Mengeringhausen

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Koordinaten: 51° 22′ 0″ N, 8° 59′ 24″ O

Mengeringhausen
Wappen von Mengeringhausen
Höhe: 292 (270–355) m ü. NHN
Fläche: 20,05 km²[1]
Einwohner: 3282 (16. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 164 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1974
Postleitzahl: 34454
Vorwahl: 05691
Ehem. Burg Mengeringhausen

Mengeringhausen ist ein Stadtteil der Kleinstadt Bad Arolsen im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg. Nach Einwohnerzahl (3282) und Fläche (20,05 km²) ist es nach der Kernstadt der zweitgrößte Stadtteil von Bad Arolsen.[1]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mengeringhausen liegt im Waldecker Land südwestlich der Bad Arolsener Kernstadt; die beiden Ortskerne sind etwa 2,5 km voneinander entfernt. Durchflossen wird die auf 270 bis 355 m ü. NHN[2] gelegene es von der Aar, in die etwas östlich der Ortschaft die Mengeringhausen nördlich passierende Thiele mündet. Östlich vorbei führen die nach Bad Arolsen verlaufende Bundesstraße 252 und im Abschnitt Bad Arolsen–Korbach die Bahnstrecke Warburg–Sarnau; nördlich liegt der Segelflugplatz Mengeringhausen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wurde als „Stadt Mengeringhausen“ 1234 erstmals urkundlich erwähnt[3] und hatte wohl bereits Stadtrechte. Die Burg Mengeringhausen war im Besitz der Grafen von Waldeck. Im Jahre 1502 brandschatzte und plünderte Rabe von Canstein zur Fastnacht Ort und Burg. Hintergrund war eine alte Fehde mit den Grafen von Waldeck wegen Grenzstreitigkeiten. Daraufhin wurde die Stadtmauer verstärkt und offenbar die Schützenbruderschaft St. Sebastianus ins Leben gerufen. Von 1689 bis 1728 war Mengeringhausen Sitz der ersten Waldecker Landkanzlei.

Mengeringhausen – Auszug aus der „Topographia Hassiae“ von Matthäus Merian 1655

In Mengeringhausen befand sich von 1925 bis 1937 eine Bezirksfortbildungsschule.

Am 1. Januar 1974 wurde die Stadt im Zuge der Gebietsreform in Hessen ein Stadtteil von Arolsen.[4]

Burg Mengeringhausen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anfänge der Burg Mengeringhausen liegen im 13. Jahrhundert; erstmals urkundlich erwähnt wird sie im Jahre 1382. Von der einstigen Befestigung der mittelalterlichen Wasserburg der Grafen von Waldeck ist auf den ersten Blick nur noch wenig auszumachen. Von 1696 bis 1728 war die Burg Sitz der waldeckischen Regierung, die Behörden zogen danach in die neu entstandene Residenz Arolsen. Nach einigen Bränden, unter anderem in den Jahren 1929 und 1960, präsentiert sich das Gebäude heute renoviert als Hotel und Restaurant.

St.-Georg-Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die St.-Georg-Kirche ist eine für das späte Mittelalter typische gotische Hallenkirche, die im Jahre 1423 fertiggestellt wurde, nachdem der Vorgängerbau im Jahre 1347 durch einen Brand, dem auch das Rathaus und viele weitere Häuser zum Opfer fielen, zerstört wurde. Von diesem Vorgängerbau sind keine Spuren mehr vorhanden. Mit dem spitzen, schiefen verdrehten Turm aus der Entstehungszeit, gilt sie als Wahrzeichen Mengeringhausens. Der barocke Hochaltar ist vermutlich um 1680 entstanden und wird dem Mengeringhäuser Schreiner Berthold Jost Tamm zugeschrieben. Er ist drei Meter breit und sieben Meter hoch. Die Ölgemälde zeigen das Letzte Abendmahl und den Garten Gethsemane. Die reichen Schnitzereien zeigen Putten, Fruchtgehänge, Girlanden und sieben kunstvoll geschnitzte Skulpturen werden dem Bildhauer Heinrich Papen zugeschrieben, der auch den Hochaltar im Fritzlarer Dom geschaffen hat. Die Deckenmalereien, sowie die Bilder an der Nord- und Südwand des Chores wurden um 1572 von Friedrich Thorwart geschaffen. Die heutige Orgel stammt aus dem 19. Jahrhundert. Das älteste Kunstwerk ist der Aufsatz eines Wandtabernakels aus der Mitte des 14. Jahrhunderts.[5]

