Medizinsoziologie

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Medizinsoziologie ist ein Teilgebiet der Soziologie. Sie beschäftigt sich mit der Rolle und Bedeutung, die Krankheit und Gesundheit in der Gesellschaft haben und den Formen und Folgen ihrer gesellschaftlichen Behandlung. Die Medizinische Soziologie ist hingegen ein Teilgebiet der Medizin und wird vielfach von der Sozialmedizin abgegrenzt. Medizinische Inhalte werden in der Medizinischen Soziologie stärker problematisiert als dies in der Sozialmedizin üblich ist.[1]

Näheres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Die Medizinsoziologie interessiert sich:

  • auf der Mikroebene für individuelle und kollektive Orientierungsformen und Handlungsrationalitäten (z. B. Wahrnehmung von Krankheit, Risikoverhalten),
  • auf der Mesoebene für die Organisations- und Netzwerkformen der gesellschaftlichen Behandlung von Krankheit und Gesundheit (z. B. Krankenhausstrukturen, Kooperationsformen bei Seuchen),
  • auf der Makroebene für gesellschaftliche Strukturen, Institutionen und Gestaltungsmöglichkeiten (z. B. Gesundheitssystem, soziale und gesundheitliche Ungleichheit).

Gesundheit und Krankheit verweisen nicht nur auf Funktion oder Fehlfunktion des Körpers, sondern sind vor allem auch ein Phänomen der individuellen Befindlichkeit. Das jeweils gegebene Verständnis von Gesundheit und Krankheit ist durch gesellschaftliche Normen und Werte beeinflusst, ist Bestandteil der gesellschaftlichen Konstruktion von Wirklichkeit.

Gesundheit und Krankheit sind Phänomene, die in mindestens drei verschiedenen Bezugssystemen definiert werden, die sich aus einer psychologischen, einer medizinischen und einer soziologischen Perspektive ergeben:

  1. Bezugssystem der betroffenen Person: sich gesund oder krank fühlen, Reaktion auf wahrgenommene Beeinträchtigungen, Krankheitsbewältigung;
  2. Bezugssystem der Medizin: physiologische Regulation / Dysregulation bzw. organische Funktion / Fehlfunktion (Befunde);
  3. Bezugssystem der Gesellschaft: Leistungsminderung bzw. Notwendigkeit, Hilfe zu gewähren, Analyse des Hilfesuchens im Krankheitsfall, soziale Definitionsprozesse bei (chronischer) Krankheit und Behinderung, soziale Rolle des Kranken, Organisation des „Krankheits-“ bzw. Gesundheitssystems.

Im Bezugssystem der Gesellschaft analysiert die Medizinsoziologie:

Zur Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Forschung, die man heute als Medizinische Soziologie oder Medizinsoziologie bezeichnen würde, gab es bereits vor der Instititutionalisierung dieser Fächer. Sie entwickelte sich im ausgehenden 19. Jahrhundert aus der Beobachtung, dass gesellschaftliche Bedingungen und Umwelteinflüsse eine wesentliche Bedeutung für Krankheitsentwicklung haben. So wurde der Zusammenhang von sozialer Lage und Gesundheit zu Zeiten der industriellen Revolution von Mediziner wie Rudolf Virchow oder Philosophen und Gesellschaftstheoretikern wie Friedrich Engels thematisiert. Die Untersuchung von Engels zur Lage der arbeitenden Klasse in England gilt als eine der frühen medizinsoziologischen Studien.[2]

Die Medizinsoziologie als eigenständige spezielle Soziologie entstand 1951 [3] mit einer Veröffentlichung von Talcott Parsons: dabei geht es um das Kapitel zehn in seinem Buch The Social System [4]. Dieses Kapitel erschien in deutscher Sprache im Sonderband 3 der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie [5], der aus einer Konferenz speziell zu medizinsoziologischen Fragen und Themen 1958 in Köln hervorging.

