Megalithisches Yard

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Das Megalithische Yard (MY) ist eine Maßeinheit für die Länge. Es galt in Westsüdasien, Nordafrika und Europa in der Jungsteinzeit.

Der 1894 geborene schottische Ingenieur Alexander Thom hat das 1955 entdeckt. Nach seiner Vermutung sind nach dieser Maßeinheit viele Megalithanlagen und Steinsetzungen erstellt worden.

1 ideales Megalithisches Yard =
8/5 der idealen Nippur-Elle =
829,36 Millimeter

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Megalithische Yard wurde von Alexander Thom 1955 aufgrund der Vermessungen von englischen und schottischen Steinsetzungen (z. B. dem Ring von Brodgar) entdeckt. Ausgehend von ursprünglich 46 jungsteinzeitlichen Steinkreisen bezog er später etwa 300 Steinsetzungen in seine Untersuchungen ein. Als er die Messergebnisse zusammenstellte, erkannte er, dass sich die Durchmesser zu Gruppen ordnen lassen, die nahe bei 22 Britischen Fuß (6,7056 m) und 44 Fuß (13,4112 m) lagen, während einige 55 Fuß (16,764 m) erreichten. Die mathematische Untersuchung durch Thom (unter Verwendung von Methoden von S. R. Broadbent von 1955)[1] ergab einen Bestwert aus den Häufungsstellen bei 5,43 Fuß (1,655064 m). Es fand sich eine bemerkenswert niedrige Standardabweichung von 1,10 Promille. Thom halbierte diesen Wert, um von dem Durchmesser auf den Radius zu kommen, wobei er 827,532 mm erhielt. Weil dieser Wert 90,5 % des Britischen Yard (914,4 mm) entspricht, nannte er ihn Megalithisches Yard. Er betonte aber zugleich, dass er bei seinen Messungen nie auf eine Drittelung des MY gestoßen sei, aber Hinweise auf eine Viertelung habe. Das Viertel des MY scheine die eigentliche Grundeinheit zu sein.

Zunächst wurden auf Thoms Anregungen hin die gewonnenen Daten vom britischen Biometriker und Statistiker S. R. Broadbent bearbeitet, der Thoms numerische Ergebnisse bestätigt fand. Schließlich konnte einer der seinerzeit berühmtesten englischen Statistiker, David George Kendall, dafür gewonnen werden, diese Forschungsergebnisse auf statistischer Basis zu untersuchen. Darüber hielt er einen vielbeachteten Vortrag vor der Royal Society, London, der anschließend publiziert wurde.[2] Er fand den Megalithischen Fathom von 5,43 Fuß (1,655064 m), nämlich 2 MY, bei einem Signifikanzniveau von 1 % bestätigt.

Das MY wurde in der Folgezeit auch an verschiedenen Stellen in dem kontinentalen Europa nachgewiesen, so bei den megalithischen Steinsetzungen bei Odry (Czersk) in Polen.[3] Hausgrundrisse einer bandkeramischen Siedlung bei Erkelenz-Kückhoven (Kreis Heinsberg) weisen ebenfalls das MY auf. Diese Siedlung ist sowohl durch die Radiokarbonmethode als auch durch Dendrochronologie auf etwa 5.000 v. Chr. datiert. Vermessungen des Ehepaares Vera Leisner und Georg Leisner an megalithischen Gräbern in Spanien haben gleichfalls das MY ergeben.

Nach Alexander Thom wurde das MY als Vara in Spanien bis zu dem 19. (oder 20.) Jahrhundert genutzt.[4] Aber es gibt viele Varas. Die kurze spanische Vara von 1801 ist 835,905 mm lang und weicht damit immerhin gerundet 7,89 Promille von dem idealen MY ab. Die anderen Varas sind wesentlich kürzer oder wesentlich länger.

Man hat keine Maßverkörperung des MY gefunden. Wegen des fehlenden Beweises schätzen Archäologen das MY als eine wunschgeleitete Vermutung ein.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rolf Müller: Der Himmel über dem Menschen der Steinzeit. Springer-Verlag, Berlin 1985, ISBN 3-540-05032-9.
  • Alexander Thom: The megalithic unit of length. J. Royal Statistical Society, Band 125, Part 2, 1962, S.243.
  • Alexander Thom: Megalithic Sites in Britain. Clarendon Press, Oxford 1967, 1976, 1979, ISBN 978-0-19-813148-9.
  • Alexander Thom: Megalithic Astronomy. zwei Teile, Vistas in Astronomy, 1965, 1969.
  • Jürgen Weiner: Nur in der Tiefe gab es Wasser. In: Archäologie im Rheinland, 4. Jg. (1990), S.21-22.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alexander Thom: Megalithic Sites in Britain. Clarendon Press, Oxford 1967, 1976, 1979, ISBN 978-0-19-813148-9.
  2. David George Kendall, F. R. Hodson: The Place of astronomy in the ancient world: a joint symposium of the Royal Society and the British Academy. Oxford University Press for the British Academy. 1974
  3. Rolf Müller: Der Himmel über den Menschen der Steinzeit. 1970, S.36
  4. Rolf Müller: Der Himmel über den Menschen der Steinzeit. 1970, S.35