Meidung

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Meidung als Gemeinschaftsentzug ist der Abbruch aller sozialen Beziehungen zu einer Person, die soziale Normen (z. B. Praktiken zur Vermeidung von Krankheit oder Gebräuche in der Religion) verletzt hat.[1][2] Meidung ist eine ausgeprägte Form der sozialen Zurückweisung, um die sozialen Normen einer Gruppe aufrechtzuerhalten und unkooperatives Verhalten zu ächten.[3] Meidung entspricht einer sozialen Sanktion: Jemand aus einer Gruppe zu entfernen ist dem Meiden gemeinsam mit Verbannung, Ächtung, Exil, Vertreibung, Ablehnung, Verleugnung oder Exkommunikation (vgl. kirchliche Beugestrafe), also eine Ausgrenzung.[4] Ziele des Meidens sind Personen, die von einer Gruppe als „Störenfriede“, Abtrünnige, Whistleblower, Dissidenten, Streikbrecher oder als eine Bedrohung oder Konfliktursache wahrgenommen werden.

Bedeutung von Meiden und Unterschied zu Vermeiden[Bearbeiten]

Als Tätigkeitswort bedeutet meiden, einer Person oder einer Sache bewusst ausweichen, aus dem Wege gehen.[5][6] Als Gegenbegriff von Meidung als Soziale Ausgrenzung wurde in der deutschen Sprache Inklusion und Teilhabe gegen Ende des letzten Jahrhunderts entwickelt. Kooperation wird kulturell als neues Antonym zu Meidung angestimmt.[7][3]

Franz Dornseiff als klassischer Philologe teilte den deutschen Wortschatz nach Sachgruppen ein. Er ordnete meiden die Bedeutungsgruppen Abwesenheit, Abneigung und Feindschaft zu;[6] dem Wort vermeiden die Untätigkeit, Verzicht, Nichtbenutzung und Mäßigkeit. Meidung ist das Substantiv von meiden mit der Endsilbe -ung.[8]

Meiden bei Schimpansen[Bearbeiten]

In der Entwickung der Lebewesen wurde Meidung bei Schimpansen im Gombe-Stream-Nationalpark beobachtet. Die Affenherde mied als gesamte Gruppe Artgenossen, die nach einer Erkrankung an Kinderlähmung ein abnormes Verhalten aufwiesen. Aggressives Verhalten einzelner männlichcher Affen führte zwar zum gelegentlichen Fortgang von Schimpansen, war jedoch keine „Ächtung“ der gesamten Affenhorde; im Rahmen ihrer Ordnung neigte die Affengruppe zum Ausgleich.[9]

Kulturelle Evolution[Bearbeiten]

Eine frühe Form der Meidung wurde von Gruppen angewandt, dem Augenschein nach kranke Mitglieder abzusondern, um ein angenommenes Krankheitsrisiko für die Gruppe zu senken. Das Verhalten war teils vom Gefühl des Ekels geleitet.[1] Neben Meidung entstanden vor diesem Hintergrund auch Ethnozentrismus, Xenophobie, Stigmatisierung sowie Sitten und Rituale zur Abgrenzung – nicht nur in Religionen, was als rein oder beschmutzt zu gelten habe.[10] (vgl. „unrein“ und „schmutziges Geschäft“ seit dem Mittelalter: Färber, Lumpensammler und „Politik ist ein schmutziges Geschäft“.[11][12])

Das Scherbengericht war im antiken Athen ein Verfahren, als unkooperativ oder zu mächtig empfundene Bürger aus dem politischen Leben der Stadt zu verbannen. Sektiererische Praktiken als Meidung von allem Heidnischen und Fremden beschrieben in Qumran gefundene Schriftrollen vom Toten Meer (vgl. Psalm 155).[13] Das kulturelle Prinzip der Meidung wurde in der Menschheitsgeschichte zunehmend konkreter ausgestaltet und führte z. B. zu Verbannung und Zensur im 19. Jahrhundert. (vgl. Göttinger Sieben mit den Brüdern Grimm) Während des Holocausts forderte das Naziregiem die Bevölkerung zur Meidung jüdischer Geschäfte auf.[14] Bis heute führen alte Tabus und Verbote zur Meidung.

