Melbach

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Melbach
Gemeinde Wölfersheim
Koordinaten: 50° 22′ 50″ N, 8° 48′ 30″ O
Höhe: 150 m ü. NHN
Fläche: 10,19 km² [LAGIS]
Einwohner: 1250 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 123 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1970
Postleitzahl: 61200
Vorwahl: 06036

Melbach ist ein Ortsteil der Gemeinde Wölfersheim im hessischen Wetteraukreis.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Melbach befindet sich südlich von Wölfersheim, dem größten Ortsteil der gleichnamigen Gemeinde. Der Ort liegt an der Bundesstraße 455 sowie an der Bahnstrecke Friedberg–Wölfersheim-Södel (ehemalige Bahnstrecke Friedberg–Mücke) mit eigenem Bahnhof.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ersterwähnung und Ortsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Melbach leitet sich ab von althochdeutsch malan = schwarz. "Der Gewässername Schwarzbach ist üblich."[2]

Zwischen 802 und 817, in der Amtszeit des fuldischen Abtes Ratgar, wird der Ort erstmals als „Melbbach“ genannt. "Walthere tradidit sancto Bonifacio bona sua im Melbbach."( Übersetzung: Walter schenkt dem heiligen Bonifatius seine Güter in Melbach).[3] In diese Zeit fällt auch die Ersterwähnung Berstadts und Grund-Schwalheims, die ebenfalls 2017 ihr 1200jähriges Bestehen feiern können. Nach Kropat[4] ist mit Melbbach das heutige Melbach zu identifizieren. Die Datierung in die Amtszeit des Abtes Ratgar erfolgt nach Stengel.[5] Diese Schenkung ist zugleich ein Beleg für frühen Besitz des Klosters Fulda in Melbach.

Weitere historische Formen des Ortsnamens im Hochmittelalter sind:

  • um 1090 bis 1150 „Melpah[6]
  • 1206 „Melpach[7]

Melbacher Gericht und Gerichtsbuch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das freie Reichsdorf besaß ein eigenes Gericht, das vom Reich zunächst an die Herren von Carben, später an die Burggrafschaft Friedberg verpfändet wurde.[8] Südwestlich vor der Kirchenmauer standen die Gerichtslinde und der Gerichtstisch. Hier wurden seit 1341 Hubengerichte abgehalten. Die Gerichtslinde ist gefällt, der steinerne Gerichtstisch steht heute am Haag. In das Melbacher Gericht gehörte auch die Wüstung Rode bei Wisselsheim. 1419: "zum Roide by Wissensheim im Melpächer Gericht",[9] 1420: "by dem Rode in Melpechir gerichte."[10] Das Original des Gerichtsbuchs, begonnen 1475, befindet sich im Gemeindearchiv Wölfersheim. Der Inhalt wurde in Regestenform von dem ehemaligen Pfarrer Hermann Knodt veröffentlicht.[11] Der Titel des Gerichtsbuchs lautet: "Insatze des gerichts anno domini 1475." Das Gerichtsbuch beinhaltet neben den Festmachungen die Gerichtsordnung sowie den Schöffeneid und den Nachbareid von 1475.[12]

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Siebenjährigen Krieges und der Napoleonischen Kriege wurden besonders die großen Hofgüter des Ortes zu Fuhrdiensten und Abgaben verpflichtet. Während des Oberhessischen Kartoffelkrieges im September 1830 schlugen die obrigkeitstreuen Bauern und Bürger von Melbach, Södel und Wölfersheim die Rebellen im Feld bei Melbach zurück und nahmen die Anführer fest. Aufgrund eines Missverständnisses richteten dann hessische Soldaten, die aus Butzbach gekommen waren, das Blutbad von Södel an.[13]

Das moderne Melbach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Melbach steht im Nordosten des Dorfes eines der ältesten hessischen Dorfgemeinschaftshäuser. Daneben wurde die Kita „Räuberhöhle“ erbaut. Im Ortskern, westlich der Kirche, steht das moderne Feuerwehrhaus, Am östlichen Ortsrand in Richtung Weckesheim besitzt Melbach ein großes Sportgelände.