Bismarckwarte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 4. Juni 1882 wurde etwa 850 m nordnordöstlich vom Gipfel der südwestlich von Mengeringhausen gelegenen Matzenhöhe (ca. 385 m)[2] anstelle der eingestürzten Mengeringhäuser Warte die Warte eingeweiht. Im Zuge der Bismarckbegeisterung wurde 1902 ein Bismarck-Medaillon angebracht und der 10 m hohe Turm in Bismarckwarte umbenannt. Diese Warte ist als letzte von drei historischen Beobachtungstürmen der einstigen Stadt Mengeringhausen erhalten.[6]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilhelm von Le Suire (* 9. Juni 1787 in Mengeringhausen; † 10. März 1852 in Nürnberg), General und Kriegsminister
  • Albin Edelhoff (* 6. Juni 1887 in Mengeringhausen; † 11. August 1974 Rhaunen (Hunsrück)), Maler und Graphiker.
  • Friedrich Boettcher (* 1842 in Mengeringhausen; † 1922), von 1876 bis 1895 Reichstagsabgeordneter
  • Martin Kipp (* 13. Juli 1945 in Mengeringhausen), Universitätsprofessor für Berufspädagogik
  • Philipp Nicolai (* 10. August 1556 in Mengeringhausen; † 26. Oktober 1608 in Hamburg), Pfarrer, Liederdichter und Reformator
  • Arnoldt Langemann (* 1566 in Mengeringhausen; † 15. März 1620 in Peckelsheim), Ministerialer des Grafenhauses Waldeck
  • Walter Hoffmann (* 28. Oktober 1952 in Mengeringhausen), Politiker
  • Werner Durth (* 17. Mai 1949 in Mengeringhausen) Architekt, Soziologe, Architekturhistoriker und Hochschullehrer

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Freischießen ist ein großes Volksfest und wird alle sieben Jahre (das nächste 2021) mit verschiedenen spätmittelalterlich und frühneuzeitlich kostümierten Gruppen in mehreren großen Festzügen und der Anteilnahme der gesamten Bevölkerung gefeiert. Es erinnert an die erstmalige Erwähnung der Mengeringhäuser Schützengesellschaft St. Sebastiani 1502. Dabei wird das eigens für das Freischießen geschriebene Schauspiel „Treue um Treue“ aufgeführt, das an den Überfall des Ritters Rabe von Canstein auf die Stadt erinnert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bau- und Kunstdenkmäler Kreis Twiste, S. 171–192.
  • "Die Stadt und ihre Bürger um 1700". Stadtgeschichte(n) Mengeringhausen, Hrsg. Waldeckischer Geschichtsverein e.V., Korbach 2001
  • "Mengeringhausen im Mittelalter". Stadtgeschichte(n) Mengeringhausen, Bd. 2, Hrsg. Waldeckischer Geschichtsverein e.V., Korbach 2002
  • Martin Kipp: Die Bezirksfortbildungsschule Mengeringhausen (1925-1937); In: Faßhauer, Münk, Paul-Kohlhoff (Hrsg.): Berufspädagogische Forschung in sozialer Verantwortung. Festschrift für Josef Rützel zum 65. Geburtstag, Franz Steiner Verlag 2008

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Einwohner und Fläche in Einwohnerzahlen (Pressemappe der Stadt Bad Arolsen), Stand 16. Dezember 2015, abgerufen am 1. Mai 2016 (PDF; 307,8 KB), S. 11
  2. a b Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  3. Erste urkundliche Erwähnung als Stadt Mengeringhausen… in Die Stadt, auf mengeringhausen.de
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 409.
  5. Artikel der Serie Kirchen im Waldecker Land in der HNA – Waldeckische Allgemeine, vom 14. März 2007
  6. Bismarckwarte Mengeringhausen, auf bismarcktuerme.de

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]