Mentor – Die Leselernhelfer

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Otto Stender, Mitbegründer und Präsident des Bundesverbandes

Mentor – Die Leselernhelfer Bundesverband e. V. mit Sitz in Köln,[1] ist eine deutsche gemeinnütziger Verband, die sich der Förderung von Heranwachsenden im Bereich Spracherwerb Deutsch widmet. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Entwicklung der Lesekompetenz (Lesefähigkeit und Leseverständnis) und der Sprachfähigkeit von Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 6 und 16 Jahren.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für ihre Idee „Hannovers Antwort auf Pisa“ fanden das Ehepaar Otto und Johanna Stender, beide Buchhändler, im Freundeskreis breite Unterstützung und gründeten 2003 den ersten MENTOR-Verein.[2] Nach ersten Zeitungsberichten meldeten sich über 100 interessierte Freiwillige; noch im gleichen Jahr wurden fast 200 Schulen in Hannover betreut. Die Initiative wurde zum Erfolgsmodell und erhielt nur ein Jahr später durch den damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder den startsocial-Bundespreis. Aus der Idee entwickelte sich eine bundesweite Bewegung, immer mehr ehrenamtlich Engagierte gründeten MENTOR-Vereine in Deutschland. Seit 2008 organisieren sie sich unter dem Dach des Bundesverband mit heute deutschlandweit 73 Vereinen und zehn Gruppen. MENTOR unterscheidet sich von anderen Leseinitiativen durch die Ausrichtung an dem Erfolgsprinzip der Gründer: Die Vermittlung von Lesekompetenz sowie die kontinuierliche Begleitung eines Lesekindes anhand festgelegter Kriterien.[3]

7.500 Schüler wurden 2011 von rund 6.000 Mentoren begleitet, die wiederum in 40 Regionalvereinen organisiert sind. 2017 wurden bereits über 14.000 Schüler von rund 11.000 Mentoren durch 72 regionale Mitgliedsvereine begleitet.[4] Diese Zahlen zeigen, wie erfolgreich die Förderung durch MENTOR ist. Historisch gewachsen verbreitete sich die Bewegung besonders schnell in Norddeutschland und im Westen. 2017 bemühte sich der Bundesverband verstärkt um die Gründung von Vereinen und Gruppen in Süddeutschland.[5]

Mitbegründer Otto Stender und seine erste Schülerin wurden im April 2009 von Prince Charles nach Berlin eingeladen, um dem Kronprinzen die Idee des Mentor-Projektes persönlich vorzustellen.[6]

Zahlreiche Auszeichnungen für den Bundesverband und die regionalen Vereine folgten jedes Jahr.

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Unsere Kinder sind unsere Zukunft!“ („Çocular geleceğimizdir Onlari destekleyelin“); Gemeinsamer Informationsstand der Föderation Türkischer Elternvereine in Niedersachsen (FÖTEV-Nds) mit Mentor – Die Leselernhelfer Hannover e.V.;
2015 beim „Entdeckertag der Region Hannover

Die Mentoren arbeiten nach dem 1:1-Prinzip, ein Mentor betreut ausschließlich ein Kind über einen Zeitraum von mindestens einem Schuljahr, ein Mal in der Woche. Die Leseförderung durch MENTOR findet immer in Kooperation mit den Schulen statt. Die Lehrkräfte wählen Schüler mit individuellem Förderbedarf aus. Sind sie und ihre Eltern einverstanden, folgt das erste Treffen mit einem Lesementor. Die Hilfe für Schulen durch MENTOR ist notwendig und gern gesehen, denn ein Drittel der Eltern liest seinen Kindern zu wenig vor. Daher kommen sie oft mit erheblichen sprachlichen Lücken in die Schulen. Die Lesementoren greifen Fähigkeiten und Interessen der Schüler auf, sorgen für eine individuelle Leseförderung und schenken ihnen Zeit und Zuwendung. So verhelfen die Mentoren ihren Lesekindern zu einem besseren Start ins Leben. Nur wer lesen kann und die Bedeutung von Texten erfasst, kann sich eine Meinung bilden, einen Schulabschluss machen und sein Leben in die Hand nehmen.[7]

Die Kinder und Jugendlichen werden dort abgeholt, wo sie stehen und erhalten Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Damit geht die Idee von MENTOR weit über das eigentliche Lesen hinaus. Eine Mentorenstunde ist kein Förderunterricht und keine Nachhilfe. MENTOR fördert alle Kinder. Die Erfahrungen zeigen, dass die Lesekinder und Jugendlichen mit diesem Ansatz Freude am Lesen gewinnen, ihre Sprach- und Lesekompetenz verbessern, selbstbewusster werden sowie ihre Sozialkompetenz, Selbständigkeit und Kreativität steigern.[8]

Der Bundesverband versteht sich als politisch unabhängige Anlaufstelle für Leseinitiativen in Deutschland, die sich der individuellen Förderung von Kindern und Jugendlichen im Bereich Lese- und Sprachkompetenz verschrieben haben. Der Bundesverband fühlt sich dem Wachstum der Idee Mentor – Die Leselernhelfer verpflichtet. Er sichert die Qualitätsstandards für die Begleitung der betreuten Kinder und Jugendlichen auch durch Weiterbildung und Materialien.

Er dient als Organisations- und Informationsplattform, als Diskussions- und Schulungsforum für seine Mitglieder und vertritt darüber hinaus deren Interessen gegenüber Politik und Wirtschaft. Mitglieder sind eingetragene Vereine sowie weitere juristische Personen, die den Status der Gemeinnützigkeit nachweisen können. Einmal jährlich entscheidet die Mitgliederversammlung über die weitere Entwicklung der Bewegung.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mentor – Die Leselernhelfer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Margret Schaaf, Huguette Morin-Hauser (Verantw.): Impressum laut der auf der Webseite des Bundesverbands, zuletzt abgerufen am 3. Mai 2017
  2. Historie auf mentor-leselernhelfer-heidelberg.de
  3. MENTOR Die Leselernhelfer Hannover (Hrsg.): "Eine Idee macht Schule, Die Freiwilligen-Initiative MENTOR - Die Leselernhelfer". 2. Auflage. Hannover 2008, ISBN 3-934900-09-7, S. 115.
  4. [www.mentor-bundesverband.de Über den Bundesverband.] Abgerufen am 18. Januar 2018.
  5. [www.mentor-mehralslesen.de Über MENTOR.] Abgerufen am 18. Januar 2018.
  6. Jan Sedelies: Briten entdecken “Mentor”-Projekt, in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 23. April 2009
  7. Warum Leseförderung in Deutschland unerlässlich ist. Stiftung Lesen, 18. Januar 2018, abgerufen am 18. Januar 2018.
  8. MENTOR - Die Leselernhelfer Bundesverband (Hrsg.): MENTOR - mit dem 1:1 Prinzip zum Erfolg, Materialien zur Qualifzierung von Lesementorinnen und Lesementoren. 1. Auflage.