik – nicht egal, ob z.B. Vokabeln mit einer Lernkartei oder mit einer Software gelernt werden? Warum ist es nicht egal, ob ein Aufsatz auf Papier geschrieben oder ins Laptop getippt wird?
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Schüler mit OLPC XO-1-Laptops

Die Mediendidaktik ist derjenige Teilbereich der Medienpädagogik, der sich mit der Didaktik der Verwendung technischer Kommunikationsmittel (Medien, Unterrichtsmedien) im Unterricht beschäftigt.[1] Anwendungsgebiete sind der Schulunterricht und die vielen Formen des außerschulischen Unterrichts, z. B. in der Erwachsenen- und Weiterbildung.

Für ein und denselben Unterrichtszweck stehen oft mehrere Medien zur Auswahl. Ein Lehrer, der im Rahmen einer Unterrichtseinheit z. B. kompakt eine bestimmte Menge an Information zur Verfügung stellen möchte, hat u. a. die Wahl, einen Lehrervortrag zu halten, einen Text lesen zu lassen oder ein YouTube-Video zu zeigen. Die Mediendidaktik liefert Kriterien dafür, was diese Medien in einem bestimmten Verwendungskontext jeweils zu leisten vermögen und wie sie gehandhabt werden müssen.[1]

Mediendidaktik setzt die These voraus, dass die Wahl des Unterrichtsmediums – besonders die Entscheidung zwischen nicht-technischen Medien einerseits und technischen bzw. elektronischen Medien andererseits – an jeweils eigene Ziele, Inhalte und Methoden des Unterrichts gekoppelt sei. In Kulturräumen, in denen diese Annahme verworfen wird, z. B. in den Vereinigten Staaten, existiert eine Mediendidaktik daher gar nicht.

Begriffsabgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterschieden wird die Mediendidaktik erstens von der Medienerziehung, die einen gesunden Umgang mit technischen Medien – gegenwärtig besonders mit dem Internet – zu lehren sucht. Zweitens wird sie von der informationstechnischen Bildung unterschieden, in deren Rahmen der praktische Gebrauch von Software und von Programmiersprachen vermittelt wird.

In den frühen 1970er Jahren haben einige Erziehungswissenschaftler, darunter Dieter Baacke, den Terminus „Mediendidaktik“ verwendet, um „Medienpädagogik“ generell zu bezeichnen. Dieser Sprachgebrauch wurde Mitte der 1970er Jahre wieder aufgegeben.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstehung der Mediendidaktik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überlegungen zum bestmöglichen Einsatz von Unterrichtsmedien gibt es, seit es Unterrichtsmedien gibt. In seinem Buch Orbis sensualium pictus (1653/1658) hatte sich bereits Comenius Gedanken darüber gemacht, welche Hilfsmittel benutzt werden sollten, um Lerninhalte an Kinder und Jugendliche heranzutragen.[3]

Eine wissenschaftliche, d. h. systematisch theoretisch fundierte Mediendidaktik entstand aber erst in den 1960er Jahren, als Paul Heimann„unter dem Eindruck der zunehmenden Bedeutung elektronischer Massenmedien“[4] – die Medienwahl erstmals als eine didaktische Entscheidung herausstellte, der ebenso viel Aufmerksamkeit und Sorgfalt gebühre wie den Entscheidungen über Ziele, Inhalte und Methoden.[5] Heimann hielt Medium, Ziel, Inhalt und Methode für eng miteinander verknüpft und legte diese These dem für den deutschsprachigen Raum überaus einflussreichen Berliner Modell zugrunde.

Abweichende Entwicklung außerhalb des deutschsprachigen Raumes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außerhalb des deutschsprachigen Raumes ist der Interdependenzthese vielfach widersprochen worden, etwa von Richard E. Clark (USC Rossier School of Education), einem Vertreter des Instruktionsdesigns. Clark vertritt die Ansicht, dass zwischen der Medienwahl und den übrigen Entscheidungsfeldern keine Abhängigkeit bestehe, da „bei genauerer Analyse jeder Inhalt, jedes Ziel, jede Methode mit jedem Medium vermittelt werden kann“.[6] Diese Auffassung wird in den Vereinigten Staaten so weithin geteilt, dass eine Mediendidaktik sich dort bis heute gar nicht hat etablieren können. In den USA entstanden in den ausgehenden 1960er und in den 1970er Jahren Medientaxonomien: Ordnungsschemata, in denen Medien nach bestimmten Kriterien klassifiziert wurden. Die Taxonomien sollten es Lehrern vereinfachen, für jeden Unterrichtszweck das passende Medium zu bestimmen. Einige basierten auf Edgar Dales 1946 entwickeltem „Erfahrungskegel“,[7] eine weitere einflussreiche Taxonomie wurde 1969 von Robert Gagné eingeführt.[8] Gagné hatte in den 1960er Jahren maßgeblich an der Entwicklung des Instruktionsdesigns mitgearbeitet.

