Medium (Person)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ein Medium bei der Kontaktaufnahme (Thailand)

Medium (auch Channel genannt) bezeichnet eine Person, die von sich behauptet, Botschaften von übernatürlichen Wesen wie Engeln, Geistern oder Verstorbenen zu empfangen oder anders geartete „nicht-physikalische“ Wahrnehmungen zu haben. In der Parapsychologie wird der Begriff dabei unabhängig von kulturrelativen religiösen oder okkulten Weltbildern verwendet. Die bekanntesten Phänomene oder Techniken sind dabei Hypnose und Telepathie. Mediumismus ist die behauptete Kommunikation mit diesen Wesen und die gesprochene oder geschriebene Weitergabe von Visionen und „Mitteilungen“. In den 1970er Jahren etablierte sich dafür in der US-amerikanischen New-Age-Bewegung der Begriff Channeling, der in den Achtzigern auch im deutschsprachigen Raum bekannt wurde.

Mediale Übermittlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Medien nehmen für sich in Anspruch, unter anderem mit der jenseitigen Welt Verbindung aufzunehmen, z. B. mit „Engeln“ oder „Totengeistern“. Sie tun dies in so genannten Séancen (Sittings oder Readings), bei Einzelsitzungen oder Meditationen. Dabei übermitteln sie Zuhörern oder Klienten zumeist persönlich adressierte Botschaften des Trostes oder der Lebenshilfe. Die Behauptung, diese Botschaften kämen von Verstorbenen, Engeln oder Geistwesen, wird damit begründet, dass sie teilweise sehr präzise Details von Aussehen oder Lebensweise verstorbener Angehöriger wiedergäben.

Kulturelle und religiöse Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mediumismus tritt traditionell in zahlreichen Kulturen Eurasiens, Afrikas und auf den pazifischen Inseln auf, vornehmlich in schamanisch orientierten Agrar- und Viehzüchtergesellschaften.

Weltweit nehmen viele Religionen und weltanschauliche Bewegungen für sich in Anspruch, dass ihre Lehre auf medialem Weg durch Propheten, Mystiker empfangen wurde; auch der Zungenrede (vorwiegend in der Charismatischen Bewegung) wird eine göttliche Ursache zugesprochen. Die Bibel beschreibt beispielsweise im 2. Buch Mose, Kapitel 3 und 4, wie Gott mit Mose aus einem brennenden Dornbusch heraus gesprochen und ihm hierbei den Befehl gegeben habe, zurück nach Ägypten zu gehen, um die Israeliten aus der Knechtschaft zu befreien. Joseph Smith behauptete, eine Wesenheit namens Mormon habe ihm, dem Gründer der gleichnamigen Kirche, das Buch Mormon übermittelt. Die Entstehung des Koran wird dem Erzengel Gabriel zugeschrieben, der ihn dem Begründer und Propheten des Islam Mohammed diktiert haben soll.

Vertreter des Mediumismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Einfluss des von dem französischen Schriftsteller Allan Kardec (1804–1869) begründeten Spiritismus wird zugeschrieben, dass der Mediumismus auch in Industriegesellschaften Verbreitung fand. Carl Gustav Jungs Lebensweg als Psychiater und Begründer einer Denkschule wurde von seinen Geistführern Philomen und Salome beeinflusst. Im „Roten Buch“ hat er die inneren Gespräche mit ihnen aufgezeichnet. Von dem jenseitigen Wesen Basilides in Alexandria habe Jung die "Sieben Belehrungen der Toten" empfangen.

Mediumismus in Tibet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der tibetischen Bön-Religion und einigen Schulen des tibetischen Buddhismus ist das Wirken von Medien bekannt. Das Orakel der Bön heißt Dakini. Derzeit ist dies Rosalyn Bruyere, die prophezeite Frau aus dem Westen. Eines der bekanntesten Medien Tibets, das Mönchsmedium der Gottheit Pekar, ist auch als Nechung-Orakel bekannt. Es soll die tibetische Regierung und die Dalai Lamas seit ungefähr vier Jahrhunderten in wichtigen Zukunftsfragen beraten und ist auch heute noch als Medium der tibetischen Exilregierung im Dienst. Der als Medium dienende Mönch genießt innerhalb der buddhistischen Gelug-Schule hohes Ansehen; seine meist kurze Lebensspanne schreiben Buddhisten den kräftezehrenden "Orakel-Trancen" zu.

