Melchior Goldast

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Melchior Goldast von Haiminsfeld (* 6. Januar 1578 auf dem Familienbesitz Espen, heute Ortsteil von Bischofszell; † 11. August 1635 in Gießen) war ein Schweizer Humanist, Jurist, Diplomat und Bibliomane.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Melchiors Vater war ein adeliger Gutsbesitzer. Goldast besuchte von 1590 bis 1593 das Gymnasium in Memmingen. Er studierte ab 1593 Rechtswissenschaften an der Jesuiten-Universität in Ingolstadt und ab 1595 an der Universität in Altdorf. Hier erlangte er 1597 den Magister. 1598 war er Privatgelehrter in der Schweiz, unter anderem in St. Gallen und in Genf. 1599 hielt er sich in St. Gallen auf und forschte in der Stiftsbibliothek. Er promovierte dann an der Universität Heidelberg zum Doktor beider Rechte.

1609 bewarb sich Melchior Goldast bei Graf Philipp Ludwig II. von Hanau-Münzenberg um die vakante Stelle des Abtes des Klosters Schlüchtern. Der Graf verfolgte aber eine streng reformierte Kirchenpolitik, so dass ihm die Fortführung eines Klosters nicht mehr opportun erschien. Er besetzte die Stelle nicht wieder, verlieh Melchior Goldast aber ehrenhalber den Titel eines Rates.[1] Melchior Goldast war von 1606 bis 1614 Erzieher des Freiherrn von Hohensax und lebte in Frankfurt am Main. Hier verfasste er historische und juristische Gutachten, vor allem zu verfassungsrechtlichen Problemen. Um 1606 lernte er den Historiker Michael Caspar Lundorp kennen, mit dem er gemeinsam an einer Ausgabe des Petronius arbeitete. 1612 heiratete er. 1614 war er kurzzeitig Berater am Hof von Sachsen-Weimar. 1615 wurde er Hofrat und Rechtsberater am Hof in Bückeburg. Ab 1624 lebte er wieder in Frankfurt/Main. Er arbeitete nun für den Landgrafen von Hessen. 1630 siedelte er nach Gießen über.

Seine Bibliothek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Goldast hatte eine sehr starke Leidenschaft für Bücher und Handschriften. In seiner Bibliothek befanden sich viele Schriften aus der Bibliothek in St. Gallen, die er unter anderem dort auch entwendet hatte. Der Büchernarr versuchte seine Bibliothek 1624 in Bremen zu sichern. Sie wurde im Katharinenkloster von Bremen eingelagert. Nach Goldast Tod verhandelte der Rat der Stadt Bremen mit den Erben über den Verbleib und den Ankauf der Bücher für Bremen. 1646 kamen die Verhandlungen zum Abschluss und Bremen hatte den Grundstock für seine 1660 eröffnete öffentliche Stadtbibliothek, die Bibliotheka Bremensis, bestehend aus heute wertvollen Handschriften, Urkunden und Inkunabeln aus der Frühzeit des Buchdrucks. Eines der bedeutendsten Bücher ist das erhaltene im Kloster Echternach geschaffene Perikopenbuch Heinrichs III., welches sich heute in der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen befindet. Einige wertvolle Bücher, unter anderem von antiken Autoren, erbat und erhielt 1650 – vermittelt durch ihren Rat Isaac Vossius (1618–1689) – Königin Christine von Schweden. Ein kleiner Teil des Nachlasses, darunter 41 Pergamenturkunden sowie 98 Humanistenbriefe, kehrte 1948 nach St. Gallen zurück.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Suevicarum rerum, scriptores aliquot veteres. Frankfurt/M. 1605
  • Alamannicarum rerum scriptores aliquot vetusti. Frankfurt/M. 1605
  • Catholicon rei monetariae. Frankfurt/M. 1620

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anne A. Baade: Melchior Goldast von Haiminsfeld, 1992
  • Gundula Caspary: Späthumanismus und Reichspatriotismus. Melchior Goldast und seine Editionen zur Reichsverfassungsgeschichte. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006, ISBN 3-525-35584-X
  • Gerhard Dünnhaupt: Melchior Goldast von Haiminsfeld. In: Personalbibliographien zu den Drucken des Barock, Bd. 3. Hiersemann, Stuttgart 1991, ISBN 3-7772-9105-6, S. 1653-1679.
  • Graeme Dunphy: Melchior Goldast und Martin Opitz. Humanistische Mittelalter-Rezeption um 1600. In: Nicola McLelland, Hans-Jochen Schiewer, Stefanie Schmitt: Humanismus in der deutschen Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Niemeyer, 2008, S. 105–121.
  • Rudolf Gamper: Die Bücherdiebstähle des Melchior Goldast in Sankt Gallen. In: Marcel Mayer, Stefan Sonderegger (Hrsg.): Lesen - Schreiben - Drucken, Sankt Gallen 2003, S. 73-88, S. 144-147.
  • Heinrich Schecker: Melchior Goldast von Haiminsfeld, eine Studie. Bremen 1930.
  • Clausdieter Schott: "Eberingen" - Die erste Urkunde. In: Clausdieter Schott, Edmund Weeger (Hrsg.): Ebringen - Herrschaft und Gemeinde, Bd. 1, Freiburg 1992, S. 47 f.
  • Herbert Schwarzwälder: Das Große Bremen-Lexikon. Edition Temmen, Bremen 2003, ISBN 3-86108-693-X.
  • Oskar Vasella: Goldast, genannt von Haiminsfeld, Melchior. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 6, Duncker & Humblot, Berlin 1964, ISBN 3-428-00187-7, S. 601 f. (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Melchior Goldast – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Matthias Nistahl: Studien zur Geschichte des Klosters Schlüchtern im Mittelalter. Diss. Darmstadt u. Marburg, 1986, S. 201.