Mely Kiyak

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Mely Kiyak (2012)

Mely Kiyak (* 1976 in Sulingen[1]) ist eine deutsche Schriftstellerin und freie Journalistin.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tochter aus der Türkei stammender kurdischer Einwanderer begann nach ihrem Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig als Journalistin für den Mitteldeutschen Rundfunk und die Leipziger Volkszeitung zu arbeiten.[1] 1998 wurde die in Niedersachsen Geborene deutsche Staatsbürgerin.[2]

Seit 2005 ist Kiyak in Berlin als Autorin und freie Journalistin tätig. Ihre Texte erschienen unter anderem in der Zeit, der Welt und der taz.[3] Von 2008 bis 2013 erschien von Kiyak in der Frankfurter Rundschau, später auch parallel in der Berliner Zeitung, eine politische Kolumne.[4] Seit Ende 2013 schreibt sie auf der Webseite des Berliner Maxim-Gorki-Theaters eine regelmäßige Kolumne[5], seit 2014 auch auf Zeit-Online[6]. Im Zentrum ihrer Artikel, Kommentare, Berichte, Rezensionen, Feuilletons, Fernseh- und Diskussionsbeiträge (z. B. auch innerhalb des ARD-Presseclubs) stehen Migrations- und Integrationspolitik sowie Kultur.

Für die Körber-Stiftung arbeitete Kiyak wesentlich an dem Buch Zweiheimisch (2006) über bikulturelles Leben in Deutschland mit und veröffentlichte 2007 das Buch 10 für Deutschland.

Sie verbringt regelmäßig einige Tage in der Benediktinerinnenabtei zur Heiligen Maria in Fulda und gibt dort mit Schwester Christa die Zeitschrift Winke für den Biogärtner heraus.[7]

Sarrazin-Kontroverse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mai 2012 bezeichnete Kiyak in ihrer Kolumne für die Berliner Zeitung sowie die Frankfurter Rundschau Thilo Sarrazin, dessen rechte Gesichtshälfte infolge der Operation eines Tumors teilweise gelähmt ist, nach einem Fernsehauftritt als „lispelnde, stotternde, zuckende Menschenkarikatur“.[8] Hierfür wurde sie in der Welt und der Bild kritisiert.[9][10][11] Eine Woche nach Erscheinen des Beitrags legte Kiyak ihre Intention dar, auf die „nicht körperlich bedingten Unvollkommenheiten in seinem Auftritt hinzuweisen [...]. Wenn ich den physiologischen Hintergrund gekannt hätte, hätte ich das Bild nicht gewählt. Ich bedauere das sehr!“[12] Nach anhaltender Kritik sprachen die Chefredaktionen der abdruckenden Zeitungen von einer „perfiden Hetzkampagne“ gegen die Autorin, welche insbesondere über das Blog Politically Incorrect forciert werde.[13] Kiyak dokumentierte die Art und Zielrichtung dieser Angriffe in einem kritischen Artikel über das Blog in der Berliner Zeitung.[14] Auch die Journalisten-Vereinigung Neue Deutsche Medienmacher und die taz nahmen Kiyak in Schutz.[15][16] Der Freitag kommentierte, dass Kiyak „den Shitstorm, den sie gegen [... Sarrazin] in Gang setzen wollte“, am Ende auch selbst zu spüren bekommen habe.[17]

Der Deutsche Presserat sah den „Verstoß gegen die publizistischen Grundsätze als so schwerwiegend“ an, dass er eine Missbilligung gegenüber der Berliner Zeitung aussprach. Sarrazin sei „in seiner Menschenwürde verletzt“ worden. Wegen der Entschuldigung Kiyaks wurde jedoch keine Rüge ausgesprochen.[18]

„Hate Poetry“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2012 tritt Kiyak zusammen mit den Journalisten Deniz Yücel, Yassin Musharbash, Özlem Topçu, Özlem Gezer, Hasnain Kazim, Doris Akrap und Ebru Taşdemir im Rahmen der „antirassistischen Leseshow“ Hate Poetry auf, bei denen sie im Stile eines Poetry Slams zornerfüllte Leserbriefe vorlesen.[19]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher:


Beiträge in Anthologien:

