Mengschlucht

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Mengschlucht bei Federsloch
Mengschlucht
Mengschlucht bei Badigul[1]/nackiger Weg
Mengschlucht bei Hochbruck

Die Mengschlucht[2] ist eine Schlucht im Österreichischen Bundesland Vorarlberg dicht an der Grenze zum Fürstentum Liechtenstein, die vor allem während der letzten Eiszeit geformt wurde und von der Meng[3] durchflossen wird. Es handelt sich dabei um ein Gebiet das ökologisch (Mengschlucht mit den Schluchtwäldern), und im unteren Bereich nahe dem Ortszentrum von Nenzing auch für die Naherholung der Bevölkerung von besonderer Bedeutung ist.[4]

Lage und Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mengschlucht verläuft von Nenzing gesehen im unteren Bereich von Osten nach Westen. In der Nähe des Hocheck (etwa 747 m ü. A.) ändert die Mengschlucht den Verlauf in einem etwa rechten Winkel (etwa zwischen Gewässerkilometer 2,90 und 2,82) und verläuft nun weitgehend von Süden nach Norden.

Geologie und Flora[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mengschlucht ist ein Teil des Gamperdonatals und hat im engeren Sinne etwa eine Länge von 5 Kilometern. Sie beginnt bei Kühbruck, etwa bei GwKm 7,30 und endet in Nenzing vor dem Ortsgebiet etwa bei GwKm 2,0, wo die Meng eine kurze Wegstrecke später in ein enges Steinbett gezwängt wird. Etwa bei Gewässerkilometer (GwKm) 5,47 bei 765 m ü. A. fließt der Gampbach (Gampbachwasserfall) in die Mengschlucht ein.

Die Mengschlucht und Gampbach bilden zusammen ein im Vorarlberger Biotopverzeichnis aufgenommenes Ensemble mit 182,7 ha.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Meng durchfließt die Mengschlucht im untersten Abschnitt einen Flyschbereich mit vereinzeltem Tuffvorkommen. Im oberen Bereich und im Gampbachtal sind verschiedene Konglomerate mit teils sehr eindrucksvollen Felswänden zu finden.

Flora[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der unteren Abschnitte von Meng und Gampbach bildet nischenreiche Schluchtbiotope mit Wildnischarakter. Über weite Strecken sind naturnahe Wälder zu finden, vor allem mit Föhren- und Spirkenbeständen. Daneben finden sich verschiedenste Felslebensräume, so unter anderem die seltene Gesellschaft der Kurzährigen Segge (Carex brachystachys) an überrieselten Kalktuff-Felsen, aber auch sehr schöne Kalktuff-Quellfluren. Bei den Steilhangwäldern handelt es sich vorwiegend um kraut- und hochstaudenreiche Buchen- und Buchen-Tannenwälder, die nur in den oberen Lagen (speziell entlang des Gampbachs) und an Sonderstandorten (Fels) von nadelholzdominierten Wäldern abgelöst werden. Typische Schluchtwaldgesellschaften sind ebenso wie Auwälder nur sehr kleinflächig ausgebildet, es handelt sich hierbei im Wesentlichen um Grauerlen-Bestände. Auf Sonderstandorten kann die Spirke (Pinus uncinata) in sehr tiefe Lagen vordringen und bildet gemeinsam mit der Rotföhre (Pinus sylvestris), aber auch mit Fichte (Picea abies), Bergahorn (Acer pseudoplatanus), Eibe (Taxus baccata), Mehlbeere (Sorbus aria) und Wacholder (Juniperus communis) lichte und ausgesprochen artenreiche Wälder. Der zumeist vom Hohen Pfeifengras (Molinia arundinacea) dominierte Unterwuchs beherbergt zahlreiche Kräuter und Stauden, wie etwa Graslilie (Anthericum ramosum), Breiblättriges Laserkraut (Laserpitium latifolium), Schwalbenwurz-Enzian (Gentiana asclepiadea) oder das Ochsenauge (Buphthalmum salicifolium). Auf den wärmegetöntesten Felskanzeln wird diese spezielle Waldgesellschaft vom Orchideen-Rotföhrenwald abgelöst. Das Auftreten von Felsstandorten in unterschiedlichster Lage bedingt auch eine sehr große Reichhaltigkeit an verschiedensten Felsspaltengesellschaften. Allen voran erwähnt werden muss die sehr seltene Gesellschaft der Kurzährigen Segge (Carex brachystachys), welche nur an überrieselten Kalktuff-Felsen in schattiger, ausgesprochen luftfeuchter Lage zu finden ist. Am entgegengesetzten Ende der ökologischen Skala stehen die Fluren des Felsenfingerkrauts, welche die stark besonnten Konglomeratwände besiedeln.[5]

