Mehrzweckkampfschiff 180

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
p1
Mehrzweckkampfschiff 180 (MKS 180)
Schiffsdaten
Land DeutschlandDeutschland (Seekriegsflagge) Deutschland
Schiffsart Fregatte
Gebaute Einheiten 6 geplant
Schiffsmaße und Besatzung
Verdrängung vstl. > 5800 t
 
Besatzung 100 + 80 Personen
Maschinenanlage

Das Mehrzweckkampfschiff 180 (MKS 180) (zunächst als Mittlere Überwasserkampfeinheit (MÜKE) oder K131 bezeichnet) ist ein Rüstungsprojekt der Deutschen Marine.[1] Im Zuge der Neuausrichtung der Bundeswehr wurde die geplante Stückzahl von acht auf sechs reduziert.[2] Die Anzahl von nur sechs MKS 180 wurde bereits im Sommer 2010 genannt.[3] Im Juni 2015 wurde schließlich die Entscheidung zur Ausschreibung der Beschaffung von mindestens vier Einheiten bekannt gegeben. Diese sollen der Marine ab 2023 sukzessive zur Verfügung gestellt werden.[4] Neuere Quellen und Angaben in der Literatur sprechen mittlerweile von Mehrzweckfregatten der Klasse F126.[5] Bereits 2014 wurde berichtet, dass eine Fregatte, die alle Anforderungen vollständig erfüllt, größer sein werde als die Sachsen-Klasse.[6] Im Juni 2015 wurde erklärt, das Verteidigungsministerium habe sich für den großen Entwurf entschieden, der alle Anforderungen vollständig erfüllt.[7] Die Kosten werden auf etwa 4 Milliarden Euro geschätzt.[4] Die Bundeswehr nennt eine Besatzungsstärke von bis zu 180.[8] Drei Konsortien mit deutscher Beteiligung nehmen an der Ausschreibung teil. Nach bisheriger Planung (Mai 2016) soll der Auftrag bis zum Spätsommer 2017, noch vor der Bundestagswahl, vergeben werden.[9]

Beispielentwurf für das MKS 180

Planung und Konzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang 2009 wurde mit ersten Überlegungen zu einem künftigen Überwasserkampfschiff begonnen. Unterstützt durch projektunabhängige Studien wurde ein Gedankenpapier „Operative Forderungen K131“ für einen Schiffstyp erstellt, der frühestens 10 Jahre später in Dienst gestellt und für ein Einsatzspektrum bis 2050 ausgerüstet sein sollte. Die dazugehörigen Studien zeigen jedoch auf, dass die modulare Auslegung eine Schiffsgröße erfordert, die oberhalb einer korvettentypischen Größe liegt. Die Besatzungsstärke des Schiffes wird im Bereich um 100 Personen liegen müssen. Basierend auf dem modularen Ansatz wurde entschieden, für den neu zu entwickelnden Schiffstyp den Begriff Mehrzweckkampfschiff zu prägen. Mit der Umbenennung erfolgte eine Aktualisierung des Gedankenpapiers K131 zum Fähigkeitsprofil MKS 180 – Operative Forderungen. Dieses Fähigkeitsprofil gibt den Gestaltungsrahmen für die funktionalen Forderungen für das MKS 180 vor.[10]

Im Gegensatz zu der Fregatte 125 erfolgt die Beschaffung eines vergleichsweise kampf- und preisstarken Schiffes, mit relativ großem Auslegungsszenario, für dreidimensionale Seekriegsführung und asymmetrische Konflikte, unter der Prämisse, dass Großprojekte 10 bis 15 Jahre zur Realisierung benötigen und sich Einsatzszenarien, Bedrohungen und Aufgaben so rasant ändern würden, dass laufende Rüstungsprojekte darauf nicht reagieren könnten. Da eine Auslegung der Plattform auf alle denkbaren Bedrohungsszenarien nicht realisierbar sei, müssten die Fähigkeiten künftiger Einsatzverbände mit geringem Aufwand lage- und bedarfsgerecht modular zusammengestellt, und vor sowie auch noch während des Einsatzes flexibel angepasst werden können. Der Schwerpunkt des MKS 180 liegt dabei auf:[11][10]

  • Überwachen und Beherrschen von Räumen und Verbindungslinien zu Wasser (z. B.: Operation Atalanta)
  • Durchführen von Embargo-Maßnahmen (z. B.: Operation Sharp Guard)
  • Nationale Risikovorsorge durch Evakuierungsoperationen

Konkret bedeuten diese Vorgaben, dass neben Selbstschutz die Seeraumüberwachung, das Abfangen von Seezielen und das Durchführen von Untersuchungen (z. B. von verdächtigen Handelsschiffen) in den entsprechenden mandatierten Einsätzen entwurfsbestimmende Kernfähigkeiten des MKS 180 sein müssen.[10] Um eine Kosteneskalation zu vermeiden, werden die Schiffe voraussichtlich als Design To Cost oder Design To Budget ausgeschrieben werden. Der Zielpreis wird voraussichtlich 55 % des Endpreises einer F125 betragen. Bei Kosten von rund 650 Mio. Euro für eine Fregatte F125 entspräche dies 385 Mio. Euro pro MKS 180.[11]

Um nicht nur Piraten und andere asymmetrische Bedrohungen mit einem Schiff bekämpfen zu können, das voraussichtlich 5000 t Verdrängung aufweist,[12] können im Gegensatz zur F 125 Missionsmodule an Bord genommen werden. Diese standardisierten Ausrüstungs- und Personalpakete sollen das Schiff ohne großen technischen und zeitlichen Aufwand flexibel an einen bestimmten Auftrag anpassen. Zum Einschiffen und Betrieb dieser Missionsmodule sind an Bord Stellflächen, ein Einschiffungskontingent von 70 Soldaten, eine Anzahl von freien Arbeitsplätzen in der Operationszentrale sowie die entsprechenden Reserven und Schnittstellen für Klima/Lüftung, Strom, interne und externe Kommunikation notwendig. Im Gegensatz zu Systemen, die fest eingebaut sind, können Missionsmodule, die aktuell nicht für einen Einsatz benötigt werden, unabhängig von ihrem Trägerschiff instandgesetzt und gewartet werden. Im Einsatz ist es denkbar, dass die Trägerplattform unter temporärem Verzicht auf die spezifische Fähigkeit weiterhin in See sticht, während das Modul in einem Hafen instandgesetzt wird.[10][11]

Technische Details[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Ende 2011 werden eine Reihe von Ausschreibungen durchgeführt, in denen deutsche Werften ihre Konzepte einreichen können. In der Regel werden zwei oder drei Konzepte pro Anbieter verlangt, mit alternativen Rumpfformen usw. Die Bundeswehr fordert von dem Schiff:[12]

  • Weltweit einsetzbar (Hohe See, Randmeere, Küstenvorfeld)
  • Einsatz in allen klimatischen Zonen (arktische und tropische Gewässer)
  • Dauerhöchstfahrt über 26 kn, Dauermarschfahrt 18 kn bis Seegang 4
  • Fahrbereich 4000 sm bei 18 kn ohne Nachversorgung
  • Seeausdauer 21 Tage
  • Kombinierte Anti-Missile Defence (ASMD), Anti Air Warfare (AAW) und Anti-Surface-Warfare (ASuW) Fähigkeit bis zur äußeren Grenze des Nächstbereiches durch einen Mix aus Rohrwaffen (mittlere Mehrzweckrohrwaffe gegen See- und Luftziele, zwei leichte Rohrwaffen gegen See- und Luftziele, zwei RAM Block 2), Flug- und Täuschkörpern (zwei Multifunktionswerfer) mit einer „bedrohungsangemessenen Detektionseinheit“ zur Abdeckung des gesamten EM-Spektrums (Radar, IR, Laser)
  • präzise, abgestufte und selektive Bekämpfung von Seezielen im mittleren Entfernungsbereich (z. B. mit Bordhubschrauber)
  • mittlerer Seezielflugkörper[8]
  • mittlere Flugabwehrrakete ESSM mit > 50km Reichweite[8]
  • EloUM-Fähigkeit von 0,5 bis 40 GHz
  • Detektion von Kampfstoffen
  • Schutz von Munitionseinrichtungen, Schiffsführungsbereichen und Operationszentrale gegen Handwaffenbeschuss Kaliber 12,7 mm Hartkern
  • Zentrale Kameraüberwachung für Oberdeck und Bordwände im Hafen
  • Zugangskontrollmöglichkeiten (PIN/Chipkarte) an allen von außen zu öffnenden Schotten/Luken
  • Tag- und Nacht-Aufnahmemöglichkeit von organischen UAV/Bordhubschraubern auch bei meteorologischen Grenzbedingungen

