Megachurch

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Innenansicht der Crystal Cathedral, einer ehemaligen kalifornischen Megachurch. Der Leiter war Robert Schuller.
Lakewood Church, ein umgebautes Stadion, mit 16.800 Plätzen für über 40.000 Mitglieder und Gottesdiensten in Englisch und Spanisch.

Mit Megachurch (griechisch μέγας „mégas“, „groß“ und englisch church‚ „Kirche“) wird, insbesondere in den Vereinigten Staaten, eine sehr große lokale Kirche oder Gemeinde bezeichnet. In der Regel haben diese Megachurches in den letzten zwanzig Jahren ein explosives Wachstum erfahren.

Das Phänomen sehr großer Kirchen ist jedoch nicht auf die Vereinigten Staaten oder Kanada beschränkt. Außerhalb der USA, Kanadas, Australiens und Neuseelands gibt es wenig Zahlen, aber in Südkorea gibt es mehrere Kirchen, die von einer Viertelmillion wöchentlicher Gottesdienstbesucher berichten, und auch in Brasilien, den Philippinen und einigen afrikanischen Ländern sind extrem große Kirchen bekannt.

Bekannte Megachurch Kirchen sind z.B. die Lakewood Church in Texas, die Hillsong Church aus Australien, die City Impact Church aus Neuseeland und die Elevation Church aus den USA und Kanada.

Struktur der Megachurches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Vereinigten Staaten gab es 2005 über 1200 Kirchen, die wöchentlich im Durchschnitt über 2000 Gottesdienstbesucher haben, im Durchschnitt aller Megachurches sind es an die 4000. Die größte amerikanische Megachurch hat durchschnittlich über 30.000 Gottesdienstbesucher. Es gibt in den meisten amerikanischen Staaten Megachurches, aber die Mehrheit sind in Kalifornien, Texas, Florida und Georgia zu finden.

Die meisten Megachurches haben ein Kirchengebäude, in dem 2000 bis 8000 Besucher Platz finden, und in der Regel halten sie jedes Wochenende mehrere Gottesdienste ab, so dass die Besucherzahlen wesentlich größer sein können als die Anzahl der Plätze im Kirchengebäude.

In der Regel wird eine Megachurch von einem Senior Pastor geführt, der beim Wachstum der Kirche eine Schlüsselfigur ist. Der Senior Pastor wird unterstützt durch weitere zwanzig oder mehr Pastoren und eine ähnliche Anzahl administrativer Angestellter sowie Hunderte von Freiwilligen.

Theologisch sind Megachurches in der Regel evangelikal. Etwa ein Drittel gehört zu den unabhängigen Kirchen, zwei Drittel sind mehr oder weniger eng an eine Denomination gebunden, darunter am häufigsten Baptisten.

Umfangreiche technische Ausstattung wie Konzertbühne, Multimedia-Technik sowie professionelle Licht- und Tontechnik erinnern an die Ausstattung von Rockkonzerten.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Megachurches werden aus verschiedenen Gründen kritisiert, sowohl aus nichtkirchlicher Motivation als auch von den Anhängern anderer Kirchenformen. In diesem Zusammenhang fällt oft der polemische Begriff McChurch. Der Großteil der nordamerikanischen Gottesdienstbesucher sind in kleineren Gemeinden, oft mit weniger als 200 Mitgliedern, anzutreffen. Nach ihrem Eindruck bieten die Megachurches einen sterilen, massenproduzierten und unpersönlichen Ablauf, die mit dem Fastfood von McDonald’s zu vergleichen ist. Kritiker behaupten, dass mit Betonung der Darstellung und Bühnentechnik im Gottesdienstablauf gehe es mehr um Unterhaltung als um Gottesverehrung und Verkündigung des Evangeliums.[1][2] Al Sharpton hat auch die Behauptung erhoben, diese Kirchen würden sich nur auf Themen der persönlichen Moral beschränken, und ihre Berufung zur Förderung der sozialen Gerechtigkeit außer Acht lassen.[3] Im Spiegel wurden Megakirchen als „Wohlfühltempel mit Unterhaltungsprogramm“ bezeichnet.[4]

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereinigte Staaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

International[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelikale Großkirchen im deutschsprachigen Raum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gospel Forum (Stuttgart-Feuerbach; neocharismatische Freikirche; Leitender Pastor: Peter Wenz; 3.500 wöchentliche Besucher)[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christina Littlefield: Long reach of a big church. Abgerufen am 5. November 2006.
  2. Julia Biard: The good and bad of religion-lite. Abgerufen am 5. November 2006.
  3. Black Leaders Blast Megachurches, Say They Ignore Social Justice, Associated Press. 6. Dezember 2005. Abgerufen am 5. November 2006. 
  4. Susanne Weingarten: Karaoke für Christus. In: SPIEGEL special. Nr. 9, 21. November 2006, S. 30: „Die Megachurches in den USA sind riesige Wohlfühltempel mit Unterhaltungsprogramm. Bisher wüteten die Priester gern gegen Schwule, Feminismus und Abtreibung. Doch viele, vor allem jüngere Evangelikale, mögen das nicht mehr und wollen sich lieber für Afrika und den Klimaschutz engagieren.“
  5. http://cccinfo.org/
  6. Die grössten christlichen Gemeinden der Welt sind evangelikal. Eine Untersuchung ergab, dass fast alle zum charismatisch-pfingstkirchlichen Flügel gehören. Idea Spektrum, Liestal 4. Mai 2016, Seite 21