Meidung ist seit Menschengedenken bekannt; die Soziologie als Wissenschaft befasst sich mit den Phänomenen der Meidung und hat dafür den Neologismus (soziale) Exklusion als Fachbegriff geprägt.[7] Während Meidung eine Interaktion zwischen Lebewesen beschreibt, können auch Systeme wie z. B. die Globalisierung oder die europäische Wirtschafts- und Schuldenkrise[15] zur Exklusion führen.

Gesellschaft[Bearbeiten]

Am Arbeitsplatz ist Meiden die schädlichste Form von Bullying und Mobbing. Dabei wird eine Person zur Strafe oder Ausgrenzung (teils durch das Management) markiert, weil sie jemand verärgert hat, „anders“ als die Gruppe wahrgenommen wird und dadurch eine „unbekannte“ Gefahr darstellt.[16]

Die Moralpsychologie beschreibt, dass Meidung von einer Gemeinschaft als kostengünstige Bestrafung von Personen eingesetzt wird, die als Trittbrettfahrer angesehen werden und durch ihre Eigennützigkeit die Kooperation beeinträchtigt haben. Infolge wird dann ein schlechter Ruf über diese Personen durch Tratsch verbreitet – so ein Übersichtsartikel im wissenschaftlichen Fachjournal Science.[2] Dadurch schwindet das Vertrauen als Grundlage für eine gelungene Kooperation.[12][17]

Den Rückgang der Wahlbeteiligung beschreibt die Presse als „Bürger meiden die Wahllokale“.[18]

Die Konfliktheorie von Georg Elwert erklärt Gewalt (engl. warring), Meidung und Verfahren (sowie den Sonderstatus der Zerstörung) als Grundtypen der Konfliktaustragung. Ein wechselseitiger Strukturierungsprozess wirkt sich auf die Formen der sozialen Organisation und die Formen der Konfliktaustragung aus und umgekehrt. Meidung ist der Versuch eines Gewaltverzichts.[19]

In der Spieltheorie bei Gemeingüter- und Kollektiver Handel-Spielen werden die Auswirkungen des Meidens beim Problem der Trittbrettfahrer zweiter Ordnung untersucht und als Ansatz zu einer Lösung genannt, Kooperation zu unterstützen.[20]

Die Folgen einer sozialen Zurückweisung durch Meidung (engl. shunning) bedeuten im religiösen Umfeld, von einer Gemeinschaft ausgeschlossen werden (Exkommunikation im Christentum) oder sie zu verlassen (Apostasie).

Religion[Bearbeiten]

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Meidung wurde bereits in Qumran beschrieben. Sie ist ein wesentlich schärferer sozialer Bruch als Exkommunikation und kann bei Personen, die jahrelang in einer solchen Gemeinschaft lebten, zu einem Verlust praktisch sämtlicher familiärer und sozialer Beziehungen führen. Religiöse Gemeinschaften, die Meidung androhen oder praktizieren, erwarten in der Regel auch von Ehepartnern, Eltern, Kindern und Geschwistern, dass sie die Beziehung zum Ausgetretenen abbrechen oder zumindest stark einschränken. Wenn eine Glaubensgemeinschaft Meidung praktiziert, wirkt das oft als psychischer Druck, in der Gemeinschaft zu bleiben.(vgl. [21])

