Mehrstetten

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Wappen Deutschlandkarte
Mehrstetten
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Mehrstetten hervorgehoben

Koordinaten: 48° 23′ N, 9° 34′ O

Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Reutlingen
Höhe: 750 m ü. NHN
Fläche: 17,1 km2
Einwohner: 1456 (31. Dez. 2021)[1]
Bevölkerungsdichte: 85 Einwohner je km2
Postleitzahl: 72537
Vorwahl: 07381
Kfz-Kennzeichen: RT
Gemeindeschlüssel: 08 4 15 048
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Marktplatz 1
72537 Mehrstetten
Website: www.mehrstetten.de
Bürgermeister: Robert Mellinghoff
Lage der Gemeinde Mehrstetten im Landkreis Reutlingen
Alb-Donau-KreisLandkreis BiberachLandkreis BöblingenLandkreis EsslingenLandkreis EsslingenLandkreis GöppingenLandkreis SigmaringenLandkreis TübingenZollernalbkreisBad UrachDettingen an der ErmsEngstingenEningen unter AchalmGomadingenGrabenstettenGrafenberg (Landkreis Reutlingen)Gutsbezirk MünsingenHayingenHohenstein (Landkreis Reutlingen)HülbenLichtenstein (Württemberg)MehrstettenMetzingenMünsingen (Württemberg)PfronstettenPfullingenPfullingenPliezhausenReutlingenRiederichRömerstein (Gemeinde)SonnenbühlSt. Johann (Württemberg)TrochtelfingenWalddorfhäslachWannweilZwiefaltenKarte
Über dieses Bild

Mehrstetten ist eine Gemeinde auf der Schwäbischen Alb, etwa sieben Kilometer südöstlich von Münsingen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Münsingen (Landkreis Reutlingen) und die Gemeinde Schelklingen (Alb-Donau-Kreis) grenzen an die Gemeinde Mehrstetten.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Gemeinde gehören das Dorf Mehrstetten, die Siedlung Greut, das Gehöft Ziegelhof und die Häusergruppe Bahnhof Mehrstetten. Im Gemeindegebiet liegt die Wüstung Aymstetten.[2]

Schutzgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Mehrstetten gibt es mit dem Böttental und dem Schandental zwei Naturschutzgebiete. Beide gehören, wie auch die Waldflächen um den Bodenhau, zum FFH-Gebiet Tiefental und Schmiechtal. Zudem sind auf der Gemarkung vier kleinere Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen: die Sommerschafweide in dem Oberen und Unteren Böttental und Vorderen Berg, die Sommerschafweide auf Irnestal und Guckenbühl, die Sommerschafweide auf Marksteigle und die Sommerschafweide im Banntal.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrstetten wurde um das Jahr 1300 als Merstetten zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Im ausgehenden Hochmittelalter war das Dorf Bestandteil des Gebiets der Herren von Gundelfingen und geriet nach deren Niedergang in den Einflussbereich des Hauses Habsburg und dessen Besitzungen in Vorderösterreich. In den folgenden Jahrhunderten gelang es jedoch dem Haus Württemberg, trotz des Widerwillens der Dorfbewohner, sowohl die hohe als auch die niedere Gerichtsbarkeit und somit die Gesamtobrigkeit gegen das Haus Habsburg durchzusetzen.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrstetten kam 1654 zum Amt Münsingen im Herzogtum Württemberg. Im 19. Jahrhundert war Mehrstetten dem Oberamt Münsingen im Königreich Württemberg zugeordnet und ab 1938 durch die Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg dem Landkreis Münsingen. Im Jahre 1945 wurde Mehrstetten Teil der Französischen Besatzungszone und kam somit zum Nachkriegsland Württemberg-Hohenzollern, welches 1952 im Bundesland Baden-Württemberg aufging. Seit der Kreisreform von 1973 ist Mehrstetten Teil des Landkreises Reutlingen.

Entwicklung des Gemeindegebiets[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Januar 1977 wurde ein Teil der Gemarkung Schelklingen-Sondernach mit drei Aussiedlerhöfen nach Mehrstetten umgemeindet.[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes (nur Hauptwohnsitze).

Jahr Einwohner
1. Dezember 1871 ¹ 820
1. Dezember 1900 ¹ 882
1. Dezember 1925 ¹ 863
17. Mai 1939 ¹ 788
13. September 1950 ¹ 913
6. Juni 1961 ¹ 963
27. Mai 1970 ¹ 1.053
Jahr Einwohner
25. Mai 1987 ¹ 1.201
31. Dezember 1990 1.312
31. Dezember 1995 1.392
31. Dezember 2000 1.417
31. Dezember 2005 1.446
31. Dezember 2010 1.348
31. Dezember 2015 1.340
31. Dezember 2020 1.440

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchlich gehörte Mehrstetten zunächst zu Münsingen. Eine Pfarrei wurde vermutlich im 15. Jahrhundert errichtet. 1534 wurde die Reformation eingeführt, seither ist der Ort evangelisch geprägt. Die heutige evangelische Kirchengemeinde Mehrstetten umfasst die Gemeinde Mehrstetten. Zusammen mit der evangelischen Kirchengemeinde Sondernach, welche die Stadtteile Sondernach, Gundershofen und Hütten der Stadt Schelklingen umfasst, bildet sie die evangelische Gesamtkirchengemeinde Mehrstetten-Sondernach[5] im Kirchenbezirk Bad Urach-Münsingen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Mehrstetten hat 10 Mitglieder. Die Kommunalwahl am 26. Mai 2019 führte zu folgendem amtlichen Endergebnis. Die Wahlbeteiligung lag bei 66,94 % (2014: 57,00 %). Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzenden. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Freie Wählervereinigung (FWV) 50,43 % 5 Sitze 2014: 44,3 %, 4 Sitze
Unabhängige Bürgerliste (UB) 49,57 % 5 Sitze 2014: 55,7 %, 6 Sitze