Mediumismus in Brasilien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Brasilien werden die Fähigkeiten von Medien vom Staat anerkannt und genutzt. In der brasilianischen Rechtsprechung werden schriftliche Aussagen von Medien, die unter Aufsicht eines Notars erstellt wurden, in vielen Fällen anerkannt. So wurden zum Beispiel in den Fällen

  • Mord in Goiânia, Goiás,1975, begangen an Henrique Emmanuel Gregoris,
  • Mord in Goiânia de Campina, Goiás, Mai 1976, von José Divino Gomes an Maurício Garcez Henriques begangen,
  • Mord in Campo Grande, Mato Grosso do Sul, im März 1980, von José Francisco Marcondes de Deus an seiner Ehefrau Cleide Maria begangen,

Schriftstücke vor Gericht als Aussagen des Verstorbenen und somit als Beweise anerkannt.

Ein weiterer Fall, der sich im Mai 2006 ereignet hat, wird in der Carta psicografada ajuda a inocentar ré por homicídio no RS auf Portugiesisch beschrieben.[1]

In der Verfassung des brasilianischen Bundesstaates Pernambuco wird in Artikel 174 Medien der besondere Schutz des Staates zugesichert:[2]

O Estado e os Municípios, diretamente ou através do auxílio de entidades privadas de caráter Assistencial, regularmente constituídas, em funcionamento e sem fins lucrativos, prestarão Assistência aos necessitados, ao menor abandonado ou desvalido, ao superdotado, ao paranormal e a velhice desamparada. (Der Bundesstaat und seine Gemeinden helfen Bedürftigen, Waisen, Straßenkindern, Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, Menschen mit paranormalen Fähigkeiten (Medium) und bedürftigen Senioren direkt oder mittels eingetragener, nicht profitorientierter, privater Unternehmen.)“

Art. 174: Verfassung von Pernambuco

Das bekannteste Medium des 20. Jahrhunderts war Chico Xavier, der über 400 Bücher verfasste, deren Inhalt ihm angeblich von Geistern diktiert wurde.

Mediumismus im Westen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weithin bekannte Medien im Westen sind beispielsweise Rhea Powers (USA), Alexa Kriele (BRD), Andrea Kleinert (BRD), Sylvia Browne (USA), Paul Meek (GB, D), James van Praagh (USA, u.a. Autor der Fernsehserie Ghost Whisperer), Pascal Voggenhuber (Schweiz), Vassula Ryden (Schweiz), Jana Haas (Schweiz), Sam Hess (Schweiz), Gabriele Wittek (D, "Prophetin"), Kim-Anne Jannes (Schweiz), Dolly Röschli (Schweiz)[3][4], Marion Baumeister (D)[5][6], Andy Schwab (Schweiz, Lehrer von Pascal Voggenhuber)[7][8], Andreas Meile (Schweiz)[9][10], Martin Zoller (Schweiz, "sieht Zukunft voraus"), Alex Hurschler (Schweiz, Schüler von Pascal Voggenhuber)[11][12], Judith Fasler (Schweiz, sehr seltenes physikalisches Medium, Gründerin von deinmedium.ch)[13][14], Friederike Rath (D, "Geistheilerin")[15][16], Bahar Yilmaz (D, Schweiz), Sue Dhaibi (Schweiz)[17][18], Anouk Claes (Schweiz), Varda Hasselmann (D). Sie finden großen Anklang bei ihren Lesern bzw. Zuhörern usw., die von deren behaupteten Fähigkeiten überzeugt sind. Folgende Personen haben ähnliche Fähigkeiten von sich behauptet:

Mediumismus in Großbritannien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Traditionell ist insbesondere in England und Wales der Spiritualismus weit verbreitet. Allein in London gibt es mehrere hundert spiritualistische Kirchen, in denen Medien regelmäßig Vorträge (Sittings) halten und Botschaften für Anwesende aus dem Jenseits übermitteln. Diese "Gottesdienste" sind für jedermann frei zugänglich und gebührenfrei.