Meidung wird beispielsweise von den Amischen, den Hutterern, den Bruderhöfern, den Raven-Brüdern, den Zeugen Jehovas,[22] den Mormonen und Scientology praktiziert. Auch konservative Muslime praktizieren oft Meidung, zusammengefasst in der Regel Al-walā' wa-l-barā'a. Einige Richtungen des orthodoxen Judentums praktizieren ebenfalls die Meidung.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Margaret Gruter, Manfred Rehbinder (Hrsg.): Ablehnung – Meidung – Ausschluß. Duncker & Humblot, Berlin 1986, ISBN 978-3-42-846015-1. (Google-Book, Seite 11)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Valerie Curtis, Mícheá l de Barra, Robert Aunger: Disgust as an adaptive system for disease avoidance behaviour. In: Philosophical Transactions of the Royal Society. 366, 2011-01-03, S. 389–401, doi:10.1098/rstb.2010.0117. online lesen (PDF, 343 kB)
  2. a b Jonathan Haidt: The New Synthesis in Moral Psychology. In: Science. 316, Nr. 5827, 18. Mai 2007, S. 998-1002. doi:10.1126/science.1137651.online lesen
  3. a b J.W. Ouwerkerk, N.L. Kerr, M. Gallucci & P.A. VanLange: Avoiding the social death penalty. Ostracism and Cooperation in Social Dilemmas. In: The social outcast: ostracism, social exclusion, rejection, and bullying. K.D. Williams, J.P. Forgas, W. v. Hippel, 2005, S. 321–332, abgerufen am 4. Oktober 2015 (PDF, 2,11 MB, englisch): „... these programs show that people have social norms prescribing cooperation in groups and are likely to ostracize uncooperative individuals. In fact, they experience pleasure (i.e., schadenfreude) when uncooperative individuals are excluded from the group. (S. 322)“
  4. Norbert L. Kerr: Anonymity and social control in social dilemmas (Kapitel 7). In: Resolving Social Dilemmas: Dynamics, Structural, and Intergroup Aspects. Margaret Foddy, Michael Smithson, Sherry Schneider und Michael Hogg, 1999, S. 103–120, abgerufen am 4. Oktober 2015 (englisch): „I have a candidate for most substantial sanction – the social death penalty – it is removing someone from a group. We might use any of several terms to describe such action – shunning, banishment, ostracism, exile, expulsion, rejection, disowning, or excommunication. Here I will use the term exclusion. (S. 112)“
  5. Duden online „meiden“. (abgerufen am 24. Oktober 2015)
  6. a b Uni Leipzig: Wortschatz-Lexikonmeiden“. (abgerufen am 24. Oktober 2015)
  7. a b Jean-Claude Barbier, Matthias Knuth: Of similarities and divergences : why there is no continental ideal-type of "activation reforms". Documents de Travail du Centre d'Economie de la Sorbonne - 2010.75, 2. Dezember 2010, abgerufen am 18. Oktober 2015 (PDF, 1,02 MB, franz. und engl., Zitat: "In Germany, for instance, the social inclusion/exclusion discourse suffered from the problem that the German language has no proper antonym to Ausgrenzung (exclusion) – the linguistic antonym Eingrenzung is not the semantic antonym but means ‘containment’, Einschluss means ‘locking in’, and Integration carries a paternalistic undertone vis-à-vis those who supposedly need it – disabled people, ex-convicts, migrants etc… Consequently, the German discourse had to adopt Inklusion, which had not been part of the social science or political language before the early 1990s. An alternative in use is Teilhabe which, however, lacks the ‘in-out’ dichotomy of inclusion/exclusion. – In France, the vocabulary of exclusion was invented, but then social exclusion in proper English took another meaning and another meaning again in international English at the European level in the Commission’s documents (see Barbier, 2008a)."
    (dtsch. - In Deutschland zum Beispiel litt der soziale Diskurs über Inklusion/Exklusion unter dem Problem, dass die deutsche Sprache keinen richtigen Gegenbegriff zu Ausgrenzung (exclusion) hat – das linguistische Antonym Eingrenzung ist nicht der semantische Gegenbegriff, sondern bedeutet „Containment“; Einschluss bedeutet 'Einsperren' und Integration trägt einen paternalistischen Unterton vis-à-vis denjenigen gegenüber, die sie angeblich brauchen – Menschen mit Behinderungen, Haftentlassene, Migranten, Flüchtlinge usw. ... Folglich musste der deutsche Diskurs Inklusion annehmen, was nicht Teil der Sozialwissenschaften oder politischen Sprache vor den frühen 1990er Jahren gewesen war. Eine Alternative im Gebrauch ist Teilhabe, der es jedoch an der 'in-out'-Dichotomie von Inklusion/Exklusion ermangelt. - In Frankreich wurde das Vokabular der Ausgrenzung (franz. exclusion) erfunden, dann aber nahm die soziale Ausgrenzung (engl. social exclusion) im echten Englisch einen anderen Sinn an und noch eine andere Bedeutung im internationalen Englisch auf europäischer Ebene in den Dokumenten der Kommission (siehe Barbier, 2008a).)).
