Mercur (Schiffstyp)

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Vollcontainerschiff Typ Mercur
MSC Erminia.jpg
Technische Daten (Überblick)
Werft: Warnow-Werft, Warnemünde
Vermessung: 17.834 BRT, 10.016 NRT
Tragfähigkeit: 14.720 t
Länge über Alles: 169,74 m
Länge zwischen den Loten: 157,24 m
Breite: 25,40 m
Seitenhöhe: 17,45 m
Tiefgang: 9,22 m
Antrieb: 1 × Dieselmotor 6RND90 1 × Festpropeller
Gesamtleistung: 12.800 kW
Geschwindigkeit: 20 Knoten
Besatzung: 43 + 8

Die Frachtschiffsserie Mercur ist ein Containerschiffstyp des VEB Warnowwerft Warnemünde. Nach der Weiterentwicklung zum Typ Mercur II wurde er zur besseren Unterscheidung auch Mercur I genannt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zehn Schiffe dieses Typs von Vollcontainerschiffen der 1. Generation stellten gleichzeitig die erste Konstruktion dieser Art aus sozialistischen Ländern dar. Sie wurden für den Export in die UdSSR gebaut und waren bei Indienststellung die ersten großen Containerschiffe der sowjetischen Flotte.

Mit der Khudozhnik Saryan lief 1975 das erste Schiff vom Stapel. Das Schiff mit der Baunummer 451 wurde am 16. Dezember 1975 an eine Reederei aus Wladiwostok übergeben, welche auch die beiden Folgebauten erhielt und das Trio im Liniendienst zwischen Japan und den Vereinigten Staaten einsetzte. Dem Entwurf wurde 1978 auf der Leipziger Frühjahrsmesse eine Goldmedaille und im selben Jahr die Auszeichnung "Gutes Design" verliehen.

Die Khudozhnik Romas, das siebte der Schiffsserie war bei seiner Übergabe im November 1978 gleichzeitig das 3000ste Schiff aus DDR-Produktion, das an die UdSSR übergeben wurde. Die als achtes Schiff der Baureihe am 26. Februar 1979 folgende Nadezhda Obukhova war der 100ste Schiffsneubau der Warnowwerft für die Sowjetunion.

Den Abschluss der Serie bildete die Nikolay Golovanov, die am 30. November 1979 als Baunummer 460 abgeliefert wurde.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vollcontainerschiffe wurden für den weltweiten Einsatz ausgelegt und hatten für das Befahren vereister Regionen eine Eisklasse. Die Schiffe der Baureihe Mercur können bis zu 840 TEU Container transportieren. Die sechs Laderäume können, durch die Konstruktion mit etwa 2,5 m höherem Freibord als üblich, mit 616 TEU in sieben Lagen unter Deck beladen werden. Die mit Cellguides ausgerüsteten Laderäume werden mit Ponton-Lukendeckeln seefest verschlossen. An Deck werden drei Lagen Container gefahren. Für Kühlcontainer sind 81 Anschlüsse vorhanden.

Als Antrieb dient ein Schiffsdieselmotor vom Typ 6RND90, der in Lizenz der Sulzer AG von Cegielski in Polen gebaut wurde und direkt auf den Festpropeller wirkt. Mit einer Antriebsleistung von 12.800 kW erreicht das Schiff eine Geschwindigkeit von 20 Knoten. Der Aktionsradius wurde mit 16.000 Seemeilen angegeben.

Die Besatzung besteht aus 43 Mann. Für acht weitere Personen bestehen Unterbringungsmöglichkeiten.

Bau-Nr. Name Jahr Vermessung Verbleib
451 Khudozhnik Saryan[1] 1975 17.834 BRT Ab 6. Juni 2001 in Alang als Song abgebrochen[2]
452 Khudozhnik Ioganson[3] 1976 17.834 BRT, ab 1990 22.369 BRT 1990 auf 198,9 m verlängert, dann 22.968 tdw. Ab 19. Februar 2007 in Alang abgebrochen[4]
453 Khudozhnik Zhukov[5] 1976 17.834 BRT, ab 1990 22.369 BRT 1990 auf 198,9 m verlängert, dann 22968 tdw. Ab 19. Januar 2007 in Alang abgebrochen[6]
454 Khudozhnik Pakhomov 1977 17.834 BRT Ab August 2003 in China als Oporto abgebrochen[7]
455 Khudozhnik Prorokov 1978 17.834 BRT Ab 6. Juni 2001 in Alang als Music abgebrochen[8]
456 Khudozhnik Repin[9] 1978 15.306 BRT Ab 15. Januar 2003 in Alang als Orania abgebrochen[10]
457 Khudozhnik Romas 1978 15.306 BRT Ab Oktober 2002 in China als Dorset abgebrochen [11]
458 Nadezhda Obukhova[12] 1979 15.306 BRT, ab 1994 17.304 BRT Bis heute in Fahrt, seit 2004 als MSC Immacolata[13]
459 Maksim Mikhaylov 1979 17.834 BRT, ab 1990 22.369 BRT 1990 auf 198,9 m verlängert, dann 23.216 tdw. Bis heute in Fahrt, seit 2007 als FESCO Maksim[14]
460 Nikolay Golovanov[15] 1979 15.306 BRT Ab 21. Januar 2010 als MSC Erminia in Alang abgebrochen.[16][17]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Neumann, Manfred; Strobel, Dietrich: Vom Kutter zum Containerschiff. Schiffe von DDR-Werften in Text und Bild. 1. Auflage. VEB Verlag Technik, Berlin 1981.
  • Dudszus, Alfred; Köpcke, Alfred: Das große Buch der Schiffstypen. Dampfschiffe, Motorschiffe, Meerestechnik von den Anfängen der maschinengetriebenen Schiffe bis zur Gegenwart. 1. Auflage. transpress Pietsch, Berlin, Stuttgart 1990, ISBN 3-344-00374-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. wörtlich übersetzt 'Künstler Sarjan', benannt nach dem georgischen Maler Martiros Sarjan.
  2. Search results for "7514880". In: Miramar Ship Index. Abgerufen am 26. September 2009.
  3. benannt nach Karl Ioganson (1890–1929), lettischer Avantgarde-Künstler
  4. Search results for "7532765". In: Miramar Ship Index. Abgerufen am 26. September 2009.
  5. benannt wahrscheinlich nach Nikolai Nikolajewitsch Schukow (1908–1973), sowjetischer Grafiker
  6. Search results for "7614317". In: Miramar Ship Index. Abgerufen am 26. September 2009.
  7. Search results for "7614329". In: Miramar Ship Index. Abgerufen am 26. September 2009.
  8. Search results for "7614331". In: Miramar Ship Index. Abgerufen am 26. September 2009.
  9. benannt nach Ilja Jefimowitsch Repin (1844–1930), russischer Maler
  10. Search results for "7614343". In: Miramar Ship Index. Abgerufen am 26. September 2009.
  11. Search results for "7614355". In: Miramar Ship Index. Abgerufen am 26. September 2009.
  12. benannt nach Nadeschda Andrejewna Obuchowa (1886–1961), russische Opernsängerin
  13. Search results for "7614367". In: Miramar Ship Index. Abgerufen am 26. September 2009.
  14. Search results for "7614379". In: Miramar Ship Index. Abgerufen am 26. September 2009.
  15. benannt nach Nikolai Semjonowitsch Golowanow (1891–1953), sowjetischer Dirigent und Komponist
  16. Quelle: [1] Ship demolition by RECAP
  17. Search results for "7614381". In: Miramar Ship Index. Abgerufen am 26. September 2009.