Melchior Lechter

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Melchior Lechter
Der Pallenberg-Saal 1900.
Signatur in Glas.
Grafik von Melchior Lechter: Plakat zur Großen Berliner Kunstausstellung 1897

Melchior Lechter (* 2. Oktober 1865 in Münster; † 8. Oktober 1937 in Raron, Kanton Wallis, Schweiz) war ein deutscher Maler, Graphiker und Buchkünstler.  Als Monogramm (ML) vor allem bei seinen buchkünstlerischen Arbeiten benutzte er den Buchstaben „M“ mittig geschnitten vom Buchstaben „L“.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lechter zeigte bereits als Jugendlicher eine starke künstlerische Neigung. Auch die Erfahrungen mit der Musik Wagners und Liszts, mit den Schriften Schopenhauers und Nietzsches prägten ihn früh. Mit 14 begann er eine Ausbildung zum Glasmaler. Nach der Arbeit belegte er bei der Münsterschen Kunstgenossenschaft Kurse an der Zeichen-, Mal- und Modellierschule. Nach der Ausbildung ging er 1884 nach Berlin, wo er an der Hochschule der bildenden Künste studierte und nebenbei als Glasmaler arbeitete. Nach dem Ende des Studiums malte Lechter zunächst Gebrauchskunst, etwa für Werbemittel, bis Fritz Gurlitt 1896 eine Ausstellung einrichtete. Lechter schaffte damit den Durchbruch seiner Kunst in Berlin. Prägend war die Begegnung mit Stefan George, für den Lechter viele Bücher im Georg Bondi Verlag buchkünstlerisch gestaltete.

1896 beauftrage der Architekt Franz Schwechten den Maler mit der Gestaltung der Fenster für die Simeonskirche und die Romanischen Häuser in Berlin.

Er erhielt 1898 von Jakob Pallenberg den Auftrag zur Ausgestaltung des Pallenberg-Saales mit Glasfenstern und Mosaiken am Kölner Museum für Angewandte Kunst.[1] Für die 1899/1900 ausgeführte Gesamtgestaltung erhielt er 1900 auf der Pariser Weltausstellung einen Grand Prix.

Für die von Bruno Möhring herausgegebenen Architektonischen Charakterbilder entwarf Melchior Lechter das Blatt des Innentitels.[2]

1903 stellte er sein Hauptwerk Die Weihe am mystischen Quell fertig.

1906 trat Lechter der Theosophischen Gesellschaft Adyar (Adyar-TG) bei. 1907 erhielt er vom Westfälischen Provinziallandtag den Auftrag, für den Neubau des Westfälischen Landesmuseums am Domplatz in Münster ein Glasgemälde anzufertigen. Anlässlich der Einweihung der Lumen-de-Lumine-Glasfenster wurde dort 1910 die erste große Zusammenfassung von Lechters Werken ausgestellt. 1923 vermachte er diesem Museum seinen gesamten künstlerischen Nachlass.

Am 30. September 1910 reiste Lechter mit Karl Wolfskehl nach Indien ab. Lechter begab sich dort auf eine fünfmonatige Reise über Ceylon, Madras und Adyar, das Zentrum der Adyar-TG. Dabei führte er Tagebuch. Dieses wurde nach seiner Rückkehr in kleiner Auflage (333 Exemplare) als zweiter Druck der von Lechter gegründeten Einhorn Presse mit besonderem Buchschmuck veröffentlicht.

Er starb 1937 in der Schweiz bei einem Besuch des Grabes von Rainer Maria Rilke.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Fuchs: Melchior Lechter. In: Deutsche Kunst und Dekoration 1 (1897–1898), S. 161–192 (UB Heidelberg).
  • Karlhans Kluncker: Lechter, Melchior. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 14, Duncker & Humblot, Berlin 1985, ISBN 3-428-00195-8, S. 33 f. (Digitalisat).
  • Jürgen Krause, Sebastian Schütze (Hrsg.): Melchior Lechters Gegen-Welten. Kunst um 1900 zwischen Münster, Indien und Berlin. Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster 2006, ISBN 3-88789-149-X.
  • Wolfhard Raub: Melchior Lechter als Buchkünstler. Darstellung, Werkverzeichnis, Bibliographie, Köln: Greven, 1969
  • Friedrich Wolters: Melchior Lechter. Hanfstaengel, München 1911 (mit zahlreichen Abbildungen von Lechters Kunstwerken; Digitalisat)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Melchior Lechter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gerhard Dietrich: Museum für Angewandte Kunst Köln – Chronik 1888–1988. Hrsg.: Stadt Köln. Köln 1988 (Blatt 1899, 1902).
  2. Architektonische Charakterbilder, hg. von Bruno Möhring in der Deutschen Digitalen Bibliothek