Meistertum Mergentheim

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Banner of the Holy Roman Emperor with haloes (1400-1806).svg
Territorium im Heiligen Römischen Reich
Meistertum Mergentheim
Wappen
Den tyske ordens skjold.svg



Herrscher/Regierung Hoch- und Deutschmeister



Reichskreis fränkisch
Hauptstädte/Residenzen Mergentheim


Sprache/n Deutsch


Aufgegangen in im Wesentlichen Württemberg


Das Meistertum Mergentheim war der direkte Herrschaftsbereich und Besitz („Kammergut“) der Deutsch- und Hochmeister nach der Säkularisation des Ordensstaates in Preußen. Das Meistertum mit Schwerpunkt in Südwestdeutschland bestand bis 1809. Es gehörte dem fränkischen Reichskreis an.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Besitz um Mergentheim wurde von den Grafen von Hohenlohe 1219 an den Deutschen Orden übergeben. Dieser richtete dort eine Kommende ein. Bereits unter Kaiser Ludwig dem Bayern begann der Ausbau von Mergentheim zu einer Ordensstadt. Die Kommende bekam auch das Hochgericht zugesprochen. Mergentheim wurde Hauptsitz der Verwaltung des Streubesitzes des Ordens im Raum der Ballei Franken

Seit 1527, nach der Zerstörung von Burg Horneck durch die Bauern während des Bauernkrieges, war das Deutschordensschloss Mergentheim Sitz des Deutschmeisters. Mit dem Übertritt des bisherigen Hochmeisters Albrecht von Preußen 1525 zum Protestantismus und der Umwandlung des Ordensstaates in ein weltliches Herzogtum übernahmen die Deutschmeister auch das Amt eines Administrators des Hochmeistertums in Preußen. Die später Hoch- und Deutschmeister genannten gewählten Oberhäupter des Ordens hatten als geistliche Fürsten einen Platz auf der geistlichen Bank des Reichsfürstenrates. Das Meistertum als Territorium selbst gehörte auch dem fränkischen Reichskreis an.

Im Jahr 1809 fielen die meisten Gebiete des Meistertums an Württemberg.

Hexenprozesse im Meistertum Mergentheim[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Hexenprozessen im Meistertum Mergentheim wurden 584 Personen zwischen 1450 und 1665 wegen Hexerei, „Unholdtum“, Zauberei und Abfall vom Christentum verhaftet in vier Wellen von Hexenverfolgung in den Jahren 1590/91, 1601/02, 1617/18 und 1628 bis 1631. Nach heutigen Angaben überlebten 387 Menschen den Prozess nicht. Weitere acht starben in Haft. Lediglich 27 Verdächtigte kamen frei. Bis heute ist das Schicksal von 93 Personen unbekannt. Das Alter der Angeklagten lag zwischen elf und 70 Jahren.[1]

Umfang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gliederung des Deutschen Ordens mit dem Meistertum Mergentheim

Das Meistertum selbst bestand aus der Stadt Mergentheim. Nahe dabei lag das Amt und Schloss Neuhaus, das als Wohnsitz der Deutsch- und Hochmeister diente. Das Meistertum umfasste die Vogtei Hüttenheim, die Pflegen Hilsbach, Heuchelheim, Kirnbach, Stupferich und Weingarten. Des Weiteren gehörten dazu die Ämter Weinheim, Neckarsulm, Kirchhausen und Schloss Stocksberg und Umgebung. Auch die Komtureien in Horneck, Frankfurt am Main, Mainz und Speyer gehörten direkt zum Meistertum. Hinzu kamen die Kammerkomturei in Weißenburg sowie die Herrschaft Freudenthal in Oberschlesien und die Herrschaft Baussau in Mähren.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war das Kerngebiet in verschiedene größere Verwaltungseinheiten eingeteilt. Dazu gehört das Oberamt Mergentheim. In diesem lebten 1800 Familien. Davon lebten 590 christliche und jüdische in der Stadt Mergentheim selbst. Im Neckaroberamt lebten 2400 Familien. Im Amt Ellingen lebten 600 Familien.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karin Wohlschlegel: Hexenverfolgung in Mergentheim, Auswertung der Verhörprotokolle aus den Jahren 1628-1631, Magisterarbeit, Stuttgart 1989 S. A-4 – A-49. Harald Siebenmorgen, Hexen und Hexenverfolgung im deutschen Südwesten, Band I und II, Ostfildern 1994, S. 138ff. sowie 337ff.
  2. Historisch-statistisches Archiv für Süddeutschland. Frankfurt/Leipzig 1807, S. 66

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder. Die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. 4., vollständig überarbeitete Auflage. C.H. Beck, München 1992, ISBN 3-406-35865-9, S. 383.
  • Anton Friedrich Büsching: Neuer Erdbeschreibung dritten Theils, zweiter Band. Hamburg 1771, S. 1921ff.