Meiningenbrücke

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Drehbrückenelement der Meiningenbrücke
Die Meiningenbrücke aus der Luft, Blick von Osten nach Westen

Die Meiningenbrücke ist eine Brücke über den Meiningenstrom, sie verbindet die Halbinsel Zingst mit dem Festland bei Bresewitz in Mecklenburg-Vorpommern.

Von 1908 bis 1912 als Eisenbahnbrücke gebaut, führte nach der Demontage der Bahnstrecke nach Zingst von 1964 bis 2012 die Straße von Barth nach Prerow bzw. Zingst darüber. Die wenig leistungsfähige, als stählerne Drehbrücke ausgeführte Straßenbrücke soll durch einen Neubau ersetzt werden – damit würde ein Hindernis für eine erneute Anbindung des Darß mit der Bahn beseitigt.

Technische Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alte Meiningenbrücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die stählerne Fachwerkträgerbrücke besteht aus einer Strombrücke mit einer Länge von 61,60 Metern, aus 14 einzelnen rund 26 Meter langen Vorflutbrücken und einer Drehbrücke mit einer Länge von 43,70 Metern. Die Brücke hat eine Gesamtlänge von rund 470 Metern.

Die Drehbrücke überspannt die 24,50 Meter breite und bis zu 10 Meter tiefe Durchfahrtsrinne und das Flachwasser vor Timmort mit 17,80 Metern. Sie öffnet sich in Richtung Westen. Dabei wird sie von den vier tragenden Spindeln abgehoben und mit einem Elektromotor durch vier Laufräder auf Laufschienen gedreht. Die Fahrbahn ist 3,75 Meter breit. Durch das umgebende sumpfige Gelände wurde die Brücke auf Holzpfähle gegründet, auf denen die Betonpfeiler ruhen. Am Trägerportal der Drehbrücke befindet sich das Bedienhäuschen für den Brückenwärter. Für diesen wurde direkt in Timmort ein Haus neben der Brücke gebaut.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bau der Meiningenbrücke 1908
Blick auf die Meiningenbrücke, rechts die 1980 errichtete Pontonbrücke (Aufnahme 2010)

Nach der Bewilligung der Eisenbahnstrecke Barth–Zingst–Prerow, der sogenannten Darßbahn, begann der Bau der Meiningenbrücke im Jahr 1908. Am 1. Dezember 1910, nach zwei Jahren Bauzeit, wurde die Brücke für den Verkehr eingeweiht, allerdings wurde noch bis 1912 weitergebaut. Es mussten noch Befestigungsarbeiten an den Böschungen und Arbeiten an den Leitwerken durchgeführt werden. Sie wurden von der Eisenbauanstalt Louis Eilers aus Hannover-Herrenhausen errichtet.

Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg erreichte der Zugverkehr nach Prerow und Zingst seine größte Dichte. KdF-Sonderzüge brachten die Urlauber zu Tausenden in die Urlaubsgebiete. Zum Ende des Krieges verhinderten mutige Zingster die geplante Sprengung der Meiningenbrücke. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Gleise von Bresewitz nach Zingst und Prerow als Reparationen für die Sowjetunion abgebaut, 1947 fuhr der letzte Zug über die Brücke.

Das Bauwerk wurde seit dem Abbau der Gleise nur noch als Straßenbrücke genutzt. Am 1. Januar 1964 wurde die Brücke der Straßenverwaltung übergeben. In den 1960er Jahren wurde die Bahnstrecke von Barth bis Bresewitz wieder aufgebaut und diente als Verschiebebahnhof für Truppen- und Materialtransporte vorwiegend der NVA zum Armeestandort Zingst.

Zur Entlastung der nur einspurigen ehemaligen Bahnbrücke wurde westlich davon eine 105 m lange Behelfsbrücke und eine 135 m lange Schwimmbrücke mit einer Tragfähigkeit von 60 t von NVA-Pionieren gebaut und am 15. Mai 1980 übergeben. Um eine Schiffspassage zu ermöglichen musste die Behelfsbrücke jedes mal ausgeschwommen werden. Im Winter wurde die Behelfsbrücke ganz ausgeschwommen. Sie wurde bis 2011 für die Fahrtrichtung vom Darß genutzt, während die Drehbrücke dem nordwärtigen Straßenverkehr zum Darß diente; im Winter wurde der Verkehr durch eine Ampelsteuerung wechselseitig über die Meiningenbrücke geführt. 2012 wurde die Pontonbrücke durch eine zweispurige Übergangskonstruktion ersetzt und die Drehbrücke für den Verkehr gesperrt.

Die Usedomer Bäderbahn hat sich mit den Gemeinden am Streckenverlauf auf eine Reaktivierung der Darßbahn bis Prerow bis zum Jahr 2015 geeinigt. In einer Pressemitteilung vom 27. August 2010 wurde verlautbart, dass die Landesregierung dem Neubau der Strecke zugestimmt habe und die Planungen für den Wiederaufbau beginnen können. Die Kosten der 19 Kilometer langen Strecke werden auf 38 Millionen Euro veranschlagt. Die Meiningenbrücke soll als kombinierte Straßen- und Eisenbahnbrücke neu gebaut werden.[1]

Die Meiningenbrücke und die Pontonbrücke sind geöffnet, während ein Schiff passiert.

Im Juli 2011 wurde dazu mit dem Bau einer Behelfsbrücke begonnen.[2] Diese 230 Meter lange Behelfsbrücke ist zweispurig ausgeführt, wobei eine mit Klappmechanismus ausgerüstete Stahlkonstruktion die Schiffsdurchfahrt ermöglicht.[3] Die Klappkonstruktion wurde am 3. Februar 2012 eingebaut. Am 15. März 2012 ist ein 47 Meter langes, 146 Tonnen schweres Brückenelement eingeschwommen und auf Sockellagern verankert worden.[4]

Brückenöffnung für den Schiffsverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Brücke wird für Schiffspassagen in die und aus den westlich liegenden Boddengewässern zu festen Zeiten geöffnet, allerdings nur wenn Bedarf der örtlichen Schifffahrt besteht. Die Brückenöffnung erfolgt saisonabhängig bis zu viermal täglich im Sommer und ein- bis zweimal wöchentlich im Winter.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Grünes Licht für Darßbahnpläne. In: Pressemitteilung Nr. 274/10. Ministerium für Verkehr, Bau und Landesentwicklung Mecklenburg-Vorpommern, 27. August 2010, abgerufen am 27. August 2010.
  2. Pressemitteilung des WSA Stralsund, 31. Juli 2011
  3. Mecklenburgisches Ingenieurbüro für Verkehrsbau, 24. Januar 2011
  4. Ostsee-Zeitung Stralsund, 16. März 2012
  5. Brückenöffnungszeiten, Wasser- und Schifffahrtsamt Stralsund, abgerufen am 15. Mai 2016

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 54° 24′ 30″ N, 12° 40′ 1″ O