Melchior Jöstel

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Melchior Jöstel (* 10. April 1559 in Dresden; † 13. Juni 1611 in Freiberg) war ein deutscher Mathematiker und Mediziner.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Melchior Jöstel wurde als Sohn von Johann Jöstel (1549 Bürger und Goldschmied, 1573–1591 Rat in Dresden) und seiner Frau Ursula, Tochter des Dresdner Bürgers Melchior Kühne, geboren. Am 22. Mai 1577 immatrikulierte er sich an der Universität Wittenberg, wo er am 19. März 1583 den akademischen Grad eines Magisters erwarb. Im Anschluss wurde er Gehilfe des Mathematikers und Münzmeisters in Annaberg, Abraham Riese (1533?–1604), der ein Sohn von Adam Ries war. 1592 wandte sich Jöstel an den kurfürstlichen Administrator Friedrich Wilhelm von Sachsen-Weimar, der am 4. Juli 1592 die Wittenberger Universität anwies, Jöstel bei nächster Gelegenheit in eine mathematische Professur zu bringen, um ihn für Sachsen halten zu können.

Nachdem Peter Otto († 1595) gestorben war, wurde daher Jöstel dessen Professur für höhere Mathematik übertragen. So gelangte er 1594 in den Senat der philosophischen Fakultät. Im Wintersemester 1600 sowie 1606 war er deren Dekan. Im Sommersemester 1606 verwaltete er das Amt des Prorektors. Jöstel bemühte sich um die Herstellung eines Observatoriums, das auf dem Wall der Wittenberger Festung errichtet werden sollte. Zuvor hatte Jöstel mehrere Male auf dem Wall Himmelsbeobachtungen mit Studenten durchgeführt.

Seine Forschungsgebiete waren die Trigonometrie und die Berechnung der Mondbahnen basierend auf Vorarbeiten von Tycho Brahe. Mit Brahe hatte er in einem freundschaftlichen Kontakt gestanden. Auch hatte er mit Johannes Kepler über mathematische Themen korrespondiert. Zudem interessierte sich Jöstel, wie viele seiner mathematischen Kollegen jener Zeit, auch für Medizin. So erwarb er am 3. Oktober 1600 unter Andreas Schato (1539–1603) mit der Dissertation De vertigine das Lizentiat der Medizin. Am 14. Oktober 1600 wurde er bei Schato mit der Dissertation Oratio de contagione zum Doktor der Medizin promoviert. 1611 übertrug man ihm die Leitung der Dresdner Kunstkammer, in welcher Funktion er jedoch durch sein Ableben nicht mehr aktiv werden konnte.

Er heiratete am 3. November 1601 in Wittenberg Martha Moller (1577–1617).

Werkauswahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Algorithmus von flechen, so an art und Gestalt einander enlich und gleichförmig und mit geraden linien beschlossen werden, 1584 (übersetzt ins Lateinische)
  • Logistica Prosthaphaersis Astronomica (herausgegeben von H. von Braumühl in einer Festschrift S.17–29); Original in Dresdner Bibliothek 1908
  • Oratio de initüs progressu, dignitate … mathematum, Wittenberg 1595
  • Lunae deliquium ad hunc Christi annum 1599 ex Tychonis Brahe tabulis supputatum. Wittenberg 1599

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinz Kathe: Die Wittenberger Philosophische Fakultät 1501–1817. Böhlau, Köln 2002, ISBN 3-412-04402-4.
  • Walter Friedensburg: Geschichte der Universität Wittenberg. Max Niemeyer, Halle (Saale) 1917
  • Hans Theodor Koch: Die Wittenberger Medizinische Fakultät (1502–1652) - Ein biobibliographischer Überblick. In: Stefan Oehmig: Medizin und Sozialwesen in Mitteldeutschland zur Reformationszeit. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2007, ISBN 978-3-374-02437-7.
  • Ahnenreihen aus allen deutschen Gauen (AaadG), Band 1. C. A. Starke, Görlitz 1931
  • Briefe an Melchior Jöstel. In: Hamburg, Staatsbibliothek, Cod. alch. 651, S. 390–391
  • Gustaf Hjalmar Eneström: Bibliotheca Mathematica. B. G. Teubner, 1908, S. 212–213
  • Anton Braunmühl: Vorlesungen über Geschichte der Trigonometrie. B. G. Teubner, 1900

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]