Als Musikmedium wurde Rosemary Brown auch außerhalb Großbritanniens bekannt. Der in Wales geborene und aufgewachsene Paul Meek gilt heute als eines der bekanntesten Medien in Europa. Meek lebt heute in München.[20]

Spiritualistische Medien in Großbritannien haben eine eigene Gewerkschaft, die Spiritualists' National Union, die bereits 1890 durch Emma Hardinge Britten gegründet wurde.[21]

Am Arthur Findlay College in Stansted Mountfitchet werden Medien ausgebildet.

In Großbritannien arbeiten Schulmediziner und Medien bzw. geistige Heiler zusammen. Auf 22.000 niedergelassene Ärzte kommen 14.000 registrierte Heiler. Der britische Gesundheitsdienst übernimmt die Kosten für energetisches Heilen, wenn ein Arzt dies verordnet.[22]

Mediumismus in der Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Europa ist neben England und Wales der Mediumismus am stärksten in der Schweiz verbreitet. Es gibt dort viele Medien, die eigene Praxen führen, wo sie ihre zahlreichen Klienten empfangen. Es gibt Medien wie Pascal Voggenhuber, die wie Popstars auftreten und große Hallen füllen, um dann vor Publikum Jenseitskontakte herzustellen. Im Schweizer Fernsehen wird oft über die Arbeit von Medien berichtet und Medien treten als Gäste in Talkshows auf. Es gibt Schulen und Bildungszentren, an denen Medien ausgebildet werden. Viele dieser Medien und Schulen sind auf der Internetplattform deinmedium.ch zu finden.[23] In Einzelfällen nimmt die Schweizer Polizei zur Aufklärung z.B. von Mordfällen die Hilfe von Medien in Anspruch.[24][25]In Einzelfällen laden Schulen auch Medien ein um z.B. im Physikunterricht über ihre Arbeit und diese Themen mit den Schülern zu sprechen.[26] In Einzelfällen arbeiten Schulmediziner mit Medien z.B. in der Psychiatrie zusammen.[27] In dem Fernsehkrimi Tatort: Zwischen zwei Welten, der in der Schweiz produziert wurde, gibt es die Figur Pablo Guggisberg, die ein Medium ist, das der Polizei bei den Ermittlungen hilft. Diese Figur soll Pascal Voggenhuber nachempfunden sein.[28] In Deutschland, wo man in der Allgemeinheit derartige Zusammenarbeit nicht kennt, stieß diese Tatort-Folge teilweise auf Unverständnis.[29] Auch im Schweizer Dokumentarfilm Fenster zum Jenseits aus dem Jahr 2012, wird das Thema Medialität behandelt.[30] Die berühmte Schweizer Forscherin Elisabeth Kübler-Ross beschäftigte sich in ihrer Forschungsarbeit bereits in den 1960er und 1970er Jahren u.a. mit Nahtoderfahrungen.[31]

Schreibmedien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schreibmedien sind Personen, die behaupten, auf paranormalem Weg Mitteilungen aus dem Jenseits zu empfangen und diese A) zu diktieren oder B) selbst aufzuzeichnen.

Gruppe A

Gruppe B

Beweise und Skeptiker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Skeptiker stehen solchen Phänomenen wie dem Mediumismus grundsätzlich kritisch gegenüber. Skeptiker versammeln sich unter anderem in der Skeptikerbewegung. Dabei lautet einer der Grundsätze z.B. der Skeptikervereinigung Committee for Skeptical Inquiry : Keine Voreingenommenheit gegenüber Parawissenschaften haben, sondern eine objektive Untersuchung dieser erstreben.[32] Es werden also Beweise gefordert, damit man die Phänomene akzeptieren kann. Um den Mediumismus zu beweisen, haben Skeptiker sich Aufgaben ausgedacht, die Medien lösen sollten. Dabei geht es bei den Aufgaben häufig um ungelöste Probleme der Menschheit, also Rätsel, für die viele Experten bereits lange und intensiv nach Lösungen gesucht haben, aber nach Menschenmöglichem bislang keine Lösung finden konnten. Könnten Medien für solche Rätsel die Lösungen angeben, würde zumindest ein großer Teil der Skeptiker akzeptieren, dass die Antworten nichtmenschlichen Ursprungs sind. So gibt es etwa in der Mathematik Rätsel, die trotz intensiver Bemühungen über lange Zeit bislang nicht gelöst werden konnten wie etwa die Goldbachsche Vermutung. Ähnliches gilt für Probleme in der Physik. Auch gibt es verschollene Flugzeuge wie etwa Malaysia-Airlines-Flug 370, das im Jahr 2014 verschwand und bis heute trotz intensiver Bemühungen und dem Einsatz modernster Technik nicht gefunden werden konnte. Weiter gibt es historische Goldschätze, wie etwa den Schatz des Kurfürsten Maximilian I aus dem Jahr 1648, der bislang intensiv gesucht wurde, aber nicht gefunden werden konnte.[33][34] Weiter gibt es vermisste oder entführte Personen, bei denen man keine Lösungen kennt usw. Könnten Medien, und das möglichst unter Beobachtung der Öffentlichkeit also z.B. im Fernsehen, solche Lösungen finden bzw. angeben, dann wären viele Skeptiker zufriedengestellt.