Vorkommen gefährdeter Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weißtanne (Abies alba), Kurzähren-Segge (Carex brachystachys), Rotes Waldvöglein (Cephalanthera rubra), Frauenschuh (Cypripedium calceolus), Finger-Zahnwurz (Dentaria pentaphyllos), Schwalbenwurz-Enzian (Gentiana asclepiadea), Eibe (Taxus baccata) und Berg-Ulme (Ulmus glabra).[6]

Begehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mengschlucht ist lediglich im unteren Teil von Nenzing kommend über etwa einen Kilometer gut begehbar ausgebaut. Die restliche Schlucht ist vom Gamperdonaweg (Mautstraße) einsehbar, bis Kühbruck aber nicht alles frei begehbar.

Wirtschaftliche Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Energie der Meng wurde früher zum Flößen genutzt. 1896/1897 errichtete die Fa. Getzner im Eingangsbereich der Mengschlucht ein Kraftwerk für die Energieversorgung des Spinnereibetriebs in Nenzing. Das Kraftwerk war bis 1984 in Betrieb.[7]

Die Vorarlberger Illwerke planen ein neues Meng-Kraftwerk. Dieses soll rund 7400 Haushalte mit elektrischer Energie versorgen (geplant ist eine Turbinenleistung (Peltonturbine) von etwa 7 bis 10 MW und etwa 23 bis 37 GWh Jahresenergieumwandlung). Hierzu soll kurz nach dem Zufluss Großtal ein Einlaufbauwerk errichtet werden, das über einen unterirdischen Stollen das Wasser mit einer Fallhöhe von etwa 400 Metern zum Kraftwerk führt. Das Krafthaus (Stollenkraftwerk) soll in der Nähe der früheren Mengbachfassung errichtet werden.[8][9][10]

Für die Sicherheit der Bevölkerung bei Hochwasserereignissen musste 2012/2013 durch die Wildbach- und Lawinenverbauung kurz vor dem Ortsgebiet von Nenzing eine massive Geschiebesperre errichtet werden. Im Zuge dieser Bauarbeiten wurde die Meng unterhalb dieser Geschiebesperre nach Plänen von Bertram Sonderegger aus Göfis renaturiert. Es entstand ein Park, welcher der Bevölkerung als nun als weiteres Naherholungsgebiet zur Verfügung steht.[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Mengschlucht – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 47° 10′ 56″ N, 9° 41′ 5″ O

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Badigul wird aus batt de cul abgeleitet im Sinne von Schlag den Hintern des Viehs (Vieh antreiben). Mitteilung von Werner Vogt vom 29. Oktober 2019.
  2. Vorarlberger Biotopinventar Nr. 11643 (zusammen mit dem Gampbach).
  3. Vorarlberger Biotopinventar Nr. 11642.
  4. Aktualisierung des Biotopinventars Vorarlberg, Gemeinde Nenzing, S. 89 ff.
  5. Aktualisierung des Biotopinventars Vorarlberg, Gemeinde Nenzing, S. 91.
  6. Aktualisierung des Biotopinventars Vorarlberg, Gemeinde Nenzing, S. 92.
  7. Elmar Bereuter: Vorarlberg - Schwabenkinder-Wege, München 2012, Bergverlag Rother, ISBN 978-3-7633-4416-1.
  8. Grünes Licht für Kraftwerk in Nenzing.
  9. Andreas Scalet: VKW bereitet Bürgerbeteiligung für Meng-Kraftwerk vor, vol.at vom 12. Juli 2014.
  10. Illwerke VKW Magazin, Ausgabe 30, Juli 2014, S. 14.
  11. Mengschlucht, Webseite der Marktgemeinde Nenzing.