Meister des Dresdener Gebetbuches

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Meister des Dresdener Gebetbuches (* um 1450; † kurz nach 1520) war ein flämischer Buchmaler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der nach einem Stundenbuch in der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden benannte Dresdener Gebetbuch-Meister ist ein bedeutender Vertreter der flämischen Buchmalerei im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts und im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts. Nach seiner Ausbildung, die wahrscheinlich in Utrecht erfolgte, kam er um 1470 nach Brügge, wo er zunächst wohl im Atelier des Meisters Anton von Burgund mitarbeitete und bald darauf eine eigene Werkstatt gründete. Im Gefolge des Brügger Aufstandes gegen die französische Fremdherrschaft 1488 zog er über Tournai nach Amiens. Gegen 1495 kehrte er nach Brügge zurück und war dort bis kurz nach 1520 tätig.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Meister des Dresdener Gebetbuches: Verkündigung an Maria, um 1470

Das Dresdener Gebetbuch (Dresden, SLUB, Mscr. Dresd. A.311)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das namengebende Stundenbuch in lateinischer Sprache für den Gebrauch von Rom wurde um 1470 in Brügge geschrieben und illuminiert. Es enthält auf 150 (von ursprünglich 154) Pergamentblättern mit den Maßen 136 × 100 mm 32 Vollbilder (davon 12 Kalenderbilder) von der Hand eines anonymen Meisters mit Bordüren von einem Nachfolger Willem Vrelants. Erster Besitzer war wahrscheinlich der Florentiner Bankier und Kaufmann Francesco Sassetti (1421–1490) bzw. dessen Sohn Cosimo (1463–1527). Denn auf zwei Beschlägen der tauschierten Schließen des blindgeprägten Ledereinbandes erscheint die Imprese der Familie Sassetti (Steinschleuder mit dem Motto "A MON POVOIR"). Die beiden anderen Schließenbeschläge zeigen das Wappen der Florentiner Familie Niccolini. Rote Textilreste unter den Beschlägen der Schließen lassen vermuten, dass der Lederband anlässlich der Hochzeit von Cosimo Sassetti mit Maria Niccolini 1493 einen Stoffüberzug mit erneuerten Schließen erhielt, die im übrigen auch die Initialen des Brautpaares C und M tragen. Hinweise auf die Verbindung des Dresdener Gebetbuches mit Florenz sind auch die Florentiner Lilien im Einbanddekor und die nördlich der Alpen eher ungewöhnliche Darstellung des Tobias in Begleitung des Erzengels Raphael (Bl. 92v), der in Florenz als Patron ausziehender Kaufmannssöhne verehrt wurde (die schräg blau und rot gestreifte Kleidung des Tobias könnte sogar auf das Wappen der Familie Sassetti anspielen). 1845 erwarb der damals in Florenz wohnhafte italienische Diplomat Tommaso Gar (1808–1871) das Gebetbuch für die Königliche Öffentliche Bibliothek in Dresden.

Die Handschrift erlitt 1945 einen schweren Wasserschaden, wodurch die Farben vor allem im Randbereich ausgewaschen wurden. Vier Blätter der Handschrift fehlen heute: Zwei Blätter wurden im frühen 20. Jahrhundert von Friedrich Winkler im Louvre in Paris aufgefunden (Cabinet des Dessins, Inv.Nr. 20694 [Thronende Madonna mit Engeln] und Inv.Nr. 20694bis [Hl. Barbara]), ein drittes Blatt mit der Kreuzigung gilt als verloren und ein viertes Blatt (Bl. 29 mit der Verkündigung an Maria) wurde zwischen 1990 und 2001 herausgerissen und gestohlen.

Weitere Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das von Bodo Brinkmann (1997) zusammengestellte Œuvreverzeichnis umfasst Miniaturen in 52 Handschriften (zumeist Stundenbücher und Breviere, aber auch einige profane Werke wie die Facta et dicta memorabilia des Valerius Maximus) und auf einigen Einzelblättern; außerdem Illustrationen in zwei Inkunabeln (Valerius Maximus, Brügge, um 1477) sowie einige Entwürfe für Kupferstiche zu Colard Mansions Boccaccio von 1476. Der Meister arbeitete zuweilen mit namhaften Künstlern wie Gerard David und Simon Marmion zusammen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schnorr von Carolsfeld, Franz: Katalog der Handschriften der Sächsischen Landesbibliothek. Bd. 1, Dresden 1979 (=Korrigierte und verbesserte, nach dem Exemplar der Landesbibliothek fotomechanisch hergestellte Ausgabe des Katalogs der Handschriften der Königlichen Öffentlichen Bibliothek zu Dresden, Bd. 1, Leipzig 1882), S. 294 (Volltext)
  • Bruck, Robert: Die Malereien in den Handschriften des Königreichs Sachsen. Dresden 1906, S. 337–353 (Volltext).
  • Warburg, Aby: Francesco Sassettis letztwillige Verfügung. In: Warburg, Aby: Gesammelte Schriften, Bd. 1. Hamburg 1932, S. 127–158 u. Anhang S. 353–365 (Volltext)
  • Winkler, Friedrich: Der Brügger Meister des Dresdener Gebetbuches und seine Werke. In: Jahrbuch der Königlich Preußischen Kunstsammlungen 35, 1914, S. 225–244. (Volltext)
  • Bodo Brinkmann: Die flämische Buchmalerei am Ende des Burgunderreichs. Der Meister des Dresdener Gebetbuchs und die Miniaturisten seiner Zeit. 2 Bde., Brepols, Turnhout 1997, ISBN 2-503-50565-1.
  • Das Paradies auf Erden. Flämische Landschaften von Bruegel bis Rubens, hrsg. von Uta Neidhardt und Konstanze Krüger. Ausst. der Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden in der Kunsthalle im Lipsiusbau, Dresden, 1. Oktober 2016 bis 15. Januar 2017, Dresden [2016], Kat.-Nr. 2 S. 82–85 (Marion Heisterberg)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Meister des Dresdener Gebetbuches – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien