Mercedarier

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Wappenschild des Mercedarier-Ordens – es besteht aus dem aragonesischen Wappen (vier rote Streifen auf goldenem Grund); darüber das weiße Kreuz der Kathedrale von Barcelona und die aragonesische Königskrone.

Der Mercedarier-Orden (lat. Ordo Beatae Mariae de Mercede redemptionis captivorum, d. h. Orden der Allerseligsten Jungfrau Maria vom Loskauf der Gefangenen, Ordenskürzel: OdeM, in Kurzform auch Mercedarier-Orden oder Nolasker-Orden genannt) ist ein 1218 in Spanien vom Hl. Petrus Nolascus, vom König Jakob I. von Aragón und St. Raymund von Penyafort gegründeter katholischer Orden, der ursprünglich als militärischer und geistlicher Ritterorden konzipiert wurde, aber später zu einem reinen Priesterorden umgestaltet wurde.

Als Papst Johannes XXII. im Jahre 1318 festlegte, dass die höchste Gewalt im Orden einem Priester zu übertragen sei, schieden die Ritter aus dem Orden aus und gingen überwiegend in den im Jahr 1319 gegründeten spanischen Ritterorden von Montesa über. Der Mercedarierorden war fortan ein rein geistlicher Männerorden.

Der Orden wird zurzeit durch den 88. Generalmagister Bruder Bernardo Ordoñe Borges geführt. Der Ordenssitz befindet sich in der Via Monte Carmelo in Rom.

Heutiger Orden[Bearbeiten]

Mercedarier mit weißem Habit, Skapulier und Chormantel, Francisco de Zurbarán (um 1633)

Der Mercedarierorden teilt sich in zwei große Bereiche:

Ordensleute[Bearbeiten]

  1. Männlicher Ordenszweig – Im Jahr 2009 besaß der männliche Ordenszweig 157 Häuser und 724 Mitglieder.[1] Die Niederlassungen befinden sich in 22 Ländern und sind in neun Provinzen (Aragon, Argentinien, Brasilien, Chile, Kastilien, Mexiko, Peru, Quito-Ecuador, Rom) und vier Vikariaten (Karibik, Venezuela, Vereinigte Staaten, Zentralamerika) organisiert.[2] In Afrika gibt es Präsenzen in Kamerun, Angola und Mozambique, in Asien Missionen in Indien.[3] Eine Statistik von 1992 schlüsselt den Status der Ordensangehörigen und ihr Engagement genauer auf: 1992 gab es 152 Häuser in 16 Ländern. 10 Ordensmitglieder hatten Bischofsämter inne. Es gab 494 Priester, 140 Mönche (profesos clérgios), 66 Laienbrüder und 40 Novizen. Sie betreuten 130 Gemeinden, 44 Schulen, 56 Kaplanstellen in Gefängnissen, 3 Missionen und 41 Sozialhilfe-Projekte.[4]
  2. Weiblicher Ordenszweig – Laienschwestern waren dem Orden schon sehr früh verbunden, ihr Beitritt wurde in den Konstitutionen von 1272 geregelt. Nach dem Konzil von Trient wurden ihre Häuser zu Nonnenklöstern. 1617 gründete sich ein Ordenszweig Unbeschuhter Mercedarierinnen, die in strikter Klausur lebten. 1724 gab es etwa in beiden Zweigen zusammen etwa 560 Nonnen. 1997 besaß der weibliche Ordenszweig 173 Mitglieder in 11 Klöstern, ihre heutigen Konstitutionen stammen von 1986.[5] Einige der Klöster sind zu Verbunden zusammengeschlossen, die entweder das kontemplative oder das aktive Leben betonen. Hinzu kommen mehrere Kongregationen bzw. Institute des geweihten Lebens: Instituto de Nuestra Sra. de la Merced de Barcelona, Hermanas Mercedarias de la Caridad, Suore Della Mercede (Hermanas de Nuestra Señora de la Merced), Instituto Hermanas Terceras Mercedarias del Niño Jesús, Hermanas Mercedarias del Santísimo Sacramento, Mercedarias Misioneras de Brasil, Hermanas Mercedarias Misioneras de Berriz. [6]

Laien[Bearbeiten]

  1. Mercedarierritter – Durch den Wiederanschluss an den Orden und die Anerkennung des Ritterzweiges durch Entscheidung des 87. Generalmagisters im Jahre 2002 sind diese offizieller Bestandteil des Ordens. Dieser Bereich heißt auf italienisch Real Compagnia di Santa Maria della Mercede und besteht zurzeit weltweit aus etwa 500 Rittern und Damen, die als Familiare des Ordens geführt werden. Den Ritterzweig leitet ein Gouverneur (ital. Governatore), zurzeit S. E. Michael Sprenger-Menzel. In verschiedenen Regionen wird dieser durch einen Statthalter (ital. Luogotenente) vertreten.
  2. Dritter Orden – Die in „dritten Orden“ organisierten Laien besitzen je eigene Statuen mit speziellen Aufgaben (wie Teilnahme an Prozessionen, Kirchenschmuck, karitative Werke) und Rechten (wie z.B. Gottesdienste in ihrem Namen, Grabstätten in den Gotteshäusern).
  3. Confraternite
  4. Aggregationen

Der Mercedarierorden in Österreich[Bearbeiten]

In Wien gab es in der Vergangenheit ein Spital des Ordens in der Boltzmanngasse 9. Dieses wurde 1722/23 nach einem Entwurf von Anton Ospel für das von Mercedariern verwaltete Spanische Spital erbaut. Die der Maria de Mercede geweihte Kirche fand seit 1785 für das von Kaiser Joseph II. begründete Waisenhaus Verwendung.

Seit 1914 dient die Kirche als Seminarkirche für das Wiener Priesterseminar.

Seit 2005 existiert in Wien auch eine Kommende der Mercedarierritter (Cavalieri della Mercede).[7]

Gründung[Bearbeiten]

Maria von der Barmherzigkeit (de Mercede)

Die Gründung fand aufgrund einer Marienerscheinung des Petrus Nolascus und unter tatkräftiger Mithilfe des Dominikaners Raimund von Penyafort statt, der 1222 die Regeln verfasste. Das Stammkloster befand sich in Barcelona. Zu den üblichen drei Gelübden trat jedoch bei ihnen noch ein viertes, nämlich das Gelübde zum Loskauf und der Befreiung christlicher Sklaven; dabei sollte man nötigenfalls auch die eigene Freiheit als „Lösegeld“ anbieten. Nach der Bestätigung als königlicher Ritterorden folgte noch im Gründungsjahr die Bestätigung von Papst Honorius III. als geistlicher Ritterorden. Papst Gregor IX. erlaubte in seiner Bestätigungsbulle 1235 den Orden unter der Augustinerregel; damit gehören die Mercedarier zu den augustinischen Orden.

Geistliche Ordensgemeinschaft[Bearbeiten]

Im Jahre 1318 wurde dem Orden durch Papst Johannes XXII. ein Priester als Generalsuperior vorgeschrieben, was dazu führte, dass die meisten Ritter in den Orden von Montesa wechselten. Nun nur noch weitgehend aus Priestern und Laienbrüdern bestehend, widmeten sich die Mercedarier der Seelsorge. Seit 1690 den Bettelorden zugerechnet, besitzen die Mercedarier auch einen weiblichen Zweig. Im 16. Jahrhundert, von 1569 bis 1589, waren die Mercedarier im Besitz der Kirche Sante Rufina e Seconda in Rom.

In Spanien und Italien bestanden einige Gruppen von Mercedarierrittern selbständig fort und gründeten Bruderschaften bzw. ritterliche Vereinigungen auf Basis des katholischen Glaubens. Durch Dekret des Generalmagisters des Mercedarierordens kam es im Jahre 2002 zu einer offiziellen Wiedervereinigung der zeitweilig selbständigen Ritter mit dem offiziellen Klerikerzweig.