Die Forderungen nach einer zweijährigen Einsatzdauer (Intensivnutzung) verbunden mit einer geringen Besatzungsstärke (bis zu 140 Personen + 70 Personen Einschiffungskapazität) bedingen eine hohe Standkraft aller Systeme bei möglichst großen Wartungsintervallen. Dabei steht die Reduzierung der Lebenszykluskosten auf ein unbedingt notwendiges Maß im Vordergrund. Daraus ergeben sich bestimmte Anforderungen:[12]

  • Intensivnutzung[13] mit Mehrbesatzungsmodell[14], Besatzungswechsel alle vier Monate innerhalb von 96 Stunden
  • Einsatzdauer und Fahrprofil analog Fregatte 125
  • Umfangreiche Instandsetzungsfunktionalitäten wie Online-Diagnose mit Heimwerkstätten (Telemaintenance) und Baugruppenaustausch auf Ebenen Materialerhaltung 3 durch die Besatzung bei Ablagen für Fahrfähigkeit und Eigenschutz
  • Befähigung zur Seeversorgung
  • Be- und Enttankungsanlagen für UAV (Unmanned Aerial Vehicle), UUV (Unmanned Underwater Vehicle), USV (Unmanned Surface Vehicle) und Hubschrauber
  • Stellflächen für 20-ft-Container und für die Lagerung der Ausrüstung der Einsatzkomponenten
  • Sanitätsdienstliche Kapazität zur allgemeinen medizinischen und notfallmedizinischen Versorgung, Schiffslazarett
  • Personaleffiziente Schiffssteuerung (einschließlich der Schiffsbetriebanlagen) und Schadenskoordination und -durchführung (Plattformautomatisierung) mit zusätzlicher Überwachungsmöglichkeit auf der Brücke
  • Flugdeck für Bordhubschrauber mit Abfluggewicht bis zu 15 t, Hangar mit Einrichtung für Flugbetrieb, Wartung und Instandsetzung von einem Bordhubschrauber und zwei UAVs

Das MKS 180 wird missionsmodular ausgelegt. Dadurch kann das Schiff durch standardisierte Ausrüstungs- und Personalpakete für bestimmte Missionen bzw. Einsätze ausgerüstet werden. Die operationellen Forderungen an das MKS 180 sehen zur Zeit (Ende 2013) folgende Missionsmodule vor, der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Unterwasserkampf:[10][12]

  1. Systeme zur erweiterten Aufklärung unter Nutzung der schiffseigenen EloUM-Anlagen (Signals Intelligence)
  2. Systeme zur Ziel- und Wirkaufklärung gegen U-Boote, konkret ein Schleppsonar
  3. Systeme zur Unterwasseraufklärung und Bekämpfung von Minen und Sprengkörpern, konkret eine Minenjagddrohne
  4. mobile Taucherdruckkammer
  5. Systeme zur Entdeckung von Tauchern bzw. Kampfschwimmern