Die Institutionalisierung der Medizinsoziologie erfolgte in den 1970er Jahren. Eine Sektion Medizinsoziologie gibt es in den USA seit 1960 in der American Sociological Association. Die Deutsche Gesellschaft für Soziologie hat seit 1970 eine Sektion Medizinsoziologie, die sich 2000/2001 in Sektion Medizin- und Gesundheitssoziologie umbenannte [6]. Seit 1972 besteht zudem die Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie [7] (DGMS). Die Medizinische Soziologie wurde 1970 als Teil der Fächergruppe Psychosoziale Medizin Teil des Medizinstudiums [8].

Aus der Medizinsoziologie der 1950er bis 1980er Jahre (Johann Jürgen Rohde, Wolfgang Schoene) hat sich inzwischen der Ansatz der Gesundheitssoziologie entwickelt. Dieser ist auf einen in den späten 1980er-Jahren einsetzenden Perspektivenwechsel zurückzuführen, welcher Gesundheit mit Begriffen wie Public Health und Salutogenese verbindet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monographien und Aufsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernhard Borgetto, Bernhard Mann, Christian Janßen: Soziologische Theorien in der medizinsoziologischen Versorgungsforschung. In: Christian Janßen, Bernhard Borgetto, Günther Heller (Hrsg.): Medizinsoziologische Versorgungsforschung. Theoretische Ansätze, Methoden, Instrumente und empirische Befunde. Juventa, Weinheim/München 2007, ISBN 978-3-7799-1148-7.
  • Lars Clausen: Offene Fragen der Seuchensoziologie. In: Lars Clausen: Krasser sozialer Wandel. Leske + Budrich, Opladen 1994, ISBN 3-8100-1141-X, S. 51–61.
  • Uta Gerhardt: Ideas about illness. An intellectual and political history of medical sociology. New York University Press, New York, NY 1989.
  • Uta Gerhardt: Gesundheit und Gesellschaft. Suhrkamp, Frankfurt/Main 1991.
  • Bernhard Mann: Krankenhaussoziologie und Gesundheitswesen. In: Soziologische Revue. Jahrgang 27, 2004, ISSN 0343-4109, S. 480–491.
  • Michael Schillmeier, Wiebke Pohler: Kosmo-politische Ereignisse. Zur sozialen Topologie von SARS. In: Soziale Welt. Heft 4, 2006, S. 331–349.
  • Johannes Siegrist: Medizinische Soziologie. Urban und Schwarzenberg, München 1995, ISBN 3-541-06385-8.
  • Alf Trojan, Hanneli Dohner (Hrsg.): Gesellschaft, Gesundheit, Medizin – Erkundungen, Analysen und Ergebnisse. Mabuse, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-935964-01-3.
  • Gunnar Stollberg: Medizinsoziologie Transcript, Bielefeld 2001
  • Heiko Waller: Sozialmedizin. 4. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 1997, ISBN 3-17-014200-3.
  • Claus Wendt, Christof Wolf (Hrsg.): Soziologie der Gesundheit. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. Sonderhefte Band 46. VS, Wiesbaden 2006, ISBN 3-531-15296-3.
  • Irving Kenneth Zola: Medicine as an institution of social control. In: Sociological Review. Heft 4, 1972, S. 487–504.

Zeitschriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sociology of Health & Illness.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christian von Ferber: Gesundheit und Gesellschaft. Kohlhammer, Frankfurt 1971
  2. Friedrich Engels: Die Lage der arbeitenden Klasse in England. In: Karl Mara und Friedrich Engels: Werke, Band 2. Dietz. Berlin/DDR 1962/1845: . S. 225-506
  3. Gunnar Stollberg: Medizinsoziologie Transcript, Bielefeld 2001, S. 9
  4. Talcott Parsons: The Social System Free Press, New York, London
  5. Talcott Parsons: Struktur und Funktion der modernen Medizin In: René König und Margret Tönnismann (Hrsg.): Probleme der Medizinsoziologie Westdeutscher Verlag, Opladen 1958, S. 10-57
  6. Maximiliane Wilkesmann: Wissenstransfer im Krankenhaus. VS Verlag für Sozialwissenschaften. Wiesbaden 2001, S. 50
  7. https://www.dgms.de/
  8. Gunnar Stollberg: Medizinsoziologie. transcript. Bielefeld 2001, S.9