Mikrofonabstimmung

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Die Wahl einiger frequenzabhängiger Eigenschaften beim Entwurf eines Mikrofons bezeichnet man als Mikrofonabstimmung. Insbesondere Resonanzfrequenz und Resonanzdämpfung der Membran sind für die richtige Funktion eines Mikrofons wichtig. Sie müssen auf den Mikrofontyp (dynamisches Mikrofon oder Kondensatormikrofon) und auf die zu erzeugende Richtcharakteristik (Kugel, Niere, Acht) abgestimmt werden.

Resonanzabstimmung der Membran bei Mikrofonen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Abstimmung soll ein gewünschter Frequenzgang des Mikrofons erzielt werden, zum Beispiel ein möglichst linearer Verlauf. Die hierzu notwendige Membranabstimmung berücksichtigt den jeweiligen Typ des Schallwandlers und ist für Druckempfänger und Druckgradientenempfänger in der folgenden Tabelle aufgelistet. Siehe hierzu die Abbildung 12 im Weblink „Gegenseitige Lage von Membranresonanz und Übertragungsbereich bei dynamischen und Kondensatormikrofonen“.

Empfänger / Wandler Kondensatormikrofon dynamisches Mikrofon
Druckempfänger
(Kugelcharakteristik)
Membran hoch abgestimmt Membran mittenabgestimmt
Druckgradientenempfänger
(Charakteristik Niere oder Acht)
Membran mittenabgestimmt, reibungsgehemmt Membran tief abgestimmt

Die Begriffe „hoch“ oder „tief abgestimmt“ bedeuten, dass die Membranresonanz ans obere bzw. untere Ende des Übertragungsbereichs gelegt wurde. Mittenabgestimmt heißt, dass die Membranresonanz in der Mitte des Übertragungsbereichs (500 bis 1000 Hz) liegt. Diese Abstimmungen sollen prinzipbedingte Frequenzgänge des jeweiligen Empfängers und Wandlers kompensieren, zum Beispiel die geringe Wiedergabe tieferer Bassfrequenzen eines Druckgradientenempfängers außerhalb des Nahfelds einer Schallquelle.

Man erkennt, dass ein Mikrofon mit Nierencharakteristik durch Schließen der Nierenlöcher an der Membranrückseite nicht in ein brauchbares Mikrofon mit Kugelcharakteristik umgewandelt werden kann, da die unpassende Membranabstimmung zu einer unerwünschten Veränderung des Frequenzgangs führen würde. Nur gelegentlich wird diese Klangverfälschung beim sogenannten „Cupping“ (Umschließen der Mikrofonkorb-Rückseite mit den Händen) bewusst als Effekt fürs „Grunting“ eingesetzt, unter Inkaufnahme eines erhöhten Rückkopplungsrisikos der dabei nebenher erzeugten Kugelcharakteristik.

Die bei Bändchenmikrofonen notwendige tiefe Membranabstimmung führt zu einer größeren Empfindlichkeit gegenüber störendem Körperschall (Trittschall und Windgeräusche). In dieser Hinsicht sind Kondensatormikrofone mit Kugel-Charakteristik wegen ihrer Abstimmung allen Mikrofonen überlegen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Görne: Mikrofone in Theorie und Praxis. 8. Auflage. Elektor-Verlag, Aachen 2007, ISBN 978-3-89576-189-8.
  • Michael Dickreiter, Volker Dittel, Wolfgang Hoeg, Martin Wöhr (Hrsg.): Handbuch der Tonstudiotechnik. 2 Bände. 8., überarbeitete und erweiterte Auflage. Verlag Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2014, ISBN 978-3-11-028978-7 oder e-ISBN 978-3-11-031650-6.
  • Norbert Pawera: Mikrofonpraxis. 4. Auflage. Franzis Verlag, München 1993, ISBN 3-932275-54-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]