Zur Aufstellung und den Betrieb der Missionsmodule und von 20-ft-Containern benötigt das Schiff vorbereitete Stellflächen für Nutzlast mit entsprechenden Versorgungsanschlüssen zur vollständigen technischen Integration sowie Nacht- und Allwetterzugang und zusätzliche Arbeitsplätze an Bord, die im Design des Schiffes zu berücksichtigen sind. Zu den Bordeinsatzkomponenten zählen auch zwei Festrumpfschlauchboote mit Dauerhöchstfahrt von über 35 kn und zwei Aussetzvorrichtungen. Sie sollen dem Schiff die Fähigkeit verleihen, zwei Einsatzteams Spezialkräfte gleichzeitig einsetzen zu können.[12]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christian Peters: Mehrzweckkampfschiff 180 – Das zukünftige „Schweizer Armeemesser“ der Deutschen Marine. In: MarineForum. 10-2011, S. 18–27 (online (Memento vom 24. Juli 2012 im Internet Archive); PDF).
  • Dieter Stockfisch: Mehrzweckkampfschiff Klasse 180. Fähigkeitsprofil und operationelle Forderungen. In: Europäische Sicherheit & Technik, 7/2012, S. 70–74.
  • Peter Wiemann: Forderungen der Marine an das Mehrzweckkampfschiff Klasse 180. In: MarineForum. 11-2013, S. 18–25 (online PDF; 852 kB).
  • Hans Josef Sperber: Mehrzweckkampfschiff Klasse 180. In: MarineForum. 11-2014, S. 14–16 (online PDF; 1 MB).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Inspekteur der Marine: Jährliche Weisung Marine 2008. Deutsche Marine, Dezember 2007, abgerufen am 28. Mai 2016 (Seiten des Deutschen Marinearchivs).
  2. Bettina Berg: Minister de Maizière billigt Umrüstung. Bundesministerium der Verteidigung, 21. Oktober 2011, abgerufen am 28. Mai 2016.
  3. BT-Drs. 17/2686
  4. a b Marine erhält neue Kampfschiffe. In: Zeit online. 10. Juni 2015, abgerufen am 28. Mai 2016.
  5. n. n. In: Europäische Sicherheit und Technik. Mittler, Januar 2016, S. 85–87.
  6. Hans Josef Sperber: Mehrzweckkampfschiff Klasse 180. In: MarineForum 11-2014. S. 14–16, abgerufen am 28. Mai 2016 (PDF).
  7. Gädechens begrüßt die Auswahlentscheidung zum Mehrzweckkampfschiff MKS 180. Ingo Gädechens MdB, abgerufen am 27. Januar 2016.
  8. a b c Stefan Rentzsch: Überblick: Das Mehrzweckkampfschiff 180 – der Alleskönner. Bundeswehr, 15. Juni 2015, abgerufen am 19. August 2015.
  9. Olaf Preuß: Drei Bieter wollen den Milliardenauftrag der Marine. Die Welt, 25. Mai 2016, abgerufen am 27. September 2016.
  10. a b c d e Peter Wiemann: Forderungen der Marine an das Mehrzweckkampfschiff Klasse 180. In: MarineForum 11-2013. Abgerufen am 28. Mai 2016 (PDF).
  11. a b c Christian Peters: Mehrzweckkampfschiff 180 (MKS 180). (Memento vom 24. Juli 2012 im Internet Archive) In: MarineForum 10-2011.
  12. a b c d e Dieter Stockfisch: Fähigkeitsprofil und operationelle Forderungen. In: Europäische Sicherheit & Technik. Juli 2012, S. 70 ff, archiviert vom Original am 3. Januar 2014, abgerufen am 6. Februar 2015 (PDF).
  13. Intensivnutzung. In: Marineglossar. Deutsches Maritimes Institut, abgerufen am 28. Mai 2016 (Definition).
  14. Mehrbesatzungsmodell. In: Marineglossar. Deutsches Maritimes Institut, abgerufen am 28. Mai 2016 (Definition).