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1984–2016: Rudolf Ott
  • 2016–2021: Franziska Kenntner
  • seit 2022: Robert Mellinghoff

Der Bürgermeister wird für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt. Robert Mellinghoff amtiert seit dem 7. Mai 2022. Er wurde am 6. März 2022 im zweiten Wahlgang mit 50,8 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Seine Vorgängerin Franziska Kenntner legte ihr Amt vorzeitig Ende 2021 nieder.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: In Silber auf grünem Boden zwei einander zugewandte aufgerichtete schwarze Rösser.

Gemeindepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrstetten unterhält eine Partnerschaft mit dem ungarischen Herceghalom.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Kirche in Mehrstetten

Evangelische Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Georgskirche ist eine spätgotische Chorturmanlage aus dem 15. Jahrhundert, das Schiff wurde 1577 und 1828 nochmals erweitert. Im Jahre 1933 wurden zwei Farbglasfenster eingebaut: ein Rundfenster von Ernst H. Graeser, das jedoch um 1971 wieder ausgebaut wurde (Reste erhalten),[6] und das Chorfenster von Walter Kohler mit dem Motiv des auferstandenen Christus mit Kreuznimbus.

Heimatmuseum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außergewöhnliche Stücke über das dörfliche Leben auf der Albhochfläche im 19. Jahrhundert haben die Mitglieder des ehrenamtlich geführten Museums im ehemaligen Farrenstall von Mehrstetten zusammengetragen. Das Heimatmuseum wurde 1991 eröffnet.

Bei einem Rundgang trifft man auf eine Küche mit dem alten Holzherd und Butterfass und auf die gute Stube, wo über dem Ofen Schuhe und Wäsche zum Trocknen hängen. Im Schlafzimmer steht ein Himmelbett mit dazugehörendem Schrank. Interessant ist die einzigartige Sammlung von mehr als 200 alten Leinensäcken. Diese gehörten früher zum wertvollsten Besitz der Menschen. Sie wurden mit Namen versehen und häufig durchnummeriert. Sogar Besitzerwechsel nach Erbfällen kann man dem Leinen heute noch entnehmen, alte Namen wurden gestrichen und neue darunter geschrieben. Eine handbetriebene Sackausklopfmaschine wird ebenfalls gezeigt.

Es finden Schau- und Handwerkertage statt, bei denen es viel zu erleben gibt. Die alte Schmiede wird genauso in Betrieb genommen wie eine alte Transmission oder ein 400 Jahre alter Webstuhl. Von Mai bis Oktober ist das Museum jeden ersten Sonntag im Monat von 13.30 bis 16.30 Uhr geöffnet.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hockete vom JuZe Mehrstetten, jährlich am zweiten Augustwochenende
  • Herbstfest der Musikkapelle Mehrstetten, jährlich am letzten Oktoberwochenende

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kreisstraße 6772 verbindet Mehrstetten mit der Bundesstraße 465, die von Bad Urach kommend über Münsingen und Ehingen (Donau) nach Biberach an der Riß führt.

Der Öffentliche Nahverkehr wird durch den Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau (NALDO) gewährleistet. Die Gemeinde befindet sich in der Wabe 225. Mehrstetten erhielt 1901 durch die Verlängerung der Strecke Reutlingen–Münsingen bis nach Schelklingen Anschluss an das Eisenbahnnetz. Die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen erbauten das Bahnhofsgebäude als Einheitsbahnhof vom Typ IIa.[7]

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jugendzentrum Mehrstetten

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Mehrstetten gibt es eine Grundschule. Für die Jüngsten besteht ein Kindergarten und eine Kleinkinderbetreuung.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Landesarchivdirektion Baden-Württemberg (Hrsg.) 1997: Der Landkreis Reutlingen. Bearb. von der Außenstelle Tübingen der Abteilung Landesforschung und Landesbeschreibung in der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg. Bd. 1. A. Allgemeiner Teil – B. Gemeindebeschreibungen Bad Urach bis Metzingen. Sigmaringen: Thorbecke.
  • Sönke Lorenz und Christian Eberhardt (Hrsg.) (2002): Mehrstetten: Geschichte eines Dorfes auf der Schwäbischen Alb. Im Auftrag der Gemeinde Mehrstetten hrsg. von ... Filderstadt: Markstein-Verlag (Gemeinde im Wandel, Band 10). ISBN 3-935129-06-8.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg – Bevölkerung nach Nationalität und Geschlecht am 31. Dezember 2021 (CSV-Datei) (Hilfe dazu).
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4. S. 53–54
  3. Daten- und Kartendienst der LUBW
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 538.
  5. Website der Gesamtkirchengemeinde Mehrstetten-Sondernach
  6. Albrecht Vaihinger: Wiederentdeckt – Ernst H. Graeser 1884-1944; Selbstverlag, o. O. (Esslingen) 2009 (erhältlich beim Ev. Pfarramt St. Bernhardt in Esslingen)
  7. Rainer Stein: Der württembergische Einheitsbahnhof auf Nebenbahnen. In: Eisenbahn-Journal Württemberg-Report. Band 1, Nr. V/96. Merker, Fürstenfeldbruck 1996, ISBN 3-922404-96-0, S. 80–83.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Mehrstetten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien