Mehbooba Mufti

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Mehbooba Mufti (2016)

Mehbooba Mufti Sayeed (* 22. Mai 1959 in Bijbehara, Distrikt Anantnag, Jammu und Kashmir, Indien) ist eine indische Politikerin der Jammu and Kashmir People’s Democratic Party (PDP). Seit dem 4. April 2016 ist sie Chief Minister von Jammu und Kashmir und damit die erste Frau in diesem Amt des nordwestlichen Bundesstaates. Es entspricht dem Amt der Ministerpräsidenten in Deutschland. Parlamentarisch stützt sie sich auf eine Koalition ihrer Partei mit der Bharatiya Janata Party (BJP).

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehbooba Mufti Sayeed ist eine von drei Töchtern des Politikers und Rechtsanwalts Mohammad Sayeed. Sie wuchs in Kaschmir auf und studierte an der University of Kashmir in Srinagar Rechtswissenschaften. 1984 heiratete sie Javed Iqbal, und aus ihrer Ehe gingen zwei Töchter, Iltija und Irtiqa hervor. Ihr Ehemann war Cousin ersten Grades ihres Vaters (Sohn ihres Onkels väterlicherseits). Die Ehe wurde nach 4 Jahren wieder geschieden und die Töchter wuchsen anschließend bei ihr auf.[1] Ihr Ex-Ehemann schloss sich im Jahr 2008 der konkurrierenden Jammu & Kashmir National Conference an.[2]

Mehbooba Muftis Vater war mit Unterbrechungen bis Ende der 1980er Jahre in der Kongresspartei politisch aktiv. 1988/89 schloss er sich der neu gegründeten Janata Dal an und wurde im Kabinett von Premierminister V. P. Singh Innenminister – der erste Muslim in der Geschichte des unabhängigen Indien auf diesem Posten. In den 1990er Jahren kehrte er zeitweilig wieder zur Kongresspartei zurück. Ab etwa Mitte der 1990er Jahre begleitete seine Tochter Mehbooba ihren Vater eng bei dessen politischen Aktivitäten. Auch Mehbooba Mufti war in den 1990er Jahren Mitglied der Kongresspartei und ab 1996 Abgeordnete im Regionalparlament von Jammu und Kashmir. Im Jahr 1999 traten beide, Vater und Tochter aus der Kongresspartei aus und gründeten eine eigene Regionalpartei für Jammu und Kashmir, die Jammu and Kashmir People’s Democratic Party (JKPDP). Begründet wurde die Parteigründung im Wesentlichen mit der Vernachlässigung von spezifisch kaschmirischen Angelegenheiten durch die Kongresspartei. Mehbooba nahm in der neuen Partei wichtige Funktionen wahr, zuletzt als Parteipräsidentin.[3][4]

Bei der gesamtindischen Parlamentswahl 2004 war Mebooba Mufti im Wahlkreis 3-Anantnag für die JKPDP erfolgreich und danach die einzige JKPDP-Abgeordnete im indischen Bundesparlament, der Lok Sabha, in der folgenden Legislaturperiode. Bei der Wahl zum Parlament in Jammu und Kashmir gewann sie den Wahlkreis 35-Wachi. Bei der indischen Parlamentswahl 2014 wurde sie wieder im Wahlkreis 3-Anantnag gewählt.[5]

Als nach der Wahl 2014 zum Parlament von Jammu und Kashmir keine Partei eine Mehrheit erreicht hatte, kam es zur Bildung einer Koalition von Bharatiya Janata Party (BJP) und JKPDP. Der 79-jährige Mohammad Sayeed wurde zum Chief Minister gewählt. Schon am 13. November 2015 deutete Mohammad Sayeed an, dass ihm seine Tochter im Amt des Chief Ministers nachfolgen könne. Seine Tochter habe die bessere Verbindung zu den Problemen der einfachen Menschen und verdiene es Chief Ministerin zu werden.[6] Seine Tochter verneinte jedoch noch im Dezember 2015 Ambitionen auf dieses Amt zu haben.[7]

Am 24. Dezember 2015 verschlechterte sich der Gesundheitszustand Mohammad Sayeeds massiv und er starb am 7. Januar 2016 in Neu-Delhi. Nach seinem Tod proklamierte die JKPDP-Parlamentsfraktion in Jammu und Kashmir Mebooba Mufti zur designierten Nachfolgerin im Amt des Chief Ministers.[8] Die mitregierende BJP hatte schon am 4. Januar 2016 erklärt, dass sie nichts gegen eine Amtsübernahme Mehbooba Muftis einzuwenden habe.[9] Nach einer 4 Monaten dauernden zentralen Governor’s Rule in Jammu und Kashmir wurde Mehbooba Mufti schließlich am 4. April 2016 als neue Chief Ministerin von Jammu und Kashmir vereidigt.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Titelgeschichte: Mehbooba Mufti under Siege. Can She Stem the Rot? In: India Today, 15. Mai 2017, S. 30 - 38 von Asit Jolly. (Ein Rückblick auf ihr erstes und schwieriges Regierungsjahr: Untertitel: Buffeted by Insurgency and Dissent within Her Party, she Needs All the Help she Can Get from a Reluctant Centre.)[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Amy Waldman: A New Face Signals Political Change in Embattled Kashmir. The New York Times, 12. Oktober 2002, abgerufen am 7. Januar 2016 (englisch).
  2. Mehbooba’s former husband joins NC. Greater kashmir, 4. Dezember 2008, abgerufen am 1. Februar 2016 (englisch).
  3. Party Structure. JKPDP, abgerufen am 7. Januar 2016 (englisch).
  4. Mehbooba Mufti set to become Jammu and Kashmir CM? tehelka.com, 7. Januar 2016, abgerufen am 7. Januar 2016 (englisch).
  5. Election Results – Full Statistical Reports. Indian Election Commission (Indische Wahlkommission), abgerufen am 7. Januar 2016 (englisch, Wahlergebnisse sämtlicher indischer Wahlen zur Lok Sabha und zu den Parlamenten der Bundesstaaten seit der Unabhängigkeit).
  6. Mufti Mohammad Sayeed, Jammu and Kashmir chief minister, dies. 7. Januar 2016, abgerufen am 7. Januar 2016 (englisch).
  7. Not willing to become Jammu and Kashmir CM, says Mehbooba Mufti. The Economic Times, 12. Dezember 2015, abgerufen am 7. Januar 2016 (englisch).
  8. PDP writes to Governor, Mehbooba Mufti set to be first woman CM of Jammu & Kashmir. The Economic Times, 7. Januar 2016, abgerufen am 7. Januar 2016 (englisch).
  9. Hakeem Irfan: No issues with Mehbooba Mufti As CM, says BJP. The Economic Times, 4. Januar 2016, abgerufen am 7. Januar 2016 (englisch).
  10. Mehbooba Mufti sworn in as J&K's first woman CM. The Hindu, 4. April 2016, abgerufen am 24. April 2016 (englisch).
  11. Can she stem the rot? - Online Version, indiatoday.intoday.in vom 4. Mai 2017