Menhire von Rottenburg-Lindele

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Menhire von Rottenburg-Lindele
Menhire von Rottenburg-Lindele (Baden-Württemberg)
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Koordinaten 48° 29′ 6,4″ N, 8° 56′ 39,1″ OKoordinaten: 48° 29′ 6,4″ N, 8° 56′ 39,1″ O
Ort Rottenburg am Neckar (ursprünglich), Konstanz (heute), Baden-Württemberg, Deutschland
Entstehung 2800–2200 v. Chr.

Die Menhire von Rottenburg-Lindele sind zwei verzierte vorgeschichtliche Menhire (Statuenmenhire) aus Rottenburg am Neckar im Landkreis Tübingen in Baden-Württemberg. Sie befinden sich heute im Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg in Konstanz.

Lage und Fundgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Steine wurden zwischen 1984 und 1995 im Norden der Stadt Rottenburg in der Straße Im Lindele bei der Ausgrabung eines eisenzeitlichen Gräberfelds entdeckt. Es datiert zwischen 800 und 200 v. Chr. und bestand aus 71 Grabhügeln sowie zahlreichen Flachgräbern und Brandgruben. Die Menhire könnten dort sekundär als Grabstelen verwendet worden sein, sind aber selbst deutlich älter als das Gräberfeld. Nur wenige hundert Meter südwestlich wurde in der Herderstraße ein weiterer verzierter Menhir entdeckt.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beide Menhire bestehen aus Sandstein. Sie sind beide plattenförmig und verjüngen sich nach oben. Menhir I hat eine relativ glatte Oberfläche, Menhir II hingegen eine unregelmäßig geformte. Menhir I ist 123 cm hoch, Menhir II etwas höher. Menhir I ist etwas unterhalb der Mitte bereits in vorgeschichtlicher Zeit zerbrochen. Beide Steine weisen am oberen Ende stilisierte Gesichtsdarstellungen auf. Bei Stein I sind als Begrenzung des Gesichts zwei waagerechte Striche erkennbar, dazwischen runde Löcher und Striche für Augen, Nase und Mund. Unterhalb des Gesichts ist wohl ein Halsband mit einem Anhänger abgebildet. Die Darstellung auf Menhir II ist etwas schlechter erhalten aber dennoch gut zu erkennen. Zwei im spitzen Winkel zueinander stehende Linien kennzeichnen das untere Ende des Gesichts. Durch eine senkrechte Rinne und zwei Löcher sind die Nase und die Augen gekennzeichnet. Auch über die Brust verlaufen mehrere Linien, darunter eine horizontal und eine im Halbkreis. Das ursprüngliche Alter der beiden Menhire lässt sich nur durch stilistische Vergleiche ermitteln. Sie ähneln sehr stark mehreren verzierten Menhiren, die aus Sachsen-Anhalt bekannt sind, bspw. dem Menhir von Schafstädt und dem Menhir von Pfützthal. Diese datieren in die endneolithische Schnurkeramik-Kultur (2800–2200 v. Chr.). Es ist daher plausibel, auch die Menhire von Rottenburg dieser Zeit zuzurechnen und ihre Verwendung in dem eisenzeitlichen Gräberfeld als sekundäre Nutzung anzusehen.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kurt Derungs: Magischer Bodensee. Reisen zu mythischen Orten Grenchen 2011, S. 39–40.
  • Johannes Groht: Menhire in Deutschland. Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Halle (Saale) 2013, ISBN 978-3-943904-18-5, S. 77–78, 91.
  • Svend Hansen: Archäologische Funde aus Deutschland. Begleitheft zu Fotoausstellung. Berlin 2010, S. 42–43.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johannes Groht: Menhire in Deutschland. S. 91.