Mehler (Unternehmen)

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Die Mehler AG ist ein deutsches Unternehmen mit Sitz in Fulda, das technische Textilien herstellt. Heute ist sie ein Tochterunternehmen der KAP Beteiligungs-AG.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen wurde 1837 von Valentin Mehler (1816–1884) als Handwerksbetrieb für Tafelleinen nahe der Fuldaer Stadtpfarrkirche gegründet. Valentin wurde als Bauernsohn in Friesenhausen geboren. Seine Vorfahren stammen aus der Dürrmühle bei Poppenhausen/Wasserkuppe. 1880 wurden seine Söhne Wilhelm (* 1852) und Karl (* 1854) Inhaber. Bis 1887 stieg die Zahl der Mitarbeiter auf 53 an. Daraufhin wurde im gleichen Jahr das Unternehmen an die heutige Produktionsstätte in der Edelzeller Straße verlegt und die Weberei komplett mechanisiert. Seit 1903 erfolgte unter Einfluss des neuen Teilhabers Arthur Kayser eine Spezialisierung auf die Herstellung von Segeltuch. 1915 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem der führenden Hersteller von technischen Geweben, darunter für die Reifenindustrie. In der Öffentlichkeit wurde Mehler vor allem durch seine wasserdichten Planen, Zelte, Mäntel und Sportbekleidung bekannt.

Seit den 1930er Jahren engagierte sich die Val. Mehler Segeltuchweberei AG verstärkt in der Entwicklung neuer Produkte und Marken, die in der Folgezeit große Bekanntheit erlangten. Zu nennen sind hier insbesondere die Marken „Valmeline“ (Registrierung 1937) und „Valmex“ (Registrierung 1938).[1] 1933 wurde der Schwerpunkt der Bekleidungsproduktion auf Herren- und Damenmäntel sowie Skianoraks gelegt. Im Jahre 1935 startete die Herstellung von Cordzwirnen und -geweben für die Reifenindustrie. 1937 hatte das Unternehmen 1.301 Mitarbeiter und einen Umsatz von 11 Mio. Reichsmark.[2] Das Unternehmen beschäftigte zwischen 1940 und 1945 Zwangsarbeiter, im Lager „Rosita“ waren etwa 900 Personen untergebracht.[3] Im Zweiten Weltkrieg wurde ein großer Teil der Fabrikanlage zerstört und bei einem Bombenangriff auf den „Krätzbachbunker“, den firmeneigenen Bunker, starben 700 Menschen, darunter 451 Mitarbeiter.

Nach der 1938 vollzogenen Enteignung des Mehrheitsaktionärs, der jüdischen Familie Kayser, übernahm der Unternehmer und Wehrwirtschaftsführer Willy Kaus die Aktienmehrheit des Unternehmens. Kaus versuchte nach dem Kriegsende 1945 vergebens, sich mit den Kayser-Erben über seine Mehrheitsbeteiligung zu einigen. 1952 musste er die Mehler-Anteile zurückgegeben.[4] Seit 1952 prägte der Unternehmer Walter Albert Bauer bis zu seinem Tod 1968 als Vorstandsvorsitzender die weitere Entwicklung der Val. Mehler AG, die den Mittelpunkt seiner Bauer-Gruppe bildete. 1967 wurde er auch Mehrheitseigner.[5] 1972 übernahm der Unternehmer Johann Nepomuk Glöggler von den Bauer- und Mehler-Erben die Aktienmehrheit, die er bis zum Zusammenbruch seines Glöggler-Konzerns 1976 behielt.[6] Nach dem Zusammenbruch der Glöggler-Gruppe vollzogen die Bank für Gemeinwirtschaft und die Hessische Landesbank die Sanierung des Unternehmens und wurden während dieses Prozesses zu Mehrheitsaktionären.[7]

Unter der Banken-Ägide wurde Mehler während der 1980er Jahre in Tochtergesellschaften aufgegliedert, die sich an den vorhandenen Produktsparten orientierten. So wird 1982 die Bekleidungskonfektion in die neugegründeten Unternehmen Valmeline Bekleidung GmbH und Fulwiline Mode GmbH überführt. Es folgen 1986 die technische Konfektion durch Gründung der Mehler Vario System GmbH und 1989 die Produktion technischer Textilien durch Neugründung der Tochtergesellschaft Mehler GmbH. Die Mehler Aktiengesellschaft wird zur Finanz- und Führungsholding. Der in der Öffentlichkeit besonders bekannte Camping-Bereich verselbstständigt sich 1991 in die Mehler Camping GmbH. 1997/98 übernahm die KAP Beteiligungs-AG die Aktienmehrheit von Mehler, die sie bis heute hält.[8]