Wölfersheim schloss sich im Zuge der Gebietsreform in Hessen am 31. Dezember 1970 mit den Orten Melbach, Södel und Wohnbach zur Großgemeinde Wölfersheim zusammen.[14]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelisch-lutherische Kirche in Melbach
Wasserwerk

Vereine und Organisationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1. Melbacher Carneval Club
  • Ev. Posaunenchor Södel/Melbach
  • Freiwillige Feuerwehr Melbach
  • Gesangverein „Liederkranz Melbach“ 1919 e. V. Der Gesangverein ist sehr wahrscheinlich schon 1815 gegründet worden und damit sicher der älteste Verein in Melbach. Eine Vereinsfahne aus dem 19. Jahrhundert hat sich erhalten. Sie trägt die Inschrift "Gesangverein Melbach 1861" unter einer Lyra. Auf der anderen Seite zeigt die Fahne einen doppelköpfigen Adler.
  • Landfrauenverein Melbach
  • Ortsbauernverband Melbach
  • Seniorenclub Melbach
  • SG 1927 Melbach (Fußball)
  • SPD Ortsbezirk Melbach
  • Tischtennisclub 1978 Melbach
  • Turngemeinde 1891 Melbach
  • VdK Ortsverband Melbach
  • Vereinsgemeinschaft Melbach

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • August Görtz (1795–1864), hessischer Beamter und Politiker
  • Christoph Keil (1805–1872), hessischer Abgeordneter und 1843 bis 1872 Bürgermeister in Melbach
  • Georg Caspar Leopard, Solms-Braunfelsischer Verwalter, Hofgutbesitzer, Verfasser wissenschaftlicher Werke zur Landwirtschaft.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christian Aledter: Die historische Gemeinde Melbach bis zu ihrer Eingemeindung in die Großgemeinde Wölfersheim 1970. Wölfersheim 1980.
  • Hermann Knodt: Das Melbacher Gerichtsbuch. In: Wetterauer Geschichtsblätter. 9, 1960, S. 45–78.
  • Manfred Preiß: Familienbuch der evangelischen Kirchengemeinde Melbach. Friedberg 2018.
  • Eugen Rieß: Kirchengeschichte von Melbach in der Wetterau. Friedberg 2016.
  • Eugen Rieß: Melbach - Meelbach - Melpach -Melbbach. 1200 Jahre mitten in der Wetterau. Eine Ortsgeschichte. Wölfersheim 2018.
  • Dieter Wolf: Dorfbefestigung: Haingraben, Zäune und feste Pfortenbauten. in: Eugen Rieß, Melbach, S. 285–316.
  • Literatur über Melbach in der Hessischen Bibliographie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Melbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Einwohnerzahlen HW. In: Internetauftritt. Gemeinde Wölfersheim, archiviert vom Original am 26. August 2016; abgerufen im November 2018.
  2. Jürgen Steen: Königtum und Adel in der frühmittelalterlichen Siedlungs-, Sozial- und Agrargeschichte der Wetterau., Frankfurt am Main 1917 (= Schriften des Historischen Museums Frankfurt am Main. 14). 1979, ISBN 3-7829-0223-8, S. 175.
  3. Heinrich Meyer zu Ermgassen: Codex Eberhardi. Band 1 II, Nr. 171, S. 212 fol. 112 rb = Ernst Friedrich Johann Dronke: Traditiones et Antiquitates Fuldensis (TAF). Fulda 1844, Capitulum 42, Nr. 171.
  4. Wolf-Arno Kropat: Reich, Adel und Kirche in der Wetterau von der Karolinger- bis zur Stauferzeit. (= Schriften des Hessischen Landesamtes für geschichtliche Landeskunde. 28).
  5. Edmund Ernst Stengel: Urkundenbuch des Klosters Fulda. Band I,2, Marburg 1956, S. 435, Nr. 331.
  6. Heinrich Meyer zu Ermgassen: Codex Eberhardi. Band 1, S. 333 = TAF, Capitulum 25, S. 60.
  7. Hans Otto Keunecke: Die Münzenberger. Quellen und Studien zur Emancipation einer Reichsdienstmannenfamilie. (= Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte. 35). Darmstadt/ Marburg 1978, S. 149, Nr. 180.
  8. Erhard Nietzschmann: Die Freien auf dem Lande. Ehemalige deutsche Reichsdörfer und ihre Wappen. Melchior, Wolfenbüttel 2013, ISBN 978-3-944289-16-8, S. 53.
  9. Georg Landau: Beschreibung des Gaues Wettereiba. Kassel 1855, S. 14.
  10. Ludwig Baur: Urkundenbuch des Klosters Arnsburg. Darmstadt 1851, Nr. 1172.
  11. Hermann Knodt: Das Melbacher Gerichtsbuch. In: Wetterauer Geschichtsblätter. 9, 1960, S. 45–78.
  12. Hermann Knodt: Das Melbacher Gerichtsbuch. In: Wetterauer Geschichtsblätter. 9, 1960, S. 45.
  13. Manfred Köhler: Das Blutbad von Södel am 1. Oktober 1830. In: Eugen Rieß: 1200 Jahre Södel. Band 1: Die 'Geschichte. Rockenberg 2001, S. 177 ff.
  14. Der Hessische Minister des Innern: Zusammenschluß der Gemeinden Melbach, Södel, Wohnbach und Wölfersheim im Landkreis Friedberg zur Gemeinde „Wölfersheim“ vom 5. Januar 1971. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1971 Nr. 3, S. 110, 110 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,5 MB]).