Heilige des Mercedarierordens[Bearbeiten]

Fray Pedro Machado, Francisco de Zurbarán (um 1633)

Priester und Brüder des Mercedarierordens[Bearbeiten]

  • Fray Gabriel Telléz „Tirso de Molina“ (1587–1648), berühmter spanischer Dramatiker

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Ordenschroniken[Bearbeiten]

  • Murúa, Martín de, Historia General del Pirú, orígen y descendencia de los Incas... Ms. 1616.
  • Remón, Alonso, Historia General de la Orden de Nuestra Señora de la Merced Redención de Cautivos... (2 Bd.), Madrid 1618, 1633.
  • Vargas, Bernardo de, Chronica Sacri et Militaris Ordinis Beatae Mariae de Mercede Redemptionis Captivorum (2 Bd.), Palermo 1619, 1622.
  • Molina, Tirso de (Pseud. Fr. Gabriel Téllez), Historia general de la orden de Nuestra Senora de las Mercedes (2 Bd.), (Ms.1636, 1639), Madrid 1973, 1974.
  • Salmerón, Marcos, Recuerdos históricos y políticos..., Valencia 1646.

Historische Studien über den Orden[Bearbeiten]

  • Vázquez Núñez, Fr. Guillermo, Manual de historia de la Orden de Nuestra Señora de la Merced. Tomo I, Toledo 1931.
  • Pérez Rodriguez, Fr. Pedro Nolasco, Historia de las misiones mercedarias en América, Madrid 1966.
  • Brodman, James William, Ransoming Captives in Crusader Spain: The Order of Merced on the Christian-Islamic Frontier, Pennsylvania 1986. (Pdfs unter URL: http://libro.uca.edu/rc/captives.htm)
  • García Oro, José / Portela Silva, Maria José, Felipe II y la Reforma de las Ordenes Redentoras, in: Estudios 200-201 (1998), 5-155.
  • Taylor, Bruce, Structures of Reform. The Mercedarian Order in the Spanish Golden Age, Leiden 2000, ISBN 9004118578 ; 978-9004118577
  • León Cázares, María del Carmen, Reforma o extinción: Un siglo de adaptaciones de la Orden de Nuestra Señora de la Merced en Nueva España, México 2004, ISBN 9789703221820
  • Mora González, Enrique, Fe, Libertad, Frontera. Los rescates de la Merced en la España de Felipe II (Redenciones 1575, 1579 y 1583) (Diss.Pontifica Universitá Gregoriana Rom 2012).
  • Keller, Maret, Expansion und Aktivitäten des Mercedarier-Ordens im Andenraum des 16. Jahrhunderts, Heidelberg 2015, URL: http://www.ub.uni-heidelberg.de/archiv/18729

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mercedarier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Actas y Documentos del Capítulo General de la Orden de la Merced. Roma, 1 - 22 de mayo de 2010. In: Boletín de la Orden de la Merced, número extraordinario, año 82 (2010), Rom, S. 331.
  2. Boletín de la Orden de la Merced, año 81/1 (2009), Rom, S. 181.
  3. Orden de la Merced. Curia General (Hrsg.): Mercedarios Hoy. Rom, ohne Jahresangabe (zwischen 2004-2010, unter Generalat Giovannino Tolu).
  4. Instituto Historico de la Orden de la Merced (Hrsg.): La Orden de Santa Maria de la Merced (1218-1992). Síntesis histórica. (=Biblioteca Mercedaria VI), Rom 1997, S. 346.
  5. Instituto Historico de la Orden de la Merced (Hrsg.): La Orden de Santa Maria de la Merced (1218-1992). Síntesis histórica. (=Biblioteca Mercedaria VI), Rom 1997, S. 34, 184, 347.
  6. Seite der mercedarischen Provinz Chile zu Mercedarierinnen, aufgerufen am 23. Januar 2016.
  7. Kommende der Mercedarierritter