Weitere Entwicklung: Schülerzentrierte und konstruktivistische Konzepte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im deutschsprachigen Raum entwickelte sich in den ausgehenden 1960er Jahren – als Gegenbewegung zum bis dahin vorherrschenden lehrerzentrierten Unterrichtsverständnis – eine schülerzentrierte Mediendidaktik (gelegentlich als „handlungs- und teilnehmerbezogene Mediendidaktik“ bezeichnet), die neuen, kognitivistischen Lerntheorien Rechnung zu tragen versuchte und Medien nicht mehr allein nur dem Lehrer, sondern auch den Schülern überlassen wollte, damit diese die Medien, anstatt sie nur passiv zu rezipieren, aktiv als Lernmittel nutzen und sogar selbst würden erschaffen können.[9]

Anfang der 1990er Jahre entstand eine konstruktivistische Mediendidaktik, die ebenfalls vom Schüler ausging, ihr theoretisches Fundament aber in der von Jean Piaget begründeten konstruktivistischen Lernpsychologie fand. Ihr Hauptvertreter, Kersten Reich, ging davon aus, dass Lernen nicht Sammeln und Speichern von Information, sondern aktive gedankliche Konstruktion sei, die durch das Erschaffen eigener Lernmittel stimuliert und unterstützt werde. Ähnlich wie die schülerzentrierte Mediendidaktik stellte daher auch die konstruktivistische Didaktik die kreativen Prozesse über eine rein rezeptive Mediennutzung.[10]

Empirische Forschungsansätze der Mediendidaktik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die empirischen Forschungsansätze sind bei der Beantwortung der Frage, welche Konzepte zur Verwendung von Medien in Lehr-Lernprozessen sich unterscheiden lassen und welche Überlegungen damit verbunden sind, von Bedeutung. Hierbei wird zwischen Untersuchungen zu allgemeinen Medieneffekten und zu speziellen Medienmerkmalen von interaktionsorientierten Studien und Evaluationen unterschieden. Außerdem sind diese Forschungsansätze mit verschiedenen theoretischen Annahmen und Ansätzen zur Mediengestaltung verbunden, nämlich die medientaxonomischen Ansätze (Differenzierung der Medien bezüglich ihrer Eigenschaften und Eignungen für unterschiedliche Lehraufgaben) und die lerntheoretischen Ansätze (Bezüge zu unterschiedlichen Grundorientierungen) Insgesamt unterscheidet man dann letztendlich zwischen fünf Konzepten der Medienverwendung: Lehrmittelkonzept, Arbeitsmittelkonzept, Bausteinkonzept, Systemkonzept, Lernumgebungskonzept. (vgl. Tulodziecki, 1997)

Forschung und Lehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch die Fußnoten und Personenartikel zu den unter „Forschung und Lehre“ genannten Persönlichkeiten.

Allgemeines

  • Brigitte Armbruster, Otmar Hertkorn: Allgemeine Mediendidaktik. Eine Studienanleitung für die Lehrerausbildung und Lehrerfortbildung (Materialien zur Mediendidaktik; Bd. 6) Greven Verlag, Köln 1978.
  • Claudia de Witt, Thomas Czerwionka: Mediendidaktik. (Studientexte für Erwachsenenbildung). Bertelsmann Verlag, Bielefeld 2007, ISBN 978-3-7639-1914-7.
  • Volker Frederking, Axel Krommer, Klaus Maiwald: Mediendidaktik Deutsch. Eine Einführung (Grundlagen der Germanistik; Bd. 44). Erich Schmidt Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-503-09822-4.
  • Wilfried Hendricks (Hrsg.): Neue Medien in der Sekundarstufe I und II. Didaktik, Unterrichtspraxis, Lernen, Internet (Studium kompakt). Cornelsen Scriptor, Berlin 2000, ISBN 3-589-21249-7.
  • Friedrich W. Kron, Sofos Alivison: Mediendidaktik. Neue Medien in Lehr- und Lernprozessen (UTB; Bd. 2404). Ernst Renhardt Verlag, München 2003, ISBN 3-8252-2404-X.
  • Wolfgang Maier: Grundkurs Medienpädagogik. Mediendidaktik; ein Studien- und Arbeitsbuch. Beltz, Weinheim 1998, ISBN 3-407-25210-2.
  • Helmut Meschenmoser: Lernen mit Medien. Zur Theorie, Didaktik und Gestaltung von interaktiven Medien. Schneider-Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler 1999, ISBN 3-89676-187-0 (zugl. Dissertation, Universität Hamburg 1998).
  • Helmut M. Niegemann: Neue Lernmedien. Konzipieren, entwickeln, einsetzen. 1. Auflage. Huber, Bern 2001, ISBN 3-456-83448-9.
  • Martin Plieninger: Mit neuen Medien lernen und lehren (Praxis Schule 5–10/Extra). Westermann, Braunschweig 2004, ISBN 3-14-161003-7.
  • Werner Sacher: Schulische Medienarbeit im Computerzeitalter. Grundlagen, Konzepte, Perspektiven. Klinkhardt, Bad Heilbrunn 2000, ISBN 3-7815-1067-0.

Spezialthemen

  • Markus Niederastroth: Medienbildung in der Schule – nein danke? Warum deutsche Lehrer in ihrem Unterricht auf den Computer verzichten. Hamburg 2015, ISBN 978-3958204881.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Mediendidaktik – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Gerhard Tulodziecki: Medien in Erziehung und Bildung. 3. Auflage. Bad Heilbrunn 1997, S. 45.; Wilhelm Hagemann: Von den Lehrmitteln zu den Neuen Medien – 40 Jahre schulbezogener Medienentwicklung und Mediendiskussion. In: Bardo Herzig (Hrsg.): Medien machen Schule. Grundlagen, Konzepte und Erfahrungen zur Medienbildung. Bad Heilbrunn 2001, S. 31.
  2. Robert Murauer: Mobile Medien und die Kompetenzen oberösterreichischer Lehrkräfte: Eine empirische Analyse. disserta Verlag, Hamburg 2013, ISBN 978-3-95425-236-7, S. 17 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. Konzepte zur Verwendung von Medien in Lehr- und Lernprozessen. Abgerufen am 16. Dezember 2015.
  4. Gerhard Tulodziecki: Medien in Erziehung und Bildung. Grundlagen und Beispiele einer handlungs- und entwicklungsorientierten Medienpädagogik. Bad Heilbrunn 1997, S. 65.
  5. Paul Heimann: Didaktik als Theorie und Lehre. Die Deutsche Schule, H. 9, 1962, S. 407–427
  6. Zitiert nach: Michael Kerres: Medienentscheidungen in der Unterrichtsplanung. Zu Wirkungsargumenten und Begründungen des didaktischen Einsatzes digitaler Medien. Bildung und Erziehung, H. 1, 2000, S. 19–39 (hier: S. 34).
  7. Edgar Dale: Audio-visual methods in teaching. The Dryden Press, New York 1946.
  8. Robert Mills Gagné: Learning and Communication. In: R.V. Wiman, W.C. Meierhenry (Hrsg.): Educational Media: Theory and Practice. Charles E. Merrill pub. Company, Columbus 1969.
  9. J. Hüther: Mediendidaktik. In: J. Hüther, B. Schorb (Hrsg.): Grundbegriffe Medienpädagogik. München 2005, S. 234–240 (hier: S. 236).
  10. Claudia de Witt, Thomas Czerwionka: Mediendidaktik. Abgerufen am 17. Dezember 2015.
  11. TU Braunschweig: Dipl.-Päd. Thomas Czerwionka. Abgerufen am 18. Dezember 2015.
  12. Learning Lab. Abgerufen am 17. Dezember 2015.
  13. Michael Kerres: Mediendidaktik. Konzeption und Entwicklung mediengestützter Lernangebote. 3. Auflage. Oldenbourg Verlag, München 2012, ISBN 978-3-486-27207-9 (Früherer Titel: Multimediale und telemediale Lernumgebungen. Konzeption und Entwicklung).
  14. Multimedia-Didaktik. Abgerufen am 17. Dezember 2015.
  15. Fernuni Hagen: Claudia de Witt. Abgerufen am 18. Dezember 2015.
  16. LearnLab Mediendidaktik. Abgerufen am 17. Dezember 2015.
  17. Gerhard Tulodziecki: Medien in Erziehung und Bildung. Grundlagen und Beispiele einer handlungs- und entwicklungsorientierten Medienpädagogik. 3. Auflage. Klinkhardt, Bad Heilbrunn 1997, ISBN 3-7815-0916-8 (Früherer Titel: Medienerziehung in Schule und Unterricht); Gerhard Tulodziecki (Red.): Neue Medien in den Schulen. Projekte, Konzepte, Kompetenzen; eine Bestandsaufnahme. Bertelsmann Stiftung, Gütersloh 1996, ISBN 3-89204-238-1; Gerhard Tulodziecki, Bardo Herzig: Handbuch Medienpädagogik. Band 2: Mediendidaktik. Medien in Lehr- und Lernprozessen verwenden. Klett Cotta, Stuttgart 2006, ISBN 3-86736-202-5 (zusammen mit Silke Grafe und Maria Herrlich).