  8. Uni Leipzig: Wortschatz-Lexikonvermeiden“. (abgerufen am 27. Oktober 2015)
  9. Jane Goodall: Social rejection, exclusion, and shunning among the Gombe chimpanzees. In: Band 7, Nr. 3–4. Ethology and Sociobiology, 1986, S. 227–236, abgerufen am 9. November 2015 (englisch).
  10.  Valerie Curtis: Review. Why disgust matters. In: Phil. Trans. R. Soc. B. 366, 31. Oktober 2011, S. 3478–3490, doi:10.1098/rstb.2011.0165 (Volltext online, abgerufen am 12. Oktober 2015).
  11. Ulrich Erckenbrecht: Divertimenti : Wortspiele, Sprachspiele, Gedankenspiele. Muriverlag, Göttingen 1999, ISBN 3-922494-16-1. Zitat: „Politik ist ein schmutziges Geschäft. – Das einzig Falsche an dieser alten Erkenntnis ist der Singular.“
  12. a b Monika Grütters: Politiker brauchen mitfühlendes Herz. In: Kulturstaatsministerin BRD. Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, 11. März 2015, abgerufen am 13. Dezember 2015.
  13.  Roland Deines, Reinhard Feldmeier und Ulrich Heckel (Hrsg.): Die Heiden: Juden, Christen und das Problem des Fremden. Die Abwehr der Fremden in den Texten aus Qumran. Zum Verstandnis der Fremdenfeindlichkeit in der Qumrangemeinde. J. C. B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1994, ISBN 3-16-146147-9, S. 59 – 91. (online lesen, (PDF, 5,4 MB))
  14. Sonia Korn-Grimani: Verlorene Kindheit. Lit Verlag, Münster 2004, 3-8258-7909-7,S. 24.
  15. ARD-Text: Kinder sind die Verlierer der Krise. Nachrichten – Aus aller Welt, (ARD (Hrsg.)), 27. Oktober 2015, S. 141. Zitat: Kinder und Jugendliche sind einer Studie der Bertelsmann Stiftung zufolge die großen Verlierer der europäischen Wirtschafts- und Schuldenkrise. Beinahe jeder dritte Heranwachsende unter 18 Jahren in der EU (27,9 %) sei von sozialer Ausgrenzung und Armut bedroht, teilte die Stiftung mit. Auch in der Gruppe der 20- bis 24-Jährigen hätten viele nur geringe Zukunftschancen. Allein in Spanien, Griechenland, Portugal und Italien sei die Zahl der armutsgefährdeten jungen Leute seit 2007 um 1,2 Millionen auf 7,6 Millionen gestiegen, so der „Social Justice Index“.
  16. Janice Harper: A Reason (and Season) to Stop Shunning. In: Business Blog. The Huffington Post, 20. Dezember 2011, abgerufen am 2. Oktober 2015 (englisch). (Übersetzung ins Deutsch)
  17. Thomas Prorok, Karoline Mitterer, Nikola Hochholdinger, Anita Haindl: Struktur, Steuerung und Finanzierung von kommunalen Aufgaben in Stadtregionen. Österreichischer Städtetag 2013 - Endbericht. KDZ – Zentrum für Verwaltungsforschung, 13. Mai 2013, abgerufen am 15. Dezember 2015 (PDF, 2,03 MB, Seite 76).
  18. amz/dpa/AFP: Sehr niedrige Wahlbeteiligung: Bremer meiden die Wahllokale. In: Politik. Spiegel online, 10. Mai 2015, abgerufen am 4. Oktober 2015.
  19.  Julia Eckert, Julia Eckert (Hrsg.): Anthropologie der Konflikte. Georg Elwerts konflikttheoretische Thesen in der Diskussion. Transcript, Bielefeld 2004, ISBN 3-89942-271-6, GEWALT, MEIDUNG UND VERFAHREN: Zur Konflikttheorie Georg Elwerts, S. 7–25 (online lesen, abgerufen am 14. Oktober 2015).
  20.  Ernst Fehr: Human behaviour: Don't lose your reputation. In: Nature. Nr. 432, 2004-11-25, S. 449–450, doi:10.1038/432449a. online lesen, (PDF 345 kB, abgerufen am 15. September 2015)
  21. Inga Peters: Auswirkungen von sozialer Zurückweisung unter besonderer Berücksichtigung der interpersonellen Sensitivität. Drei empirische Studien in Schulen. In: Dissertation. Bergische Universität Wuppertal, 14. August 2009, abgerufen am 1. Oktober 2015 (PDF, 3,81 MB, Permalink urn:nbn:de:hbz:468-20090806).
  22. Rodney Stark, Laurence R. Iannaccone: Why the Jehovah’s Witnesses Grow so Rapidly. A Theoretical Application. In: Journal of Contemporary Religion. 12, 2, 1997, ISSN 1353-7903, S. 133–157, hier S. 147, online (PDF; 510 KB).