  • „Elefantenrunde“ in: Nicol Ljubić (Hrsg.), Schluss mit der Deutschenfeindlichkeit! Geschichten aus der Heimat, Hoffmann und Campe, Hamburg 2012, ISBN 978-3-455-50246-6.
  • „Warum sich in der Kulturszene nicht bemerkbar macht, was sonst noch los ist“ in: Susanne Stemmler (Hrsg.), Multikultur 2.0 − Willkommen im Einwanderungsland Deutschland, Wallstein Verlag, Göttingen 2011, ISBN 978-3-8353-0840-4.
  • „Zwei Briefe“ in: Hilal Sezgin (Hrsg.), Manifest der Vielen − Deutschland erfindet sich neu, Blumenbar, Berlin 2011, ISBN 978-3-936738-74-2.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2006 erhielt Kiyak ein Stipendium des Senats für Wissenschaft, Forschung und Kultur für Berliner Schriftsteller.[1]
  • 2014 wurden Kiyak und die anderen Gründungsmitglieder der Hate Poetry in der Kategorie „Sonderpreis“ als Journalisten des Jahres 2014 ausgezeichnet. „Hate Poetry ist zur Marke und zum Vorbild für andere Redaktionen geworden: witzig, klug, unterhaltsam, schockierend und Augen öffnend. Er hilft zudem den betroffenen Journalisten, mit rassistischen Anfeindungen umzugehen“, hieß es in der Begründung der Jury.[22]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mely Kiyak – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Mely Kiyak. Körber-Stiftung. Abgerufen am 24. Juni 2012.
  2. Mely Kiyak: Ein gutes Land. In: Frankfurter Rundschau, 22. Mai 2009.
  3. Mely Kiyak. Hoffmann und Campe. Abgerufen am 24. Juni 2012.
  4. Mely Kiyak: Lieber Guido Westerwelle! In: Frankfurter Rundschau, 11. Januar 2008, S. 11.
  5. Kiyaks Theater-Kolumne
  6. Mely Kiyak: Deutschstunde
  7. Interview bei www.deutschlandradiokultur.de
  8. Mely Kiyak: Liebe Wissensgesellschaft! In: Berliner Zeitung. 19. Mai 2012, S. 4; Dies.: Liebe Wissensgesellschaft! In: Frankfurter Rundschau. 19. Mai 2012, S. 10.
  9. Cora Stephan: Streitet euch, aber richtig. In: Die Welt, 29. Mai 2012.
  10. Stephanie Bilges, H. Bruns und Matthias Kluckert: Mely Kiyak muss sich bei Sarrazin entschuldigen. In: Bild. 26. Mai 2012. Abgerufen am 6. Juni 2012.
  11. Henryk M. Broder: Sarrazin hat einen sehr deutschen Nerv getroffen. In: Die Welt. 22. Mai 2012. Abgerufen am 6. Juni 2012.
  12. Mely Kiyak: Eine Klarstellung. In: Berliner Zeitung, 25. Mai 2012, S. 5 und Eine Klarstellung. In: Frankfurter Rundschau, 25. Mai 2012, S. 9.
  13. Liebe Leserinnen, liebe Leser. In: Berliner Zeitung, 31. Mai 2012, S. 4 und Wider die Hetzkampagne. In: Frankfurter Rundschau, 31. Mai 2012.
  14. Mely Kiyak: Vulgär, enthemmt, rassistisch. In: Berliner Zeitung. 18. September 2011. Abgerufen am 6. Juni 2012.
  15. Bülend Ürük: Rassistische Hatztiraden gegen Journalistin: „Neue Deutsche Medienmacher“ nehmen Kolumnistin Mely Kiyak in Schutz. In: newsroom.de. 4. Juni 2012. Abgerufen am 6. Juni 2012.
  16. Daniel Bax: Feindbild der Sarrazin-Fans. In: die tageszeitung. 29. Mai 2012. Abgerufen am 6. Juni 2012.
  17. Michael Ginsburg: Entgleiste Rhetorik. der Freitag. 14. Juni 2012. Abgerufen am 1. Juli 2012.
  18. Deutscher Presserat: Entscheidung des Beschwerdeausschusses 2 in der Beschwerdesache 0303/12/2-BA. 2012. Entscheidung online (PDF; 40 kB)
  19. Selbstdarstellung der Hate Poetry, abgerufen am 20. Dezember 2014
  20. Mely Kiyak: Liebe Sakineh Ashtiani!. In: Frankfurter Rundschau. 6. August 2010. Abgerufen am 6. Juni 2012.
  21. Journalistenpreis der deutschen Zeitungen – Theodor-Wolff-Preis für sechs Journalisten. In: Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger. 19. Mai 2011. Abgerufen am 6. Juni 2012.
  22. Begründung der Jury vom 19. Dezember 2014, abgerufen am 20. Dezember 2014