Rezeption in Literatur und Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filme, in denen die Thematik eine zentrale Rolle spielt, sind u.a.

Filmische Dokumentationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Albert von Schrenck-Notzing: Materialisationsphänomene. Ein Beitrag zur Erforschung der mediumistischen Teleplastie. München 1914
  • Michael Krajewski: Mediumistische Wesen als Künstler. In: Kunstforum International, Bd. 163, Januar-Februar 2003, S. 54–69.
  • Peter Gorsen: Der Eintritt des Mediumismus in die Kunstgeschichte. In: The Message. Kunst und Okkultismus, hrsg. v. Claudia Dichter, Hans Günter Golinski, Michael Krajewski, Susanne Zander. Walther König: Köln 2007, S. 33–55 ISBN 978-3-86560-342-5. (mit Illustrationen)
  • Veit Loers und Pia Witzmann: Münchens okkultistisches Netzwerk. In: Henderson, Linda und Loers, Veit: Avantgarde und Okkultismus: von Munch bis Mondrian 1900–1915, Ostfildern 1995

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Carta psicografada ajuda a inocentar ré por homicídio no RS [1]
  2. Constituição do Estado de Pernambuco [2]
  3. Dolly Röschli
  4. SRF Kultur: Sternstunde Religion: Kontakt mit Verstorbenen – Humbug oder Realität?, 2015
  5. Marion Baumeister
  6. Marion Baumeister im Interview
  7. Andy Schwab
  8. Andy Schwab im Interview
  9. Andreas Meile
  10. Andreas Meile wird porträtiert im Dokumentarfilm Fenster zum Jenseits
  11. Alex Hurschler
  12. Alex Hurschler im Interview
  13. Judith Fasler
  14. Judith Fasler im Interview
  15. Friederike Rath
  16. Sky (TV): Friederike Rath im Interview
  17. Sue Dhaibi
  18. Sue Dhaibi im Interview
  19. Biografie von Eliza Gräfin von Moltke-Huitfeldt der Biographien Dokumentation der Forschungsstelle Kulturimpuls.
  20. Interview mit Paul Meek, 2015
  21. Spiritualists' National Union SNU
  22. Eine Lange Nacht über Krankheit, Heilung und GesundheitBefund und Befindlichkeit, deutschlandfunk.de, 22. April 2017
  23. Interview mit Judith Fasler, Gründerin von deinmedium.ch, Minute 30:20
  24. Sat1: Kerner: Pascal Voggenhuber, Minute 13:53
  25. Pascal Voggenhuber, Minute 20:50
  26. Pascal Voggenhuber, Minute 31:28
  27. Eine Lange Nacht über Krankheit, Heilung und GesundheitBefund und Befindlichkeit, deutschlandfunk.de, 22. April 2017
  28. luzernerzeitung.ch: Wie war der sechste Tatort aus Luzern?
  29. Bertram Quadt: Nervenprobe für Tatort-Fans Filmkritik bei swr3.de, abgerufen am 5. November 2017.
  30. Die Geisterwelt ist widerborstig, Der Bund, 15. Dezember 2012
  31. ARD Interview mit Elisabeth Kübler Ross von Günter Rolling, 1981
  32. CSI about
  33. Der Silberschatz des Kurfürsten Maximilian
  34. Maischberger übersinnliche Kräfte, Minute 14:40 auf YouTube