Mercedarier

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Wappenschild des Mercedarier-Ordens – es besteht aus dem aragonesischen Wappen (vier rote Streifen auf goldenem Grund); darüber das weiße Kreuz der Kathedrale von Barcelona und die aragonesische Königskrone.

Der Mercedarier-Orden (lat. Ordo Beatae Mariae de Mercede redemptionis captivorum, d. h. Orden der Allerseligsten Jungfrau Maria von der Barmherzigkeit zum Loskauf der Gefangenen, Ordenskürzel: OdeM, in Kurzform auch Mercedarier-Orden oder Nolasker-Orden genannt) ist ein 1218 in Spanien vom Hl. Petrus Nolascus, vom König Jakob I. von Aragón und St. Raymund von Penyafort gegründeter katholischer Orden, der ursprünglich als militärischer und geistlicher Ritterorden konzipiert wurde, aber später zu einem reinen Priesterorden umgestaltet wurde.

Als Papst Johannes XXII. im Jahre 1318 festlegte, dass die höchste Gewalt im Orden einem Priester zu übertragen sei, schieden die Ritter aus dem Orden aus und gingen überwiegend in den im Jahr 1319 gegründeten spanischen Ritterorden von Montesa über. Der Mercedarierorden war fortan ein rein geistlicher Männerorden.

Der Orden wird zur Zeit durch den 88. Generalmagister Bruder Bernardo Ordoñe Borges geführt. Der Ordenssitz befindet sich in der Via Monte Carmelo in Rom.

Gründung[Bearbeiten]

Maria von der Barmherzigkeit (de Mercede)

Die Gründung fand aufgrund einer Marienerscheinung des Petrus Nolascus und unter tatkräftiger Mithilfe des Dominikaners Raimund von Penyafort statt, der 1222 die Regeln verfasste. Das Stammkloster befand sich in Barcelona. Zu den üblichen drei Gelübden trat jedoch bei ihnen noch ein viertes, nämlich das Gelübde zum Loskauf und der Befreiung christlicher Sklaven; dabei sollte man nötigenfalls auch die eigene Freiheit als „Lösegeld“ anbieten. Nach der Bestätigung als königlicher Ritterorden folgte noch im Gründungsjahr die Bestätigung von Papst Honorius III. als geistlicher Ritterorden. Papst Gregor IX. erlaubte in seiner Bestätigungsbulle 1235 den Orden unter der Augustinerregel; damit gehören die Mercedarier zu den augustinischen Orden.

Geistliche Ordensgemeinschaft[Bearbeiten]

Im Jahre 1318 wurde dem Orden durch Papst Johannes XXII. ein Priester als Generalsuperior vorgeschrieben, was dazu führte, dass die meisten Ritter in den Orden von Montesa wechselten. Nun nur noch weitgehend aus Priestern und Laienbrüdern bestehend, widmeten sich die Mercedarier der Seelsorge. Seit 1690 den Bettelorden zugerechnet, besitzen die Mercedarier auch einen weiblichen Zweig. Im 16. Jahrhundert, von 1569 bis 1589, waren die Mercedarier im Besitz der Kirche Sante Rufina e Seconda in Rom.

In Spanien und Italien bestanden einige Gruppen von Mercedarierrittern selbständig fort und gründeten Bruderschaften bzw. ritterliche Vereinigungen auf Basis des katholischen Glaubens. Durch Dekret des Generalmagisters des Mercedarierordens kam es im Jahre 2002 zu einer offiziellen Wiedervereinigung der zeitweilig selbständigen Ritter mit dem offiziellen Klerikerzweig.

Heutige Struktur des Ordens[Bearbeiten]

Mercedarier mit weißem Habit, Skapulier und Chormantel, Francisco de Zurbarán (um 1633)

Der Mercedarierorden teilt sich in zwei große Bereiche:

Ordensleute[Bearbeiten]

  1. Priester
  2. Nonnen

Die Priester und Nonnen des Mercedarierordens sind vor allem in Südeuropa, Afrika, Nord- und Südamerika und Indien tätig.

Laien[Bearbeiten]

  1. Mercedarierritter – Durch den Wiederanschluss an den Orden und die Anerkennung des Ritterzweiges durch Entscheidung des 87. Generalmagisters im Jahre 2002 sind diese offizieller Bestandteil des Ordens. Dieser Bereich heißt auf italienisch „Real Compagnia di Santa Maria della Mercede“ und besteht zur Zeit weltweit aus etwa 500 Rittern und Damen, die als Familiare des Ordens geführt werden. Den Ritterzweig leitet ein Gouverneur (ital. Governatore), zur Zeit S. E. Luigi Lo Vecchio. In verschiedenen Regionen wird dieser durch einen Statthalter (ital. Luogotenente) vertreten.
  2. Dritter Orden
  3. Confraternite
  4. Aggregationen

Der Mercedarierorden in Österreich[Bearbeiten]

In Wien gab es in der Vergangenheit ein Spital des Ordens in der Boltzmanngasse 9. Dieses wurde 1722/23 nach einem Entwurf von Anton Ospel für das von Mercedariern verwaltete Spanische Spital erbaut. Die der Maria de Mercede geweihte Kirche fand seit 1785 für das von Kaiser Joseph II. begründete Waisenhaus Verwendung.

Seit 1914 dient die Kirche als Seminarkirche für das Wiener Priesterseminar.

Heilige des Mercedarierordens[Bearbeiten]

Fray Pedro Machado, Francisco de Zurbarán (um 1633)

Priester und Brüder des Mercedarierordens[Bearbeiten]

  • Fray Gabriel Telléz „Tirso de Molina“ (1587–1648), berühmter spanischer Dramatiker

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mercedarier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien