Melchior Berri

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Melchior Berri, Porträt von Johann Friedrich Dietler (1851)
Einstiges Pfarrhaus und Wohnhaus von 1805 bis 1831 der Familie, Melchior Berri (1805–1854) an der Hauptstrasse 19 in Münchenstein. https://www.e-periodica.ch/digbib/view?pid=bbh-001%3A1999%3A64%3A%3A4#123
Einstiges Pfarr- und Wohnhaus von 1805 bis 1831 der Familie Berri in Münchenstein
Grab von Melchior Berri (1801–1854) auf dem St. Alban-Kirchhof in Basel neben seinem Sohn Rudolf Samuel der dort 1851 beerdigt wurde.
Grab von Melchior Berri auf dem St. Alban-Kirchhof in Basel
Grabstein der Familie von Melchior Berri (1805–1854) Reformierte Kirche in Münchenstein. https://www.e-periodica.ch/digbib/view?pid=bbh-001%3A1999%3A64%3A%3A4#120
Grabstein der Familie von Melchior Berri in Münchenstein

Melchior Berri (* 20. Oktober 1801 in Basel; † 12. Mai 1854 ebenda) war ein Schweizer Architekt aus Basel.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Melchior Berri war Sohn des Melchior Berri, Pfarrer in Münchenstein, und der Appollonia Streckeisen. Er wuchs in Basel und Münchenstein auf. Zwischen 1817 und 1823 liess er sich unter anderem beim Architekten Friedrich Weinbrenner in Karlsruhe ausbilden[1]. Danach arbeitete er beim Architekten Jean-Nicolas Huyot in Paris und studierte an der Akademie.

1826 reiste er zusammen mit Josef Berckmüller nach Italien,[2]: S. 26 wo ihn die Bauten und die Wandmalereien in Pompeji, aber auch die Renaissance-Paläste in Rom interessierten. Auf diesem Wege eignete er sich handwerkliche Fertigkeit als Steinmetz, Gipser und Maurer an, übte sich in Landschafts- und Figurenzeichnen und studierte bautechnische Fächer.

1828 eröffnete Melchior Berri in Basel ein Baugeschäft und eine Bau- und Zeichenschule. Seine überregionale Bedeutung verdankte Berri zuerst dem Basler Museum an der Augustinergasse, dem einzigen erhaltenen Monumentalbau, aber auch seinen Entwürfen für ein Zürcher und ein Berner Rathaus. Für die Umgestaltung der Luzerner Quaianlage und deren Quartier- und Hotelanlagen, hatte Berri 1836 die Pläne gezeichnet. Diese wurden jedoch nicht ausgeführt[3]. 1829 wurde er vom Bauherren Ludwig August Sarasin mit dem Bau eines Sommerhauses betraut. Sarasin starb 1831 vor Vollendung seines Sommersitzes. Durch Heirat einer der beiden Sarasin-Töchter kam das Sommerhaus in den Besitz der Familie Ehinger und dieses Sommerhaus ist jetzt als «Villa Ehringer» bekannt.[4] Zu Berris frühen Werken gehörte auch das 1829/1931 erbaute Blömleintheater in der Theaterstrasse in Basel, dessen Reste 1969 ganz verschwanden. Ebenfalls dazu gehört die Abdankungskapelle in der heutigen Rosentalanlage, 1832 erbaut. Es stand einst im ältesten Teil des Gottesackers und ist heute das einzige Bauwerk des Begräbnisplatzes. Im selben Jahr baute sich Berri an der Malzgasse ein zweistöckiges Wohnhaus, welches durch einen rückwärtigen Anbau 1842 erweitert wurde.

1832 heiratete Berri Margaretha Simone, geborene Burckhardt. Zusammen hatten sie elf Kinder. Margaretha Simone war die Tochter des Jakob Burckhardt der Ältere und Schwester von Jacob Burckhard. Berri war auch Mitglied des Basler Grossen Rates sowie der Baukommission und wurde 1841 Präsident des «Vereins Schweizerischer Ingenieure und Architekten» (SIA). Er erwarb als Architekt der neoklassizistischen Stilrichtung über die Schweiz hinausreichenden Ruhm und wurde als Dr. h. c. Ehrenmitglied zweier britischer Architekturverbände.

Die Spannungen zwischen den Anforderungen an den Bauunternehmer und an den Künstler, aber vielleicht auch die Enge der kleinstädtischen Verhältnisse liessen Berri schwermütig werden und er nahm sich 1854 das Leben. Bestattet wurde er auf St. Alban-Kirchhof neben seinem dritten Sohn Rudolf Samuel (1846–1851) beerdigt wurde. Seine Frau die 1837 verstarb, wurde auf dem Friedhof Wolfgottesacker beerdigt. Susanna (1796–1882), die Schwester von Berri war die Mutter von Ernst Stückelberg.

Im Herbst 1998 wurden neben der reformierten Kirche von Münchenstein der von Berri geschaffene Grabstein für die Familie Berri entdeckt. Seine Schwester Apollonia Kürsteiner-Berri veranlasste, dass auch ihr Bruder mit den Worten "dieser Stein setzte" auf dem Grabstein erwähnt wurde[5]

Hinterlassenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Villa Ehinger, im Quartier Neue Welt, Münchenstein, 1829/1832
  • Altes Gemeindehaus in Riehen, 1834/1835
  • Haus zum Schöneck, Basel, 1840–1842[6]
  • Museum für Natur- und Völkerkunde, Basel, 1842–1849
  • Ehem. Sarasinsche Bandfabrik (Jugendherberge), Basel, 1850/1851[7]
  • Mehrere Gebäude im Botanischen Garten Brügglingen, darunter die Orangerie, Scheune und Pächterhaus, 1837–1839 (Siehe Brüglinger Ebene)

Verschiedenes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grabmäler
  • Erste mehrfarbene Briefmarke, Basler Dybli, 1845
  • Briefkästen (Basler Dybli)
  • Brunnen (u. a. «Dreizackbrunnen», Basel, 1837)
  • Möbelentwürfe[8]

Abgebrochen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stadtcasino Basel, 1821–1824; abgebrochen 1949
  • Blömleintheater, Basel, 1829; 1969 abgebrochen
  • Bogenschützenhaus, Bern, 1830–1833; abgebrochen
  • Eisenbahntor in der Basler Stadtmauer, 1844; abgebrochen 1880

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Melchior Berri – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ulrike Jehle Schulte-Strathaus: Ein Klassiker des Klassizismus. Abgerufen am 1. Dezember 2019.
  2. Werner Stutz: Bahnhöfe der Schweiz. Von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg. Orell Füssli, Zürich/Schwäbisch Hall 1983, ISBN 3-280-01405-0
  3. Roman Ottiger: Luzerners Quai- und Hotelbauten von Melchior Berri. Abgerufen am 1. Dezember 2019.
  4. J.R. Heyer: Villa Ehinger. Abgerufen am 1. Dezember 2019.
  5. 1998, Grabstein für die Familie Berri, abgerufen am 4. November 2020
  6. Doris Huggel: Haus zum Schöneck. Abgerufen am 7. Dezember 2019.
  7. Zara Reckermann: Sarasinsche Bandfabrik (heute Jugendherberge), S. 12–17. Abgerufen am 16. Dezember 2019.
  8. Dieter Pfister, Sabine Häberli, Astrid Kübli: Basler Möbelkunst von 1450 bis 1950. Schwabe, Basel 2002, ISBN 3-7965-1893-1.