4.552 Mitarbeiter zählte das Unternehmen im Jahre 1960. 1990 erzielte die Val. Mehler AG knapp 450 Millionen Mark Umsatz und beschäftigte 2.100 Mitarbeiter.[9]

Zu den Aufträgen der Firma gehörte beispielsweise die Ausstattung und der Aufbau der berühmten Zeltstadt von Staatspräsident Muammar El-Gaddafi in der Wüste Libyens mit Mehler-Segeltuchen. Ein Schwerpunkt ist heute die Produktion von Textilien im Bereich ballistischer Schutzprodukte für Polizei, Militär und Spezialkräfte wie z. B. Schutzwesten. 2010 verlagerte die KAP Beteiligungs-AG ihren Firmensitz nach Fulda.

Camping-Zelte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufnäher mit Wort-Bild-Marke auf Hauszelt von Mehler aus den 1980er Jahren.

In der öffentlichen Wahrnehmung stellen bis heute Camping-Zelte ein zentrales Produkt dar, mit welchem der Hersteller Mehler verbunden wird. Durch die wiederholten Umstrukturierungen der Mehler AG und Zukäufe präsentiert sich dieses grundsätzlich langlebige Produktsortiment insgesamt recht uneinheitlich. Bis Ende der 1980er Jahre wurden die Freizeit-Zelte als eindeutig ausgezeichnete Mehler-Produkte vertrieben. Auch die Ausgliederung der Mehler Vario System GmbH, welcher der Campingbereich zugeordnet wurde, änderte hieran nichts. Erst mit Gründung der Mehler Camping GmbH in Radolfzell erhielten die Zelte 1991/92 eine neue Firmierung: Die aufgenähte Wort-Bild-Marke lautete nun nicht mehr „Mehler“, sondern „Mehler Camping“. Im gleichen Jahr nahm auch die Mehler Stromeyer Camping GmbH den Betrieb auf, welche Zelte des in Konkurs gegangenen Herstellers Stromeyer unter eigenem Namen vertrieb.

Die Episode „Mehler Camping GmbH“ endete spätestens 1997 wieder (Löschung der Marke), Mehler-Stromeyer folgte 2000. Während der 1990er Jahre war die Mehler AG Teilhaber des tschechischen Unternehmens Technolen technicky textil s.r.o. aus Lomnice nad Popelkou geworden. Hier wurden in der Folgezeit Zelte der Marken Stromeyer und Mehler Camping produziert. 2015 offeriert Technolen über seine Website Zelte der Marke Stromeyer.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Michael Mott: Fuldaer Textilfabrik wurde zum Weltunternehmen / Der Firmengründer Valentin Mehler (1816–1884) hat die Wirtschaft in Osthessen entscheidend mitgeprägt; in: Fuldaer Zeitung, 16. Aug. 2006, S. 11 (Serie: Fuldaer Köpfe).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. DPMA-Registereintrag für Valmeline, DPMA-Registereintrag für Valmex
  2. Historie der Mehler AG
  3. Fulda, Lager „Rosita“, Gummiwerke Mehler AG. Topografie des Nationalsozialismus in Hessen. (Stand: 21. Februar 2011). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  4. „Außenseiter in Chemie und Kautschuk“ in: Die Zeit (Nr. 9/1966) vom 25. Februar 1966. „Sind die Aktien nichtig?“ in Der Spiegel (Nr. 11/1957) vom 13. März 1957. Mehler, Valentin, Hans Jaeger in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 621 [Onlinefassung]
  5. „Ohne Amt und Mandat“ in: Die Zeit (Nr. 45/1961) vom 3. November 1961. www.leo-bw.de, abgerufen am 9. September 2015.
  6. „Frohe Laune im Bett“ in: Der Spiegel (Nr. 4/1976) vom 19. Januar 1976. „Wer die Deutsche Bank zum Feinde hat…“ in: Die Zeit (Nr. 41/1976) vom 1. Oktober 1976.
  7. „Der glückliche Seiltänzer“ in: Die Zeit (Nr. 12/1979) vom 16. März 1979.
  8. m-v-s.de, abgerufen am 9. September 2015.
  9. Billig zu haben Der Spiegel vom 5. Februar 1990
  10. Zelte der Marke Stromeyer von Technolen, abgerufen am 9. September 2015

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]