Mentalist

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Dieser Artikel behandelt die Unterhaltungskunst. Zur Fernsehserie siehe The Mentalist.

Mentalisten betreiben eine Form der Unterhaltungskunst, die sich hauptsächlich auf einen der fünf wesentlichen Aspekte der Zauberkunst stützen: das Nachempfinden paranormaler Phänome. Dabei wird eine Fähigkeit zur Vorhersage oder Telepathie dargestellt, die z. T. auf Gedächtniskunst, Suggestionstechniken, Zahlentricks/Schnellrechnen und Ähnlichem, aber auch auf den Standard-Techniken der Zauberkunst beruht.[1][2]

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der US-amerikanische Mentalist und Autor Robert Cassidy definierte die Darstellungssparte folgendermaßen:

„Mentalism is the art of presenting seemingly paranormal effects in an entertaining manner.“

„Mentalismus ist die Kunst, scheinbar paranormale Effekte in unterhaltender Art und Weise vorzuführen.“

Robert Cassidy: The Art of Mentalism (1983)

Der US-amerikanische Mentalist und Autor Phil Goldstein schrieb:

„Mentalism is the one area of magic that seems real to a lay audience. They do not only suspend their disbelief – they believe.“

„Mentalismus ist der Bereich der Zauberkunst, der einem Laienpublikum wie reale Magie erscheint. Sie lassen ihren Unglauben nicht einfach nur beiseite, sie glauben es wirklich.“

Phil Goldstein: The Blue Book of Mentalist (1976)

Die Faszination für das Publikum ergibt sich aus der Illusion der paranormalen Fähigkeit und nicht aus der ästhetischen Inszenierung eines unmöglichen Geschehens, wie in anderen Sparten der modernen Bühnenmagie. Unter Umständen geben sich Mentalisten als Hellseher aus, jedoch lediglich auf der Bühne.

Da Mentalisten weniger den Kunstsinn und stärker die Empfänglichkeit der Zuschauer für Übersinnliches ansprechen, die aus deren Einstellung zum Übernatürlichen resultiert, ist es für den Mentalisten besonders schwer, die Grenzen zwischen Kunst und Scharlatanerie zu wahren. Auf der einen Seite benötigt der Mentalist die Bereitschaft des Publikums, an Phänomene zu glauben. Will er sich jedoch als Künstler verstanden wissen, muss er gerade mit diesem Glauben der Zuschauer mit Bedacht umgehen, um nicht Gefahr zu laufen, für „echt“ gehalten zu werden.

In Deutschland trat der Mentalismus verstärkt in den Sendungen The Next Uri Geller in den Fokus, die in den Jahren 2008 bis 2009 beim Sender ProSieben ausgestrahlt wurden. Dabei wurde von den Zauberkünstlern zunächst vertraglich verlangt, der Öffentlichkeit gegenüber zu behaupten, über übersinnliche Kräfte zu verfügen. Mehrere der Kandidaten protestierten gegen diesen Passus, den sie mit ihrer Berufsehre als Bühnenkünstler für unvereinbar hielten.[3][4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff Mentalist ist eine Weiterentwicklung der Bezeichnung „Mindreader“ (Gedankenleser). Zu den ersten bekannten Gedankenlesern gehörte der US-amerikanische Zauberkünstler C. A. George Newmann (1880–1952), der sich als „Mindreader“ und „Master of Mental Marvels“ bezeichnete. Seine Vorstellungen ähnelten Seminaren von Universitätsdozenten. Die Programme waren jedoch keine trockenen Vorlesungen, sondern boten reichlich Unterhaltung und Humor.[5]

Einer der ersten nachgewiesenen Zauberkünstler, der sich als Mentalist bezeichnete, war Harry Kahne[6] (1895–1955), der auch als „the incomparable mentalist“ bezeichnet wurde.[7][8][9]

Ab etwa 1929 wurde der Ausdruck Mentalist konsequent von dem US-amerikanischen Zauberkünstler Theodore Annemann verwandt.[10]

In Europa war es vor allem der Engländer Chan Canasta, der sich in den 1940er Jahren mit der Mentalzauberkunst beschäftigte. Er trat 1951 zum ersten Mal im Fernsehen bei der BBC auf und führte Mentalzauberkunststücke vor. Insgesamt konnte Canasta an über 300 Fernsehsendungen als Mentalist teilnehmen. Er war auch Gast in der legendären Talkshow von Ed Sullivan.[11][12]

In Deutschland hat sich die Mentalzauberkunst erst ab etwa Mitte des 20. Jahrhunderts zu einer eigenständigen Präsentationsform entwickelt. Einen großen Anteil daran hatte der Zauberkünstler Punx, der in seinem Abendprogramm, das in vier Akte gegliedert war, einen Bereich Alessandro Cagliostro widmete und dazu ausschließlich Mentalzauberkunststücke zeigte.[13]

Ab etwa 1980 zeigte der Berliner Zauberkünstler Ted Lesley vermehrt Mentalzauberkunst und benutzte häufig für sich die Bezeichnung Mentalist.[14]

Bekannte Mentalisten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Theodore Annemann: Practical Mental Magic
  • Barry Richardson, The Theatre of the minds
  • Borodin: Final Curtain
  • Borodin: Shereazade
  • Robert Cassidy, The Art of Mentalism
  • Phil Goldstein, The Blue Book of Mentalism
  • Tony Corinda: 13 Steps To Mentalism
  • Ted Lesley: Mental Mind Up
  • Utz Napierala: Geistes-Blitze
  • Utz Napierala: Geheimnisvolle Zahlenwunder
  • Perkeo, Geheimnisse der Parapsychologie
  • Perkeo, Im Bannkreis der Psychometrie
  • Perkeo, Dr. Stanley Jacks, 2 Bände
  • Max Maven, Prism
  • James Randi: Conjuring, The Truth of Uri Geller
  • Wonder Man Fred: Semi Mental Journey
  • Ian Rowland: The Full Fact Book of Cold Reading
  • Robert Marteau, Der Schlüssel zur Bühne

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Wunderbuch der Zauberkunst, Seite 143 ff.
  2. Die magischen Grundeffekte in Handbuch der Magie, Kapitel 3, Jochen Zmeck, Universitas Verlag Berlin, 1978, ISBN 3-8004-0857-0
  3. Vgl. Björn Erichsen: Geheimvertrag für die Zauberschüler, stern.de, 15. Januar 2008.
  4. Vgl. Knebelverträge für Mental-Artisten, focus.de, 15. Januar 2008.
  5. James B. Alfredson, The Great Newmann Show, Davic Meyer, Magic Books, Glenwood, Illinois, 1989, Seite 7.
  6. Harry Kahne.
  7. UNIVERSITY OF IOWA LIBRARIES.
  8. Programmzettel Kahne
  9. Sphinx, Vol. 20, Nr. 12, Februar 1922.
  10. The Sphinx, Vol. 28, Juli 1929
  11. David Britland: A Review of Chan Canasta: A Remarkable Man, 2000
  12. Ed Sullivan Show 1962
  13. Programmheft Punx, ca. 1955
  14. Ted Lesley, Mental Mind up, Zauberzentrale München, 1992.